„Löh hat gesagt, ich soll ihn reinschießen, und auf ihn muss ich hören“ – Im Gespräch mit Theo Bergmann

Es war ein zwiespältiges Vergnügen, dieses 3:3 des 1. FC Kaiserslautern gegen Fortuna Köln am Montagabend. Einer aber hat ohne jede Einschränkung Spaß gemacht. Theo Bergmann kam in der Halbzeit musste einen der bis dahin stärksten Lautrer ersetzen, der sich verletzt hatte: Julius Biada. Aber der 21-jährige machte auch in seinem zweiten Saisoneinsatz seine Sache sehr gut, und mit seinem Freistoßtor in der 87. Minute brachte er den FCK beinahe noch auf die Siegerstraße – aber eben nur beinahe. Die Zerknirschung war ihm noch nach dem Spiel anzumerken, wie sich auch in unserem Interview zeigt, das wir kurz nach dem Abpfiff in der Mixed Zone führten.

Theo, erst machst du ein Hammertor, dann kassiert ihr doch noch den Ausgleich. Wie ist deine Gefühlslage?

Theo Bergmann: So sehr ich mich über mein Tor freue, so weh tut es auch, das dritte noch bekommen zu haben. Das ist eigentlich das Beste, was es gibt, wenn du so ein Spiel nach einem 0:2-Rückstand noch drehst. Und dann kriegst du, wie schon eine Woche zuvor in Zwickau, noch so ein scheiß Ei rein, das tut brutal weh. Aber wir dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken, uns nicht hängen lassen.

Unterm Strich habt ihr ja auch nicht schlecht gespielt, vor allem auch nach dem 0:2 die Ruhe bewahrt, weiter versucht, kontrolliert aufzubauen. Es hat schon FCK-Mannschaften gegeben, die fingen unter diesem Druck sofort an zu bolzen.

Theo Bergmann: Na ja, die Kölner haben uns ja auch kommen lassen und sich ganz aufs Kontern verlegt. Da kannst du dann Fußball spielen, und wenn wir ins Spielen kommen, haben wir genug Qualität, uns Chancen heraus zu arbeiten.

 Dennoch versucht Ihr es oft von außerhalb von Box, da ist die Erfolgschance nicht so hoch, wie man gemeinhin glaubt. Müsst Ihr nicht versuchen, noch öfter in den Sechzehner zu kommen?

Theo Bergmann: Vergiss nicht, drei Tore haben wir ja heute immerhin geschossen, unter diesem Aspekt haben wir heute also nicht versagt. Ansonsten, ja: Wir müssen noch mehr Tore schießen. 

Als in der 87. Minute die Freistoßsituation entstanden war, musstest du da erst noch mit Albaek und Dick diskutieren, wer schießt, oder waren sich alle gleich einig, dass jetzt der Jüngste die vielleicht letzte Chance im Spiel nutzen soll?

(Theo Bergmann überlegt noch, da schaltet sich Kapitän Florian Dick von der Seite ein.)

Florian Dick: Das stand sofort fest. War schon vor dem Spiel intern so abgesprochen.

Bevor du geschossen hast, kam Jan Löhmannsröben zu dir, hat dir die Hand ins Genick gelegt und intensiv auf dich eingeredet. Was hat er gesagt?

Theo Bergmann: Er hat nur gesagt, dass ich ihn reinschießen soll. Und auf den Löh muss ich ja hören.

Du hast ja in Erfurt früher ja auch schon solche Dinger reingezirkelt. Das hier ist allerdings nicht im Winkel, sondern unten eingeschlagen. Absicht?

Theo Bergmann: Der ist genau so runtergefallen, wie ich wollte. Aber wie schon gesagt, so richtig freuen kann ich mich nicht.

War in der Pause sofort klar, dass du für Biada reinkommst?

Theo Bergmann: Das stand schon gleich zu Beginn fest, so dass ich mich direkt warmmachen konnte.

Du hast dann sehr weit vorne gespielt, was du normaler Weise nicht tust:  Auf der Zehn, und gegen den Ball sogar zweiter Stürmer. Wie war die Umstellung für dich?

Theo Bergmann: Mir ist eigentlich egal, wo ich spiele, Hauptsache, ich kann mich im Zentrum aufhalten. Sechser, Achter, Zehner und dann vielleicht auch mal ganz vorne – passt alles.

Aber du hast ganz andere Laufwege…

Theo Bergmann: Natürlich braucht man ein gewisses taktisches Verständnis, muss halbwegs clever anlaufen können. Aber wer in einem ordentlichen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet worden ist, sollte das hinbekommen. Die Dritte Liga ist immerhin eine Profiliga, wenn man da nicht weiß, wie man anzulaufen hat, hat man da nichts zu suchen.

Du hattest noch eine Torchance aus dem Spiel heraus, bist aus 18 Metern frei zum Schuss gekommen…

Tja, die einfachen Tore kann ich anscheinend nicht, ich muss mich eben auf die speziellen konzentrieren… Kann sein, dass mir da die Kraft gefehlt hat, ich weiß nicht. Natürlich hätte ich den reinschießen sollen, vielleicht auch müssen.

War’s die richtige Entscheidung, in der Position einen Schlenzer zu versuchen?

Für mich schon. Wenn ich ihn richtig in die Ecke zirkele, kommt der Torwart nicht mehr dran. Ich bin nicht der Typ, der in so einer Situation mit dem Vollspann draufhaut.

Kannst du jetzt direkt schlafen, nach so einem Spiel?

 Die nächsten fünf, sechs Stunden mit Sicherheit nicht. Das ist nach einem Abendspiel aber normal, dass du erst um zwei, drei Uhr einschlafen kannst. Nach diesem Spiel aber erst recht.

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