Cottbus war gestern – In Rostock soll es wieder „fußballorientiert“ zugehen

Die längste Auswärtsreise der Saison steht an. 800 Kilometer muss der 1. FC Kaiserslautern überwinden, bevor er sich am Samstag, 14 Uhr, in Rostock dem aktuellen Tabellen-6. stellen darf. Trainer Michael Frontzeck erwartet einen „fußballorientiert“ aufspielenden Gegner, also einen, der offensiver auftritt als Energie Cottbus am vergangenen Spieltag, als der FCK im eigenen Haus 0:2 verlor. Dass dem Team gegen die tief stehenden Lausitzer zu wenig einfiel, bestätigen auch die xG-Grafiken. Gegen offen agierende Teams sahen Lauterer bislang immer besser aus, etwa beim 4:1-Auswärtssieg in Braunschweig. Allerdings muss die Hintermannschaft neu formiert werden.

Linksverteidiger Janek Sternberg fällt aus, nachdem er gegen Cottbus seine Fünfte Gelbe Karte sah. Für ihn wechselt Außenverteidiger Dominik Schad die Seite – keine ungewohnte Position für ihn, er hat auch in Fürth früher links verteidigt. Somit wird rechts ein Platz für Kapitän Florian Dick frei – sein erster Einsatz seit dem 8. Spieltag, und den feiert er einen Tag nach seinem 34. Geburtstag. Er wird es wohl vornehmlich mit dem schnellen Merveille Biankadi zu tun bekommen, eine undankbare Aufgabe für einen Oldie.

Der zweite Senior in der Lauterer Hintermannschaft könnte dagegen auf der Bank Platz nehmen. André Hainaults Handverletzung hat sich zwar lediglich als Verstauchung rausgestellt,und  zuletzt hat er auch wieder ohne Verband trainiert. Doch Youngster Lukas Gottwalt, der den Kanadier bereits zwischen dem 6. und dem 10 Spieltag aus der Startelf verdrängt hatte, ist laut Frontzeck wieder hundertprozentig fit. Der Coach will noch einmal eine Nacht drüber schlafen, ehe er sich entscheidet, wem er im Ostseestadion den Vortritt lässt.

„NICHT ZU OFFEN GESTALTEN“ – LAUTERN DARF MAL WIEDER KONTERN

Hansa Rostock ist in der Liga seit fünf Spieltagen ungeschlagen, hat zudem vor zehn Tagen gegen 1. FC Nürnberg ein bärenstarkes DFB-Pokalspiel geboten, in dem sich die Elf von Pavel Dotchev erst im Elfmeterschießen geschlagen gab. Allerdings ist die Mannschaft im eigenen Stadion in dieser Saison auch schon zwei Mal abgeklatscht worden. Gegen die Würzburger Kickers setzte es ein 0:4, gegen Preußen Münster ein 1:4.

Michael Frontzeck erwartet ein „attraktives Spiel“, in dem wieder „mehr Fußball“ gespielt wird als zuletzt gegen Cottbus. „Wir konnten auch in unseren anderen Auswärtsspielen zuletzt Akzente setzen,“ so der Trainer. Er wisse aber sehr wohl, „dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die dich vor Probleme stellen kann, wenn du das Spiel zu offen gestaltest.“

Klingt, als ob sich der FCK in dieser Partie wieder einmal den Luxus leisten kann, mal seinerseits auf „Umschaltsituationen“ zu lauern, oder, anders ausgedrückt: übers Tempo zu kommen. Das heißt: Es wird wohl auch wieder den langen Ball von Jan Löhmannsröben auf Timmy Thiele zu sehen geben, der im Cottbus-Spiel mangels Raum weitgehend aus dem Repertoire gestrichen war.

XG-GRAFIKEN AUS DEM COTTBUS-SPIEL: IM ZEHNERRAUM PRÄSENZ, ABER KEINE EFFIZIENZ

Die xG-Grafiken aus diesem Kick offenbaren noch mal das Dilemma. Laut „11tegen11“ lag die Siegwahrscheinlichkeit für Lautern immerhin bei 41 Prozent. In der qualitativen Bewertung der Torchancen kommt Sander Jltsma zu einem Ergebnis von 0.76 : 0.49 für Lautern. In der Timeline ist aber auch zu erkennen, dass der Vorsprung im Wesentlichen durch die Dreifach-Chance zustande kommt, die sich der FCK unmittelbar vor dem 0:2 erarbeitete.

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Gegen einen tiefstehenden Gegner braucht es Aktionen aus dem Zehnerraum, aus dem entweder ein direktes Zuspiel in die Box oder ein Pass auf den Flügel erfolgen sollte. Die Positions- und Passgrafik belegt, dass Theo Bergmann in der Zone durchaus präsent war, wie die Dicke des Spots belegt. Allerdings ist kein Pfeil auf Kühlwetter und auch keiner Zuck zu sehen – und nur ein sehr dünner auf Thiele. Allerdings: In dieser Grafik sind nur Pfeile eingezeichnet, wenn es zwischen zwei Spielern zu fünf und mehr Zuspielen kam.

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Auch die Visualisierung der Zone 14-Pässe belegt das Dilemma. 13 Pässe aus dem Zehnerraum, von denen nur acht ankamen und nur einer in die Box gespielt wurden, das ist schon von den nackten Zahlen her nicht berauschend. Das eigentlich Deprimierende ist aber, in welche Richtungen die erfolgreichen Pässe gespielt wurden.

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Zum Vergleich dazu die „Zone 14“-Pässe von Cottbus, die in der Tat nur zwei Mal aufs Tor geschossen haben, wie auch die xG-Timeline oben zeigt. Da war im Zehnerraum noch weniger los, doch wurden aus diesem heraus beide Tore vorbereitet. Und von den gerade mal fünf Pässen insgesamt kamen alle fünf an. Dergleichen nennt man wohl effektiv.

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