Last Exit Haching? Einfach spielen – und nicht an den Mann auf der Lichtung denken

Es ist ja diese Woche oft genug durchgekaut worden: Michael Frontzeck soll/muss/darf/kann heute Abend seine „letzte Chance“ nutzen, wenn der 1. FC Kaiserslautern am heutigen Freitagabend Abend (19 Uhr) beim Tabellenvierten, der SpVgg Unterhaching, aufläuft. Diesen Ultimatums-Blödsinn wollen wir den FCK-Verantwortlichen ja gar nicht vorwerfen: Er ist im deutschen Profifußball nun mal nichts Ungewöhnliches, außerdem steht ja nicht zweifelsfrei fest, ob er tatsächlich aus der Führungsetage kommt oder einfach nur von außen zum „Common Sense“ erklärt worden ist. Nur die Frage sei gestattet: Glaubt irgendjemand im Ernst, ein derart angegriffener Coach könnte mit einem einzigen Spiel sein Standing so restaurieren, dass sich wieder längerfristig mit ihm planen lässt?

Michael Frontzecks Vertrag läuft nächsten Sommer aus. Und es wäre unbedingter Teil einer seriösen Planung, bereits im Winter, gegebenenfalls unter vorgehaltener Hand, die Weichen zu stellen, wer in der Saison 2019/2020 Sommer auf dem Trainerstuhl Platz nehmen soll – erst recht, wenn diese Planung irgendwann einmal als „von Kontinuität geprägt“ bezeichnet werden will, was der FCK dem Vernehmen nach ja weiterhin anstrebt.

Mal angenommen, Frontzeck und seinem Team gelingt heute Abend ein gutes UND erfolgreiches Spiel – beides muss ja gar nicht mal unbedingt zusammentreffen, gerade in dieser Liga nicht –, was sollte/müsste/dürfte/könnte in den drei Spielen bis zur Weihnachten dann anschließend noch abgeräumt werden, damit mit ihm über eine Vertragsverlängerung gesprochen werden kann, ohne dass es zu Missstimmungen im Umfeld kommt?

REFLEXIONEN ÜBER ZEIT – GESCHENKT

Dem erfahrenen Wanderarbeiter Frontzeck scheint seine besch… eidene Situation selbst nur allzu bewusst. Daher muss auch nicht jede einzelne Aussage aus den jüngsten Pressekonferenzen auf die Goldwaage gelegt werden. Insbesondere nicht seine Reflexionen über die Zeit, die einem Trainer zum Aufbau einer neuen Mannschaft heutzutage gewährt wird – und die im Grunde dem entgegenstehen, was er uns gegenüber in unserem Interview im Sommer erklärt hat.

Man muss ihm zugute halten: Frontzeck verhält sich so professionell, wie es unter diesen Umständen möglich ist, indem er erklärt, dass es in Ordnung sei, wenn sich alles an seiner Person entzünde und die Mannschaft dadurch aus der Schusslinie genommen werde – und die Formulierung, es sei normal, „dass einer auf die Lichtung gestellt werde“, ist immerhin kreativer als das ewige Gequake vom „angezählten“ Trainer.

Kommen wir zum Sportlichen. Außer den Langzeitverletzten fehlt dem FCK-Team heute keiner. Allerdings ist der wiedergenesene Hendrick Zuck wohl noch nicht wieder soweit, dass es für einen Startelfeinsatz reicht. Der Trainer will „Frische“ auf dem Platz, und des wird davon ausgegangen, dass es gegenüber der ersten Elf des mauen Heimspiels gegen Wehen Wiesbaden (0:0) einige Änderungen geben wird. Die „Rheinpfalz“ glaubt, dass Elias Huth, Florian Dick und Florian Pick beginnen werden, und deren Seniorberichterstatter gehört bekanntlich zu den Medienvertretern, mit denen Michael Frontzeck sich duzt.

HACHING – WILLKOMMEN IN EINER ANDEREN WELT

Unterhaching? Okay, wir neigen mittlerweile dazu, jeden FCK-Gegner gleichzeitig auch allgemein als Gegenentwurf zum FCK zu präsentieren. Über die Torgefährlichkeit von Goalgetter Stephan Hain (12 Saisontreffer) und die Klasse von Mittelfeldspieler Sascha Bigalke muss auch nicht mehr geredet werden.

Die Hachinger haben erst ein Spiel verloren, das aber – Hoffnungsschimmer, Hoffnungsschimmer – zuhause, 0:1 gegen Würzburg. Sie haben allerdings in dieser Saison auch schon neun Mal Remis gespielt.

Ein viel interessanterer Vergleichspunkt: Von den elf neuen Spielern, die die Hachinger im Sommer in den Profikader holten, kamen fünf aus der eigenen U19. Mit Lucas Hufnagel und Präsidentensohn Markus Schwabl wurden zwei Profis zurückgeholt, die bereits in jungen Jahren dem Verein angehörten. Trainer Claus Schromm darf nunmehr bereits im dritten Jahr seine Arbeit tun. Steigen die Hachinger in die Zweite Liga auf, verlängern sich von den sechs im Sommer auslaufenden Verträgen vier automatisch – doch, das klingt schon nach Arbeiten mit „Kontinuität“.

AUCH WENNS WEH TUT: DIE XG-GRAFIKEN VOM WIESBADEN-SPIEL

Für Masochisten veröffentlichen wir hier noch die „expected Goals (xG)“-Plots aus dem Spiel gegen Wehen Wiesbaden. Denn aus schlechten Beispielen lässt sich bekanntlich besonders viel lernen. Die xG-Timeline zeigt vor allem: Das war kein glückliches Remis, das war eine gefühlte Niederlage. Wiesbaden hätte gewinnen müssen. Sie bestätigt aber auch: Zum Schluss wurde es noch mal richtig munter. Da hätte Lautern auch der „Lucky Punch“ glücken können. Theoretisch.

2018-11-25 1204669 xG plot Kaiserslautern 0 - 0 SV Wehen Wiesbaden.jpg

Interessant: Die Positions- und Passgrafik für den FCK sieht gar nicht so übel aus. Sie wird bekanntlich anhand von Bewegungsdaten aus den ersten 70 Minuten erstellt, daher findet Kühlwetters Wechsel nach der Pause aus dem Zentrum auf die linke Seite keinen spürbaren Niederschlag. Im Grunde ein ordentlich strukturiertes 4-4-2, in das alle Spieler einbezogen sind. Die Passlinien von Christoph Hemlein sind ziemlich blass, das deckt sich auch mit unserem subjektiven Eindruck.

2018-11-25 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - SV Wehen Wiesbaden.jpg

Wo es haperte, zeigt ein Vergleich der Aktivitäten in der „Zone 14“, für ältere Leser: im Zehnerraum. Hier das traurige Bild des FCK. Es sei es noch mal getrommelt und gepfiffen: Das war ein HEIMSPIEL des 1. FC Kaiserslautern – auf DEM Betzenberg!

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Und hier die Visualisierung der Wiesbadener Umtriebe. Mehr muss man nicht sagen. Beziehungsweise zeigen.

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Foto: Eric Scherer

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