Drittes Zwischenzeugnis: Der FCK in der Drittligafalle – Fehlerlos und dominant spielen, kriegt kaum einer hin

Das alte Spiel: Länderspielpause = Zeit für Zäsur. Vier Spiele gilt es seit unserem letzten Zwischenzeugnis im Oktober näher zu betrachten. Zwei Siege, zwei Niederlagen stehen da für den 1. FC Kaiserslautern zu Buche, exakt in dieser Reihenfolge. Das sieht nach krassem Leistungseinbruch aus, oder? Nicht, wenn man die Spiele auch mal losgelöst vom Endergebnis betrachtet. Da nämlich lässt sich so manch durchgehendes Muster erkennen. Denn einige Probleme sind auch bei siegreichen Spielen zutage getreten. 

In Aalen etwa gewann der FCK das Montagsspiel des 13. Spieltags 2:1, freitags drauf folgte die 0:2-Heimpleite gegen Cottbus. So unterschiedlich die Resultate waren, die Leistung der Mannschaft fiel innerhalb von fünf Tagen gar nicht mal so sehr ab. Denn auch in der ersten Hälfte gegen Aalen bekam der FCK nicht viel auf die Kette, und das gegen einen Gegner, der sich eigentlich um ein gepflegtes Fußballspiel bemühte. Und dass diese Eigenschaft in dieser Liga kaum mit dem Tabellenplatz eines Teams korreliert, haben wir in diesem Blog schon öfter festgestellt.

Nach dem Führungstreffer der Aalen agierte der FCK dann bis zum Ausgleichstreffer im Grunde so, wie er freitags drauf gegen Cottbus über 90 Minuten auftrat: einfallslos gegen einen tief stehenden Gegner. Manche Mannschaften ziehen sich, gerade auf dem Betzenberg, eben schon von der ersten Minute an zurück, andere tun dies erst nach einer Führung. Und das wiederum gerade, wenn es gegen den FCK geht, gerne auch im eigenen Stadion. So wie Rostock bei Lauterns 1:4-Pleite vergangenen Samstag.

WENN DER GEGNER MITSPIELEN WILL, SIEHT DER FCK IMMER GUT AUS

Dass es in Aalen dennoch zu einem Happy End kam, ist in erster Linie dem Kullerball Christian Kühlwetters zum 1:1 zu verdanken, über dessen Dusseligkeit wir uns hier auch nicht mehr unterhalten müssen. Danach gestalteten die Aalener die Partie wieder offen – und in solchen Phasen macht das FCK-Team, seit es zusammengewachsen ist, eigentlich immer eine gute Figur. Das war auch in Rostock nach der frühen Führung so.

In Aalen bescherte dann eine gelungene Aktion über Dominik Schad, Kühlwetter und Elias Huth den Siegtreffer, allerdings hätten die Gastgeber mit einem Quäntchen Glück auch nochmal ausgleichen können.

Unter diesen Aspekten betrachtet, verwundert es auch nicht, dass der Aufritt beim 2:0 gegen KFC Uerdingen als die bislang beste Saisonleistung firmiert. Der FCK durfte sich gegen einen Gegner, der mitspielen wollte, fast eine Halbzeit einen netten Schlagabtausch liefern, dann 1:0 in Führung gehen und anschließend selbst kontern, und das 45 Minuten lang.

So hätte die Partie in Rostock auch laufen können. In Ansätzen war das durchaus auch zu erkennen. Allerdings nur bis 22. Minute, nach der sich die Elf innerhalb von 14 Minuten mit brachialen Abspielfehlern 1:3 ins Hintertreffen brachte.

Es geht in den nächsten Wochen also nicht darum, einen „Leistungseinbruch“ zu korrigieren, sondern zwei grundsätzliche Dinge nachhaltig zu verbessern: Endlich Mittel gegen Gegner zu finden, die sich entweder von vorneherein oder nach eigener Führung tief staffeln. Und die Fehlerquoten in den eigenen Reihen zu minimieren.

DAS SPIEL GEGEN TIEF STEHENDE GEGNER: DREI MITTEL ZUM ERFOLG

Mittel eins zu Punkt eins haben wir schon öfter beschrieben: Mit schnellen Pässen die gegnerischen Ketten in Bewegung bringen, bis sich Lücken auftun. Seien wir ehrlich: Von einem Team der Dritten Liga eine derart anspruchsvolle Spielanlage zu erwarten, ist nicht wirklich realistisch. Auch wenn das FCK-Team immer mal andeutete, dass es auch lange Ballstafetten kann: Gegen Fortuna Köln baute es mal über einen Zeitraum von 52 Sekunden einen Angriff auf, den Timmy Thiele am Ende beinahe verwertet hätte. Dass die Mannschaft ein solches Spiel aber dauerhaft mit Geschwindigkeit und Genauigkeit etablieren könnte, erscheint zweifelhaft.

Zweites Mittel: Die Langer Ball-Zweiter Ball-Methode. Die sieht auf den ersten Blick primitiver als Ballbesitzfußball, ist aber nicht unbedingt weniger anspruchsvoll. Denn sie erfordert ein entschlossenes, schnelles und gut organisiertes Aufrücken des kompletten Teams, so dass die Zweiten Bälle auch direkt gewonnen, in die Box oder nach Außen gespielt werden können.

Eintracht Braunschweig hat diese Spielweise gegen den FCK vor einigen Wochen übrigens recht ansehnlich praktiziert, ehe sich die Mannschaft mit einem Eigentor selbst aus dem Rhythmus brachte und erst so den am Ende klaren 4:1-Sieg der Lauterer ermöglichte. Schon klar: Angesichts des aktuellen Tabellenstands der Braunschweiger lassen diese sich derzeit nur schlecht als Anschauungsobjekt verkaufen…

IMMERHIN: DIE STANDARS WERDEN BESSER

Einen langen Ball in die Spitze auf einen nachrückenden Mitspieler prallen lassen – Florian Dick, Timmy Thiele und Christoph Hemlein haben unmittelbar vor dem Führungstreffer in Rostock mal vorgemacht, wie so etwas aussieht. Von einer Handschrift, die ein solches Spiel dauerhaft prägen könnte, ist dieser FCK aber weit entfernt.

Drittes Mittel: Den tief gestaffelten Gegner, wenn sonst nichts geht, mal über einen ruhenden Ball knacken. Das ist schon lange eine Schwäche des FCK. In dem Punkt geben wir Trainer Michael Frontzeck allerdings recht, wenn er sagt: Die Standardsituationen sind zuletzt besser genutzt werden, dies schlägt sich nur noch nicht in nackten Zahlen nieder. Immerhin: In Rostock hat Lukas Gottwalt nach einer Ecke von Theo Bergmann getroffen. Fortsetzungen dürfen gerne folgen, je öfter, desto besser.

SO VIELE PUNKTE WIE DER VFL HÄTTE JEDER GERNE – ABER WILL ER AUCH SO SPIELEN?

Das zweite Problem sollte eigentlich leichter zu lösen sein, ist jedoch ebenfalls kniffliger, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Tabellenführer VfL Osnabrück hat zehn Punkte mehr als der FCK auf dem Konto. Dabei hat er genauso viele Tore geschossen wie die Lauterer, aber 13 (!) Buden weniger kassiert. Mit nur zehn Gegentreffern stellt der aktuelle Spitzenreiter gegenwärtig mit weitem Abstand die beste Defensive der Liga. Noch Fragen?

„Jeder am Betzenberg hätte gerne so viele Punkte wie der VfL Osnabrück, aber keiner will uns so spielen sehen“, hat FCK-Sportdirektor Boris Notzon uns unlängst im Interview erklärt. Will sagen: Eine Spielanlage, die darauf ausgerichtet ist, dass in erster Linie „die Null steht“, ist am Betzenberg nicht vermittelbar.

Wenn man aber dominant spielen will, darf man sich in der Vorwärtsbewegung keine Fehlpässe leisten – siehe Rostock. Dort hatte die Hauptfehlerquelle sogar einen Namen: Jan Löhmannsröben leitete mit zwei Abspielen in gegnerische Beine den ersten und den dritten Gegentreffer ein. Auch beim 3:3 in Jena etwa hat der gleiche Spieler durch Ballverluste im Sechserraum Gegentreffer eingeleitet.

DAS DILEMMA MIT „LÖH“ – IRGENDWIE MUSS ES GELÖST WERDEN

In anderen Spielen aber wurden „Löhs“ Leistungen – und seine überragenden langen Bälle – immer wieder gelobt. Gegen Uerdingen zum Beispiel wurde er nich als bester Mann gefeiert – und das gesamte Spiel zur besten Saisonleistung erhoben. Zufall?

Wir wollen Löhmannsröben hier keinesfalls als Alleinschuldigen brandmarken, sondern ihn lediglich als exemplarisches, aber auch extremes Beispiel nennen: Es ist schwierig, mannschaftlich zu Kontinuität zu finden, wenn einzelne, auch noch zentral agierende Spieler so starken Leistungsschwankungen unterworfen sind. Der Ruf eilte Löhmannsröben schließlich schon voraus, als er im Sommer zum Betzenberg kam: Vom Talent her zu weit mehr als Dritter Liga befähigt, aber leider nicht konstant genug.

Daher stellt sich nun die Frage: Ist das Trainerteam nach wie vor überzeugt, „Löh“ dauerhaft stabil zu bekommen – oder bleibt er eine im positiven wie im negativen Sinne schwer berechenbare Variable? Das muss beantwortet werden, wenn die aktuelle Fehlerquote nachhaltig minimiert werden soll. Ergebnistechnisch ließe sich in diesem Bereich auf den jeden Fall schneller etwas bewirken als durch Weiterentwickeln der Spielanlage.

Foto: 1. FC Kaiserslautern

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