Joker, die stechen, Glück und ein bisschen Mystik – Hauptsache, Auswärtssieg

Eine nicht über 90 Minuten souveräne, aber doch konzentrierte Mannschaftsleistung. Zwei Joker, die stechen. Und endlich auch mal ein bisschen Schiedsrichter-Glück. Das sind die offensichtlichen Ursachen für den  2:1-Auswärtserfolg des 1. FC Kaiserslautern beim VfR Aalen. Ansonsten bietet die Partie auch Stoff für Mystiker. Wieder mal stellte sich Fritz-Walter-Wetter ein, ehe der FCK ein Spiel drehen konnte. Ein neueres Phänomen stellt Christian Kühlwetter dar: Wie schafft er es, dass an sich ordentliche Torhüter plötzlich patzen, wenn er absolut haltbare Schüsse aufs Tor abgibt? Schwächt er sie mit telepathischen Kräften?

Schon beim 1:4-Sieg der Lauterer in Braunschweig überraschte Kühlwetter Eintracht-Keeper Marcel Engelhardt mit einem Schuss aus sechzehn Metern, bei dem dieser rätselhaft reglos blieb, obwohl der Ball mittig aufs Tor kam. Diesmal schlug der 22-Jährige nach 67 Minuten zu, mit einem Schlenzer aus knapp 18 Metern, der nicht mehr als ein Roller war und eigentlich leichte Beute für Keeper Daniel Bernhardt werden musste. Doch aus unerfindlichen Gründen ließ der Aalener Schlussmann ihn durchrutschen.

Okay, vernünftig erklären lässt sich dergleichen nicht. Dafür darf ganz nüchtern drauf hingewiesen werden, dass der Treffer zu einem Zeitpunkt fiel, zu dem es nicht gut bestellt war um die Lauterer. Seit der 32. Minute liefen sie einem Rückstand hinterher. Mit Beginn der zweiten Hälfte hatten sie das Spiel zwar mit einigem Nachdruck in ihr Angriffsdrittel verlagert, so richtig Zwingendes aber noch nicht produziert. 

Und Aalen war permanent in der Lage, gefährlich zu kontern. Das hatte sich schon von Beginn an abgezeichnet.

ZWEI TEAMS, ZWEI UNTERSCHIEDLICHE SPIELANLAGEN

Lautern, in der gleichen Besetzung wie beim 2:0-Sieg in Uerdingen gestartet,  nimmt sich wieder ein paar Minuten, um ins Spiel zu kommen.Die Zeit nutzt Matthias Morys, um FCK-Schlussmann Wolfgang Hesl ein erstes Mal zu prüfen.

Anschließend aber entwickelt sich eine Partie, in der sich die Höhepunkte zwar nicht überschlagen, die aber wegen der unterschiedlichen Spielanlagen der Teams interessant anzuschauen ist. Aalen arbeitet sich mehr über kurze Pässe nach vorne, aus einer Grundordnung, die sich am ehesten als 3-4-1-2 bezeichnen lässt. 

Lautern versucht derweil, den Stil zu kultivieren, der sich seit einigen Spielen zunehmend etabliert. Nach Ballgewinn schnell in die Spitze spielen, meist mit langen Pässen von Jan Löhmannsröben. Das sieht mittlerweile auch recht strukturiert aus, vor allem, wenn die Flügel mit Diagonalpässen einbezogen werden. 

Die beiden größten Möglichkeiten erarbeitet sich der FCK allerdings nicht aus dem Spiel heraus. Einmal darf sich Christoph Hemlein in vorderster Linie einen weiten Abschlags Hesls erlaufen, bringt aber keinen richtigen Torschuss zustande. Und ein weiteres Mal pariert Bernhardt einen Kopfball André Hainaults nach einem mit viel Effet zum Tor getretenen Hendrick Zuck-Freistoß mit links von rechts.

IN LIGA DREI HEISST MESSI SESSA

Allerdings bringt Lauterns Langpass-Spiel die Aalener leichter und schneller in Ballbesitz, und den sie spielen einen Tick kontrollierter aus. Gift für die Kanten in der FCK-Innenverteidigung ist vor allem der nur 1,70 Meter große Nicolas Sessa, der sich ständig ins Angriffszentrum hinein und wieder hinausbewegt. Ein bisschen nach Messi-Art, die seinerzeit stark überstrapazierte Wortschöpfung „falsche Neun“ wollen wir hier aber nicht wiederbeleben.

Jedenfalls entwickelt sich ein Spiel, in dem sich bald die Frage aufdrängt: Wer spielt eine seiner gut angesetzten Aktionen als erstes zu Ende durch? Beziehungsweise: Wer macht den ersten schweren Fehler?

Und das sind dann leider wieder mal die Lauterer. 

Und das ausgerechnet in der Person von Lauterns Pendler zwischen Zehn und Neun, Julius Biada. Der hat zwar auch diesmal wieder versucht, Timmy Thiele klug einzusetzen, in Minute 32 aber leistet er sich 40 Meter vorm Aalener Tor einen Fehlpass, der den Gastgebern eine Umschaltsituation fürs Lehrbuch beschert.

Sessa zieht seinen Sprint Richtung Tor noch nicht einmal, sondern stoppt noch mal ab, um sich das Leder auf den linken Fuß zu legen, ehe er ins lange Eck abzieht.

Damit ist Lautern erst einmal im Hintertreffen. Bis zu Kühlwetters geheimnisvoller Aktion.

HUTH REIN, KÜHLWETTER REIN – DIE ENTSCHEIDUNG FOLGT AUF DEM FUSSE

Der 22-jährige ist gerade mal eine Minute zuvor eingewechselt worden, gemeinsam mit Elias Huth, Biada und der bis dato unterm Strich wirkungslose Hemlein sind für sie hinausgegangen. Mit den beiden offenbart sich in den Folgeminuten das Verständnis, das Trainer Michael Frontzeck von „Taktik“ hat. Er variiert das Spiel seiner Mannschaft, in dem er nicht die Grundordnung ändert, sondern, in dem er frische Spieler die Grundordnung anders akzentuieren lässt.

Huth ist fortan wesentlich mehr Mittelstürmer, als es Biada zuvor war, der obendrein bereits die gelbe Karte gesehen hat. Und mit Huth in der Mitte kann Thiele noch mehr den Weg über die Flügel suchen. Kühlwetter? Na ja – dem gelingt einfach mehr als Hemlein.

Das 2:1 in Minute 74 ist dann auch eine Co-Produktion der beiden. Kühlwetter köpft aus kurzer Distanz, Bernhardt pariert, Huth köpft noch mal – drin. Lauterns fünftes Jokertor in der laufenden Saison. Und: Huth und Kühlwetter führen nun die interne Torjägerliste an. Obwohl der drei Mal erfolgreiche Huth noch nie in der Startelf stand, die vierfache Torschütze Kühlwetter nur vier Mal.

GELOBT WERDEN SOLL ABER DOMINIK SCHAD

Die beiden dürften nun allerorten zur Genüge gefeiert werden. Drum sei hier Dominik Schad beweihräuchert, der die präzise Flanke auf Kühlwetter schlug und auch sonst wieder ein starkes Spiel auf der Rechtsverteidiger-Position ablieferte. In Minute 77 hat der 21-jährige noch eine spektakuläre Aktion, diesmal in der Defensive: Er rettet für den bereits geschlagenen Hesl auf der Linie.

Die kritische Schlussphase übersteht Lautern dann immerhin gefestigter als zuletzt. Mit einem Timmy Thiele, der unermüdlich den langen Weg nach vorne sucht, dabei aber so viel Kraft lässt, dass es mit dem Abschluss, für den er so leidenschaftlich rackert, einfach nicht klappen will.

ES LÄSST SICH NICHT LEUGNEN: SCHIRI-GLÜCK GEHÖRT AUCH DAZU

Und, natürlich, auch mit Glück. Schon in der ersten Halbzeit haben die Aalener Elfmeter gefordert, als Hainault in der Rückwärtsbewegung Royal Dominique Fennell mit dem Ellenbogen einen Schlag ins Gesicht versetzte. Und in der Schlussphase ist es wieder Hainault, der einen Gewaltschuss Mattia Triannis an die Hand bekommt.

Okay, wir könnten jetzt abwiegeln, dass Hainaults Hand zwar leicht vom Körper wegsteht, aber dass er aus so kurzer Distanz gar nicht reagieren kann, so dass Vorsatz auszuschließen ist und, und, und. Bleiben wir aber lieber fair und sagen: Solche Dinger sind auch schon gepfiffen worden, und zwar oft genug. Gerade in der Dritten Liga. Wer genau wissen will, wie oft in der Spielklasse fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen getroffen werden, dem sei die regelmäßige Lektüre der Babak-Rafati-Kolumne bei „Liga 3 online“ empfohlen.

Ohne Schiri-Glück geht es eben auch nicht, wenn du in dieser Liga was werden willst.

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