Noch ein 3:3 – Ein solcher  Irrsinn muss Methode haben

Und spieltäglich grüßt das Murmeltier. Wieder ein später Führungstreffer, wieder doch noch der Ausgleich in der Nachspielzeit, wieder ein 3:3, wieder ein junger FCK-Profi, der nach dem Abpfiff in die Mikrofone stammelt, er könne sich über seine Treffer gar nicht richtig freuen… Es bringt einfach nichts mehr, die dramatischen Spielverläufe zu schildern, die sich so ja unmöglich ständig wiederholen können, oder über „unglückliche“ späte Gegentore zu lamentieren – dieser Irrsinn hat Methode. Bei seinem 3:3 beim FC Carl Zeiss Jena hat der 1. FC Kaiserslautern gleich zwei Mal eine Führung verspielt, in den sieben Spielen zuvor schon drei Mal. In Front zu liegen, gibt dem Team nicht die geringste Sicherheit, und es scheint fraglicher denn je, allein auf den Faktor Zeit zum Zusammenwachsen zu setzen, um dieses Manko auszumerzen. Da muss mehr geschehen.

Wenn in der 88. Minute das 3:2 für die eigene Mannschaft fällt, meldet sich im geneigten Fußballbetrachter meist so eine Stimme, die sagt: „Das war’s dann.“ In diesem Spiel dürfte sie bei FCK-Anhängern stumm geblieben sein, als der eingewechselte Elias Huth den späten Führungstreffer köpfte. Und das lag nicht nur an den Erfahrungen aus den zurückliegenden Partien – auch in den gerade ablaufenden 90 Minuten hatte der FCK sich schon zu viele kindische Fehler geleistet, als dass damit schon Schluss konnte.

DER KEEPER KASSIERT WIEDER DIE PRÜGEL – DOCH SCHULDIG SIND VIELE

Fürs finale 3:3 muss Wolfgang Hesl die meiste Prügel einstecken – dass es am Ende den Keeper trifft, ist in dieser Saison ja auch nichts Neues. Schade, denn Hesl stand erstmals für den verletzten Jan-Ole Sievers im Kasten und strahlte bis dahin einiges mehr an Sicherheit aus. Sieht man mal von einem riskanten Dribbling Mitte der zweiten Hälfte ab, das fast so aussah, als sei der 32-jährige ein wenig übermotiviert, seinen Coolness-Vorsprung gegenüber seinen jungen Mitbewerbern zu demonstrieren.

Wir wollen aber auch die Mitübeltäter nicht vergessen, die sich beim späten Ausgleich auszeichneten. Bereits den Freistoß, der dem Treffer vorausgeht, verursacht Kapitän Florian Dick gegen Firat Sucsuz reichlich unbeholfen. Dass nach der anschließenden Kopfballabwehr Jena in Ballbesitz bleibt, ist verzeihlich, Maximilian Wolfram wird bei der folgenden Rechtsflanke jedoch kaum bedrängt, der eingewechselte Kevin Pannewitz gewinnt am langen Eck sein Kopfballduell – sofern man das überhaupt so nennen will – kinderleicht, und erst beim Flugball in die Mitte kommt Hesls Unentschlossenheit ins Spiel, so dass Felix Brügmann danke sagen darf. Das war kollektives Versagen, der Keeper hat da lediglich das i-Tüpfelchen draufgesetzt.

Auch bei den beiden vorangegangenen Gegentreffern waren Fehlerketten vorangegangen, die es müßig machen, sich einzelne Sündenböcke herauszusuchen.

RIESIGE FEHLERKETTEN BEI ALLEN GEGENTREFFERN

Bei Jenas Treffer zum 1:1-Ausgleich – natürlich „psychologisch günstig“ kurz vor der Pause, der Gegner will schließlich aufgebaut werden – waren gleich beide Flügelverteidigungen außer Kraft. Jenas Rechtsverteidiger Matthias Kühne darf von seiner Seite flanken, ohne dass das zuständige Pärchen Janek Sternberg/Christian Kühlwetter auch nur zu sehen ist, und während der Ball Richtung langes Eck fliegt, orientiert sich Lauterns Rechtsverteidiger Dick in die Mitte, was auch angezeigt scheint, aber wer bitte ist für Sucsuz zuständig? Der kommt in den Strafraum getollt wie ein Terrier, den Frauchen im Park von der Leine gelassen hat, damit er mit seinen Kameraden spielen kann – und schießt ein.

Vor Jenas 2:1 verliert Jan Löhmannsröben gleich zwei Kopfballduelle gegen Wolfram. Und wie dessen Vorlage den Weg in die Spitze findet, ohne dass aus Lauterns letzter Linie irgendeiner mal einer gegen den Ball tritt, ist von einer Großartigkeit, wie sie in Deutschland eigentlich nur sonntags auf Hartplätzen zu sehen ist. In der Mittelstürmerposition lauert Manfred Starke – dass er mit so viel Laxheit anscheinend gerechnet hat, sollten die FCK-Defensivspieler zum Anlass nehmen, mal über ihren Ruf nachzudenken, den sie bei ihren Gegenspielern mittlerweile zu genießen scheinen.

Löhmannsröben hatte die Fehlerparade in der ersten Hälfte auch schon eingeleitet, nach einer Viertelstunde, als er mit einem unnötigen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung Starke ins Spiel brachte, der Philipp Tietz einsetzte, welcher wiederum Hesl zu einer Parade zwang.

ERKENNBARER WILLE, FRÜH ZU STÖREN – ABER PRESSING GEHT ANDERS

Der FCK war bis dahin nicht gerade mit dem Messer zwischen den Zähnen ins Spiel gegangen, hatte die Partie einigermaßen im Griff, und der Wille, den Gegner schon in der eigenen Hälfte mit mehr als zwei Spielern das Ballspiel, sagen wir es mal so, zu erschweren, war erkennbar. Als „Pressing“ wollen wir das allerdings nicht unbedingt bezeichnen, und so ein Adjektiv wie „aggressiv“ fällt uns dazu schon gleich gar nicht ein.

Was soll nun werden? Same procedure as last weeks? „Die Mannschaft hat wieder einmal einfach nicht selbst belohnt“ – „Immerhin hat sie Charakter gezeigt, weil sie nach dem Rückstand wieder zurückgekommen ist und das Spiel noch gedreht hat“ – „Wir dürfen jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken, müssen nach vorne schauen“. Manche Spieler/Trainer-Statements haben die Medienvertreter mittlerweile schon aufgeschrieben, da sind sie noch gar nicht ausgesprochen.

Es wird Zeit, durchgreifend zu handeln. Angesichts dieses Defensivverbandes, der auch bei Führung zu keiner Festigkeit findet, ist es nicht einfach, den Punkt zu finden, an dem als erstes angesetzt werden muss – zumal der Torwart ja bereits ausgetauscht worden ist. Aber die Flügelverteidigungen können so kaum länger stehen bleiben. Vor allem Sternbergs Defensivleistungen lassen schon seit Wochen zu wünschen übrig.

UND DENNOCH: KÜHLWETTER UND HUTH HABEN FREUDE GEMACHT

Wir wollen bei aller Tristesse aber auch die erfreulichen Erscheinungen nicht vergessen. Der flinke Christian Kühlwetter machte als Debütant richtig Laune, und das auf dem Flügel, der gar nicht als der optimale Einsatzort des Stürmertalents gilt. Dass er bei seinem Treffer zum 1:0 leicht im Abseits stand, wollen wir da gar nicht weiter erwähnen. 

Elias Huth imponierte nach seiner Einwechslung mit zwei Treffern, und nach seinem Kopfball zum 3:2 erscheint es uns erstmals gar nicht mehr so abwegig, dass ihn besonders glühende Fans schon mal mit Miro Klose verglichen haben.

Nicht zu vergessen: Hendrick Zuck, der diesmal ebenfalls nur eingewechselt wurde, aber ein richtig belebendes Element war. Erst rasierte er mit einem Schlenzer die Torlatte, dann legte er Huths 2:2 auf. Und Mads Albaek hat sich bei Kühlwetters 1:0 auch endlich mal als Vorlagengeber betätigt. Hat ihm sicher gut getan.

Vor allem der Aufritt der beiden Youngster könnte richtig Freude machen. Wenn der ganze Rest nicht so schrecklich traurig wäre.

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