Nach zwölf Toren in vier Ligapartien fährt Lautern nun zum Tabellenführer mit der Betondefensive

Nach einem ungefährdeten 7:0 im Verbandspokal über Oberligist Idar-Oberstein wartet nun am Samstag (14 Uhr) eine echte Nagelprobe auf den seit sieben Pflichtspielen ungeschlagenen 1. FC Kaiserslautern. Die Pfälzer gastieren bei Tabellenführer VfL Osnabrück. Ob die Lauterer da allerdings auf einen Spitzenreiter treffen, der das Spiel so vehement an sich reißen will wie  Eintracht Braunschweig in der jüngsten Auswärtspartie – und den Pfälzern so erlaubt, mit ihren Schwungrädern Kühlwetter/Thiele effektiv zu kontern? Immerhin deuten die xG-Grafiken aus dem Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte an, dass der FCK sich auch im Spiel gegen tief stehende Gegner verbessert.

Beim Verbandspokaldebüt in Idar-Oberstein sah das zumindest in der ersten Hälfte allerdings nicht ganz so überzeugend aus. Weder lief der Ball über mehrere Station flüssig, noch setzten sich die Flügelspieler öfter mal   überzeugend im 1:1 durch, sieht man mal von Florian Picks Aktion zum 2:0 kurz vor dem Pause ab. Aber wollen wir angesichts eines 7:0 allen Ernstes anfangen zu meckern? Zumal die Startelf in Osnabrück wieder komplett anders aussehen dürfte.

Im Team bleiben wird auf jeden Fall André Hainault, der Lukas Gottwalt ersetzt – der Youngster fällt wegen muskulären Problemen aus. Spannend bleibt zudem die Frage, ob Kapitän Florian Dick auch weiterhin nicht auf seinen angestammten Platz als rechter Verteidiger zurückkehrt, sondern Dominik Schad den Vortritt lassen muss. Trainer Michael Frontzeck erklärte auf der turnusgemäßen Pressekonferenz am Donnerstag, dass auch er unter Umständen bis zum Spieltag warten, um sich zu entscheiden.

YOUNGSTER-SCHAULAUFEN IN IDAR-OBERSTEIN: LÖSCHNER MACHTE AM BESTEN REKLAME

Interessant anzuschauen in Idar-Oberstein waren die Auftritte der diversen Nachwuchskräfte, denen Frontzeck die Gelegenheit gab, mal ein wenig mit den Profis der Ersten Mannschaft zu kicken. Mohamed Morabet, Iosef Maroudis und Jonas Singer wurden eingewechselt, wobei Morabet sich in die Torschützenliste eintrug. Carlo Sickinger, Jonas Scholz und Julian Löschner durften durchspielen.

Sickinger agierte neben Mads Albaek ordentlich und wird in dieser Spielzeit auf jeden Fall noch sein Debüt in der Dritten Liga geben, wie Frontzeck ebenfalls auf der PK bekanntgab. Scholz war im Abwehrzentrum neben Hainault nicht sonderlich gefordert, besitzt aber dank seines linken Fußes eine Option, die bei Innenverteidigern eher selten ist. 

Die beste Werbung für sich dürfte Löschner betrieben haben, der als linker Verteidiger einige gute Szenen hatte – dabei wird er in der U21 meist auf der anderen Seite eingesetzt. Da Flavius Botiseriu noch länger ausfällt, fehlt dem Profi-Kader aktuell ein vierter Außenverteidiger – für diese Planstelle könnte Löschner nun die Nase vorn haben.

OSNABRÜCK TABELLENFÜHRER – ÜBERRASCHEND? GAR NICHT MAL SO

Nun also Osnabrück. Dass die finanziell chronisch klammen Niedersachen nach dem 10. Spieltag die Tabellenspitze der Dritten Liga zieren, mutet auf den ersten Blick überraschend an. Vergangene Saison beendete der VfL die Runde auf Rang 17, blieb nur aufgrund der Insolvenzen von Chemnitz und Erfurt in der Klasse. 

Andererseits: Osnabrück ist auch in den vergangenen Spielzeiten immer mal durch Aufsehen erregende Höhenflüge aufgefallen, die sich im Lauf der Saison dann nivellierten. Was nicht heißt, dass dies auch diese Saison so kommen muss. Die einzige Saisonniederlage bislang kassierte die Elf übrigens zuhause, gegen den Karlsruher SC.

Gecoacht wird die Mannschaft im zweiten Jahr von ihrem ehemaligen Offensivspieler Daniel Thioune, der sich über die erfolgreiche Trainerarbeit in den Junioren-Bereichen des Klubs für höhere Aufgaben empfohlen hatte. Im Gegensatz zu FCK-Trainer Frontzeck wechselt der Deutsch-Senegalese gerne öfter mal das Spielsystem, im 3-5-2 war Osnabrück diese Saison ebenfalls schon zu sehen wie im 4-3-3. Und das, obwohl er mit einem Kader arbeitet, der im Sommer kräftig durchgewirbelt wurde. 

Prunkstück Osnabrücks ist der Defensivverband, der erst fünf Gegentreffer zuließ. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass Lautern nicht unbedingt auf einen Spitzenreiter trifft, der das Spiel machen will.

GEGEN LOTTE WAR LAUTERN IN DER „ZONE 14“ AKTIV WIE SELTEN

Doch auch die Sportfreunde Lotte standen vergangenen Samstag recht tief. Und den Lautrern gelang es zumindest besser als zuletzt, die Rolle der Mannschaft zu spielen, die die Initiative übernehmen muss. Auch Hendrick Zuck hat in unserem Interview diese Woche darauf hingewiesen, dass mittlerweile mehr Fußball im Angriffsdrittel gespielt wird. Die Visualisierung der „Zone 14“-Grafiken bestätigt dies.

2018-09-29 Kaiserslautern Zone 14 plot Kaiserslautern 2 - 1 Sportfreunde Lotte.jpg

Acht Pässe aus dem Zehnerraum in die Box, von denen fünf ankamen – das ist Bestwert dieser Saison. Auch wenn die beiden Tore schlussendlich über die Flügel vorbereitet wurden.

In der Positions- und Passgrafik fällt auf, dass Theo Bergmann den „Gold Star“ des Spielers trägt, der an den meisten „expected Goals (xG)“ beteiligt war. Und nicht etwa Torschütze und Vorlagengeber Zuck, auf den wir alle wohl getippt hätten. Den schmückt lediglich Silber.

2018-09-29 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Sportfreunde Lotte.jpg

Und zum Schluss noch die xG-Timeline des Lotte-Spiels. Die den subjektiven Eindruck klar bestätigt: Lauterns Sieg ist aufgrund der überlegenen Qualität an herausgearbeiteten Einschusspositionen hochverdient. Lotte fand bis zu seinen Alu-Treffern in den Schlussminuten offensiv im Grunde nicht statt.

2018-09-29 1204609 xG plot Kaiserslautern 2 - 1 Sportfreunde Lotte.jpg

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