Kurios: Lautern bringt sich in der Vorwärtsbewegung ins Hintertreffen – und das gleich drei Mal

Der 1. FC Kaiserslautern versinkt auch in der Drittklassigkeit weiter im Mittelmaß. Bei Hansa Rostock versaut sich die Elf von Michael Frontzeck einen Traumstart, indem sie sich innerhalb von 14 Minuten mit drei haarsträubenden Abspielfehlern in der Vorwärtsbewegung mit 1:3 ins Hintertreffen bringt – und fährt nach einer zweiten Hälfte, in dem sie sich nicht wirkungsvoll aufzubäumen vermag, mit einer fetten 1:4-Klatsche nach Hause. Wem gegen tief stehende Gegner nichts einfällt, der sollte eben nicht in Rückstand geraten … Angesichts von sechs Punkten Rückstand auf Tabellenrang drei ist das Ziel, bis zur Winterpause auf Schlagdistanz zu den Sonnenplätzen zu bleiben, allerdings immer noch erreichbar.

Im Grunde ist es immer das gleiche Lied: Lediglich reagieren zu dürfen ist einfacher als agieren müssen. Und je tiefer die Spielklasse ist, desto deutlicher tritt dieser Umstand zu Tage. Denn wer in Führung geht, genießt den Vorteil, sich zurückziehen und auf Konter lauern zu können. Und dem zur Initiative verdammten Team fehlt es dann an Qualität, gegen einen tief gestaffelten Gegner zum Erfolg zu kommen.

Natürlich: Das geht nicht nur dem FCK so, gerade in dieser Dritten Liga nicht. Doch der bringt sich auffallend oft in solch undankbare Situationen.

WER NACH VORNE WILL, DARF NICHT ZURÜCKLIEGEN

Denn wer in dieser Klasse oben stehen will, sollte so selten wie möglich Führungen abgeben. Beispiele gefällig?

Der VfL Osnabrück, mit 30 Punkten aktuell Tabellenführer der Dritten Liga, hat in den 15 Spielen dieser Saison erst zwei Mal nach einer Führung noch Punkte abgegeben, in Halle und zuletzt in Aalen, und diese Partien endeten wenigstens noch Unentschieden. Bei seinem 4:3-Sieg in Braunschweig etwa lief der VfL auch nicht vorübergehend einem Rückstand hinterher.

Der FCK dagegen hat schon sieben Mal in dieser Spielzeit Führungen abgegeben, beim 3:3 in Jena sogar zwei Mal. Doch so krass wie in Rostock hat sich Lautern noch nie um den Vorteil gebracht, in Front zu liegen und die anderen kommen zu lassen.

ES HÄTTE EIN SO SCHÖNER NACHMITTAG WERDEN KÖNNEN

Der Führungstreffer an diesem Samstag fällt nämlich schon nach fünf Minuten, und das endlich mal nach einem Eckball: Theo Bergmann serviert das Leder Lukas Gottwalt auf den Schädel, der für André Hainault in die Startelf gekommen ist.

Unmittelbar davor war Christoph Hemlein bereits mit einer Toraktion aufgefallen, herausgespielt übrigens nach dem Langer Ball-Zweiter Ball-Prinzip. Der auf die Rechtsverteidigerposition zurückgekehrte Florian Dick schlug aus der eigenen Hälfte einen weiten Ball in den gegnerischen Sechzehner, den Timmy Thiele zwar nicht sauber auflegte, aber immerhin einen Abpraller provozierte, der Hemlein in Schussposition brachte.

So kann es weitergehen, und zunächst sieht es auch so aus, als ob es so weiterginge. Lautern steht tief, Rostock findet dagegen zunächst kein Mittel, und der FCK zeigt im Ansatz vielversprechende Konteraktionen, zum Teil mit schönem, direktem Spiel aus der eigenen Abwehr heraus, Flankenwechsel inklusive.

Leider aber wehrt die Herrlichkeit nur eine knappe Viertelstunde. Dann startet die schwarze Serie des Jan Löhmannsröben.

DAS 1:1: DAS TACKLING BIETET DISKUSSIONSSTOFF, ABER DER FEHLPASS IST FATAL

Später wird viel über den nicht ganz hasenreinen Zweikampf zwischen Dominik Schad und Merveille Biankadi diskutiert werden, in dem sich der Rostocker behauptet, was ihm anschließend das flache Zuspiel von der Grundlinie in die Mitte ermöglicht, das Marco Königs zum Ausgleichstreffer nutzt. Michael Frontzecks Erregung über die Erklärung des Schiedsrichters Oliver Schlossius, bei Schads Sturz habe es sich um eine „Schwalbe“ gehandelt, ist auch verständlich: Anzunehmen, dass ein Spieler sich in dieser Position absichtlich fallen lässt, weil er auf den Pfiff des Unparteiischen setzt, ist äußerst weltfremd, gerade angesichts der Schiedsrichterleistungen in der Dritten Liga…

Es ist wohl eher so, dass Schad nach dem Tackling mit Biankadi aus dem Gleichgewicht gebracht worden war und erst mit einiger Verzögerung fiel, ob der Körperkontakt hätte gepfiffen werden müssen, ist dagegen von der Vereinsbrille abhängig, die man sich vor dem Betrachten aufzieht.

Entscheidend ist jedoch der Fehlpass, der Biankadi überhaupt ins Spiel bringt. Gespielt hat ihn Löhmannsröben, im Grunde unbedrängt aus dem Zentrum, in einer Situation, in der sich der FCK nach Ballgewinn spielerisch befreien kann – so, wie es ihm in den Minuten mehrfach gut gelungen ist.

Das sind die Aussetzer, die Punkte kosten.

UND DANN FOLGT FEHLER AUF FEHLER

Es ist auch nicht so, dass der FCK sich dann sofort aus der Partie abmeldet. Kühlwetter hat noch einmal eine Chance, in der er sich am Sechzehner mehr Zeit zum Schuss nehmen könnte, als er es tut. Auch Thiele kommt noch einmal in Schussposition.

Fatal ist jedoch, was die Kollegen in der Hintermannschaft derweil verbocken. Erst bleibt Bergmann nicht cool genug, als er nach einem Pressschlag von Kraus in der Nähe des Elfmeterpunktes an der Strafraumlinie an den Ball kommt. Er wagt keinen ruhigen Aufbaupass, sondern will sich zu schnell vom Leder trennen. Damit bringt er Kai Bülow zentral aus zwanzig Metern ins Spiel  – und dem gelingt ein technisch blitzsauberer Spannschuss, der für Keeper Wolfgang Hesl zudem verdeckt auf den Kasten kommt. Schon steht’s 1:2.

Und dann ist es wieder Löhmannsröben, der, diesmal bereits in der Gegners Hälfte, erneut unbedrängt einen einfachen Aufbaupass auf die linke Seite Marcel Hilßner in die Beine spielt. Der macht alles richtig und bringt mit einem feinen Diagonalpass Biankadi ins Spiel – 1:3. Da muss noch nicht einmal diskutiert werden, ob Biankadi in dieser Situation seine Schnelligkeitsvorteile gegenüber Dick ausspielen kann. Der Lauterer Kapitän war, wie seine Kollegen, bereits in der Vorwärtsbewegung.

NACH DER PAUSE WIE GEHABT: KEINE EIGENEN IDEEN UND DER GEGNER KONTERT

In der Halbzeit bringt Frontzeck den echten Neuner Elias Huth für den Zehner Bergmann. Den Risikofaktor Löhmannsröben rauszunehmen, schien naheliegender. Möglicher Weise hielt der Trainer die Doppelsechs Bergmann/Mads Albaek für nicht aggressiv genug, vor allem in der Rückwärtsbewegung.

Der Däne ist übrigens zum ersten Mal seit dem 8. Spieltag wieder von Beginn an dabei. Er agiert ballsicherer als seine Mitspieler, sorgt aber im Spiel nach vorne nicht wirklich für Tempo.

In der zweiten Hälfte ist der FCK dann in der gleichen Situation, in der er auch vor Wochenfrist beim 0:2 gegen Cottbus war – und übrigens auch schon beim 2:1-Sieg in Aalen, doch da hatte er das Glück, dass ein Kullerball von Kühlwetter den Ausgleich beschert.

Die Elf sucht gegen einen tief stehenden Gegner nach Abschlussmöglichkeiten – und findet keine. Wie schon gesagt: Andere in der Liga können das auch nicht besser, drum ist es das Beste, gar nicht erst in solche  Situationen kommen.

Am nächsten dran ist der FCK um die 70. Minute herum. Albaek probiert es mit einem satten 18 Meter-Schuss. Kraus köpft einen Eckball knapp vorbei, der eingewechselte Zuck darf nach Ecke und Strafraumgeflipper aus 16 Metern abziehen, doch Rostock-Keeper Ioannis Gelios pariert. Der Rest bleibt Stückwerk.

DAS AUS KOMMT IN MINUTE 82

Die klarerer Aktionen haben – unter Drittliga-Voraussetzungen geradezu logischer Weise – die konternden Rostocker. Löhmannsröben bringt noch mal mit einem Fehlpass in der Vorwärtsbewegung den Gegner ins Spiel, Cebio Soukou macht den Sack in der 82. Minute dann endgültig zu.

Kurz vor Schluss darf der ebenfalls eingewechselte Florian Pick noch zeigen, wie tief stehenden Gegner zu Leibe zu rücken wäre: mit schnellen Spielern, die sich auf engem Raum durchsetzen können. Einen wie Pick halt, der aber bringt gut angesetzte Szenen bislang zu selten zu Ende. Diesmal gelingt ihm nach schnellem Dribbling ein kurzes Anspiel auf Thiele, der aber bringt den Ball nicht im Tor hinunter.

AB JETZT HEISST DIE PAROLE: NIE MEHR RÜCKSTAND

Unterm Strich bleibt viel Unmut nach einer satten Niederlage, der nun wieder zwei Wochen lang schwelen darf. Welche Parolen aus dem Umfeld er zeitigen wird, ist abzusehen.

Bleiben wir daher so nüchtern, wie wir können: Am Sonntag, 25. November, geht es um 14 Uhr mit dem SV Wehen Wiesbaden gegen einen Gegner, der zumindest nicht von vorneherein sein Heil in der Defensive suchen wird, sondern über mehr als genug Qualität verfügt, mitspielen zu wollen. Da gilt es, den ersten Treffer zu markieren und danach keine Fehler mehr zu machen. Sonst hält der freie Fall weiter an.

Foto: 1. FC Kaiserslautern

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