Erst zwei Mal Hacke – und dann zuckt’s

Sieben Punkte aus der nun abgelaufenen Englischen Woche, seit sechs Spielen ungeschlagen, in den jüngsten vier Partien zwölf Treffer erzielt, nunmehr auf Tabellenrang sieben angekommen und somit auf Schlagdistanz zur Spitze – am Betzenberg macht sich nach äußerst unruhigen Wochen langsam wieder Zufriedenheit breit. 2:1 hat der 1. FC Kaiserslautern am Samstagnachmittag die Sportfreunde Lotte geschlagen. Der über neunzig Minuten im Grunde kaum gefährdete Sieg sollte aber nicht darüber nicht hinwegtäuschen, dass die Lautrer in der ersten Hälfte die 19.516 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion ziemlich langweilten.

Es war erst der Treffer kurz vor der Pause, der die Weichen so stellte, wie sie das Gros aller Drittligisten immer gerne gestellt haben will. So ein Führungstreffer zwingt den Gegner, hinten aufzumachen und Platz für eigene Konter anzubieten. So läuft es auch diesmal, weswegen die zweite Hälfte netter anzuschauen ist.

HÄLFTE EINS: LAUTERN GUT GEGEN DEN BALL – ABER SONST? 

Bis dahin hatte der FCK die Rolle desjenigen ausgefüllt, der die Initiative ergreifen muss, und die hat er, freundlich ausgedrückt, nur sehr zurückhaltend ausgefüllt. Dominik Schad zog nach einer Viertelstunde aus spitzem Winkel ab, Christian Kühlwetter aus 18 Metern. Dazu noch einige Eckbälle, aus denen sich aber nichts entwickelte – das war’s eigentlich.

Der Ball läuft bei Lautern einfach nicht lange genug, als dass sich  im gegnerischen Defensivblock mal Lücken auftun könnten. Nach drei, vier Stationen ist Schluss, und das nach zum Teil leicht vermeidbaren Fehlpässen. 

Immerhin steht auch auf der anderen Seite die Null: Die Sportfreunde kommen gar nicht vors Lautrer Tor, was nicht zu unterschätzen ist, denn zuletzt haben sie in vier Spielen zehn Punkte geholt. „Wir haben sehr gut gegen den Ball gespielt“, konstatiert Michael Frontzeck hinter denn auch.

DIE JUNGEN TUN WAS FÜR DIE PSYCHE, DIE ALTEN SITZEN AUF DER BANK

Tore zu psychologisch ungünstigen Zeitpunkten sind zwar noch nie erzielt worden, die Floskel vom „psychologisch günstigen Zeitpunkt“ gehört jedoch unabdingbar ins Reporter-Repertoire, wenn ein Treffer kurz vorm Pausentee erzielt wird. Markiert wird er von Gino Fechner, und dessen Psyche tut das Erfolgserlebnis auf jeden Fall gut. Es ist der erste Pflichtspieltreffer des 21-jährigen, der gar nicht gut in die Saison gestartet war, von Frontzeck aber immer wieder gebracht wurde. Es scheint, als würde der Coach für sein beharrliches Festhalten an Personalien, für das er vor wenigen Tagen noch als „stur“ gescholten worden ist, nun belohnt.

Ohnehin hat Frontzeck die gleiche Startelf ins Rennen geschickt, die am Dienstag beim 4:1 in Braunschweig nach acht sieglosen Spielen „den Bock umgestoßen hat“, wie es der Trainer später formuliert. Was den Altersdurchschnitt auf der Lauterer Reservebank krass in die Höhe trieb, da Routiniers wie Mads Albaek, André Hainault, Christoph Hemlein und Florian Dick darauf Platz nehmen mussten, ebenso Julius Biada. Eine für einen Drittligisten wirklich beeindruckende Bankbesetzung.

ZUCK TRIFFT – DOCH SEINE VORBEREITER STEHLEN IHM DIE SCHAU

Fechner aufgelegt hat den Ball zum Führungstreffer Hendrick Zuck, in seinen nunmehr vierten Spiel, in dem er auf die Rechtsaußenposition zurückgekehrt ist. Und zwar genau so, wie Zuck sich sein Spiel auf dieser Seite vorstellt: nach innen ziehen und den stärkeren linken Fuß einsetzen.

Der 28-jährige, ebenfalls nicht gerade berauschend in die Saison gestartet, pflegt sein Selbstvertrauen in Hälfte zwei noch nachhaltiger: Das 2:0 markiert Zuck selbst, mit rechts übrigens, wobei ihm seine Vorbereiter allerdings die Schau stehlen. Zunächst benutzt Timmy Thiele, dann Theo Bergmann jeweils die Hacke, um den Ball weiterzuspielen. Samba-Fußball in der Pfalz, wie schön. 

Zuvor hat Kühlwetter einen Riesending vergeben. Nach einem langen Ball von Keeper Wolfgang Hesl hat er sich gegen Michael Schulze durchgesetzt und ist im Strafraum frei zum Schuss gekommen, Lotte-Goalie Steve Kroll ist jedoch zur Stelle. Die Szene zeigt jedoch, wie Lautern sich das Spiel in Hälfte zwei vorstellt.

DER DRITTE TREFFER FÄLLT NICHT – DAS HÄTTE SICH RÄCHEN KÖNNEN

Ein dritter Treffer will jedoch nicht gelingen, obwohl der FCK einige Male in Überzahl über die Mittellinie marschiert, dann aber nicht gut zu Ende spielt. „Das ist der einzige Vorwurf, den ich meiner Mannschaft heute mache: Dass wir das Spiel nicht frühzeitig entschieden haben“, sagt der Trainer hinterher.

So beginnt in den Schlussminuten doch noch das große Flattern. Erst köpft Lotte-Innenverteidiger Matthias Rahn an den Pfosten, dann trifft der eingewechselte Paterson Chato Alu, und der ebenfalls neu ins Spiel gekommene Jeron Al-Hazaimeh netzt ein. Danach ist aber direkt Schluss. Gott sei Dank, der FCK hat zuletzt genug Punkte in der Nachspielzeit abgegeben.

 Zuck dürfte nun gemeinhin als Matchwinner gefeiert werden, nicht vergessen werden sollte aber die Leistung Jan Löhmannsröbens, der sich als tief agierender Sechser und Mann für den ersten Pass bei Ballbesitz immer stärker etabliert. Wenngleich er manchmal noch Wege nach vorne bespielen möchte, die im Grunde nicht vorhanden sind, wie auch sein Trainer anmerkte. Und gerade in der ersten Halbzeit leistete sich „Löh“ ein paar Fehlpässe, die er unbedingt noch abstellen sollte, wenn Lautern noch weiter nach oben klettern will. Die nächsten Gegner heißen Osnabrück und Uerdingen – zwei die in der Tabelle vor dem FCK stehen.

DER NICHT GEGEBENE ELFER: BEI REMIS WÄR ER EIN SKANDAL GEWESEN

Erwähnt werden muss noch eine Szene in der 86. Minute. Löhmannsröben kommt an der Strafraumgrenze zu Fall, und die Aktion des eingewechselten Dennis Rosin gegen den Lautrer ist ein Lehrbuch-Beispiel für „Bein stehen lassen“, wie es plakativer kaum geht. Schiedsrichter Patrick Alt pfeift jedoch nicht, obwohl er und sein Assistent im Grunde korrekt zum Geschehen postiert sind. Da der FCK zu diesem Zeitpunkt 2:0 führt, regt sich niemand sonderlich auf.

Dass eine krasse Fehlentscheidung zu einem vergleichsweise undramatischen Zeitpunkt getroffen wird, darf jedoch bei der Bewertung der Schiedsrichterleistung keine Rolle spielen. Hoffentlich hat sich ein Spielbeobachter des DFB die Szene notiert – und dick mit Rot und Ausrufezeichen markiert. Solche Entscheidungen sind im Profifußball nicht akzeptabel. Hätte es zu diesem Zeitpunkt Remis gestanden, wäre die nächste Wutrede Löhmannsröbens angezeigt gewesen.

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