Noch fünf Partien – Jetzt heißt es, Punkte für untern Christbaum holen

Die Länderspielpause ist vorbei. Nach zuletzt zwei Niederlagen heißt es für den 1. FC Kaiserslautern nun, in den letzten fünf Spielen vor der Winterpause das Ruder noch einmal herumreißen, um doch noch Kurs auf die Tabellenspitze zu nehmen. Am Sonntag (14 Uhr) empfängt der Neunte seinen tabellarischen und geographischen Nachbarn, den SV Wehen Wiesbaden. Hendrick Zuck fällt mit Muskelproblemen aus, ansonsten sind in der Startelf nicht viele, unter Umständen aber richtungsweisende personelle Änderungen zu erwarten.

Christoph Hemlein und Christian Kühlwetter dürften wieder das Flügelpärchen bilden – wie schon bei der 1:4-Auswärtspleite in Rostock. In Florian Pick, der beim darauffolgenden 4:0 im Verbandspokal gegen den TSV Gau-Odernheim zu den auffälligsten Akteuren gehörte, sieht Trainer Michael Frontzeck die „Option, ihn später zu bringen.“ Insgesamt sieht der Coach die jüngste Entwicklung des Tempodribblers „positiv“, so dass sich der 23-jährige Hoffnung auf weitere Einsätze machen darf.

DIE QUAL DER WAHL IN DER ZENTRALE

Spannend wird sein, wie sich Fronteck in der Mittelfeldzentrale entscheidet. Mads Albaek wird aufsteigende Form bescheinigt, zeigte zuletzt im Training auch, dass er in punkto Aggressivität zulegen kann. Wird Theo Bergmann erneut hinter oder neben Sturmspitze Timmy Thiele agieren? Oder weiter zurückgezogen, so dass mit Julius Biada oder gar Elias Huth ein weiterer Offensivspieler in die Startformation rückt, der mehr Zug zum Tor hat als Bergmann? Und wird Jan Löhmannsröben erneut beginnen, nachdem er in Rostock zwei Gegentreffer durch Abspielfehler im Spielaufbau einleitete?

In der Abwehrzentrale ist nach den Andeutungen des Trainers zu erwarten, dass Lukas Gottwalt weiterhin den Vorzug vor André Hainault erhält. Zudem wird Janek Sternberg wohl wieder auf die Linksverteidigerposition zurückkehren. So dass Frontzeck sich auf der rechten Seite abermals zwischen Florian Dick und Dominik Schad entscheiden muss.

WIESBADEN UND LAUTERN: BEIDE HINKEN HINTER DEN ANSPRÜCHEN HER

Der FCK und der SV Wehen Wiesbaden – so unterschiedlich die Klubs auf den ersten Blick anmuten, es gibt auch Parallelen, gerade, was die sportliche Entwicklung in der laufenden Saison angeht. Beide sind mit Etats angetreten, mit denen sie Ansprüche auf die vorderen Plätze anmelden müssten, doch beide dümpeln aktuell im Mittelfeld herum.

Wobei schon mal angemerkt werden darf: Es ist schon bezeichnend für den Fußball des 21. Jahrhunderts, dass das Spielerbudget der Wiesbadener mit dem Lauterns ungefähr gleichauf ist. Zu Heimspielen auf den Betzenberg kamen bislang rund 24.000 Zuschauer im Schnitt, die Hessen haben noch nicht einmal vor mehr als 3000 Zuschauern gekickt. Lediglich zum DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV (0:3) war die Brita-Arena mit 11.000 Zuschauern mal annähernd ausverkauft. Mit einem potenten Sponsor lässt sich heuer eben alles ausgleichen, sogar kaum vorhandenes Publikumsinteresse.

OBACHT: VOR DER JENA-PLEITE WAR WIESBADEN VOLL IM LAUF

Zurück zum Sport. Nach einem Auftaktsieg wateten beide Teams erst einmal durch Durststrecken. Nach Spieltag 6 hingen die Wiesbadener auf Rang 18, Lautern auf Rang 15 ab. Dann aber berappelten sich die Hessen eindrucksvoll. In den folgenden acht Spielen gewannen sie sechs Mal und stellen mittlerweile mit 32 Treffern das offensivstärkste Team der Liga, vor allem dank ihrer Stürmer Daniel-Kofi Kyereh (22) und Manuel Schäffler (29), die bereits neun, beziehungsweise acht Treffer erzielt haben. Höhepunkt des Wiesbadener Sturmlaufs war das 7:0 bei Fortuna Köln am 14. Spieltag.

Am vergangenen Spieltag peilten die Hessen in der Heimpartie gegen Jena eigentlich den Sprung auf Aufstiegsrang 2 an. Der aber wurde schmählich vergeigt. Jena, das zuvor neun Partien nicht gewonnen hatte, siegte in der Brita-Arena 2:3. Auch diese Partie wiest eine Parallele zur 1:4-Auswärtspleite des FCK zwei Tage zuvor auf. Die Wiesbadener gingen 1:0 in Führung und hatten die Partie gut im Griff, ehe sie sich durch haarsträubende individuelle Fehler selbst auf die Verliererstraße brachten.

Insbesondere der 1:1-Ausgleich der Jenaer trieb SV-Coach Rüdiger Rehm hinterher auf die Palme: Die Innenverteidiger Sascha Mockenhaupt und Sören Reddemann ließen einen weiten Abschlag von Jenas Torhüter Jo Coppens einfach passieren, so dass Phillip Tietz ungehindert einschießen konnte.

GUT FÜR LAUTERN: DER GEGNER WIRD MITSPIELEN WOLLEN

Allzu weit sollte man das Spiel mit den Parallelen aber auch nicht treiben. Denn im Gegensatz zum FCK in Rostock erarbeiteten sich Wiesbadener gegen Jena auch nach dem Rückstand noch Chancen zuhauf, trafen unter anderem zwei Mal Aluminium. Von daher sollte man sich von der gegenwärtigen Tabellennachbarschaft der beiden Teams nicht täuschen lassen: Wertet man die Heimniederlage der Wiesbadener als die unglückliche Niederlage, die sie tatsächlich auch war, ist zu konstatieren, dass es bei Wiesbaden zuletzt um einiges runder lief als bei Lautern.

Immerhin bekommt es der FCK mit einem Gegner zu tun, der nicht schon beim Stand von 0:0 sein Heil im „schnellen Umschaltspiel“ suchen wird, oder, einfacher ausdrückt: im Hinten-Reinstellen und auf Konterchancen lauern. Statt dessen trifft Lautern auf ein Team, das mitspielen will. Gegen solche Kontrahenten hat der FCK bislang immer gut ausgesehen, gegen Uerdingen etwa oder in Braunschweig. Entscheidend wird sein, dass sich die Elf nicht wieder durch Abwehrböcke selbst ausknockt. „Das müssen wir in Zukunft vermeiden, dass Dinge entstehen, wo wir Grundorganisation verlieren“, sagt auch der Trainer.

Dem es im übrigen nur darum geht, am Sonntag ein „gutes Heimspiel“ abzuliefern. Die tabellarische Situation interessiere ihn nach wie vor nicht, sagt er, dazu will er sich erst in der Winterpause äußern. „Es ist eine schwierige Phase, aber die nächsten zwei Spiele sind entscheidend. Da müssen wir punkten“, hat Aufsichtsratsvorsitzender Patrick Banf dagegen unter der Woche in der „Rheinpfalz“ geäußert. Manche lesen da ein „Ultimatum“ heraus. Das dürfte eine Überinterpretation sein. Vermutlich.

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