Nächste Ausfahrt Braunschweig – Wird hinten nicht endlich dicht gemacht, sieht’s übel aus

Der 1. FC Kaiserslautern ist nach seinem 3:3 beim FC Carl Zeiss Jena nicht in die Pfalz zurückgekehrt, sondern direkt nach Niedersachsen weitergereist, wo er am heutigen Dienstagabend, 19 Uhr, auf Eintracht Braunschweig trifft. Folgerichtig gab es keine Pressekonferenz am Betzenberg, die Nachrichtenlage ist entsprechend dürftig. Wie auf fck.de nachzulesen ist, fehlt neben den Langzeitverletzten auch Julius Biada weiterhin. Unterdessen zeigen die nunmehr vorliegenden „expexted Goals“-Grafiken vom Wochenendspiel in Jena: Bereinigt von den Emotionen um Torfolge und späten Ausgleichstreffer, lässt sich die Partie kaum als weiterer Schritt in punkto „Zusammenwachsen“ warten, sie stellt eher einen Rückschlag dar.

Unabhängig davon, darf nun bis zum Anpfiff noch gerätselt werden. Wird Michael Frontzeck in seinem auch nach eigenen Führungstreffern bislang permanent  instabilen Abwehrverband mit neuen personellen Ideen aufwarten? Insbesondere auf der linken Außenverteidigerposition bietet sich ein Versuch mit Dominik Schad an. Werden Hendrick Zuck und/oder Elias Huth nach ihren starken Auftritten als Einwechselspieler mit Startelf-Einsätzen belohnt? Bleibt der starke Debütant Christian Kühlwetter im Team?

BRAUNSCHWEIG ZULETZT IM AUFWIND

Der aktuelle Tabellen-17. trifft in Braunschweig auf einen Gegner, der hinter ihm rangiert, was gegenwärtig nicht allzu viele tun. Dabei ist die Eintracht im Grunde ähnlich ambitioniert in die Runde gestartet wie der FCK. Der Marktwerttabelle von transfermarkt.de zufolge verfügt der Verein sogar über den wertvollsten Kader der Dritten Liga, liegt damit noch vor dem mit ordentlich Investorengeld gepimpten Tabellenführer aus Uerdingen. Allerdings waren die Braunschweiger nach ihrem Last-Minute-Abstieg aus der Zweiten Liga in der vergangenen Saison zunächst paralysiert, brauchten lange, bis sie ihren Kader für den Neustart beisammen hatten.

Zuletzt ging es jedoch aufwärts. Vor zwei Wochen glückte mit einem 2:0 gegen Jena der erste Saisonsieg, dem ein 1:1 bei Kickers Würzburg folgte. Den Treffer dabei erzielte der Ex-Lauterer Philipp Hofmann. Dass die Eintracht den Trend heute Abend vor eigener Kulisse bestätigen will, liegt auf der Hand.

Da scheint sich also das allmähliche Zusammenwachsen abzuzeichnen, für das die FCK-Verantwortlichen weiterhin Zeit proklamieren. Fortschritte auf spielerischer Ebene waren in den vergangenen Wochen ja durchaus auch zu erkennen. Betrachtet man jedoch die nun vorliegenden xG-Grafiken des Jena-Spiels, haben die sich am Samstag jedoch nicht bestätigt, trotz dreier erzielter Treffer.

LAUT XG-GRAFIK WAR JENA NÄHER DRAN AM SIEG

Die xG-Timeline hat sogar eine Siegeswahrscheinlichkeit von 51 Prozent für Jena errechnet. Das überrascht den dem FCK zugeneigten Betrachter etwas, hat er doch am Samstag nach dem Abpfiff nur grimmig gelächelt, als Jena-Spieler zu Protokoll gaben, sie hätten den Sieg verdient gehabt.

2018-09-22 1204590 xG plot FC Carl Zeiss Jena 3 - 3 Kaiserslautern.jpg

Bei näherem Hinsehen fällt der geringe Ausschlag auf, den Elias Huths 3:2 verursacht. Der lässt sich so interpretieren: Flanken wie die Sternbergs, der diese fast von der linken Außenlinie an über einem halben Dutzend Mit- und Gegenspieler vorbei schlägt, weisen im Grunde nur eine geringe Wahrscheinlichkeit auf, den Kopf eines sechs Meter vorm Tor stehenden Stürmers zu finden. Da hat Jena überdurchschnittlich schlecht verteidigt.

Die xG-Timeline zeigt aber auch: Jena war in der Leerlaufphase zwischen der 45. und der 77. Minute eben doch emsiger, hat sich einige Einschusspositionen verschafft, die zwar nur eine vergleichsweise geringe Trefferwahrscheinlichkeit aufwiesen, aber immerhin – sie tragen zum erstaunlich deutlichen xG-Endergebnis von 2.11 : 1.53 für Jena bei.

Der spielerische Rückschritt Lauterns offenbart sich noch stärker in der Visualisierung der „Zone 14“-Aktivitäten. Im Vergleich zu den vergangenen Partien wurde im Zehnerraum kaum was kreiert.

2018-09-22 Kaiserslautern Zone 14 plot FC Carl Zeiss Jena 3 - 3 Kaiserslautern.jpgBei Jena sieht das immerhin so aus.

2018-09-22 FC Carl Zeiss Jena Zone 14 plot FC Carl Zeiss Jena 3 - 3 Kaiserslautern.jpgDie Positions- und Passgrafiken des FCK weisen erneut Löhmannsröben als fettesten Punkt aus, das heißt, er hatte die meisten Ballkontakte. Das ist zunächst mal schön, eine starke Leistung kann ihm dennoch nicht bescheinigt werden, angesichts der Ballverluste, die er zu verantworten hat. Diese Schaubilder verraten eben auch nicht alles.

Traurig auch wieder mal die Darstellung Albaeks. Florian Dick ist der einzige Spieler, zu dem der Däne mehr als drei Pässe spielte – und das als zentraler Mittelfeldspieler. Allerdings wurde er außer von Löhmannsröben und Kühlwetter auch selbst kaum angespielt. Immerhin glückte Albaek der Assist zu Kühlwetters 1.0. Das gibt ihm vielleicht endlich Auftrieb.

Andererseits darf man schon jetzt gespannt sein, wie der Trainer handelt, wenn ihm der spielstarke Biada wieder zur Verfügung steht – das könnte schon kommenden Samstag gegen Lotte der Fall sein. Muss der so erfrischend auftretende Theo Bergmann dann allen Ernstes wieder auf die Bank? Seine Idealposition ist eigentlich die Acht – die, auf der Albaek nun seit Wochen schon nicht in die Puschen kommt.

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