Frontzecks Aus ist besiegelt – Egal, wer jetzt kommt: Es muss der Richtige sein

Eines muss man Trainer und Team des 1. FC Kaiserslautern lassen: Sie haben sich klar positioniert, was die Chancen ihres Übungsleiters auf Weiterbeschäftigung angeht. Nach dem brutalen 0:5 bei SpVgg Unterhaching bleibt im Grunde keine andere Wahl mehr, als Michael Frontzeck abzulösen. Die offizielle Bekanntgabe der Trennung steht zwar noch aus, und mit Sicherheit wird man es als „unseriös“ bezeichnen, dass wir diesen Beitrag schon jetzt veröffentlichen. Aber die Gesamtsituation des Vereins ist derart fatal, dass auf gewisse Punkte einfach so früh wie möglich hingewiesen muss, ehe die nächsten Fehler gemacht werden. Das Scheitern Frontzecks stellt vor allem auch Martin Bader kein gutes Zeugnis aus – und der Aufsichtsrat des FCK ist gut beraten, die kommenden Vorschläge seines Geschäftsführers Sport zur Besetzung der Trainerposition äußerst kritisch zu hinterfragen.

Auch wenn er bei Pressekonferenzen und in Kurzinterviews nicht immer eine gute Figur gemacht hat: Wer sich eingehender mit Michael Frontzeck unterhält, lernt durchaus eine starke Persönlichkeit kennen, die Autorität und Kompetenz ausstrahlt. Wir hätten es ihm wirklich gegönnt, dass er mit nunmehr 54 Jahren in Kaiserslautern nun die Gelegenheit bekommt und nutzt, endlich einmal zu zeigen, dass er mehr ist als ein „Feuerwehrmann“. Selbst ein Otto Rehhagel bekam nach langen Wanderjahren seinerzeit erst in Bremen die Chance, sich dieses Image abzustreifen.

AM ENDE LIEF ES FÜR FRONTZECK DOCH WIE IMMER

Am Ende aber haben leider die Kassandra-Rufer Recht behalten. Es lief im Grunde so ab wie auf Frontzecks früheren Trainerstationen, insbesondere Hannover 96. Auf eine erste erfolgreiche Phase folgten Niederlagen – und schließlich die Trennung.

Die Niedersachsen hatte er im Frühjahr 2015 eindrucksvoll vor dem Abstieg gerettet, und wie wir von einem Klub-Insider wissen, hatten im folgenden Sommer Teile des untergeordneten Trainerstabs dennoch vor seiner Weiterverpflichtung gewarnt, aber kein Gehör in der Vereinsführung gefunden, zu der ab Oktober auch Martin Bader gehörte. Vor allem die Art, wie Frontzeck seine Spieler auf den nächsten Gegner einstelle, genüge den Ansprüchen des Fußballs im 21. Jahrhundert nicht mehr, hieß es.

In Kaiserslautern hat Frontzeck zwar den Abstieg in die Dritte Liga nicht verhindern können, doch sind die Verantwortlichen nie müde geworden, auf den Punkteschnitt von 1,53 hinzuweisen, die er in den 14 Spielen unter seiner Verantwortung geholt hatte.

PUNKTESCHNITT VON 1,53? DA HÄTTE MAN GENAUER HINSCHAUEN MÜSSEN

Vor allem für die beiden Siege zum Saisonfinale erhielt der Trainer viel Anerkennung – und sie verschafften ihm auch das Standing, als „Abstiegstrainer“ entspannt die anstehende Drittligasaison vorbereiten zu können. Und, ja, auch wir haben diese Einschätzung geteilt: Ein Trainer, der eine bereits abgestiegene, im Auseinanderfallen begriffene Mannschaft noch zu Siegen führen kann, muss einfach eine gewisse Qualität haben.

Im nachhinein muss leider gesagt werden: Da wäre da eine etwas differenziertere Analyse angezeigt gewesen. Punkteschnitt von 1,53 ist ja schön und gut, aber zwischen Spieltag 30 und 32 hatte Frontzeck hintereinander die drei entscheidenden Partien verloren, zuvor vorentscheidende Heimpartien gegen St. Pauli und Regensburg nicht gewonnen. Und bei den beiden Siegen zum Saisonabschluss ging es auch für die Gegner um nichts mehr, die hätte man auch als Muster ohne Wert einstufen können. Und diese Sichtweise hätte die „Erfolgsbilanz“ des Trainers doch sehr relativiert.

WAS WAR DRAN AN LIEBERKNECHT?

Einige in der Vereinsführung sollen sich diese durchaus auch zu eigen gemacht haben – und versucht haben, im Sommer den gerade frei gewordenen Torsten Lieberknecht als Coach in Lautern zu etablieren. Dabei, heißt es, seien sie aber an der Mehrheit des Aufsichtsrats gescheitert – und an Martin Bader.

Okay, es ist nur ein Gerücht, und dieser Blog hat sich bislang immer sehr zurückgehalten, was das Verbreiten von Gerüchten angeht. Diesmal aber soll es sein. Es wäre ja auch verwunderlich, wenn da gar nichts dran sein sollte: Der akribische Aufbauarbeiter Lieberknecht wird von Teilen des FCK-Umfelds schließlich schon seit Jahren als Ideallösung für den Trainerjob angesehen. Im Sommer war er nun einmal auf dem Markt.

BADERS TRAINERWAHL WAR AUCH BEIM FCN NICHT IMMER DIE BESTE

Was Trainerentscheidungen angeht, eilt Martin Bader auch von seiner Karrierestation in Nürnberg nicht der allerbeste Ruf voraus. In seiner beinahe zwölf Jahre währenden Funktionstätigkeit in Franken hat er mit Hans Meyer und Dieter Hecking ohne Frage Schwergewichte verpflichtet, sich immer wieder aber auch Fehlgriffe geleistet. Mit René Weiler bewies er gegen Ende seiner Amtszeit zwar noch einmal ein gutes Händchen, doch überwarf er sich mit dem Schweizer schon nach kurzer Zeit.

In Kaiserslautern muss ihm der nächste Wurf nun unbedingt gelingen. Der angestrebte Wiederaufstieg ist nach dem Debakel vom Freitagabend in weite Ferne gerückt. Ob der FCK hat eine weitere Drittligasaison wirtschaftlich überhaupt die Beine stellen kann, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt.

WAS DEM FCK DERZEIT ALLES FEHLT – HACHING HAT ES GEZEIGT

Insofern hat das Debakel von Haching auch sein Gutes: Der neue Trainer muss sich eigentlich nur dieses Spiel ansehen, um zu erkennen, wo er anzusetzen hat. Das freilich ist eine ganze Menge. Der Mannschaft fehlt nach wie vor nicht nur ein überzeugendes Offensivkonzept, sie ist mittlerweile auch mental völlig verunsichert. Was die Zahl der individuellen Fehler, mit denen sich schon in den Wochen zuvor immer wieder ins Hintertreffen gebracht, noch weiter erhöht.

In Haching hat sie dies bereits nach 23 Minuten auf die Verliererstraße gebracht. Beim Versuch, sich spielerisch aus einem Angriffspressing der Hachinger zu befreien, unterläuft Florian Dick ein Fehlpass, der die Gastgeber direkt wieder ins Spiel bringt. Beim Vertikalpass von Dominik Stahl auf Lucas Marseiler patzt Gino Fechner, der dadurch auch noch die Abseitsposition des Torschützen aufhebt. Und danach wird es schlimmer und schlimmer …

Die weiteren Gegentreffer detailliert zu analysieren, hieße, die eigenen Leser zu quälen.

KANDIDATEN GIBT ES ZUHAUF, ABER WER IST MACHBAR – UND WER WILL?

Und nun? Kandidaten gäbe es genug auf dem Markt, die Frage ist nur, wen sich der FCK noch leisten kann – und wer überhaupt noch kommen möchte.

Uwe Neuhaus etwa wäre ein Traum. Der hat bei Union Berlin und in Dresden bewiesen, dass er zügig etwas aufbauen und ein einfallsreiches Offensivspiel mit wirksamem Pressing und Gegenpressing etablieren kann. Zudem verfügt er über Autorität und das dringend benötigte psychologische Einfühlungsvermögen. Aber machbar? Eher nicht.

Ilia Gruev hat bereits als Co-Trainer von Kosta Runjaic und Krassimir Balakov auf dem Betzenberg gearbeitet. Ist als Chefcoach mit dem MSV Duisburg in die Zweite Liga aufgestiegen und hat dort im ersten Jahr einen respektablen siebten Rang belegt. Anfang Oktober allerdings ist er dort abgelöst worden – von Torsten Lieberknecht. Machbar? Schon eher.

Von Kenan Kocak hat man aus Sandhausen zwei Jahre lang nur Gutes gehört, auch der ehemalige Lautrer Denis Linsmayer hat sich im Gespräch mit uns sehr positiv über ihn geäußert. Kocak ist ebenfalls im Oktober abgelöst worden, angeblich, weil er „saisonübergreifend“ keine Aufwärtsentwicklung mehr herbeiführen konnte. Angesichts der personellen Rückschläge, die sein Team zu verkraften hatte, eine erstaunliche Begründung für die stets sehr besonnen agierenden Sandhausener. Kocak hat die Fußballlehrerlizenz im gleichen Jahrgang erworben wie Julian Nagelsmann, Domenico Tedesco und Jeff Strasser – und lernt immer noch bei den Besten: Zurzeit hospitiert er bei Thomas Tuchel in Paris. Machbar? Warum nicht?

EGAL, WER KOMMT – ES MUSS DER RICHTIGE

Die Liste ließe sich noch weiterführen. Mit Hannes Drews beispielsweise, der in Aue ebenfalls mit einem interessanten Offensivkonzept auf sich aufmerksam machte und im Mai seinen Vertrag „aus persönlichen Gründen“ auflöste. Aber wir wollen es hier auch nicht übertreiben.

Fest steht: Egal, wer kommt – es muss der Richtige sein. Jetzt. Ist es für den FCK nun eigentlich fünf Minuten oder eine Minute vor Zwölf – oder nicht doch vielleicht schon fünf Minuten nach Zwölf? Das sollen die selbsternannten Chefmetaphoriker entscheiden. Auf jeden Fall ist es verdammt spät.

Foto: 1. FC Kaiserslautern

2 Kommentare zu „Frontzecks Aus ist besiegelt – Egal, wer jetzt kommt: Es muss der Richtige sein

  1. Es ist einfach unglaublich, wie man sich beim FCK immer und immer wieder selbst in Weg steht und die gleichen Fehler begeht. Eine ehrliche Analyse im Sommer hätte dazu führen müssen, sich von Frontzeck zu trennen. Es waren tatsächlich die beiden letzten Spiele, die vieles überstrahlt haben. Hätte man im Sommer ehrlich die Frage, ob Frontzeck der richtige Mann für einen kompletten Neuanfang ist, wäre die Antwort nein gewesen. Letztlich stehen wir jetzt, wo wir immer stehen: im Winter einen Trainer entlassen, auf der Suche nach einem Neuen, der dann wiederum mit einem Makel in die nächste Runde geht… Es sei denn, ihm gelingt doch noch das große Fußball -Wunder.

  2. Wie wäre es wenn’s mit einem Trainer aus der Region weiter geht, einer der sich mit dem Verein identifiziert, der Fussball lebt und Spieler mitreissen kann .ICH wüsste da einen ,einen Stadtteil hat er schon zum Erfolg geführt, warum nicht auch die ganze Stadt, eine bestimmtgute und günstige Lösung

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