In Aalen „ansetzen, wo wir gegen Uerdingen aufgehört haben“ – Oh, wie wär das schön

Die Spiele im Verbandspokal Südwest eingerechnet, hat der 1. FC Kaiserslautern von seinen jüngsten zehn Pflichtspielen nur eines verloren. Da ist der Anhang schon wieder geneigt, in der Auswärtspartie beim Tabellensiebzehnten VfR Aalen am Montagabend, 19 Uhr, einen „Pflichtsieg“ einzufordern. So ganz selbstverständlich verbucht werden sollte der allerdings nicht. Trainer Michael Frontzeck will erst einmal da ansetzen, wo der FCK gegen den KFC Uerdingen vergangene Woche aufgehört hat. Das wäre in der Tat erfolgversprechend, wie auch der Blick auf die xG-Grafiken aus dieser Heimpartie zeigt.

In Spielvorschauen die Ergebnisse vergangener Jahre oder Jahrzehnten zu betrachten, halten wir eigentlich für Unsinn, da sich Zeiten und Teams viel zu schnell ändern, als dass solche Vergleiche Aufschlüsse brächten. Im Fall des VfR Aalen machen wir da mal eine Ausnahme, um eventuell schon wieder überschäumenden Optimismus zu begegnen. Von insgesamt sechs Pflichtpartien gegen den FCK hat der Klub drei gewonnen und nur zwei verloren. Besonders schmerzhaft in Erinnerung geblieben ist das 0:4 an der Ostalb im August 2013, das dem damaligen FCK-Trainer Franco Foda den Job kostete.

KAUCZINSKIS ZWEITER MANN IST NUN CHEF IN AALEN

Die Aalener werden seit Sommer diesen Jahres von Agirios Giannikis betreut, der zuvor bei Rot-Weiß Essen erste Erfahrungen als Cheftrainer sammelte. Dafür assistierte der Nürnberger mit griechischen Wurzeln vier Jahre lang Markus Kauczinski in Ingolstadt und Karlsruhe, wo er zusätzlich auch das Nachwuchsleistungszentrum verantwortete. Unter anderem gilt der heute 37-Jährige als Förderer des einstigen Toptalents Hakan Calhanoglu.

In Aalen übt Giannikis als Trainer und Sportlicher Leiter ebenfalls als Doppelfunktion aus. Wie viele Drittligisten musste auch sein Klub im Sommer einen beträchtlichen Umbruch bewältigen. Die Aalener verpflichteten gezielt Spieler aus der württembergischen Region, was sie auch zum Prinzip erkoren haben. Bis zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 2021 will der Verein in der Zweiten Liga spielen.

Derzeit ist der Tabellensiebzehnte seit 188 Minuten ohne eigenen Treffer. Vorsicht ist dennoch geboten. Gewonnen hat er in dieser Spielzeit in Zwickau und zuhause gegen den aktuellen Tabellenzweiten Preußen Münster, den hat er sogar mit 4:1 nach Hause geschickt.

PICK BLEIBT BEI DER U 21, ABER: „WIR KRIEGEN IHN IN DIE SPUR“

FCK-Coach Frontzeck reist mit dem gleichen Kader nach Aalen, den er auch gegen Uerdingen aufbot. Was bedeutet: Florian Pick hat sich mit seinem starken Auftritt beim 3:1 im Verbandspokal gegen den FK Pirmasens am Mittwoch nicht unter die ersten Achtzehn gespielt. „Es hilft ihm mehr, in der Zweiten Mannschaft zu spielen“, sagt Frontzeck, der andererseits aber auch nicht mit Lob für den Tempodribbler spart: „Er hat Sachen in seinem Spiel, die mir sehr gefallen und die uns auch irgendwann weiterhelfen werden. Ich bin überzeugt, wir kriegen ihn in die Spur.“

Ob es gegenüber der Startelf von Uerdingen eventuell ein, zwei Veränderungen geben wird, ließ der Trainer in der Vorab-PK am Donnerstag erwartungsgemäß offen. Angezeigt wären sie nicht unbedingt – die xG-Grafiken von der Partie überzeugen.

DIE XG-GRAFIKEN VOM UERDINGEN-SPIEL: DAS SIEHT DOCH GUT AUS

Zunächst die xG-Timeline: Selbst wenn man Bergmanns Elfer abzieht, steht es in der qualitativen Bewertung der herausgearbeiteten Einschusspositionen immer noch 0.98 : 0.6 für den FCK. Die Siegeswahrscheinlichkeit für die Lauterer lag somit bei stolzen 71 Prozent.

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Erfreulich aktiv war der FCK wieder in der „Zone 14“. Erneut stehen da 17 Pässe zu Buche, 14 davon kamen an. Die Werte lasen sich in den ersten Spielen zu Saisonbeginn noch ganz anders. Allerdings wurde aus dem Zehnerraum meist auf den Flügel gespielt, was jedoch typisch ist für den FCK 2018/19. Und von den nur drei Zuspielen in die Box kamen immerhin zwei an.

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Und wer sorgte für Leben in „Zone 14“? Von der Aufstellung auf dem Papier sollte es eigentlich Julius Biada sein. Wie die Positions- und Passgrafik zeigt, nahm Theo Bergmann jedoch den Ball meist in gleich hoher Position an wie Biada. Auch wenn beide danach eher unterschiedliche Wege suchen: Biada zieht es eher in die Mitte, Bergmann auf den Flügel. Nach der Einwechslung Gino Fechners für Hendrick Zuck agierte der 21-Jährige in den letzten 13 Minuten sogar fest auf dem rechten Flügel.

2018-10-20 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - KFC Uerdingen 05.jpg

Will sagen: Wär schön, Biada/Bergmann weiter in der Startelf zu sehen. Sie sorgen einfach für mehr technisch hochwertigen Fußball im Angriffsdrittel.

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