4:1! Lautern feiert ein neues Dream Team – und die Frischzellenkur trägt weiter Früchte

Was war das denn? Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt in Braunschweig 4:1, und schon ist aus dem Team, dem sieben Spiele lang kein Sieg glückte, eines geworden, das nunmehr seit fünf Spielen ungeschlagen ist – so ist das mit diesen Serien. War das der Neustart in die Saison? Gemach, gemach. Darauf könnte zwar einiges hindeuten, andererseits standen Braunschweiger so schön hoch, dass sie Spielertypen wie Christian Kühlwetter und Timmy Thiele zu schnellen Gegenstößen regelrecht einluden. Die Sportfreunde Lotte, die am kommenden Samstag, 14 Uhr, auf dem Betzenberg gastieren, werden Lautern wieder zum Topfavoriten erklären die Sache entsprechend zurückgezogen angehen, drittligalike eben.

Dabei deutete nach 45 Minuten alles darauf hin, als ob es in Hälfte zwei neue Nahrung für das Magengeschwür gäbe, das sich Lautern-Fans in den vergangenen Wochen herbeigeärgert haben. Der FCK hatte nämlich wieder mal eine Führung verspielt, zum sechsten Mal in dieser Saison schon. Dabei waren die Gastgeber zunächst in Geschenklaune gewesen.

ERST GIBT’S GESCHENKE, DANN DRUCK

Nach zwölf Minuten durfte Christian Kühlwetter einen Einwurf Janek Sternbergs am Strafraumeck annehmen – der Treffer muss statistisch also als „Tor nach Standardsituation“ geführt werden –, und geradezu unverschämt frech abziehen. Eintracht-Keeper Marcel Engelhardt reagiert einfach nicht. 1:0 – tja, auch andere haben Probleme mit den Nerven.

Insgesamt braucht die Eintracht braucht rund eine runde Viertelstunde, um ihre in den Griff zu bekommen. Dann aber rollt die Angriffsmaschine, und die Elf zeigt, dass Coach Hendrik Pedersen sie nach dem schlechten Saisonstart mit nur drei Punkten nach sechs Spielen nunmehr recht ordentlich geformt hat. Sie attackiert früh, steht entsprechend hoch, schließt Ballbesitzphasen in der Regel mit einem Zuspiel auf Wandspieler Philipp Hoffmann ab, der sich vorne gut zu behaupten versteht – nicht gerade Zauberfußball, aber klare Handschrift.

Nur Timmy Thiele zeigt mit einem schnellen Konter zwischenzeitlich, wie es in der zweiten Halbzeit doch noch laufen könnte – und auch wird.

WIE GEHABT: LAUTERN VERSPIELT FÜHRUNG

Zuvor aber gleicht Braunschweig aus. Leandro Putaro vollstreckt im zweiten Versuch, nach dem Eintracht-Zehner Mergim Fejzullahu zuvor gerade noch abgeblockt werden konnte. Und angesichts der Wucht, mit der die Blaugelben vor der Pause agierten, setzen sämtliche Halbzeitkommentatoren nun auf Sieg für Braunschweig.

Immerhin: In der Defensive hat Lautern bislang konzentriert gearbeitet, war längst nicht so patzfreudig wie in den Spielen zuvor. Für den angeschlagenen Florian Dick verteidigt Dominik Schad. Ihm gelingt nicht alles, aber sein Speed tut gut. In der Mittelfeldzentrale spielt für Mads Albaek, den Trainer Michael Frontzeck mal schonen will, Gino Fechner – und der verbessert die Zweikampfquote im Raum vor dem Sechzehner. In der Innenverteidigung verteidigt erneut Lukas Gottwalt für André Hainault.

DIE YOUNGSTER MACHEN FREUDE – WEITER SO

Ist schon interessant: Das sind nunmehr drei Youngster, die für drei zu Saisonbeginn noch gesetzte Routiniers ins Team gerückt sind, und alle drei tragen zu mehr Stabilität bei. Ganz zu schweigen von Christian Kühlwetter, der seit der Partie in Jena vergangene Woche das bis dato hängende Lautrer Flügelspiel belebt. Da lässt sich nur empfehlen, mit der Frischzellenkur weiter fortzufahren.

In Hälfte zwei nutzt Lautern dann exakt das, was Braunschweigs Spiel im Grunde positiv prägt, eiskalt für eigene Zwecke aus. Die Blaugelben mögen ja hoch stehen und gerne den Ball haben, aber die Roten haben Kühlwetter und Thiele.

Nach ihrer ersten Zusammenarbeit über die linke Seite brauchen sie allerdings ein weiteres Mal die Hilfe eines Gegenspielers – der bis dato eigentlich stark aufspielende Linksverteidiger Malte Amundsen netzt eine flache Linksflanke Thieles selbst ein. Ehrlich gesagt, wär kein Lautrer zur Stelle gewesen, der es an seiner Statt hätte besorgen können.

DAS PROBLEM IST DIE „3“ – UND DIE DROHENDE NACHSPIELZEIT

In der 61. Minute demonstriert es das neue Dream Team aber, dass es auch ohne Feindeshilfe geht. Kühlwetter schickt Thiele, der tankt sich wieder über den Flügel durch, passt zurück, Kühlwetter vollstreckt. Und hat nun drei Treffer in zwei Spielen auf dem Konto – ist das Lauterns neuer Torjäger?

Nun steht es also 3:1. Was daran noch Sorgen macht? Ganz einfach: die Zahl „3“. Die beiden jüngsten Saisonspiele des FCK endeten bekanntlich 3:3, jedes Mal nach eigener Führung. Ob das die Mannschaft nervös macht?

Zunächst mal nicht. Die Hintermannschaft steht weiter konzentriert, keiner patzt, auch Keeper Wolfgang Hesl nicht, dem Frontzeck ein wenig überraschend die Kapitänsbinde übergeben hat. Eigentlich war Kevin Kraus an Stelle von Dick vorgesehen. Ein Psycho-Trick von Frontzeck, um dem Goalie den Rücken zu stärken? Wenn ja, hat er funktioniert.

ÖHA! FRONTZECK WECHSELT MAL NICHT POSITIONSTREU

Später überrascht Frontzeck noch zweites Mal, bringt Innenverteidiger Hainault für den offensiven Flügelspieler Kühlwetter, ein nicht positionsgetreuer Wechsel also. Untypisch für den Coach – und, vielleicht, ein falsches, weil zu frühes Signal, sich mit nacktem Mauern über die Zeit zu retten? Hier gilt der alte Rehhagel-Spruch: Wer hinterher gewonnen hat, hat auch alles richtig gemacht.

Doch noch droht die Nachspielzeit, und in der hat’s bei Lautern schon vier Mal in dieser Saison eingeschlagen. Und vorne steht immer noch die „3“.

HEMLEIN STATT HERZTROPFEN – UND KÜHLWETTER LÄSST SICH ZWICKEN

Nö, diesmal nicht. Dank des für Hendrick Zuck eingewechselten Christoph Hemlein. Der marschiert zwei Minuten, ehe die nervenfressende Nachspielzeit beginnt, über die rechte Seite auf und davon, schlägt im Sechzehner einen Haken nach innen und zieht mit links ab. 1:4. Feierabend.

Es geht also doch: Ein FCK-Spiel angucken, ohne dass Herztropfen benötigt werden.

Christian Kühlwetter erklärt, er müsse sich nachher im Bus erst mal zwicken lassen. Nicht, dass er am Ende geträumt hätte. Hat er nicht. Hat er tatsächlich nicht.

Schee war’s. 

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