Analyse: Jetzt heißt es, Tränen abwischen, die richtigen Fragen stellen – und Antworten finden

Es tut dann halt doch noch weh, und wie. Weil das Herz nun einmal stärker ist als der Verstand, erst recht bei Fußballfreunden, die dem 1. FC Kaiserslautern zugeneigt sind. Wer seine fünf Sinne einigermaßen beieinander hat, wusste bereits nach der 0:1-Heimniederlage gegen Dresden am vergangenen Wochenende, dass für den FCK in der Zweiten Liga Schluss ist. Die „rechnerische“ Chance auf den Klassenverbleib, die vor dieser 2:3-Niederlage bei Arminia Bielefeld noch existierte, war nur noch ein sehr theoretisches Konstrukt. Dennoch ließen sich die Tränen ab dem Abpfiff nicht zurückhalten… Dem feststehenden Abstieg zwei Spieltage vor Rundenende lässt sich  beinahe was Gutes abgewinnen, einen „Planungsvorsprung“ nämlich, den Lautern nun vor anderen künftigen Drittligisten hat. Dazu aber müssen einige Fragen gestellt und beantwortet werden, und zwar JETZT – auch wenn man dabei Vorwürfe wie „Draufhauen bringt nix“ und „Trainerdiskussion bringt noch weniger“ riskiert.

„Ein Spiegel dieser Saison“, hatte Christoph Moritz in den 90 Minuten von Bielefeld gesehen, andere formulierten ähnlich, und tatsächlich, es kommt hin:  Die Elf vom Freitag beginnt trotz ihrer verzweifelten Situation mit einem durchaus intakt anmutenden Spirit, verliert dann aber den Faden, bringt den Gegner zunehmend durch Ballverluste ins Spiel, die zum einen auf Konzentrations- und technischen Mängeln basieren, zum anderen, weil die beherzt pressenden Bielefelder sie gekonnt provozierten. 

Dennoch geht der FCK in Führung, Wie schon bei der 2:3-Auswärtsniederlage in Bochum vor zwei Wochen. Diesmal sogar sehr glücklich, weil Sebastian Andersson der Treffer in einer Phase gelingt, in der der Faden längst verloren scheint und dem einleitenden Ballgewinn eine nicht hasenreine Zweikampfaktion von Linksverteidiger Joel Abu Hanna vorausgeht. Zudem gelingt den Lautren sogar noch das 2:0, neun Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit, abermals durch Andersson. 

DÈJÁ-VU’S SATT: AUF DAS HOCH FOLGEN DIE HÄMMER

Dann aber folgen die Rückschläge, die so oder ähnlich schon öfter in dieser Saison zu sehen waren. Wie schon beim bis zum Wendepunkt stark geführten Jahresauftakt gegen Tabellenführer Düsseldorf bringt die fatale Kombi Elfmeter/Platzverweis den FCK aus dem Takt.

War’s damals Keeper Marius Müller, der mit einer zu ungestümen Attacke im Strafraum die Wende zum Schlechteren einleitete, ist es diesmal Benjamin Kessel, der sich ein Handspiel auf der Torlinie leistet. Und der macht ebenfalls  nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit früh Feierabend. Im Dezember sah Kessel gegen Ingolstadt nach 67 Minuten Gelbrot, was mit dazu führte, dass sein Team seine 1:0-Führung nicht über die Zeit brachte.

Als nächstes folgt ein Hammer in Sachen Kopfballverteidigung: Hatten wir auch schon öfter, meistens allerdings nach Standardsituationen. Die Flanke, die Patrick Weihrauch auf Andreas Voglsammer schlägt, ist allerdings auch schon fast ein ruhender Ball ist, so viel Zeit hat er. 

Und: So nah von der Seitenauslinie geschlagene Flanken werden im deutschen Profifußball eigentlich kaum noch direkt verwertet, außer halt gegen Lautern. Für den 1,94 Meter großen Stipe Vucur sollte es eigentlich kein Problem sein, dergleichen abzupflücken, doch hat er Voglsammer zu weit aus seinem Kreuz laufen lassen.

IMMER WIEDER ZEIGT SICH AUCH: CHARAKTER HABEN SIE SCHON

Danach muss der Mannschaft wieder mal vollkommen ironiefrei Respekt gezollt werden. Wie sie sich in Unterzahl reinhaut, dem offenen Schlagabtausch stellt, dabei sogar mehrere Chancen zum Siegtreffer erarbeitet, das verdient Anerkennung. Hat sie übrigens auch schon mal gemacht, bei der 2:3-Niederlage in Heidenheim in der Vorrunde.

Damals erledigte Marc Schnatterer einen Lautrer Punktgewinn mit einem Freistoß in der Schlusssekunde. Und auch diesmal schlägt das Schicksal mit der gleichen Brutalität zu. Mit der letzten Aktion des Spiels spitzelt Fabian Klos – zugegeben: im Stil eines Klasse-Torjägers – das Leder an Müller vorbei. Einfach nicht zu fassen. Auch wenn ein  2:2-Endstand ebenfalls nichts mehr genutzt hätte.

Wir fassen zusammen: Eine charakterlich eigentlich gar nicht so üble Truppe, die phasenweise einen absolut ansehnlichen Stiefel kickt, sich aber durch fatale Einzelaktionen immer wieder selbst um die Früchte ihrer Arbeit bringt und der der grausame Fußballgott am Ende stets noch eins extra in die Weichteile donnert – so haben viele den FCK in dieser Spielzeit gesehen, vor allem in der Rückrunde, und die Darstellung würden wohl auch die Kicker selbst und die für sie Verantwortlichen unterschreiben.

Und jetzt heißt es: Kopf hoch, Ärmel aufkrempeln und mit Zuversicht in die Zukunft starten, es kommen auch wieder bessere Zeiten… Tatsächlich?

WENN DER SPORTVORSTAND WIE PHILIPP RÖSLER SPRICHT

Sportdirektor Martin Bader will jetzt sofort daran gehen, „Nägel mit Köpfen“ zu machen, um den Kader für die kommende Spielzeit in der Dritten Liga zusammenzustellen, räumte an anderer Stelle aber auch ein, dass erst einmal der angestrebte Personaletat Fünf-Millionen-Etat festgeklopft sein muss, ehe Verträge geschlossen werden können. Hoffentlich geht dadurch nicht der Planungsvorsprung verloren, den der FCK nun, angesichts des bereits feststehenden Abstiegs, nutzen könnte.

So ein Satz wie „Wir müssen liefern“ stimmt schon deswegen skeptisch, weil man ihn so ähnlich auch schon mal vom wenig ruhmreichen FDP-Politiker Philipp Rösler gehört hat, bevor auch er mit seiner Partei abstieg… Es muss noch einmal daran erinnert werden: Bader war beim 1. FC Nürnberg dann erfolgreich, wenn auf der Trainerbank des FCN Kaliber wie Hans Meyer und Dieter Hecking saßen.

 Und es soll jetzt bitte keiner damit kommen, dass es nichts bringt, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt eine Trainerdiskussion vom Zaun brechen, das bringe nichts und schade dem Verein nur… 

TRAINERDISKUSSION? WIR HABEN DOCH NUR EIN PAAR FRAGEN…

Gerade, wem der FCK am Herzen liegt, der muss sich JETZT fragen, ob es denn immer noch zutrifft, dass nach dem Trainerwechsel zu Michael Frontzeck vieles im FCK-Spiel besser geworden, schlussendlich aber die „Hypothek“ aus der Vorrunde zu groß gewesen sei.

Fakt ist: Aktuell ist der FCK seit vier Spielen sieglos, hat zuletzt drei Mal hintereinander verloren. In die finalen Partien muss Frontzeck nun mit einem Team starten, das bereits abgestiegen ist und dessen Mitglieder mehrheitlich nun damit beschäftigt sind, ihre Weichen für eine Zukunft anderswo zu stellen – denkbar schlechte Voraussetzungen, um noch mal zu punkten… Gehen diese beiden Spiele jedoch ebenfalls verloren, beendet Frontzeck die Saison mit einer ähnlichen Pleitenserie wie weiland Krassimir Balakov im letzten Erstligajahr des FCK. Keine gute Basis für einen Neustart in der Dritten Liga.

Und bei allem Pech gerade bei den beiden jüngsten Auswärtsniederlagen –   betrachtet man zusätzlich auch das verlorene Heimspiel gegen Dresden zwischendrin, fällt auf: Die Phasen des verlorenen Fadens, der kollektiven Konzentrationsschwächen, wurden zuletzt immer länger. 

War’s, weil der seit Monaten anhaltende Druck, das „Messer im Genick“, die Mannschaft langsam mürbe machte? Oder schwanden mit anhaltender  Saisondauer die körperlichen Grundlagen, die Jeff Strasser in der Wintervorbereitung gelegt hatte, mit seiner akribischen Trainingsarbeit, die von allen Seiten bestätigt und anerkannt wurde?

Das sind Fragen, die JETZT gestellt werden müssen – und die sich sportliche Leitung in den nächsten Tagen beantworten muss. Zunächst mal freilich nur sich selbst.

DIE POSITIONS- UND PASSGRAFIK: DAS LOCH HINTER DEN STÜRMERN

Für Komplettisten hier noch die Positions- und Passgrafik des Bielefeld-Spiels. Auffallend. Der viele freie Raum zwischen dem Sturmduo Andersson/Osawe und dem Rest der Mannschaft.

2018-04-27 Kaiserslautern Passing plot Arminia Bielefeld - Kaiserslautern.jpg

2 Kommentare zu „Analyse: Jetzt heißt es, Tränen abwischen, die richtigen Fragen stellen – und Antworten finden

  1. Spielertransfers, die von Mr. Stover & Mr. Notzon geleitet wurden, warfen FCK bereits vor Beginn der Saison 2017/18 in den Abstieg. Meier, Strasser und Frontzeck hätten den FCK vor dem Abstieg bewahrt, wenn sie gute Innenverteidiger und Torhüter hätten.

    Aber ja, ich bin der gleichen Meinung, dass Frontzeck nicht der ideale Mann für den Job ist, jetzt braucht der FCK keinen Trainer, um vor dem Abstieg zu retten, sie braucht einen Trainer für die Beförderung! Eine Art wie Weinzierl, Herrlich, Hecking, Hassenhutl, Luhukay etc.

    Irfan
    Helsinki

  2. Modica, Kessel, Correia, Albaek und Kastaneer waren keine Hilfe. Selbst Spalvis und Jenssen haben nicht verstärkt!
    Meine Kritik mag etwas hart sein, aber die Realität von FCK hat sich als härter erwiesen.

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