Wenn Sponsoring Herzenssache ist: Layenberger wirbt um neue Mitglieder, Karlsberg hat „Flasche leer“

Ist doch schön, einen Sponsor zu haben, der nicht nur ordentlich für Werbefläche löhnt, sondern sich auch aktiv im Verein einbringt. Die im pfälzischen Rodenbach ansässige Layenberger Nutrition Group ziert künftig nicht nur die Hemdbrust des 1. FC Kaiserslautern, sie wirbt auch fleißig um neue Vereinsmitglieder – und hat ihre aktuelle Aktion gerade bis zum 28. Juli verlängert. Anlass für uns, einen Gedanken unseres Lesers „wolframwuttke“ aufzugreifen und mal darzustellen, welche zusätzlichen Einnahmepotenziale Mitgliedsbeiträge eröffnen. Von einem anderen liebgewonnenen Sponsor heißt es dagegen nach sage und schreibe 39 Jahren Abschied nehmen: Die Karlsberg Brauerei hat „Flasche leer“.

Dass Layenberger in den Kreis der FCK-Unterstützer zurückgekehrt ist, ist eine kleine Sensation. Das Unternehmen war 2008 schon einmal als Sponsor auf dem Betzenberg eingestiegen. Wohlgemerkt: nach der katastrophalen Spielzeit, in der der viermalige Deutsche Meister gerade so den Abstieg in die Dritte Liga verhindert hatte. Ausschlaggebend war „meine persönliche Affinität zum 1. FCK, verbunden mit dem Wunsch, dem Verein in einer schweren Zeit mit unseren begrenzten Mitteln zu helfen und Herrn Kuntz bei seinem Vorhaben, den Verein zu retten, zu unterstützen“, ließ Firmenchef Harald Layenberger seinerzeit verlauten.

LAYENBERGER IS BACK – EIN ECHTER COUP UND EIN TOLLES SIGNAL

Die Partnerschaft, während der das Unternehmen unter anderem das selbst konzipierte Videoformat „Layenberger Nachspielzeit“ im Fritz-Walter-Stadion etablierte, endete zu Beginn der Saison 2014/15 – und zwar höchst unerfreulich. Die Rodenbacher gaben zunächst in einer Presseerklärung an, ihr Engagement wegen „unterschiedlicher Ansichten über Partnerschaft“ zu beenden, eine im Grunde nicht viel aussagende Wischiwaschi-Formulierung, wie sie im professionellen PR-Geschäft in solchen Fällen allerdings üblich ist. 

Worauf der FCK jedoch, damals immer noch unter Führung des Duos Kuntz/Grünewalt, mit der Darstellung konterte, Layenberger habe für ein neues Sponsorenpaket 25 Prozent weniger zahlen, aber gleiche Rabattkonditionen und unentgeltliche Zusatzleistungen erhalten wollen. Dies wiederum provozierte weitere Presseerklärungen, in denen immer mehr Vertragsdetails öffentlich breitgetreten wurden. Layenberger stieg daraufhin unter anderem bei Union Berlin als Hauptsponsor.

Dass eine Partnerschaft, die unter solchen Bedingungen endete, nun wieder auflebt und Layenberger sogar Trikotsponsor wird, darf sich die neue Vereinsführung als echten Coup auf die Fahnen schreiben, da sie damit auch ein Signal für andere Sponsoren gesetzt hat, die dem FCK in der Ära Kuntz/Grünewalt den Rücken kehrten.

„DIE BASIS IST GESCHAFFEN, DASS JETZT WIEDER ETWAS TOLLES  ENTSTEHEN KANN“

Bemerkenswert wert auch das sehr persönliche Schreiben, mit dem sich Harald Layenberger beim FCK-Anhang zurückgemeldet hat. Nachzulesen ist es auf Facebook, wo der Firmenchef als „Harry Berg“ firmiert. „Liebe Lautrer, zum ersten Mal seit ganz langer Zeit habe ich persönlich mal wieder das Gefühl, dass bei den Menschen in und um Kaiserslautern endlich wieder mehr als 50 Prozent der Fans eine positive Grundhaltung zum FCK einnehmen“, heißt es darin. „Das ist in meinen Augen die Basis dafür, dass jetzt wieder etwas Tolles entstehen kann“. Daneben wirbt der Firmenchef auch bei den Union-Fans um Verständnis: „Ich habe euch nie etwas vorgemacht oder vorgespielt, aber auch nie meine Heimat und die Verbundenheit zum 1.FCK verleugnet.“

Beim Stadionfest vergangene Woche war Harald Layenberger persönlich aktiv, um die Mitgliederwerbeaktion voranzubringen, die nun verlängert wurde: Jeder, der bis zum ersten Heimspiel des FCK am Samstag, 28. Juli, gegen den TSV 1860 München Vereinsmitglied wird, erhält gratis ein Fan-T-Shirt und muss darüber hinaus keine Aufnahmegebühr bezahlen.

NICHT ZU UNTERSCHÄTZEN: MEHR MITGLIEDER BRINGEN AUCH MEHR KOHLE

Dass Mitglied werden in diesen Tagen nicht nur eine Solidaritätsbekundung darstellt, sondern auch ordentliche Mehreinnahmen generiert, hat unser geschätzter Leser „wolframwuttke“ unlängst schon einmal in einem Kommentar auf dieser Seite vorgerechnet: Bei acht Euro Mitgliedsbeitrag im Monat würden 10.000 Mitglieder mehr dem Verein einen zusätzlichen Betrag von rund einer Million Euro bescheren. Pro Jahr, versteht sich.

Im Juni 2018 zählte der FCK exakt 17.466 Mitglieder. 10.000 mehr gewinnen, in der nicht gerade dicht besiedelten Pfalz – ist das denn realistisch? Selbst der Nachbar und nunmehr langjährige Erstligist aus Mainz kommt heuer lediglich auf 12.500 Mitglieder. Es kommt halt drauf an, an welchen Beispielen man sich orientiert…

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung unlängst erklärte Vorstandschef Michael Klatt, er wolle den FCK in fünf Jahren auf einen Level mit Werder Bremen hieven, also auf den eines solide aufgestellten Erstligisten ohne große Perspektiven, noch weiter oben anzugreifen. Nun, der Weserklub zählt gegenwärtig 36.500 Mitglieder. Um Klatts Zielvorgabe zu erreichen, müsste sich also auch auf diesem Sektor noch was tun.

Und der VfL Wolfsburg, der gerade im Lager des FCK-Anhangs gerne als Retortenklub verschrien wird, kommt auf 21.500 Mitglieder. Da sollte ein  anständiger Pfälzer doch nicht auf sich sitzen lassen. Nicht einmal in der Dritten Liga ist der viermalige Deutsche Meister der mitgliederstärkste Verein: Für den TSV 1860 München weist Wikipedia aktuell 22.449 Mitglieder aus. Da sollte doch noch was gehen.

DAS IST TRAURIG: KARLSBERG HAT „FLASCHE LEER“

Auf jeden Fall ist ab dieser Saison beim FCK einiges nicht mehr wie vorher. Sogar das Bier wird künftig anders schmecken. Die Karlsberg Brauerei hat sich vom Betzenberg zurückgezogen. Nach 39 Jahren. Einem halben Fanleben. Das stimmt wehmütig. Auch für die Homburger Bierbrauer bedeutete diese Partnerschaft stets mehr als nur Geschäfte machen. Sie waren „Pate“ der Westtribüne, haben Aktionen mit speziellen Dosenetikettierungen für Fans gestartet und ordentlich Freibier spendiert, etwa nach dem besagten Klassenverbleibswunder 2008.

Unvergessen bleiben werden auch die großartigen Werbeplakate, die uns auf dem Weg zum Stadion immer wieder zum Schmunzeln brachten:  die an Stanley Kubricks „2001“ gemahnende Weltraumansicht mit dem geleerten Bierkasten und dem Schriftzug „All.“, die herrlichen Werbefiguren wie „Hansi Ur-Pils“, der asiatische „Leer-Ling“ oder die „Abhold-Magd“.

ERINNERUNGEN AN JAHRE MIT BIER AUF DER BRUST

Von 1984 bis 1987 trat Karlsberg auch als Trikotsponsor auf dem Betze auf. Wer sich an Andreas Brehme zu seiner Lautrer Zeit erinnert, wird ihn sich in einem Karlsberg-Trikot vorstellen, auch wenn der „Weizen-Andy“ Zeitzeugenberichten zufolge öfter im „Hannen-Faß“ am Martinsplatz einkehrte und andere Biermarken genoss. Ebenso trug der legendäre Wolfram Wuttke – nicht unser Leser, der echte – in seinen Jahren beim FCK Karlsberg-Trikots.

Für FCK-Historiker, die das Spiel in erster Linie um des Spieles willen lieben, wird vor allem die Karlsberg-Saison 1985/1986 in Erinnerung bleiben. „Atze“ Friedrich hatte damals überraschend den ehemaligen FCK-Spieler Hannes Bongartz zum Trainer gemacht, und der „Spargel-Tarzan“ mit der noch druckfrischen Trainerlizenz mischte die Bundesliga mit einer spieltaktischen Variante auf, die in Deutschland damals noch so gut wie unbekannt war: Er ließ mit Viererkette spielen. Michael Dusek und Jürgen Groh bildeten die Innenverteidigung, Wuttke zog im Mittelfeld die Fäden, ein gewisser Sergio Allievi wirbelte auf dem linken Flügel, und vorne schoss Frank Hartmann allein gegen den FC Schalke fünf Treffer in einem Spiel. 

Those were the days, my friend… Auf diesen Erinnerungsflash hin gönnen wir nun erst einmal ein Ur-Pils.

Ein Kommentar zu „Wenn Sponsoring Herzenssache ist: Layenberger wirbt um neue Mitglieder, Karlsberg hat „Flasche leer“

  1. Danke für die Blumen, Blogwart. Unfassbar wie sich ein Sponsor(!) hier mit Themen befasst, die jahrelang vom bezahlten Personal (Gries, Kuntz, Grünewalt…) schlicht „vergessen“ wurden.

    Gibt es eigentlich eine simplere und stetigere Einnahmequelle als Mitgliedsbeiträge?

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