Zweites Zwischenzeugnis: Vorne flutscht es jetzt besser, dafür wackelt es hinten

Ob wir’s übertreiben mit unseren Zwischenzeugnissen – jede Länderspielpause, also quasi alle vier Wochen? Woher denn – gerade in dieser Saison könnte die Betrachtung der einzelner Saisonabschnitte des 1. FC Kaiserslautern kaum abwechslungsreicher ausfallen. Nach sechs Spielen mit 4:6 Toren gilt es diesmal, fünf Spiele mit einem Trefferverhältnis von 12:10 näher zu betrachten. Da hat sich also einiges getan.

Vorne flutscht es, hinten ist der FCK allerdings anfällig geworden – das ist der erste Eindruck, der sich angesichts dieser Zahlen aufdrängt. Um beim Betrachten der Torabfolgen fallen natürlich die vielen späten Gegentreffer ins Auge. Die gab es bei der ersten Zäsur schon gegen Münster und in Zwickau zu beklagen, jetzt kommen weitere gegen Köln, in Jena, gegen Lotte und in Osnabrück hinzu.

VIELE SPÄTE GEGENTREFFER – HAT WIRKLICH JEDER EINE ANDERE GESCHICHTE 

Ein sich wiederholendes Fehlerbild mag die sportliche Leitung nicht  erkennen. Oder sagen wir lieber: nicht öffentlich einräumen. Darauf angesprochen, verwies Sport-Geschäftsführer Martin Bader vergangene Woche beim Treffen der Fanregion Rheinhessen/Pfalz noch einmal auf den unberechtigten Elfmeterpfiff Zwickau und das Drama um Keeper Jan-Ole Sievers gegen Köln: Der sei vor dem 3:3 in der Nachspielzeit eigentlich schon verletzt gewesen und hätte rausgemusst, aber das Auswechselkontingent sei bereits erschöpft gewesen. 

Auch die anderen späten Gegentreffer hätten unterschiedliche Geschichten, und überhaupt: In allen deutschen Profi-Ligen fielen diese Saison auffallend viele späte Treffer. Ähnlich fiel auch Baders Antwort auf die Frage nach der sattsam bekannten Lautrer Standardschwäche aus: Die anderen könnten es doch auch nicht besser. 

Konditionelle Probleme seien jedenfalls nicht der Grund für die Gegentrefferflut gegen Spielende, Konzentrationsschwächen auch nicht. Nun gut. 

Angesichts der negativen Kontinuität, die sich da entwickelt hat, wäre es kontraproduktiv, darauf auch noch öffentlich herumzureiten, das würde das, was viele bereits ein „Trauma“ nennen, erst recht zu einem solchen machen. Insofern kann man den Geschäftsführer verstehen. Bleibt nur zu hoffen, dass intern mit einer anderen Einstellung an dem Thema gearbeitet wird.

ANDERE KÖNNEN ES NICHT BESSER? DAS SOLLTE ANSPORN SEIN, ES BESSER ZU MACHEN

Und da wir journalistisch kritisch, aber dennoch dem FCK zugeneigt kommentieren, beschränken wir uns an dieser Stelle darauf anzumerken: Die FCK-Elf findet nach Führungstreffer nicht zu der Souveränität, zu der ein Erfolgserlebnis eigentlich beitragen sollte. Sie lässt sich zu weit hinten reindrängen, wirkt bereits übernervös, wenn der zurückliegende Gegner Standardsituationen vorbereitet. Das ist schon ein durchgehendes Fehlerbild.

Und die Erkenntnis, dass andere etwas nicht besser können als man selber, sollte nicht als Ausrede genutzt werden, sondern als Ansporn, sich möglichst schnell einen Vorteil zu verschaffen. Auf das Beispiel des nicht gerade als Trainergott geltenden Peter Neururer haben wir ja schon einmal verwiesen: Seinen Ruf als Feuerwehrmann erarbeitete er sich zu einem guten Teil mit erfolgreichen Freistoß- und Eckballvarianten, die er seinen kurzfristig übernommenen Mannschaften innerhalb von zwei, drei Wochen intensiv antrainierte. 

Und Dirk Schuster ist mit Darmstadt vor wenigen Jahren erst durch die Zweite Liga durchmarschiert und hat mit einem fußballerisch im Grunde nicht konkurrenzfähigen Kader das erste Bundesligajahr überstanden – dank überragender Standards. 

Will sagen: Künftig nicht auf die ebenfalls schlechten Beispiele verweisen, sondern sich an den guten orientieren. Mit Hainault, Gottwalt, Thiele oder Kraus kann der FCK bei ruhenden Bällen eine stattliche physische Präsenz im gegnerischen Strafraum aufbauen, daraus sollte sich mehr machen lassen.

Betrachten wir uns nun das stattliche Torverhältnis 12:10 in fünf Spielen.

INDIVIDUELLE FEHLER UND VIELE PERSONALWECHSEL

Da fällt zunächst mal auf: Das kommt natürlich in erste Linie durch die beiden 3:3’s zu Beginn dieses Saisonabschnitts zustande. Anschließend ging’s, was die Gegentreffer angeht, eher moderat weiter: 4:1, 2:1, 0:2. 

Und: Die torreichen Spiele resultieren in der Tat auch aus einer Häufung individueller Fehler. Über Sievers und das Köln-Spiel ist genug geredet und geschrieben worden. In Jena patzten unter anderem Jan Löhmannsröben in entscheidenden Zweikampfsituationen vor dem Sechzehner sowie  Torwartnachrücker Wolfgang Hesl beim späten 3:3-Ausgleich.

Womit wir beim Hauptcharakteristikum dieses zweiten Saisonabschnitts wären: die Personalwechsel. Nach den ersten Spielen wurde Trainer Michael Frontzeck häufiger vorgeworfen, er halte zu stur an der immer gleichen Startelf fest. Das hat sich nun stark relativiert.

Selbst seine härtesten Kritiker müssen dem Coach konstatieren: Er stellt konsequent leistungsgerecht auf, lässt junge Spieler, die wegen kurzfristiger Ausfälle in der Startelf rücken, drin, wenn sie ihre Sache gut machen. So finden sich selbst als Leistungsträger eingeplante Routiniers plötzlich auf der Bank wieder – sogar der Kapitän.

DIE JUNGEN WILDEN KREMPELN DIE TEAMHIERARCHIE UM

Lukas Gottwalt kam für André Hainault, Dominik Schad für Florian Dick, Gino Fechner für Mads Albaek. Wird spannend sein zu beobachten, ob sich jungen Herausforderer auch nach der Länderspielpause weiterhin gegen die Etablierten behaupten. Wenn ja, könnte die eigentlich vorgesehene Teamhierarchie bis Weihnachten ganz schön umgekrempelt sein.

Senkrechtstarter Christian Kühlwetter hat mit seinen Toren das Ranking der offensiven Flügelspieler schon jetzt kräftig durcheinander gewirbelt. Er bildet mit dem nach seinem Wechsel auf die rechte Seite erstarkten Hendrick Zuck nun die Erstbesetzung. Christoph Hemlein ist erster Nachrücker, Florian Pick fürs Erste ins Abseits geraten. Das dürfte so niemand erwartet haben.

Mit Wolfgang Hesl für Jan-Ole Sievers kam ausnahmsweise ein Routinier für ein Youngster. Auch der Wechsel tat der Mannschaft gut. Hesls Debüt in Jena mit dem Patzer in der Schlusssekunde verlief zwar unglücklich, ansonsten strahlt der 32-jährige mehr Ruhe und Souveränität aus als sein Vorgänger. Gelegenheiten, sich spektakulär auszuzeichnen, hatte er allerdings noch nicht.

Jan Löhmannsröben hat sich nunmehr als Sechser und Mann für den ersten Pass etabliert. Allerdings: In Jena und in der Anfangsphase in Osnabrück zeigte er, dass ihm der Ruf, zu Aussetzern zu neigen, nicht zu Unrecht anhaftet. Auch Gino Fechner hat sich wieder gefangen – und es so seinem Trainer gedankt, dass er ihn auch nach schwachen Leistungen zu Saisonbeginn immer wieder brachte.

THEO BERGMANN – EIN JUWEL BEGINNT ZU FUNKELN

Auffallendste Erscheinung der vergangenen Wochen ist jedoch Theo Bergmann. In der Tat das Juwel, als das ihn auch der Blogger Fedor Freytag uns zu Saisonbeginn ankündigte. Tolles Freistoßtor gegen Köln, klasse sein No-Look-Hackenpass auf Zuck vor dessen Treffer gegen Lotte, auch sonst ein ansprechendes Zehnerspiel, lediglich in Osnabrück fiel der 21-jährige mal ab.

Egal, in welcher Liga es nächste Saison für den FCK weitergeht: Der Junge wird schwer zu halten sein. Gut, dass er einen Drei-Jahresvertrag unterschrieben hat. Der beinhaltet zwar auch eine Ausstiegsklausel, die Wahrscheinlichkeit, dass diese greift, sei aber gering, erklärte Martin Bader ebenfalls auf dem Fanregion-Treffen. Seine Andeutungen zufolge bezieht diese sich eher auf die Zahl der Einsätze, die Bergmann bestreitet, als auf eine festgeschriebene Ablösesumme.

Mit Bergmann änderte sich auch die Grundordnung im FCK-Team. Der Ex-Erfurter rückte für den zwischenzeitlich verletzten Julius Biada ins Team, der zwischen Zehnerposition und zweiter Spitze pendelte. Bergmann interpretiert seine Rolle eher zurückgezogen. So dass aus dem 4-4-2, an dem Frontzeck angeblich ebenfalls so stur festgehalten haben soll, eher ein 4-2-3-1 geworden ist. Bei transfermarkt.de wird die FCK-Formation seit dem Braunschweig-Spiel  sogar als „defensives 4-3-3“ bezeichnet. Kann man machen, aber ehrlich gesagt: Diese Diskussionen klingen interessanter, als sie sind.

SPALVIS FÄLLT AUS: WER RICHTET ES NUN IM STURMZENTRUM?

Spannender ist die Frage: Wie wird, wie könnte sich das FCK-Spiel weiter entwickeln? Dass defensiv mehr Stabilität her muss, ist klar. Ob dazu die Routiniers wieder vor die Youngster geschoben werden? Wir wissen es nicht. Bei aller Wertschätzung für Dick soll jedoch gesagt werden: Schad verfügt mit seiner Schnelligkeit gegenüber ihm schon über einen gewaltigen Trumpf.

Und auch wenn die Trefferausbeute zuletzt zufriedenstellend war: Dass Lukas Spalvis bis auf Weiteres ausfällt, wiegt schwer. Martin Bader prognostiziert eine Rückkehr frühestens im März 2019, möglicher Weise aber sei auch bis Saisonende nicht mehr mit Spalvis zu rechnen. Von daher dürften sich Kaderergänzungen, so sie in der Winterpause realisiert werden können, auf die Stürmerposition fokussieren.

Doch wie soll sich Lauterns Sturm ohne Spalvis nun formieren? Was wir im jüngsten Zwischenzeugnis bereits feststellten, hat sich in den vergangenen Wochen weiter bestätigt: Timmy Thiele ist kein Mann für da, wo es richtig eng wird, also die Strafraummitte. Er sollte sich zwar in vorderster Front anbieten, allerdings auf den Flügeln, ähnlich wie Osawe in der vergangenen Saison.

Im Zentrum wäre in diesem Fall die baldige Rückkehr von Julius Biada angezeigt. Spannend wäre auch, Elias Huth mal von Beginn an neben Thiele zu sehen, seine beiden Treffer in Jena haben schon sehr beeindruckt.

BERGMANN AUF DIE ACHT – ABER WAS WIRD AUS ALBAEK?

Bergmann müsste dann auf die Position neben Löhmannsröben zurückgezogen werden. Die sei ihm eh die liebste, hat auch der Spieler selbst  schon betont. Was wiederum die Chancen von Albaek auf eine baldige Rückkehr in die Startelf schmälerte. Für den Dänen, der eigentlich als Kopf der Mannschaft vorgesehen war, läuft die Saison bislang wahrlich nicht gut.

Ob es für den FCK in dieser Spielzeit noch mal zum Angriff auf ganz oben reicht? Auch das wissen wir nicht. Wir behaupten aber weiterhin: Das Potenzial dafür ist vorhanden.

Kommentar verfassen