Drunter, drüber und drauf – Ein chaotisches Ringen, das am Ende ohne Sieger bleibt

Wenn dieser Blog zu einer Spielanalyse den Titel eines alten Russ Meyer-Films zitiert, dürfen die Cineasten unter unseren Lesern zurecht vermuten: Der Montagabendkick des 1. FC Kaiserslautern gegen Fortuna Köln bot eine chaotische Dramaturgie und hielt fraglos einige Schauwerte bereit – aber auch einiges, was anstößig war. Vor allem aber war er nie langweilig, wie auch das 3:3-Endergebnis belegt. Und hätte der FCK in dieser Saison bislang besser gepunktet, könnte die Kuriosität über den armseligen einen Zähler  hinwegtrösten, der sich nun in der Tabelle niederschlägt. Angesichts von nur sieben Punkten nach nunmehr sieben Spielen und aktuell Rang 17 in Liga 3 fällt dies aber schwer.

Mit Linksfuß Hendrick Zuck rechts und Rechtsfuß Christoph Hemlein links lässt Cheftrainer Michael Frontzeck erstmals in dieser Saison mit „verdrehten“ Flügeln beginnen, und die Konstellation bleibt auch bis zu Zucks Auswechslung gegen Florian Pick in der 77. Minute bestehen. Vor allem Zuck gelingt dadurch wesentlich mehr als zuletzt. In der 50. Minute zieht er nach einem Zug in die Mitte stramm mit links ab, doch Fortuna-Keeper Nikolai pariert. Exakt solche Aktionen hatte der Flügelwechsel provozieren sollen. 

Ansonsten darf für den in Zwickau (1:1) starken Youngster Theo Bergmann wieder Mads Albaek starten – eine Entscheidung für die Routine, die „haarscharf“ gewesen sei, wie Frontzeck später sagt.

0:2 NACH 31 MINUTEN – WIEDER NICHTS MIT MUT ZUM RISIKO

Der FCK beginnt forsch, attackiert den Gegner in der eigenen Hälfte auch mal mit mehr als nur den beiden Stürmern in der eigenen Hälfte – das hat er auch mal beim DFB-Pokaldebakel gegen Hoffenheim versucht und dabei prompt den ersten Gegentreffer kassiert. Und diesmal? Passiert das gleiche wieder – ist halt so eine Sache mit dem Mut zum Risiko.

Natürlich hat Keeper Jan-Ole Sievers seine Aktien in Robin Scheus Führungstreffer, den dieser dreist ins kurze Eck haut. Die wird er auch an den beiden weiteren Gegentoren haben. Da der Mainstream sich nun aber eh auf Lauterns aktuelle Nummer 1 einschießen wird, wollen wir es mit dieser Feststellung aber bewenden lassen auf die Schuldbeteiligung anderer hinweisen. Insgesamt haben die Fortuna-Spieler vor dem 0:1 einfach zu lange zu viel Raum, nachdem sie sich aus der auf ihrer linken Abwehrseite entstandenen Engstelle befreit haben. Und Janek Sternberg attackiert den Schützen einen Schritt zu spät.

Beim 0:2 darf Hamdi Dahmani eine flache Flanke an Sternberg vorbeispielen, und der unglückselige Sievers wird auch außer vom Torschützen Moritz Hartmann auch noch vom eigenen Innenverteidiger Lukas Gottwalt irritiert.

GOTTWALT MACHT LAUNE – UND ZAHLT LEHRGELD

Der 1,92 Meter-Trumm, der Ende vergangener Woche seinen 21. Geburtstag feierte und nach seinem Debüt in Zwickau erneut randarf, obwohl André Hainault in den Kader zurückgekehrt ist, macht durchaus Laune, wenn er sich trotz seiner Körpermasse erstaunlich gewandt gegen bis zu drei Gegenspieler durchsetzt. Und in Minute 72 wird er ums Haar zum Matchwinner, als er eine Zuck-Ecke aufs Kölner Tor köpft, Rehnen aber abermals zur Stelle ist.

Allerdings muss Gottwalt auch Lehrgeld zahlen: So verursacht er in der 62. Minute tapsig einen Foulelfmeter gegen Kwame Yeboah, den Hartmann zum Glück für den FCK in die Wolken stolpert. Kurz zuvor durfte der Fortuna-Stürmer mal allein aufs Tor zulaufen – da hat Sievers klasse pariert.

POSITIV: DER FCK BEHÄLT NACH DEM 0:2 DIE RUHE

Zu diesem Zeitpunkt steht es allerdings schon 2:2. Denn das muss mit der FCK-Mannschaft lassen: Sie hat nach dem 0:2-Rückstand die Nerven behalten. Nicht zu bolzen angefangen, sondern versucht, durch überlegtes Passspiel die Kontrolle zu bewahren. Nach einigen vielversprechenden Initiativen, die Julius Biada aus dem Zehnerraum startet, gelingt der Timmy Thiele der Anschlusstreffer, und Biada selbst darf noch vor der Pause ausgleichen. Nach Ecke und Kevin-Kraus-Kopfball übrigens – ja auch die Standardsituationen werden besser.

In der Pause muss Biada verletzt raus, Kraus später ebenfalls – hoffentlich fallen beide nicht länger aus. Das lässt zunächst Schlimmes fürchten, doch der für Biada eingewechselte Bergmann macht seine Sache einmal mehr glänzend, auch auf dieser für neuen Position: Bei Ballbesitz auf der Zehn, gegen den Ball als zweiter, attackierender Stürmer.

HALBZEIT ZWEI: ZUVIEL VON AUSSERHALB DER BOX

Lautern in der zweiten Hälfte: Im ganzen ordentlich, wenn auch gegen Ende wieder entweder die Körner oder der letzte Wille fehlen, das Ding unter allen Umständen nach Hause zu bringen. Zuck, Kraus, Albaek, Hemlein und Bergmann versuchen es aus der Distanz, was gut aussieht und die 17.588 Fußballherzen im Stadion entsprechend hoch ausschlagen lässt.

Die knochentrockenen Analysenerds des 21. Jahrhunderts haben aber längst herausgefunden. Wirklich hohe Trefferquoten haben nur Torchancen, die in der Box kreiert werden, und daran hapert es halt doch: Außer bei Gottwalts Kopfball bietet sich eigentlich nur Hemlein mal die Gelegenheit, aus kürzerer Distanz zu treffen. Von daher dürfte die wenigen, aber hochkarätigen Kölner Chancen die besseren „expected Goals“-Werte produziert haben, wie wir noch nachreichen werden.

TRAUMFREISTOSS ZUM 3:2 – UND DOCH KEIN HAPPY END

Bergmann ist es schließlich, der mit einem direkt verwandelten Freistoß den FCK doch noch auf die Siegerstraße bringt – endlich mal wieder ein direkt verwandelter Freistoß, wer hat eigentlich den letzten für die Lauterer verwandelt? Srdjan Lakic? 

 Leider bleiben die Punkte dann aber doch nicht auf dem Betzenberg. Boné Uaferro  trifft in der Nachspielzeit. Nach einer Ecke – und erneutem Patzer von Sievers.

Und nun?

Es hilft alles nichts: Vor der nun anstehenden Englischen Woche wird sich der Trainer die Torwartfrage stellen müssen. Und sie mit Souveränität beantworten müssen. Dass er über diese im internen Mannschaftskreis verfügt, ist ihm immer nachgesagt worden – und es ist ihm zu wünschen, dass sie noch vorhanden ist.

In der Außendarstellung ist sie Michael Frontzeck leider verloren gegangen.

Sein erneuter Ausfall in der Pressekonferenz gegen den Kollegen vom „kicker“ war, es muss leider gesagt werden, eines als Spieler und Coach derart erfahrenen Mannes unwürdig. Der Journalist mag ihn hart, vielleicht ein wenig penetrant kritisiert haben, aber damit muss ein Profi in einer solchen Position in Zeiten des Misserfolgs in diesem Geschäft leben können. Der Kollege ist allerdings nie „polemisch“ gewesen, wie es der Trainer ihm vorwirft, und er hat auch nicht wörtlich gefordert, der FCK solle oder müsse ihn entlassen.

GEHT DOCH: SICH ÜBER 52 SEKUNDEN VORS TOR KOMBINIEREN

Zum Abschluss aber noch was Nachdenken – und, vielleicht, zum Schmunzeln.

Vergangene Woche machte ein Spielausschnitt aus der Partie Wales gegen Irland (4:1) in den sozialen Netzwerken Furore. Er zeigte eine über einmütige Sequenz, in der sich Wales aus der eigenen Hälfte mit Ruhe und Bedacht nach vorne kombiniert, ehe Joe Allen mit einem feinen Nadelpass Tom Lawrence den ersten Treffer auflegt. Leider ist das Video, das die komplette Entstehung zeigt, mittlerweile aus dem Netz genommen worden. Hier ist die lediglich die finale Aktion zu sehen. 

Als Ersatz bieten wir eine Szene aus der 20. Minute der Partie Lautern gegen Köln an. Da kombiniert sich Lautern immerhin über 52 Sekunden vors Fortuna-Tor, unter anderem mit Hilfe zweier Flankenwechsel. Auf wie viele Klicks es dieses Video wohl gebracht hätte, würde Thiele die Hemlein-Flanke am Ende verwerten?

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