„Der FCK hat da eine Chance vertan“ – Im Gespräch mit Harald Layenberger

Gehaltsobergrenzen, Aufstockung der drei deutschen Profiligen auf jeweils 20 Vereine, gerechtere Verteilung der Fernsehgelder, keine Montagsspiele mehr – die einen halten das „Positionspapier“, mit dem Union Berlin ein Umdenken im deutschen Fußball anstoßen will, für eine blauäugige Utopie. Die anderen sagen: Wenn wir jetzt nicht wenigstens  versuchen, den aktuellen Entwicklungen gegenzusteuern, schaffen wir es nie mehr. Zu denen gehört auch Harald Layenberger, Hauptsponsor von Union Berlin – und dem 1. FC Kaiserslautern. Der Unternehmer hat auch die Fans des FCK aufgefordert, dieses Positionspapier zu unterstützen. In unserem Gespräch erläutert Harald Layenberger, weshalb, warum er sich auch von der sportlichen Führung seines Herzensverein ein klares Bekenntnis dazu wünscht und wie seine Gefühlslage vor dem Heimspiel am Samstag gegen den KFC Uerdingen (14 Uhr) ist.

Herr Layenberger, erklären sie noch mal kurz mit eigenen Worten: Warum ist es wichtig, das Positionspapier von Union Berlin zu unterstützen?

Weil es längst an der Zeit ist, sich darüber Gedanken zu machen, wer  eigentlich die Basis dieses wunderbaren Ereignisses Fußball bildet. Das sind nämlich die einfachen Fans, denen schon lange zu wenig Wertschätzung entgegen gebracht wird. Wir müssen uns endlich fragen, was ist es uns überhaupt noch Wert, dass diese Leute in die Stadien gehen. Wollen wir überhaupt noch echte Fans oder nur noch High Society, die einen „Event“ sehen will? Für mich hat der Fußball nur eine Daseinsberechtigung: Das ist das Live-Erlebnis, die Atmosphäre im Stadion, das ist der Fan. Für Networking in den Logen ist Fußball die falsche Sportart.

Und was geschieht, wenn alles so weiterläuft wie bisher?

Durch die Vielzahl der finanziellen Einflüsse, die gegenwärtig auf den Fußball einwirken, wird er immer weniger Volkssport, sondern gleitet in elitäre Gruppen ab. Ich denke, die Spirale wird sich sogar noch weiterdrehen, etwa durch die Erschließung des asiatischen Marktes, die ja erst begonnen hat. Die Schere zwischen arm und reich klafft bald noch weiter auseinander. Aber irgendwann ist es mal zu viel, dann landen alle auf der Schnauze. Wenn heute einem normalen Fan zugemutet wird, an einem Montag 600, 700 Kilometer zu fahren, um bei einem Auswärtsspiel seines Herzensvereins dabei zu sein, hat das schon jetzt mit Vernunft nichts mehr zu tun.

Da spricht jetzt aber der Fan und nicht der Unternehmer Layenberger. Weg vom Montag, wieder mehr Spiele parallel auszutragen, das ist doch gegen die Intention der TV-Anstalten. Und der Unternehmen, die für die Werbespots, die sie den TV-Anstalten bezahlen, eine optimale Reichweite erzielen wollen. Sie selbst setzen doch auch auf Fernsehwerbung.

Nicht mehr. Ich hab meine TV-Spots gecancelt, damit ich mir neben meinem Sponsoren-Engagement bei Union Berlin auch das beim FCK leisten kann. Ich bin nämlich einer, der nur das Geld ausgibt, was er bereits verdient hat.

Und wie stellt sich Ihr Engagement dar, wenn man es rein unternehmerisch betrachtet?

Das kann ich in Zahlen nicht ausdrücken, aber das will ich auch gar nicht. Uns geht es um etwas ganz anderes: um Sozialkompetenz. Deswegen verzichten wir auch auf medienwirksame Auftritte im Stadion. Wir sind in unserer Layenberger-Loge präsent. Da wollen wir Menschen ein Stadionerlebnis ermöglichen, das sie sich normaler Weise vielleicht nicht leisten könnten. Wir wollen der Sponsor der Fans sein.

Und Ihre Produkte wollen Sie denen nicht verkaufen?

Sie können gerne mal vorbeikommen und sich selbst überzeugen: Wir drängen niemandem was auf. Wir betrachten unser Engagement nicht monetär. Die Menschen sollen die Gelegenheit nutzen, mich und meine Mitarbeiter anzusprechen, uns sagen, was sie bewegt, auch, was wir besser machen können. Okay, vielleicht machen wir den ein oder anderen so neugierig auf uns und er befasst sich anschließend mit unseren Produkten. Aber für mich ist das Wichtigste, eine ehrliche Marke zu sein. 

Eine ehrliche Marke – viele wünschen sich, dass auch der FCK dies endlich wieder wird …

Moment mal: Der FCK ist immer eine ehrliche Marke gewesen, er war nur manchmal nicht mit ehrlichen Menschen besetzt.

Da scheinen Sie ja wirklich genau hinzuschauen. Sie haben schon zwei Mal Ihr Engagement auf dem Betzenberg beendet und sind wieder zurückgekommen.

Und jedes Mal hatte ich gute Gründe. Das erste Mal bin ich ausgestiegen, als Norbert Thines Ende der Neunziger Jahre aus der Vereinsführung gedrängt wurde – das war zu viel für mich, denn wenn einer von Herzblut reden darf, sobald es um den FCK geht, dann Norbert Thines. 2008 hat mich Stefan Kuntz zurückgewonnen, weil er wieder regionale Unternehmen ins Boot holen wollte. Ich hab mein Engagement dann sogar noch ausgeweitet, hab mit Partnern das Format „Layenberger Nachspielzeit“ entwickelt … 

Mit dem es ein unerwartetes Ende nahm.

Irgendwann kam der Finanzvorstand Fritz Grünewalt zu mir und wollte dafür mehr Geld, viel mehr Geld sogar. Ein qualifiziertes, sachliches Gespräch darüber kam aber nie zustande. Nach einem letzten Vermittlungsversuch vereinbarten wir einen Termin in der Club-Lounge an einem Spieltag. Er wollte um 11.30 Uhr erscheinen, kam aber erst drei Minuten vor dem Anpfiff um 13.30 Uhr und meinte: Können wir jetzt? Da wollte ich lieber das Spiel sehen, und hinterher sagte ich ihm: Wenn der neue FCK einer ist mit jungen Leuten, die aus dem eigenen Stall kommen und sich auf dem Platz so reinschmeißen, dass sie die Fans auch begeistern, wenn sie nicht gewinnen, gefällt er mir. Aber auf Funktionäre, die keinen Anstand haben und einen Sponsor unentschuldigt zwei Stunden warten lassen, habe ich keine Lust mehr. Es kam dann zu den sattsam bekannten Presseerklärungen und den offenen Briefen, die man ja alle im Netz nachlesen kann. Mir haben auch einige Leute zugeraten, juristische Schritte wegen Rufschädigung einzuleiten, das wollte ich aber nicht. Der FCK ist mein Heimatverein. Den verklage ich nicht.

Und wie sind Sie Hauptsponsor von Union Berlin geworden?

Kennengelernt habe ich den Verein im Dezember 2013, als der FCK im  DFB-Pokal 3:0 bei Union Berlin gewann. Die Menschen dort haben mich einfach begeistert. Ich hab die Unioner auch nie belogen, immer gesagt, dass ich im Herzen Lautrer bin, das haben sie mir nie krumm genommen. Im Gegenteil, gerade in der jüngsten Zeit reden mir viele Berliner immer wieder zu, halte durch, der FCK gehört nicht in die Dritte Liga. Von daher ergreife ich auch gerne Partei für dieses Positionspapier. Auch wenn nicht alle Punkte mein Wohlwollen finden, aber es ist wichtig, dass es erstellt worden ist – und dass es nun in die Welt getragen wird.

Die FCK-Fans haben Sie ja bereits aufgefordert, das Positionspapier zu unterstützen. Wie sieht es mit der Führung Ihres Herzensvereins aus?

Auch Martin Bader hat mir bestätigt, dass das Papier viele interessante Punkte enthält. Er habe sich aber öffentlich noch nicht dazu geäußert, weil er noch nicht gefragt worden wäre, erklärte er mir …

Das ist nicht ganz richtig. Wir haben vergangene Woche um eine Stellungnahme von ihm zu diesem Positionspapier gebeten. Worauf er über die Pressestelle ausrichten ließ, grundsätzlich enthalte das Papier viele interessante Themenbereiche, aber die interne Diskussion darüber dauere noch an, so dass er sich noch nicht ausführlich äußern wolle.

Vielleicht wäre er ja lieber von der „Bild“-Zeitung gefragt worden … Aber  Scherz beiseite: Ich habe Herrn Bader als einen Menschen kennengelernt, der zu den Dingen seine Meinung hat und diese auch ehrlich äußert. In diesem Fall aber finde ich es schade, dass der FCK sich nicht auch ungefragt äußerte, das tun genug andere schließlich auch. Der FCK wäre die ideal, um die Diskussion in die Dritte Liga zu tragen und die Stimme für die Mannschaften dort zu erheben. Die Chance hat der FCK jetzt schon ein bisschen vertan. Dabei ist es dringend an der Zeit, dass nun eine Gemeinschaft entsteht, die dafür sorgt, dass wieder Vernunft im deutschen Fußball einkehrt und dass wir mit dem Verweis auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht unsere nationale Basis zerstören.

Sie kümmern sich seit diesem Sommer auch intensiv darum, die Mitgliederzahlen des FCK weiter in die Höhe zu treiben.

Ja, denn ich selbst möchte das 20.000 Mitglied dieses Vereins werden – und das dann auch gleich lebenslang. Dabei ist unsere Aktion, jedes neue Mitglied mit einem Layenberger-Trikot zu begrüßen, nicht nur auf Freunde gestoßen. Die altgedienten Mitglieder fühlten sich übergangenen, drum haben wir das Ganze noch mal modizifiert. Jetzt bekommt jedes Altmitglied, das ein neues wirbt, ebenfalls ein Layenberger-Shirt.

Und wie weit sind Sie bei Ihrem Vorhaben mittlerweile?

Wir sind jetzt bei knapp über 18.000 angelangt, haben seit Sommer also schon rund 1000 Mitglieder dazu gewonnen. Das ist gar kein so schlechtes  Zwischenergebnis, wie ich finde.

Ihr Sponsorenvertrag läuft drei Jahre. Ob Sie es schaffen, in dieser Zeit Mitglied zu werden?

Wir werden sehen. Auch, ob danach Schluss ist. Ich habe auch bei meiner  Vorstellung schon gesagt, dass ich bereit bin, die Hemdbrust des FCK zu räumen, wenn der Verein einen Investor findet, der mehr finanzielle Unterstützung leisten kann, als ich es vermag. Auch das ist für mich eine Frage der Ehrlichkeit. Die habe ich von meinem Vater gelernt, der jahrzehntelang Ordner auf dem Betzenberg war. Der hat mir beigebracht, entweder die Wahrheit sagen oder den Mund halten. Und wenn es so kommt, dass ich meinen Schriftzug vom Trikot nehmen muss, werde ich mich in einem anderen Rahmen engagieren. Man kann mehr tun für einen Verein, als nur einen Geldkoffer abgeben.

Zum Schluss zum Sport. Am Samstag kommt Uerdingen auf den Betzenberg. Manche sagen, Trainer Frontzeck müsse endlich mal anfangen, die wichtigen Spiele zu gewinnen. Am Samstag wäre ein Sieg ganz wichtig, um den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen nicht zu verlieren. Mit welchen Gefühlen steigen Sie auf den Berg?

Wenn ich nicht optimistisch zu so einem Spiel gehe, kann ich auch daheim bleiben. Ich bin ein Mensch, der an die Kraft der positiven Gedanken glaubt, auch wenn mancher das für kindisch hält. Selbst wenn die Bayern kämen, würde ich jetzt sagen, das wird schwer, aber wir können’s packen, und gegen Uerdingen sage ich das erst recht. Doch auch wenn wir nicht gewinnen, werfe ich die Flinte nicht ins Korn. Ich denke, wir werden an Weihnachten ein bis zwei Punkte Abstand zum Relegationsplatz haben und maximal fünf zur Tabellenspitze – und in der Rückrunde greifen wir richtig an, denn dann ist die Mannschaft zusammengewachsen. Das sind gute Jungs, von denen ich einen großen Teil ja schon in der „Layenberger Nachspielzeit“ kennenlernen durfte. Die wollen Fußball spielen, und die können es auch.

2 Kommentare zu „„Der FCK hat da eine Chance vertan“ – Im Gespräch mit Harald Layenberger

  1. Tolles Statement Herr Layenberger. Wir brauchen noch viel mehr Menschen wie sie in Lautern aber auch im deutschen Fussball. Abzocker gibt es schon viel zu viele.Vielen Dank. Volker Föhr

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