Die dritte Niederlage: Anders als die anderen, aber mehr als nur ein „Rückschlag“

„Unnötig“ und „vermeidbar“ – das sind die Attribute, die am häufigsten im Zusammenhang mit 0:2-Niederlage des 1. FC Kaiserslautern beim VfL Osnabrück genannt werden. Im Prinzip bestätigen das auch unsere „expected Goals“-Plots von „11tegen11“. Die Pleite nach Wochen des Aufwärtsschwungs als einmaligen „Rückschlag“ zu werten, der alsbald wieder korrigiert werden kann, ist jedoch gefährlich. Denn so langsam strapaziert die Forderung von FCK-Spielern und -Verantwortlichen nach mehr Zeit zum Zusammenwachsen nicht mehr nur die Geduld in den Fanherzen – auch für die Rechnerhirne wird es zunehmend schwierig, noch eine akzeptable Erfolgschance für die Mission Wiederaufstieg zu beziffern. Die Zeit läuft davon…

Ein Meister darf nicht mehr als drei Spiele in einer Saison verlieren. Diesen Lehrsatz haben wir irgendwann im Pleistozän der Fußballgeschichte mal gelernt, als es noch keine Statistiker gab, die solche Weisheiten mathematisch überprüften. Denn rechnerisch belegen lässt sie sich natürlich nicht.

NUR ZWEI ZÄHLER NACH UNTEN, ACHT NACH OBEN – DAS IST HEFTIG

Falls da was dran wäre, dürfte der FCK in dieser Spielzeit nun keine Partie mehr abgeben, wenn er die Spitze noch in Angriff nehmen will. FCK-Sportvorstand dürfte diese Pseudo-Weisheit freilich mit einem seiner versonnenen Lächeln bedenken. „Immerhin sind wir ja Achter, das sind die oberen Tabellenplätze ja wohl noch nicht außer Sichtweite, und noch sind 27 Partien zu spielen“ – so könnte eine mögliche Replik lauten.

Beim Blick auf die Punktestände erweist sich die Einschätzung jedoch als trügerisch. Rang acht okay, aber zu Abstiegsrang 17 sind es nur zwei Zähler Abstand, zum ersten direkten Aufstiegsrang dagegen bereits acht. Und am nächsten Spieltag kommt ausgerechnet der Tabellenzweite KFC Uerdingen auf den Betzenberg. Geht die Partie in die Binsen, und gewinnt zeitgleich auch Spitzenreiter Osnabrück bei den Sportfreunden aus Lotte, sind die Plätze an der Sonne elf Punkte entfernt.

Um die aufzuholen, bräuchte es schon ein recht lang anhaltende Siegesserie – und pro Partie sich mehr als 35 überzeugende Minuten wie in Osnabrück. Die dritte Niederlage der Saison sollte also für lange, lange Zeit die letzte des FCK bleiben, so zopfig und fragwürdig unsere Eingangsthese auch anmutet.

LAUTERN WAR DER WAHRSCHEINLICHERE SIEGER – DOCH WAS HILFTS?

In den Visualisierungen Sander IJtsmas stellt sich diese dritte Niederlage freilich schon ein wenig anders dar als die gegen Münster und in Halle. Die xG-Timelines weisen den FCK nämlich als den wahrscheinlicheren Sieger aus.

Beim 0:2 in Halle ergab die qualitative Bewertung und Aufrechnung der erarbeiteten Einschusspositionen ein 1.08 : 0.76 zugunsten der Gastgeber. Die 1:2-Heimpleite gegen Münster sah Lautern zwar leicht vorne, aber nur denkbar knapp mit  0.8 : 0.76. 

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Diesmal also ein 1.1 : 0.75 für den FCK, aber dennoch verloren. Das ist bitter. Aber mit so Attributen wie „Pech“, „unglücklich“ oder „unverdient“ sollte man vorsichtig sein.

Denn ebenso deutlich ist auf der xG-Timeline zu sehen: Der Wert von 1.1 war im Prinzip schon in der 60. Minuten erreicht. Lautern kassiert in den Schlussphasen nicht nur zu viele Tore, die Mannschaft vermag gegen Ende der Partie auch nicht mehr aufzudrehen, gerade auch bei Rückstand nicht. Das ist für ältere Betrachter, die sich noch an die Zeiten eines Kalli Feldkamp erinnern können, sehr frustrierend anzusehen.

Aufschlussreich auch die Visualisierung der Anspiele aus der „Zone 14“. 25 Pässe, davon 18, die ankamen, das sieht zunächst mal gut aus. Aber in die Box wurden nur vier gespielt, und lediglich einer kam an.

2018-10-06 Kaiserslautern Zone 14 plot VfL Osnabruck 2 - 0 Kaiserslautern.jpg

Zum Vergleich: In der vorangegangenen Partie gegen Lotte wurde aus dem Zehnerraum nur 13 Pässe gespielt, davon aber immerhin in den Sechszehner –und fünf fanden einen Adressaten.

Zum Abschluss noch die Positions- und Passgrafik, die im Prinzip eine im Zusammenspiel gut miteinander vernetzte Elf zeigt. Interessant: Fechner und Löhmannsröben waren als zentrale Mittelfeldspieler zwar oft am Ball, wie die Größe des Spots ausdrückt, passen sich gegenseitig den Ball aber kaum zu. 

2018-10-06 Kaiserslautern Passing plot VfL Osnabruck - Kaiserslautern

Bergmann wirkt der Visualisierung zufolge recht präsent, erreichte aber längst nicht die Wirkung der vergangenen Spiele – dafür wiederum kann die „Zone 14“ als Beleg dienen, die ja sein Arbeitsumfeld ins Visier nimmt. Auch Thiele und Kühlwetter erwischten keinen guten Tag. Alles lässt sich mit Punkten und Pfeilen eben auch nicht ausdrücken.

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