Jetzt heißt es nachlegen – „Volle Lotte“ gegen die Sportfreunde

„Never change a winning team“ – oder doch was anderes? Die Frage stellt sich natürlich nach dem überzeugenden 4:1-Sieg des 1. FC Kaiserslautern gegen Eintracht Braunschweig und vor der nun folgenden Heimpartie gegen die Sportfreunde Lotte am Samstag, 14 Uhr. Und natürlich beantwortet ein Trainer sie zwei Tage vorm Spiel nicht eindeutig: „Ist beides möglich“, erklärte Michael Frontzeck in der PK zum Spiel. Fakt ist, dass Julius Biada und Florian Dick wieder zur Verfügung stehen, was dem Coach so etwas wie ein Luxusproblem schafft. Wir gönnen uns derweil noch einen Blick auf die „expected Goals (xG)“-Grafiken zum Braunschweig-Spiel – und erfahren einmal mehr: Ballbesitz wird überschätzt.

Aus des Trainers Worten heraushören zu wollen, wer am ehesten die Chance, in die zuletzt erfolgreiche Startelf zurückkehrt, ist ein müßiger Zeitvertreib. Wir erlauben uns nach Ansicht des Videos von der PK mal die Prognose, Dick eher als Biada, wobei es für den Stellvertreter des Rechtsverteidigers, Dominik Schad, viel Lob gab. Wie auch für den Rest der jungen Wilden, die den zu Saisonbeginn gesetzten Routiniers derzeit ein wenig den Rang ablaufen.

Wobei Michael Frontzeck allerdings klar zu verstehen gab, dass er auch künftig die Jüngeren nicht selbstverständlicher Weise bevorzugen werde, sondern die Mannschaft aufstelle, der er am ehesten den Sieg zutraut. Gegen Lotte gelte es nun, hellwach zu sein, gut gegen den Ball zu arbeiten und bei Ballgewinn des Gegners schnell aus der Aktion in die Reaktion zu kommen, da Lotte das Umschaltspiel exzellent beherrsche. Die übliche Ansage also, wie sie auch vor ungefähr 80 Prozent aller Drittligaspiele zu hören sein wird, die auf die Lauterer warten. Mannschaften wie Braunschweig, die gegen die Pfälzer selbst initiativ sein wollen und weit nach vorne schieben, werden die Ausnahme bleiben.

LOTTE: VOLL IM TRITT NACH SEUCHENSTART – UND VIELE BEKANNTE GESICHTER

Vor dem Verein mit diesem wunderschönen Namen, der so nach ehrpusseliger, guter alter Fußballzeit klingt, warnt vor allem der Trend. Nach einem katastrophalen Saisonstart mit fünf sieglosen Spielen und vier Niederlagen sind die Lotter nun im Tritt, siegten in den vergangenen vier Partien drei Mal. Dazu laufen am Betzenberg einige bekannte Gesichter auf. Michael Schulze etwa, der nun im defensiven Mittelfeld agiert, dazu Tino Schmidt, dem in Lautern der Sprung von der U23 in die Erste Mannschaft versagt blieb. Oder Marcus Piossek, der beim Lotter 2:0-Sieg über Jena allerdings nicht im Kader stand.

Die Sportfreunde kicken heuer im dritten Jahr in Liga drei. Bundesweit auf sich aufmerksam machten sie in der Saison 2016/17, als sie im DFB-Pokal nacheinander die Bundesligisten aus Bremen und Leverkusen sowie den Zweitligisten 1860 München ausschalteten, erst im Viertelfinale war gegen Dortmund Schluss. Ihr damaliger Coach Ismail Atalan profilierte sich in dieser Spielzeit als Top-Trainertalent, scheiterte dann aber in Bochum und wartet seither auf einer Anstellung. Im Juli hospitierte er wieder einmal bei seinem Idol Pep Guardiola in Manchester.

Die Lotter indes hatten seither kein Trainerglück mehr. Zählt man die Interimslösung Klaus Bienemann mit, ist der aktuelle Coach Nils Drube der sechste Übungsleiter seit Atalan. Zwei davon, Matthias Mauksch und Oscar Corrochona – diesen übrigens schon nach zwei Wochen – sägte die Mannschaft selbst per Intervention beim Vorstand ab. Drube ist vor seinem Engagement bei Lotte lediglich als Scout und Jugendtrainer in Leverkusen und Münster in Erscheinung getreten.

Gucken wir uns jetzt noch einmal ein paar Grafiken zum Braunschweig-Spiel an.

DIE xG-GRAFIKEN: AUS WENIGER BALLBESITZ MEHR GEMACHT

Einmal mehr wird die höhere Aussagekraft der „xG“-Tools von Sander IJtsma deutlich. Die banale Torschussstatistik weist ein 15:10 für Braunschweig aus, was das Endergebnis von 1:4 ein wenig widersprüchlich erscheinen lässt. In der xG-Timeline, in der die erarbeiteten Einschusspositionen qualitativ anhand einer Unmenge von Vergleichsdaten errechnet werden, steht dagegen ein 1.36 : 1 für Lautern zu Buche.

Dass bei den ersten beiden Treffern der Gegner ordentlich mithalf, bleibt dennoch Fakt. Amundsens Eigentor produziert auch nur einen geringfügigen Ausschlag, schließlich war kein Lautrer in der Nähe. Kühlwetters genutzte Torchance dagegen war hochwertig – wer aus dieser Position frei zum Schuss kommt, trifft eben öfter, auch wenn der Keeper besser reagiert.

Ebenfalls zu sehen: Zwischen der 20. und der 55. Minute agierte der FCK ein bissi wenig in Richtung Gegnertor. Da hätte das Spiel auch eine andere Wendung nehmen können. Immerhin: Unterm Strich errechnet „11tegen11“ eine Lautrer Siegeswahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Passt also.

In der Positions- und Passgrafik fallen im Vergleich zu den vergangenen Spielen die vergleichsweise kleinen Punkte auf, die die Lauterer Spieler markieren. Sie hatten eben deutlich weniger Ballbesitz, weil den die Eintracht beanspruchte – wie schon gesagt, das passiert dem FCK in dieser Liga eher selten. Sogar die normaler Weise hoch frequente Umschaltstation Löhmannsröben sieht ein wenig mickrig aus, obwohl er ordnender und in seiner Aktionen klarer agierte als bei seinem fahrigen Auftritt vor Wochenfrist in Jena – Ballbesitz ist eben nicht alles, es ist viel mehr wie mit Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht.

Sehr unterschiedlich präsentieren sich die Punkte der beiden offensiven Flügelspieler. Zuck einmal mehr blass, die meisten Pässe spielte er zurück zu Innenverteidiger Gottwalt, das sagt vielleicht nicht alles, aber viel. Schön fett im Spiel dagegen Kühlwetter. Ein bisschen erstaunlich, dass der zweifache Torschütze, der so glänzend mit Thiele harmonierte, keines der Sternchen abgekriegt hat, die den Spielern vorbehalten sind, welche an den meisten xG-Situationen beteiligt sind. Alles verstehen wir an diesen Grafiken eben auch nicht.

Weniger aussagekräftig fällt diesmal die Betrachtung der „Zone 14“-Grafik aus. Ist insofern nicht überraschend, als dass der FCK seine sämtlichen Tore und Gelegenheiten über die Flügel einleitete. Und dafür, dass das Spiel sich vornehmlich in der Lauterer Hälfte verdichtete, sieht die Visualisierung gar nicht mal so schlecht aus.

Zum Vergleich die „Zone 14“-Grafik der Braunschweiger. Sie hatten eben den Ball schon sehr oft und haben auch versucht, was draus zu machen.

Das zeigt auch die Positions- und Passgrafik der Eintracht. Gleichmäßig dicke Punkte, viel Interaktion dazwischen, aber gewonnen haben dennoch die anderen.

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