Extrablog: Die Dritte Liga startet  stark wie nie – wahrscheinlich aber ohne Halil Altintop

Die Dritte Liga startet Ende Juli in ihre elfte Spielzeit – und die PR-Trommler sind sich bereits einig: Es wird die attraktivste Dritte Liga aller Zeiten, mischen diesmal doch sage und schreibe zehn ehemalige Erstligisten mit. Ein Star aber wird entgegen der Vorankündigung nun wohl doch nicht dabei sein: Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, hat Halil Altintop vom 1. FC Kaiserslautern um Auflösung seines bis 2019 datierten Vertrages gebeten. Ein klärendes Gespräch soll es am heutigen Dienstag geben, dem Vernehmen nach  will der  Verein den 35-jährigen künftig in die Jugendarbeit einbinden. Dass dennoch einige aus höheren Klassen bekannte Gesichter in der neuen Drittligasaison zu sehen sein werden, dafür sorgt derzeit vor allem ein Aufsteiger: der KFC Uerdingen, der neue Krösus im Wettbewerb.

Schon in der vergangenen Regionalliga-Saison verfügten die Krefelder über einen Spieleretat zwischen drei und vier Millionen Euro – der hätte auch eine Liga höher noch gehobene Mittelklasse dargestellt. Nach den erfolgreichen und zum Teil skandalös ausgeuferten Relegationsspielen gegen den SV Waldhof Mannheim sowie einigem Gerangel um zu spät abgegebene Lizenzierungsunterlagen stockt der KFC sein Budget nun weiter auf. Wie hoch, ist öffentlich bislang noch nicht beziffert worden: Der russische Investor Mikhail Ponomarev, der auch das Amt des Präsidenten bekleidet, redet nicht gerne über Geld…

Fakt ist: Nach den zweitligaerfahrenen Robert Müller (VfR Aalen), Maurice Litka (FC St. Pauli), Manuel Konrad (Dynamo Dresden) und Dennis Daube (Union Berlin) hat mit dem 30-jährigen Stefan Aigner nun auch ein gestandener  Erstligastürmer einen Vertrag bei den Uerdingern unterschrieben. Aigner, beim TSV 1860 München großgeworden, kam bei Eintracht Frankfurt zwischen 2012 und 2016 zu 126 Bundesligaeinsätzen.

UERDINGEN GREIFT OBEN AN – UND WER NOCH?

Weitere Transferaktivitäten Ponomarevs sind nicht auszuschließen. Womit klar sein dürfte, wer in der anstehenden Drittligaspielzeit  die Rolle des Topfavoriten übernimmt.

Die ebenfalls wieder aufgestiegenen Münchner Löwen hätten ihren einstigen Zögling übrigens auch gerne zurückgeholt. Dafür haben die Mittel anscheinend jedoch nicht gereicht. Verschiedenen Medienberichten zufolge startet der Klub mit einem Spieleretat von rund drei Millionen Euro in die Runde. Investor Hasan Ismaik schießt heuer lediglich zwei Millionen Euro zu. Damit lassen sich nicht unbedingt Aufstiegsansprüche stellen, auch wenn Geld natürlich nicht alles ist. Aber fast.

Und wer darf statt dessen die Spitze anpeilen – außer dem 1. FC Kaiserslautern natürlich?

Der SV Wehen Wiesbaden, in der Vorsaison Vierter, will erneut mit einem Lizenzspieleretat von sechs Millionen Euro in die Saison starten. Eine Million mehr also, als der FCK zur Verfügung hat. Von dem haben die Hessen übrigens bereits Maximilian Dittgen, Giuliano Modica und Nicklas Shipnoski verpflichtet. Auf 4,7 Millionen Euro hat Hansa Rostock, zuletzt Sechster, seinen Etat aufgestockt – und mit Merveille Biankadi (RW Erfurt) oder Marco Königs (Würzburger Kickers) bereits etablierte Stammkräfte von Klassenkameraden verpflichtet.

KSC UND KICKERS BEKLAGEN ADERLÄSSE – HINTER BRAUNSCHWEIG STEHEN NOCH FRAGEZEICHEN

Der in der Aufstiegsrelegation gescheiterte Karlsruher SC wird dagegen seinen Etat reduzieren müssen. Mit Matthias Bader verloren die Badener bereits ein Talent ablösefrei an den 1. FC Köln, Torjäger Fabian Schleusener, ohnehin nur aus Freiburg geliehen, wird künftig für Sandhausen stürmen. Ob der KSC auch in dieser Saison Aufstiegsambitionen gerecht werden kann, wird sich also noch weisen müssen, ebenso wie beim Vorjahresfünften Würzburg, der die Abgänge von Stammkräften wie Sebastian Neumann (zum MSV Duisburg) und Emanuel Taffertshofer (zu Sandhausen) verkraften muss.

Mitabsteiger Eintracht Braunschweig schien nach dem Last-Minute-Knockout in der vergangenen Saison lange Zeit paralysiert, meldete trotz gewaltigem personellen Aderlass zunächst keine Transferaktivitäten und musste noch zum Trainingsstart seinen Kader mit etlichen U19-Spielern auffüllen. Mittlerweile aber sind die Niedersachen gut im Transfergeschäft, verpflichteten mit Stephan Fürstner (Union Berlin) gerade einen gestandenen Mittelfeldspieler mit reichlich Erfahrung aus der nächsthöheren Klasse.

Ob sich jedoch mit einer erst während der Vorbereitung neu zusammengestellten Mannschaft direkt wieder angreifen lässt?

BEIM FCK IST NOCH EIN PLATZ FREI: THIELE ODER TESTROET?

In Kaiserslautern hat man mit verzögerten Planungen in den vergangenen beiden Jahren keine guten Erfahrungen gesammelt. Drum waren Sportvorstand Martin Bader und Sportdirektor Boris Notzon in der Sommerpause fleißig. Bis auf einen Stürmer ist der Kader komplett. Wunschkandidat war – und ist vielleicht noch – Timmy Thiele von Carl Zeiss Jena. Bislang aber steht eine Ablöseforderung in Höhe von 500.000 Euro einer Verpflichtung im Wege. 

Mittlerweile scheint die finale Sturmlösung daher Pascal Testroet zu heißen. Der 27-jährige war in Folge einer Knie-OP in der abgelaufenen Saison für Dynamo Dresden nur sieben Mal am Ball, ist allerdings seit März wieder fit. Für die Jahre davor lesen sich die Statistiken des Stürmers allerdings glänzend. In 189 Drittligaspielen traf Testroet 58 Mal und bereitete 25 Treffer vor.

Ob der sich abzeichnende Abgang von Altintop noch eine weitere Verpflichtung nach sich zieht?

 MAL EHRLICH: ALS STAMMKRAFT SCHIEN ALTINTOP NICHT VORGESEHEN

Notwendig scheint diese nicht unbedingt, denn schon die bisherigen Verpflichtungen deuten nicht darauf hin, dass der 35-jährige als Stammkraft vorgesehen war. Die Besetzung der Offensivpositionen mit Lukas Spalvis, Julius Biada, Elias Huth sowie Thiele oder Testroet lassen vermuten, dass der FCK mit einem Zweimannsturm plant und eine Zehnerposition zumindest in der Grundformation nicht vorgesehen ist. Dieser aber wäre die für Altintop geeignetste, da der 35-Jährige zwar immer noch über ein gutes Passspiel, nicht aber mehr über die Grundschnelligkeit verfügt, die für einen Einsatz in vorderster Linie oder auf den Flügeln nötig wäre.

Allerdings könnte das freiwerdende Budget Spielraum eröffnen, um das Angebot für Thiele nochmal nachzubessern.

Ein Kommentar zu „Extrablog: Die Dritte Liga startet  stark wie nie – wahrscheinlich aber ohne Halil Altintop

  1. Mit allzuviel „freiwerdendem Budget“ würde ich hier nicht rechnen. Sollte Halil Jugendtrainer werden, könnte man das Gehalt auf 2-3 Jahre strecken und ihm einen entsprechenden Vertrag geben. Das wäre eine Perspektive für ihn und etwas Liquidität für uns.

    Sollte man sich nicht einigen und den Vertrag einfach auflösen, muss man sich auf einen Auflösungsbetrag einigen, sagen wir 80% seines Gehaltes. Wenn er keinen anderen Job greifbar hat, wird er wohl kaum auf mehr Geld verzichten wollen.

    Im beiderseitigen Interesse hoffe ich auf Option A.

Kommentar verfassen