Tristesse am Totensonntag – Wie viel Ruhe lässt sich jetzt noch bewahren?

Und nun? Es war bislang schon frustrierend genug, Spiele zu betrachten, in denen der 1. FC Kaiserslautern zumindest phasenweise überzeugte, sich aber durch individuelle Fehler selbst um die Punkte brachte. Nach diesem 0:0 gegen den SV Wehen Wiesbaden steht nun aber die Erkenntnis: Es gibt auch in dieser Dritten Liga Mannschaften, die fußballerisch stärker sind als der FCK – und das lässt nach diesem Totensonntag den Glauben an den Wiederaufstieg noch stärker schwinden als der Blick auf die aktuelle Tabelle, in der der Rückstand auf den ersten direkten Aufstiegsrang nunmehr acht Punkte beträgt. Der Anhang jedenfalls machte nach dem Abpfiff bereits deutlich, dass er „die Schnauze voll“ hat. Und die Vereinsführung muss sich nun fragen, wie lange sie es sich noch leisten kann, „die Ruhe zu bewahren“ – angesichts von nur noch vier Spielen bis zur Winterpause, aber auch der anstehenden Jahreshauptversammlung am 16. Dezember.

Natürlich hat nach einem solchen Auftritt – dem, wohlgemerkt, bereits zwei Niederlagen an den beiden Spieltagen vorausgegangen sind – der Trainer immer den undankbarsten Job. Nicht nur, weil er ohnehin stets als der Hauptschuldige ausgemacht wird, sondern auch, weil er in der Pressekonferenz Worte finden muss, die einerseits glaubwürdig die enttäuschende Darbietung erklären, andererseits aber auch nicht die eigenen Schützlinge bloßstellen soll. Dass Michael Frontzeck solche Momente rhetorisch nicht unbedingt begnadet meistert, ist nach nunmehr knapp zehn Monaten beim FCK bekannt.

„GENERELL MEHR MIT DER LIGA IDENTIFIZIEREN“? WER, BITTESCHÖN, IST DA GEMEINT?

Gestern bestätigte er zunächst, dass Wiesbaden die bessere Mannschaft war – daran lässt sich in der Tat nicht rütteln. Erklärte danach, dass es sich um den ersten wirklich glücklichen Punktgewinn für seine Mannschaft in dieser Saison handele – okay, das kommt hin. Räumte ein, dass man mit dem Spiel seiner Mannschaft nicht zufrieden sein kann – da etwas anderes zu sagen, wäre nach den Reaktionen der Fans zuvor auch nicht angezeigt gewesen.

Anschließend folgte wieder einmal ein Hinterfragen „Erwartungshaltung“ in Lautern – auf der Phrase wird auf dem Betze schon so lange herumgeritten, dass es fast schon als Provokation gilt, sie zu benutzen, das sollte der Trainer mittlerweile wissen. Weiter: „Wir müssen uns generell mit dieser Liga mehr identifizieren und die großen Zeiten bei Seite schieben.“

Wer, bitteschön, ist mit „wir“ gemeint? Der Anhang? Selbst wenn wie am Sonntag nur 18.000 Zuschauer im Stadion sind, sind das immer noch drei Mal so viele, wie in dieser Liga ansonsten im Durchschnitt vor Ort sind – mehr annehmen kann man diese Liga wohl nicht. Also sind die Spieler gemeint? Denen das rechte Selbstverständnis einzuimpfen, ist ja wohl auch Sache des Trainers.

Und dann das Finale: „Ich hab Verständnis, dass der Kopf des Trainers gefordert wird, das ist ja mittlerweile normal in Deutschland, dass es jeder besser weiß. Das ist kein Problem für mich.“ Kein Problem? Also, ohne jetzt zynisch oder sonstwie gemein werden zu wollen: So redet kein Trainer, der glaubt, noch lange im Amt zu sein.

NUR EIN PERSONALWECHSEL, ABER EINIGE UMSTELLUNGEN: GEBRACHT HAT’S NICHTS

Handeln wir das Sportliche ab. Es ist ja nicht so, dass Michael Frontzeck sich gar nichts Neues einfallen lässt. Personell veränderte er seine Startelf gegenüber der Pleite von Rostock zwar nur auf einer Position – Florian Dick musste wieder raus, weil Janek Sternberg als Linksverteidiger zurückkehrte und Dominik Schad wieder die Seite wechselte. Aber: Theo Bergmann begann diesmal auf linken Flügelposition, die er mit starkem Drang nach innen interpretierte. Christian Kühlwetter rückte neben Sturmspitze Timmy Thiele, für mehr Durchschlagskraft im Zentrum. Was gut durchdacht gewesen sein mag, aber keine sichtbare Wirkung zeitigte.

Die erste Halbzeit gehört Wiesbaden, die auf dem Papier ebenfalls ein 4-4-2 formieren, in dem der Ball aber wesentlich flüssiger läuft als bei Lautern. In Minute 28 müssten die Gäste einen Elfer zugesprochen bekommen, als Kevin Kraus Patrick Schönfeld zu Fall bringt. Die Pfeife trägt mit Manuel Gräfe zwar ein ungewohnt hochqualifizierter DFB-Gesandter, doch der hat sich dem Schiedsrichter-Niveau der Dritten Liga anscheinend schnell angepasst. Was in diesem Fall Glück für Lautern ist.

Und in Minute 42 müssen die Wiesbadener eigentlich in Führung gehen. Erst köpft Torjäger Manuel Schäffler an den Innenpfosten, dann schafft Daniel-Kofi Kyereh nicht, den Ball über die Linie zu drücken, und in den zweiten Nachschuss von Jeremias Lorch wirft sich Jan Löhmannsröben. O je.

KEINE GELUNGENE OFFENSIVAKTION IN HÄLFTE EINS

Lautern dagegen: Kein vernünftiger Torschuss in Hälfte eins. Ein paar Versuche über die Flügel, die sich aber in der Mitte einem Abnehmer nicht mal annähern. Mads Albaek setzt mal ein fettes 20-Meter-Rohr an, das allerdings schon nach ein paar Meter abgeblockt wird – den hätte man in der Tat gerne aufs Tor kommen sehen.

Überhaupt Albaek: Der bestätigt wenigstens seinen Aufwärtstrend, als präziser Ballverteiler, dem auch mal lange Bälle auf den Flügel gelingen. Allerdings tut er das meist aus unbedrängter Position, indem er sich zwischen die Innenverteidiger zurückfallen lässt. Pressen die Wiesbadener mal energischer nach vorne, bekommt vor allem Schad auf der rechten Abwehrseite Probleme. Zu den Flankenläufen, mit denen er sich in der vergangenen Wochen profilierte, kommt der 21-jährige diesmal erst gar nicht.

ROCHADEN ZUR PAUSE: HELFEN EBENFALLS NICHT WEITER

In Hälfte zwei stellt Frontzeck um: Kühlwetter geht auf linke Seite, Bergmann und Albaek geben nun zwei zentrale Achter, Löhmannsröben den Sechser dahinter. Der Effekt: gleich null. Auch, weil sich Christoph Hemlein auf der rechten Seite gar nicht durchsetzen kann. Und Albaek in der vorgezogeneren Position an Wirkung verliert.

Als nächstes zwei Wechsel: Elias Huth rückt für Thiele auf die Neun, Florian Pick kommt für Hemlein, orientiert sich nach links, dafür geht Kühlwetter nach rechts. Das sorgt, endlich, für ein wenig Belebung. Auch wenn die anschließende beste Chance Lauterns nicht unbedingt daraus existiert.

ZUR NOT HÄTTE MAN HALT AUCH UNVERDIENT GEWONNEN

Löhmannsröben kommt nach einem Freistoß zum Kopfball. Wehen-Keeper Markus Kolke kann den Ball gerade noch so an den Innenpfosten lenken. Wär zwar total unverdient gewesen, ist aber nicht so, dass man das nicht dankbar mitgenommen hätte.

In der Schlussphase dann fast so etwas wie ein offener Schlagabtausch, in dem beide Mannschaften noch mal Möglichkeiten haben. Um hinterher von einem „0:0 der besseren Sorte“ reden zu können, hat Lautern aber in den 70 Minuten zuvor zu wenig geboten.

So bleibt nur ein Punkt für jeden – und jede Menge Tristesse. Und am Freitag fährt der FCK nach Unterhaching, zum Tabellenvierten, bei dem es derzeit richtig gut läuft.

Foto: 1. FC Kaiserslautern

Ein Kommentar zu „Tristesse am Totensonntag – Wie viel Ruhe lässt sich jetzt noch bewahren?

  1. Ich bin zu frustriert, um hier ernsthaft zu kommentieren. Es ist unerträglich, wie lange uns Frontzeck mit seinen trainerischen Defiziten zugemutet wird, noch dazu mit seiner unsäglichen Phrasendräscherei! Kann er sich nur bei Bader leisten. Aber jetzt den Vorwurf zu äußern das Umfeld würde die 3.Liga nicht annehmen, schlägt dem Fass echt den Boden aus!

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