„Den Leuten zeigen, dass man ein Ohr für sie hat“ – Harald Layenberger zum Logen-Besuch der „Nörgler und Enttäuschten“

Ein Hauptsponsor kann sich wahrlich pflegeleichtere Gäste in seine Stadionloge einladen, als Harald Layenberger es am Totensonntag getan hat. Via Facebook  hatte er gezielt alle notorischen „Nörgler und Enttäuschten“ aufgerufen, ihn zum Spiel des 1. FC Kaiserslautern gegen den SV Wehen Wiesbaden zu besuchen und mit ihm zu diskutieren. Angesichts des Grottenkicks, den der FCK bei diesem 0:0 ablieferte, kann er da kaum einen entspannten Nachmittag verlebt haben. Oder?

Herr Layenberger, was haben Sie denn so zu hören bekommen?

Ach, das war alles halb so wild. Als ich diese Einladung veröffentlichte, war mir doch bewusst, dass die ganz schlimmen Nörgler sowieso kein Interesse haben, ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. Die verbreiten sich doch lieber anonym im Internet. Es war eine super Runde, die da zusammensaß. Das waren kritische Fans, aber kritische Fans sind wichtig und gut. Und wir haben uns auf einem guten Niveau ausgetauscht.

Und das blieb so bis zum Schluss?

Das ist ja wohl klar, dass dieses Spiel am Ende selbst den positivst denkenden Mensch runtergezogen hatte. Was wir da gesehen hatten, war ja alles andere schön. Da darf man sich auch nicht wundern, dass manche langsam die Identifikation verlieren. Ich kann das verstehen. Was ich nicht verstehen kann, sind manche Reaktionen, die auf meine Einladung erfolgt sind.

Unter anderem hatte der Lautrer Aufsichtsratsvorsitzende Patrick Banf erklärt, dass eine solche Veranstaltung „nicht zielführend“ sei…

Ich habe nichts anderes getan, als Menschen das Angebot gemacht, sich miteinander auszutauschen. Das werde ich auch weiterführen. Ich wollte da auch ganz bewusst keine öffentliche Diskussion draus machen. Hätte ich den großen Rahmen gesucht, hätte ich etwa auch einen Live-Stream im Internet angeboten. Aber darum ging es doch nicht gar nicht. Es ist wichtig, dass wir viel kommunizieren, aber auf die richtige Art und Weise. Auf Augenhöhe mit den Fans zu sein, das ist das Leben eines Sportvereins. Dass das beim FCK momentan nicht unbedingt im Mittelpunkt steht, hat an diesem Nachmittag auch einer der leidenschaftlichsten FCK-Fans überhaupt bestätigt, einer, der dem Klub so positiv gegenüber steht, wie es positiver nicht geht.

Vom FCK kam kein Offizieller in die Loge?

Nein, aber das will ich nicht dramatisieren. Wie ich erfahren habe, hat zeitgleich eine Besprechung stattgefunden, zu der der Aufsichtsrat auch andere Funktionsträger des Vereins eingeladen hatte. Ich bin sicher, wenn dieser Paralleltermin nicht gewesen wäre, hätte der ein oder andere vorbeigeschaut, so wie sonst auch.

Und was waren die Themen, die diese kritische Fans im Gespräch angeschnitten haben?

Also, das können Sie sich ja wohl selbst denken nach so einem Spiel… Ich will das an dieser Stelle gar nicht weiter ausführen, denn ich würde niemals in der Öffentlichkeit so tun, als ob ich vom sportlichen Bereich mehr Ahnung hätte als die dafür Verantwortlichen. Ich hab, wie jeder Fan, natürlich meine Meinung, aber die teile ich mit meinen Freunden oder mit meiner Frau am Kaffeetisch. Ich kann den Leuten aber zeigen, dass ich ein Ohr für sie habe. Die Stimmungslage gegenwärtig zeigt, wo der Verein steht. Mit Euphorie kann man vieles erreichen, aber welche Ausmaße Enttäuschung annehmen kann, hat man gesehen, als nach dem Abpfiff einige Zuschauer den Rasen stürmen wollten.

Wie sich die Spieler daraufhin verhalten haben, muss ihnen doch gefallen haben…

Absolut. Unsere Spieler haben hervorragend reagiert, als sie zu den Fans gegangen sind und sich ihnen gestellt haben. In dieser Beziehung macht die Mannschaft meiner Meinung nach nix falsch. Sie geht auf die Menschen zu, man muss sie einfach nur lassen.

Zur „Layenberger Nachspielzeit“ hatten Sie diesmal Dominik Schad eingeladen… Hat er gekniffen?

Natürlich nicht. Das habe ich auch keine Sekunde lang befürchtet. Dominik Schad kam, auch wenn das Gespräch mit ihm natürlich ebenfalls von Enttäuschung geprägt war. Und auch von den anderen Jungs hätte keiner gekniffen, davon bin ich überzeugt.

Foto: Layenberger

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