Gebrochene Nase überspringt gebrochene Hand – und schlägt Lautern ein blaues Auge

„Wir hatten 80 Prozent Ballbesitz, denken, irgendwann kommt das Tor, und dann kriegst du einen Schlag in die Fresse.“ Wer will, kann jetzt schon aufhören weiterzulesen. Besser als Jan Löhmannsröben können wir nämlich nicht auf den Punkt bringen, weshalb der 1. FC Kaiserslautern sein Heimspiel gegen Energie Cottbus 0:2 verlor – und erneut den Sprung auf die Sonnenplätze der Tabellenplätze verpasste. Weil er an einer tiefstehenden 5-4-1-Formation scheiterte, gegen die er wirksame Mittel nur unzureichend anwandte. Während der Gegner sich seiner Stärken jederzeit bewusst war – und mit den Waffen zuschlug, die er beherrscht.

Was auch nach einem solch traurigen Abend Hoffnung macht: Wie klarsichtig und selbstkritisch Spieler wie „Löh“, aber auch Wolfgang Hesl, Kevin Kraus, Timmy Thiele die Pleite kommentierten, zeugt von Charakter. Und den wird es vor allen Dingen brauchen in dieser noch sehr langen Saison, die für diese Mannschaft sicher noch einige Rückschläge bereithalten wird. „Cottbus hat zwei Stärken, Standards und Konter, und genau so haben wir die Tore bekommen“, sagte nach Löhmannsröben noch einen weiteren Satz, zu dem es eigentlich keine weitere Ergänzung mehr braucht.

DER KNACKPUNKT: HAINAULT VERLIERT KOPFBALLDUELL GEGEN STEIN

Außer vielleicht: Auf den ersten Blick erschreckt, dass nach der Freistoßflanke von Fabian Holthaus, die in der 48. Minute den Führungstreffer der Gäste beschert, auch noch André Hainault gegen Marc Stein hochsteigt – und das Kopfballduell verliert. Hainault sollte neben Kraus eigentlich der uneingeschränkte Herrscher im Lauterer Luftraum sein.

„Er hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits die Hand gebrochen“, klärte Trainer Michael Frontzeck hinterher auf. Das hemmt natürlich. Andererseits: Gegenspieler Stein schraubte sich mit einer gebrochenen Nase hoch und rammte den Schädel gegen den Ball.

Die Blessur hatte sich der Cottbuser Captain schon in der 5. Minute geholt, bei einem Zusammenprall mit Dominik Schad. Mit dem anschließenden Freistoß hatte Theo Bergmann das erste von viel zu wenigen Ausrufezeichen auf FCK-Seite gesetzt. Aus halbrechter Position mit rechts aufs kurze Eck gezirkelt – durchaus gekonnt, aber auch kein Wahnsinnsproblem für Keeper Avdo Spahic. Ein ordentlich justierter Linksfuß hat aus dieser Lage eigentlich bessere Optionen.

DIE EWIGE UNRUHE UM DIE RUHENDEN BÄLLE

Womit wir beim Thema Standardsituationen wären. Statistisch ist der FCK auch in dieser Spielzeit damit im Soll, subjektiv betrachtet werden sie langsam besser, haben wir in unserer Vorschau zu diesem Spiel geschrieben. Das müssen wir jetzt wieder relativieren.

Außer diesem Bergmann-Freistoß erwischte Kraus einmal in Hälfte eins und einmal in Hälfte jeweils eine  Zuck- und Bergmann-Ecke mit dem Kopf. In der 81. Minute hatte die Cottbusser Hintermannschaft bei einer scharf getretenen Bergmann-Ecke mal Mühe zu klären, in Hälfte eins hatte Bergmann mal mit einer flachen Ecke überrascht, die Christian Kühlwetter aber nicht richtig traf.

Will sagen: Von den insgesamt zehn Ecken waren nicht alle grottig, andererseits sind Standards gerade gegen einen derart konzentriert tiefstehenden Gegner manchmal der einzige Toröffner, der sich bietet. Von daher hätten es noch ein paar effektive mehr sein müssen.

NUR EIN ZWEITER BALL UND EIN ZU LAHMES PASSSPIEL

Eine weitere Möglichkeit: Hohe Bälle vorne herein, möglichst unsaubere Abwehraktionen provozieren, und dann auf die zweiten Bälle gehen. Nicht gerade die hohe Fußballkunst, aber „als Innenverteidiger weiß ich, wenn 16 hohe Bälle in den Strafraum fliegen, kommt immer mal ein zweiter Ball, der beim Stürmer landet“, bestätigte auch Kevin Kraus später in der Mixed Zone.

Im Spiel war’s im Ansatz leider nur einmal zu sehen: Thiele versuchte, einen zu kurz abgewehrten Ball von Stein direkt zu nehmen, bekam ihn aber nicht richtig unter Kontrolle.

Die hohe Schule wäre, das Abwehrbollwerk mit Kurzpassspiel in Bewegung zu bringen, bis sich die Lücke zum tödlichen Pass auftut. Und es ist keinesfalls so, dass Lautern das nicht versucht hat. Der Ball lief bisweilen recht lang durch die Hälfte der Cottbusser, halt mehr in die Breite, auch einige Flankenwechsel wurden durchaus präzise gespielt. Insgesamt aber ging das zu langsam vonstatten, und Geschwindigkeit ist nun einmal das A und O bei dieser Art des Spiels. Auch das erkannte Kevin Kraus: „Wir hätten schnellere Ballstafetten gebraucht.“

NUR ZWEI TORAKTIONEN AUS DEM SPIEL HERAUS

So gelangen im Grunde nur zwei erfolgversprechende Toraktionen aus dem Spiel heraus. Einmal in Hälfte eins, als Schad mit einem schnellen Sprint einen Gegenangriff einleitete und in den Zehnerraum passte, in den sich Bergmann aus der Spitze hineinfallen ließ. Er setzte den gleichzeitig auf rechts startenden Hendrick Zuck einsetzte, der im Strafraum mit einem flachen Zuspiel auf Thiele scheiterte.

Und noch einmal in Hälfte zwei, als eine scharfe Hereingabe des eingewechselten Christoph Hemlein von Kühlwetter abgeschlossen wurde. Spahic konnte nur abklatschen, der Cottbuser José Matuwila hob, an der Torauslinie stehend, dankbarer Weise jedes mögliche Abseits auf, doch auch Thiele sowie der ebenfalls eingewechselte Elias Huth vermochten den Ball nicht im Tor unterzubringen.

DIE WOLLITZSCHEN GEGNERANPASSUNGEN GRIFFEN BESSER

Michael Frontzeck bezeichnete die Szene danach als „Fingerzeig“, dass heute nichts gehen würde. Kann man so sehen. Man kann aber auch fragen, ob sein Kollege Pelé Wollitz bei den berühmten Anpassungen an den jeweiligen Gegner nicht die besseren Entscheidungen getroffen hat.

Wollitz hatte sich nicht gescheut, seine jüngst beim 2:1-Heimsieg gegen Jena noch hochgelobten Stürmer Kevin Scheidbauer und Dimitar Rangelov auf die Bank zu setzen und dafür lieber den schnellen Konterspieler Streli Mamba gebracht. Der bereitete unter anderem das Cottbusser 2:0 durch Lasse Schlüter in der 76. Minute vor.

Frontzeck dagegen hatte, ein wenig überraschend, doch nicht auf die Startelf gesetzt, die vor zwei Wochen gegen Uerdingen das auch nach seiner Aussage beste Heimspiel der Saison abgeliefert hatte. Statt Julius Biada agierte Bergmann neben Thiele, und der lässt sich nun mal noch mehr ins Mittelfeld fallen als Biada, so dass Thiele mehr ins Zentrum rücken muss, statt die langen Wege über die Flügel gehen zu können.

Überlassen wir Jan Löhmannsröben auch das Schlusswort. „Vielleicht hat uns die Galligkeit gefehlt. Man darf nicht denken, nur weil man ein, zwei Mal gewonnen hat, wird das ein Selbstläufer.“ Das verstand er, wie er sogleich gleich ergänzte, allerdings nicht als Kritik an seinen Mitspielern, sondern als Denkanstoß für „alle.“

Ein Kommentar zu „Gebrochene Nase überspringt gebrochene Hand – und schlägt Lautern ein blaues Auge

  1. Der Knackpunkt ist für mich nicht das verlorene Kopfballduell. Der Knackpunkt für mich ist, dass es dem FCK komplett an taktischer Finesse und Flexibilität fehlt. Frontzeck entwickelt keinen Plan und keine Idee gegen tiefstehende Mannschaften, macht immer wieder die gleichen Fehler. Wahnsinnig frustrierend!!!! Ich glaube, dass wir an der Stelle (Trainer) ein echtes Problem haben, geradezu mit unserer Zukunft spielen – denn das wir in der zweiten Drittligasaison aufsteigen, sehe ich erstmal überhaupt nicht!!

Kommentar verfassen