Der Gipfelsturm fällt erst mal aus – Lautern fängt stark an und baut stark ab

Der Angriff auf die oberen Tabellenplätze lässt weiter auf sich warten. Der 1. FC Kaiserslautern kassiert beim Tabellenführer VfL Osnabrück eine 0:2 Niederlage. Einmal mehr wechseln in 90 Minuten ziemlich heftig Licht und Schatten. Der FCK gerät nach 35 wirklich starken Minuten in Hälfte eins in Rückstand, kann danach nicht mehr wirkungsvoll zurückschlagen und baut zum Ende der Partie hin einmal mehr deutlich ab. Ein Manko, das sich anscheinend nicht ausmerzen lässt, trotz vieler Verbesserungen in Abstimmung und Spielanlage, die nach nunmehr elf Spieltagen erkennbar sind.

Wie angekündigt, hat Trainer Michael Frontzeck André Hainault für den  verletzten Lukas Gottwalt gebracht. Ein glatter 1:1 Wechsel in der Innenverteidigung, der sich auch nicht weiter negativ auswirkt. Der 32-jährige Kanadier bewältigt seine Aufgabe erwartungsgemäß routiniert und darf sich schon nach vier Minuten das erste Mal als Feuerwehrmann auszeichnen. Jan Löhmannsröben lässt sich in der Abwehrlinie zu viel Zeit für den ersten Pass und sich von Anas Ouahim und Marc Heider den Ball abjagen. Danach sind erst mal zwei Eckbälle des VfL zu überstehen, ehe Lautern ins Spiel findet. Und das sieht bis zur Pause richtig gut aus.

DIE GRUNDFORMATIONEN SEHEN AUF DEM RASEN ANDERS AUS ALS AUF DEM PAPIER

Die Pfälzer formieren sich erneut in ihrem zuletzt praktizierten 4-2-3-1, wobei nicht mehr nur Zehner Theo Bergmann im Spiel gegen den Ball zur zweiten Spitze wird. Auch die Außen Hendrick Zuck und Christian Kühlwetter attackieren mittlerweile früher und mit mehr Drang ins Zentrum als noch in den ersten Saisonspielen. VfL-Coach Daniel Thioune bietet auf dem Papier eine 4-1-3-2-Formation auf, die sich auf dem Rasen allerdings recht beweglich präsentiert. 

Vor allem der als rechter Flügelspieler nominierte David Blacha unterstützt den einzigen Sechser Ulrich Taffertshoffer wirkungsvoll in der Defensivarbeit. Was auch nötig ist, wie sich ab Minute 11 abzeichnet: Taffertshoffer verliert auf der linken Abwehrseite den Ball gegen Kühlwetter, der passt diagonal durch den VfL-Strafraum auf Janek Sternberg, worauf dieser zur Grundlinie durchgeht und den Ball gegen den kurzen Pfosten setzt.

LAUTERN STARK ÜBER DIE FLÜGEL, ABER DER KNIPSER FEHLT

Von da an kultiviert Lautern weiter die Handschrift, die schon in den vergangenen Wochen immer deutlicher zu erkennen war. Betontes Spiel über die Flügel, bei dem nicht unbedingt mit scharfen Flanken der Weg in die Box gesucht wird, sondern auch mit klugen Quer- und Rückpässen. Die nächste große Chance hat Zuck in der 19. Minute, als er ein Zuspiel von links überhastet verhaut, statt cool zu bleiben – sein Gegenspieler war nämlich bei Zucks Ballannahme zu Boden gegangen. 

Da hätte man sich Lukas Spalvis an dieser Stelle gewünscht, doch der fällt mit einem Knorpelschaden im Knie bis auf Weiteres aus. Ist aber auch zu blöd: Jetzt, wo sich die Lauterer Spielanlage so weit konfiguriert hat, dass regelmäßig gute Anspiele in die Box kommen, fehlt der Knipser. Timmy Thiele bleibt der Mann für die Wege, bei denen er Anlauf nehmen kann.

Obwohl auch er in der 41. Minute kurz vor einem Treffer ist: Er erwischt das flache Zuspiel von Bergmann vor den Fünfer auch, doch Adam Susac kann den Schieber ins lange Eck verhindern und zur Ecke grätschen.

ECKBÄLLE? DAS ALTE LIED: DAS MUSS BESSER WERDEN

Die ruhenden Bälle bei Lautern weisen einmal mehr Qualitätsunterschiede auf. Kevin Kraus erwischt eine Freistoßflanke Bergmanns am langen Pfosten  und köpft in die Mitte, doch Zuck bekommt zum Torschuss nur das Knie an den Ball. Das ist wenigstens gefährlich.

Einige Eckbälle fallen jedoch schon vorm kurzen Pfosten herunter. Das muss einfach besser werden, immerhin kann der FCK Kanten wie Kraus und Hainault in den gegnerischen Strafraum einlaufen lassen. In der Anfangsviertelstunde gibt’s auch mal eine kurze Variante zu sehen, die Zuck und Bergmann ausführen, um danach in die Rückraum zu passen. Daraus entwickelt sich zwar nichts, sieht aber gar nicht schlecht aus. Wiederholt wird das Experiment allerdings nicht mehr.

So bleibt zum Pausenpfiff nur die Phrase: „Die Mannschaft hat sich wieder einmal nicht belohnt.“

NACH DER PAUSE: ES KOMMT SO, WIE ES SICH BEFÜRCHTEN LIESS

Und FCK-Beobachtern, die sich in den vergangenen Jahren eine gewisse Grundskepsis angeeignet haben, schwant bereits: Jetzt kommt bald der individuelle Fehler, der der Partie die Wende zum Unguten gibt.

Der kommt auch, allerdings nicht ganz so unvermittelt. Die Osnabrücker agieren nach der Pause zupackender, massieren sich dichter vor dem eigenen Sechzehner und halten vor allem ihre Flügel dicht. Kühlwetter setzt noch einen schönen Schlenzer aus 16 Metern an, sonst gelingt dem FCK in der Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit nicht mehr viel.

Dann erst kommt’s, wie es kommen muss. Konter Osnabrück, schöner Flankenwechsel auf den munteren Linksverteidiger Felix Agu, und der ahnt sehr smart den Laufweg seines Mitspielers Manuel Farrona Pulido voraus. Kurzer Pass halblinks in den Strafraum, Pulido läuft sich im Rücken von Rechtsverteidiger Dominik Schad frei, Hainault steht zu tief, um den Angreifer abseits stellen zu können, und Pulido trifft den Ball mit dem linken Fuß optimal.

Das ist die eine Aktion, bei der alles stimmt – die, die Lautern bislang nicht zustande gebracht hat. 

1:0 für Osnabrück.

Und dann?

WIE SO OFT: AGIEREN IST SCHWERER ALS REAGIEREN

Das alte Lied: Nur reagieren zu können ist ungleich dankbarer, als agieren zu müssen – wie viele Spiele in den vergangenen Jahren haben wir eigentlich besprochen, die sich nach einem Führungstreffer auf diesen einfachen Nenner bringen lassen?

Der VfL darf nun kontern, Lautern muss kommen, Frontzeck wechselt erst Christoph Hemlein und Elias Huth, später noch Julias Biada ein, für Zuck, Fechner und Kühlwetter. Huth und Hemlein setzen jeweils einen Schuss ab, Huth darf auch nochmal köpfen – aber so richtig zwingend ist das alles nicht.

Sicher wirft der FCK alles nach vorne, sicher bemüht er sich, aber es fehlt die Klarheit in die Aktionen. Die Zuspiele werden zunehmend unpräziser, die Konterchancen der Osnabrücker krasser. 

Unterm Strich ist also erneut ein Leistungsabfall gegen Ende hin zu konstatieren, der sich einfach nicht fassen lässt. Michael Frontzeck erklärt es später mit den „Körnern“, die die vergangenen Wochen gekostet hätten, als sich sein Team aus dem Keller herausarbeiten musste. Mag sein, aber auch in diesen Tagen wurden immer wieder Punkte in der Schlussphase gelassen.

DIE NACHSPIELZEIT KOSTET DIESMAL KEINE PUNKTE, BRINGT ABER DEN TODESSTOSS

Diesmal kostet der Gegentreffer in der Nachspielzeit zwar nicht unmittelbar Zähler, sondern bringt lediglich den Todesstoß. Marcos Alvarez wird noch in der eigenen Hälfte steil geschickt und darf sich mutterseelenallein auf den Weg zum Tor von Wolfgang Hesl machen. Der entscheidet sich, ihm nicht entgegen zu kommen, sondern im Kasten auf den Angriff zu warten. Die Vor- und Nachteile dieses Verhaltens abzuwägen, möchten wir an dieser Stelle den Torwartspielexperten überlassen. Alvarez macht jedenfalls nicht den Eindruck, als bereite es ihm viel Mühe, den Ball am Keeper vorbeizuschieben.

Zu resümieren gibt’s da nur das Übliche: Die Länderspielpause nutzen, um weiter an den Schwachstellen zu arbeiten. Denn am Samstag, 20. Oktober, kommt der KFC Uerdingen auf den Betzenberg. Der mit Spitzenreiter Osnabrück derzeit punktgleiche Tabellenzweite – und ein Team, von dem gemeinhin erwartet wird, dass es sich auf Dauer da oben halten kann. 

Denn bei allem Respekt vor Osnabrücks Höhenflug: In den letzten Jahren sind die Niedersachen, die sich mehr als Westfalen fühlen, nach eben solchen immer wieder auch schnell gelandet.

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