Starkreden? Schönreden? Schlechtreden? Geht alles nach diesem Spiel – Nur drei Punkte werden’s nicht mehr

Wo verlaufen eigentlich die Grenzen zwischen Sich-Starkreden, Schönreden und Schlechtreden? Nach dem torlosen Unentschieden zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem Karlsruher SC schien die jeder setzen zu können, wie er es für richtig hielt. Sicher, es war nach den jüngsten Pleiten in Halle (0:2) und Hoffenheim (1:6) „ein Schritt nach vorne“, wie etwa auch Trainer Michael Frontzeck resümierte – aber einer zurück wäre nach diesen Darbietungen auch schwer vorstellbar gewesen. Und ums uns nicht frühzeitig des Schlechtredens  verdächtig zu machen, stellen wir unserer Betrachtung schon mal ein etwas bemühtes, aber einigermaßen versöhnliches Fazit voran: Ein „Schritt nach vorne“ könnte es gewesen sein, wenn kommenden Sonntag in Zwickau der nächste direkt hinterher gesetzt wird.

Ist eben alles Interpretationssache. Hinterher sprachen beide Trainer etwa auch davon, dass in der Viertelstunde nach der Pause Lautern einen enormen Druck aufs Tor des KSC entfacht hätte. Die vier Ecken am Stück legten davon doch Zeugnis ab… War’s nicht eher so, dass die Badener mehrmals hintereinander eine Ecke nur auf Kosten einer nächsten abwehren konnten? Aus dem Spiel heraus, etwa durch energisches Verschieben des FCK-Kollektivs in die gegnerische Hälfte, kam die „Druckphase“ nämlich nicht zustande. 

Sie endet übrigens mit einem flankenartigen langen Einwurf von Florian Dick, den die Karlsruher erneut zu kurz abwehren: Die bekommt Kevin Kraus am Sechzehner auf den Schlappen, der zieht ab – und verzieht. Hätte der Schuss gepasst, wärs fast eine Doublette seines Treffers gegen Preußen Münster gewesen, auch der Zeitpunkt hätte ungefähr gestimmt.

HEMLEINS LUPFER: GENIAL, ZUFALL ODER GENIALES ZUFALLSPRODUKT?

Vielfältig interpretierbar ist auch die wohl größte FCK-Chance des Spiels: 19. Minute. Nach einem Lauf von der rechten Seite in die Mitte lupft Christoph Hemlein genial auf Lukas Spalvis in den Strafraum, der versucht, in einer schnellen Bewegung anzunehmen und abzuziehen – drüber. Ein Tor, in noch in der Anfangsphase, da hätte sich vielleicht erfüllt, was sich der später eingewechselte Julius Biada nach Spielende wünschte: „Mal ein Tor machen, dann haben wir die Qualität, so ein Spiel zu Ende spielen.“ So bleibt es bei nunmehr drei mageren Lautrer Treffern nach nunmehr fünf Ligaspielen.

Aber war Hemleins Lupfer wirklich so genial? Wiederholtes Betrachten lässt auch den Schluss zu, dass es sich möglicher Weise nur um ein Zufallsprodukt handelte – Hemlein wurde bedrängt und war schon ein wenig aus dem Gleichgewicht, als er gegen den Ball tickste. 

Wie gesagt: Starkreden, Schönreden, Schlechtreden – ist alles Interpretationssache. Und liegt manchmal dicht beieinander.

ÜBERRASCHUNG: FCK FÄNGT MAL STARK AN, LÄSST DANN ABER STARK NACH

Widmen wir uns mal kurz dem chronischen Ablauf: Da ist es erfreulich festzustellen, dass der FCK mal nicht die erste Viertelstunde benötigt, um in die Partie zu kommen, sondern von Beginn an hochkonzentriert agiert, insbesondere über die rechte Seite. Dafür verliert die Mannschaft dann in der Viertelstunde vor der Pause den Faden. Martin Röser, Marvin Wanitzek und David Pisot setzen zu gefährlichen Distanzschüssen an, Marvin Pourie darf nach simplen langen Bällen in die Tiefe ein weiteres Mal aufs FCK-Tor zulaufen. Das war ihm schon nach neun Minuten das erste Mal gestattet worden, doch Jan-Ole Sievers stürzte sich ihm mit gutem Timing entgegen.

Nach der bereits besprochenen „Druckphase“ zwischen Minute 45 und 60 entsteht in der Schlussphase der Partie auf beiden Seiten Gefahr nur noch aus Distanzschüssen. Dabei muss sich Sievers öfter strecken als sein Gegenüber, gegen Florent Muslija, Anton Fink und Debütant Justin Möbius. Auf der anderen Seite pariert Benjamin Uphoff in der Nachspielzeit exzellent ein Diagonalgeschoss des eingewechselten Florin Pick.

Ein gerechtes Unentschieden? Die xG-Grafiken von „11tegen11“ werden wir vermutlich erst wieder am Dienstag vorlegen können, wir wagen aber schon jetzt zu vermuten: Die xG-Timeline wird den KSC als den wahrscheinlicheren Sieger ausweisen.

PLUSPUNKTE FÜR SIEVERS UND „LÖH“, SPALVIS UND ALBAEK SIND SORGENKINDER

Richtig Sorgen macht die Verletzung von Spalvis: Als er ausgewechselt werden musste, sah es zuerst nach einem Schlag auf den Knöchel. Mittlerweile scheint das Knie malträtiert. Was angesichts der Verletzungshistorie des Litauers schlucken lässt. Der heute 24-jährige ist 2016 mal ein ganzes Jahr wegen eines Kreuzbandrisses ausgefallen.   

Positiv festzuhalten bleiben die starke Leistung von Sievers und das Startelfdebüt von Jan Löhsmannsroben. Der Sechser glänzte vornehmlich in der ersten Hälfte mit präzisen ersten Bällen zur Spieleröffnung, sorgte auch für nötige Flankenwechsel. Oft ließ er sich dazu mal links, mal rechts zwischen Außen- und Innenverteidiger fallen und auch nicht aus der Ruhe bringen, als ihm Wanitzek auf die Pelle rückte. 

Doch wenn der eine zentrale Mittelfeldspieler sich soweit nach hinten fallen lässt, ist der andere aufgerufen, sich stärker nach vorne zu orientieren. Da kommt Mads Albaek weiterhin nicht richtig in Tritt. Oft fehlt ihm die Handlungsschnelligkeit, kommt der Passversuch erst, wenn er Gegner bereits wieder blocken kann. Dabei hat der Däne doch bei der Generalprobe in Weingarten gegen Dresden gezeigt, dass er es besser kann. 

Am Samstag drang Albaek nach der Pause mal in den Strafraum ein, um es aus halblinker Position zu versuchen. Dergleichen sollte er öfter tun, ebenso den Zehnerraum besetzen, gerade, wenn Biada nicht spielt und Spalvis neben Timmy Thiele agiert. 

Albaek hatte bei der angesprochenen Eckballserie auch die erste Kopfballchance für den FCK. Doch auch die bewegt sich wieder im Triangel von Starkreden-Schönreden-Schlechtreden. Die halbhohe Ecke von Dick, die er da beinahe verwerten durfte, war, ehrlich gesagt, im Grunde grottig.

DER EINE IST STOLZ, DER ANDERE NICHT ZUFRIEDEN

Noch mehr Beispiele für unterschiedliche Interpretationsweisen gab’s hinterher in der Mixed Zone zu hören: „Jeder hat gesehen, dass jeder für jeden gekämpft hat, auf die Mannschaft kann man stolz sein, wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt als in Halle“, hielt Jan Löhmannsröben es für geboten, die Seinen bedingungslos stark zu reden.

„Mit dem Unentschieden kann keiner so richtig zufrieden sein“, meinte dagegen Julius Biada. Der es obendrein sogar von einer „Blockade“ sprachen, die das FCK-Spiel nach dem mäßigen Saisonstart hemme. „Die sieht man ja, die ist auch nicht sonderlich klein. Wir schaffen es nicht, die Spiele durchzubringen.“

„Mit der Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, kann ich leben“, erklärte Trainer Frontzeck. „Nichts desto trotz müssen wir in den nächsten Spielen anfangen, dreifach zu punkten.“ Wenn das gelingt, wären wir wieder bei unserem bereits vorangestellten Fazit: Dann ließe sich dieses Spiel als akzeptabler Zwischenschritt ansehen. Aber nur dann.

2 Kommentare zu „Starkreden? Schönreden? Schlechtreden? Geht alles nach diesem Spiel – Nur drei Punkte werden’s nicht mehr

  1. Mit viel Respekt für Herrn Frontzeck braucht FCK Trainerwechsel. Verbringen Sie etwas viel Geld und bekomme Rene Weiler. Oder wie wäre es mit Michael Wiesinger?

    freundliche Grüße
    Irfan
    Helsinki

Kommentar verfassen