Derbytime in Pirmasens: Den Leistungsgedanken hochhalten und eine Negativserie brechen

Was ist die vordringlichste Aufgabe eines Kapitäns? Immer vorangehen. Aber wie soll er das tun, wenn er nicht in der ersten Elf steht? Glaubt man FCK-Trainer Michael Frontzeck und Sport-Geschäftsführer Martin Bader, schafft Florian Dick auch das scheinbar Unmögliche. „Wenn er auf der Bank sitzt, tritt er fast wie Co-Trainer auf“, beschrieb Bader unlängst beim Treffen der Fanregion Rheinhessen/Pfalz, wie vorbildlich der 33-jährige seine Führungsrolle auch als Reservist ausfüllt. Ob der Kapitän am Mittwochabend im Verbandspokal gegen den FK Pirmasens (19.30 Uhr) wieder in die Startelf rotiert, ist noch nicht raus. Führung wird im ausverkauften Sportpark Husterhöhe mit Sicherheit angesagt sein: Der Regionalligist ist heiß wie Frittenfett auf sein Spiel des Jahres – und vor eigener Kulisse hat er die letzten drei Pflichtspiele gegen die Erste Mannschaft des FCK stets gewonnen… Zugegeben: Das liegt schon über 55 Jahre zurück.

Sportlich Verantwortliche bescheinigen ihrem Kader eigentlich immer, dass in diesem ein „gutes Arbeitsklima“ herrsche. Und seit dem Gaga-Auftritt der Bayern-Bosse vergangene Woche wissen wir ja nun, dass die bis zur Verfassungsfeindlichkeit negativ eingestellten Medienvertreter wenn, dann nur mit Hilfe fragwürdiger Indiskretionen noch fragwürdigere Gegenbeweise anzutreten vermögen. Beim 1. FC Kaiserslauten 2018/19 scheint ein solcher Versuch aber gar nicht nötig.

Dass die Stimmung in der Truppe stimmt, ist an vielen Kleinigkeiten ersichtlich – etwa an der Art, wie Christoph Hemlein am Samstag beim 2:0-Sieg gegen den KFC Uerdingen bei seiner Auswechslung vom Platz ging. Erst klatschte er alle Reservespieler ab, dann Co-Trainer Alex Bugera, dann Coach Frontzeck. Bezeichnend auch sein anschließender Kommentar zu seinem Traumtreffer zum 2:0: „Ich hab schon schönere Tore geschossen. Dass wir gewonnen haben, ist viel wichtiger.“

DAS IST TEAMGEIST: DIE JUNGEN SPIELEN, DIE ALTEN FEUERN VON DER BANK AUS AN

Auch, wie sich die „Alten“ wie André Hainault oder Mads Albaek, die in vergangenen Wochen öfter den Jungen den Platz in der Startelf freiräumen mussten, als Reservisten verhalten, ist augenfällig positiv. Statt auf der Bank die griesgrämigen Muppets-Opas Walldorf & Stadler zu kopieren, feuern sie ihr Team mit Begeisterung an. Und allen voran geht Florian Dick, für den derzeit der junge Dominik Schad die Rechtsverteidiger-Position eingenommen hat. „Ich mag ihn unheimlich gerne, er ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft,“, bestätigt Michael Frontzeck. „Und er spielt einfach eine super Rolle.“

„Respektvoll miteinander umgehen und den Leistungsgedanken hochhalten“ – das sei es, was er der Mannschaft versuche mitzugeben,so der Coach. Und das   funktioniere zurzeit gut. Leistungsmäßig sei der Kader relativ eng beisammen, so dass es ihm schon manchmal „Bauchschmerzen“ bereite, die Startelf zu formieren.

In der ersten Runde des Verbandspokals Südwest beim Oberligisten SC Idar-Oberstein wechselte Frontzeck tüchtig durch, um auch Reservisten und Nachwuchsspielern ein wenig Spielpraxis zu gewähren. Gegen den Regionallisten FK Pirmasens will er weit weniger rotieren. Bestätigt ist lediglich, dass Lennart Grill für Keeper Wolfgang Hesl zwischen die Pfosten rückt. Und dass Lukas Gottwalt wohl für Kevin Kraus, dem mal eine Pause gegönnt werden soll, in der Innenverteidigung steht. Ob auch Flo Dick wieder mal zu einem Startelfeinsatz kommt, hat der Trainer indes noch nicht angedeutet.

Das zeigt den Respekt vor dem Gegner. Auch die nicht-pfälzischen Teile des Kaders haben bereits verinnerlicht, dass FKP gegen FCK kein Alltagsgeschäft ist. „Da müssen wir voll da sein, das ist für beide Vereine ein ganz wichtiges Spiel“, mahnte der gebürtige Heidelberger Hemlein noch unter dem Eindruck des 2:0-Erfolges am Samstag.

„ZULETZT“ HAT DER FKP DEN FCK ZUHAUSE DREI MAL GESCHLAGEN

Klar: Es ist ein Lokalderby – und ein Traditionsduell. Aber, Moment mal: Wann sind die beiden Teams eigentlich das letzte Mal in einem Pflichtspiel aufeinander getroffen? In den letzten Jahren haben die Pirmasenser nur mit der Zweiten Mannschaft des FCK die Klingen gekreuzt, die Erste testen sie regelmäßig in Freundschaftsspielen während den Vorbereitungsphasen. Aber wann es ging es das letzte Mal um Punkte oder ums Weiterkommen?

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Und siehe da: Das letzte Mal sind die beiden Teams in der Oberliga Südwest aufeinander getroffen, am 3. Februar 1963. Da gewann der FCK 5:2, allerdings auf dem Betzenberg. In Pirmasens dagegen behielten die Gastgeber zuvor mit 3:1 die Oberhand. Und auch in den beiden Oberliga-Partien davor siegte der FKP vor heimischer Kulisse.

Für Lautern gilt es also wieder einmal, eine Negativserie zu brechen. Zeit wird’s, ohne Frage.

Im Kader des Gegners dürfte Lautrern eventuell noch Ricky Pinheiro in Erinnerung sein. Der Portugiese, Freund und langjähriger Weggefährte von Marcel Correia, ist in der Saison 2008/09 vom damaligen Trainer Milan Sasic acht Mal in der Ersten Mannschaft des FCK eingesetzt worden, hat dabei einmal getroffen.  Zuletzt stand er beim FKP jedoch nicht in der Startelf. Ebenfalls interessant: Mit dem Luxemburger Florian Bohnert stellt der Regionallist einen aktuellen Nationalspieler. Einen solchen hat der FCK derzeit nicht in den Reihen.

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