Sascha Hildmann übernimmt Herkulesaufgabe – Ein Lebenstraum, der ein Alptraum zu werden droht

Lukas Kwasniok war im Gespräch – einer, der unter deutschen Profiklubs gegenwärtig als ganz heißes Trainertalent gehandelt wird. Jens Härtel war im Gespräch – einer, der in der Vorsaison Magdeburg zum Meister der Dritten Liga gemacht hat. Kenan Kocak war im Gespräch – einer, der immer noch von den Besten lernt und bereits zwei Trainerjahre in der Zweiten Liga vorweisen kann. Joe Zinnbauer war im Gespräch – einer, der zuletzt krachend gescheitert ist, der in den kurzen Erfolgsphasen seiner Karriere aber den Offensivfußball spielen ließ, nach dem Lauterns Anhang lechzt. Eigentlich waren so viele im Gespräch wie noch nie zuvor während einer Trainersuche des 1. FC Kaiserslautern. Am Ende hat sich der Klub für die augenscheinlich am wenigsten spannende Lösung entschieden. Sascha Hildmann kommt – und soll jetzt in die Windeseile positive Emotionen wieder dort entfachen, wo ihm im Moment nur negative entgegenschlagen.

Sascha Hildmann, geboren in Kaiserslautern, ist mit 46 Jahren da angekommen, wovon  jeder „Pälzer Bu“ träumt, mal anzukommen, sofern er sich für Fußball begeistert – aber welcher echte Pälzer Bu tut das nicht? In verantwortlicher Position beim 1. FC Kaiserslautern.

Als Spieler ist ihm der Durchbruch am „Betze“ verwehrt geblieben. Bis zu seinem 28. Lebensjahr war in den Juniorenteams und der Zweiten Mannschaft aktiv, abgesehen von einem Jahr, in dem er auch mal in Saarbrücken versucht. Es folgten noch zwei Jahre in Aachen, danach Pirmasens, Homburg, Rodenbach, wo er auch seine Trainerkarriere begann.

NACH DURCHWACHSENEN JAHREN IM AMATEURBEREICH NACH GROSSASPACH

Aus der es bislang nichts Herausragendes zu berichten gibt. Mit der SC Idar-Oberstein blieb sein Team nur aufgrund einer Umstrukturierung der Spielklassen in der Regionalliga, im darauffolgenden Jahr stieg es ab. Mit der SC Hauenstein verpasste er trotz vergleichsweise großzügig budgetierten Kader im ersten Jahr den Aufstieg, im zweiten Jahr wurde er entlassen, obwohl der Klub gerade die Tabelle anführte. Anschließend coachte er Jugendmannschaften in Elversberg und Mainz.

Dass ihm Drittligist SG Sonnenhof Großaspach 2017 als Nachfolger von Oliver Zapel eine Chance in einer Profiliga gab, galt bereits als Überraschung. Doch mit dem notorischen Underdog schaffte Hildmann in seiner ersten Saison als Cheftrainer immerhin Platz 14, 16 Punkte vom ersten Abstiegsplatz entfernt. Und mit 55 Treffern markierte die SG die viertmeisten der Liga, nur die beiden Aufsteiger sowie der Tabellenvierte Wiesbaden erzielten mehr. Respektabel, ohne Frage.

„MEINE PHILOSOPHIE IST ABHÄNGIG VOM TEAM“

Dabei zeigte sich Hildmann als geschickter Taktiker, der – und schon das unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Michael Frontzeck – seine Grundordnung  umzustellen vermochte, wenn er es angesichts des jeweiligen Gegners für angebracht hielt. Auf  „bkz online“ findet sich ein ausführliches Interview mit ihm. Darin erklärt er:

„Ich habe natürlich auch meine Philosophie, aber die Philosophie ist immer auch abhängig vom Team, das ich vor mir habe. Es ist das Ziel, die besten Spieler auf dem Platz zu haben, aber noch wichtiger ist es, die beste Mannschaft aufs Feld zu bringen. Flexibilität muss man heutzutage haben, um sich auf den Gegner einzustellen, die Schwächen aufzudecken und ihn zu knacken. Wir können im Spiel gegen den Ball einen festen Ablauf einstudieren, aber es kann auch hier schnell ein 5-4-1 oder 4-4-2 sein – auch das ist abhängig vom Gegner und vom Spielstand. Wir werden zwei, drei Abläufe fest installieren, das werden unsere Hauptspielsysteme sein. Wie die dann genau aussehen, werden wir in den Spielen sehen.“

Allerdings: Bereits in der Rückrunde 2017/18 gelangen Hildmann nur noch drei Siege. Allesamt auswärts. In der aktuellen Spielzeit wurde er nach zehn Spieltagen entlassen. Nur ein Sieg war ihm bis dato geglückt. Ebenfalls auswärts, in Lotte. Somit hat Coach Hildmann 2018 noch keinen Heimsieg gefeiert.

JETZT MÜSSEN SECHS PUNKTE HER, UM DIE HOFFNUNG AM LEBEN ZU HALTEN

Zu seinem Debüt am Samstag muss er die Würzburger Kickers schlagen, die wohl wankelmütigste Mannschaft der Liga. Anschließend gehts zum aktuellen Tabellen-18. Meppen. Sechs Punkte aus diesen beiden Spielen bräuchte es, um die wirklich letzte Hoffnung zu nähren, dass der 1. FC Kaiserslautern sich in dieser Saison vielleicht doch noch oben orientieren kann. Andernfalls kann er in der Rückrunde wohl vor leeren Rängen spielen.

Sascha Hildmann gilt als offener, kommunikativer Typ. Und er ist intelligent genug um zu wissen, dass das Etikett „Lauter Bu mit Herzblut“ schon lange nicht mehr ausreicht, um den FCK-Anhang direkt hinter sich zu bringen. Und dass er in den zwei Tagen, die ihm zur Vorbereitung auf sein Debüt bleiben, nicht viel Neues in Mannschaft und Spiel einbringen kann. Er muss darauf setzen, dass seine Spieler von sich aus eine angemessene Reaktion zeigen auf das 0:5-Debakel in Haching vor einer Woche, mit dem sie Hildmanns Vorgänger endgültig abschossen.

NICHT DIE 1a-LÖSUNG, ABER GANZ SICHER DER AM BESTEN MOTIVIERTESTE KANDIDAT

Obendrein ist Sascha Hildmann klug genug, um zu wissen, dass er kaum die 1a-Lösung für den Posten gewesen sein kann. Dass der Magdeburger Aufstiegstrainer Jens Härtel den Lautrern abgesagt hat, stand in mehreren Medien zu lesen – ob die vielleicht nur ein vages Gerücht voneinander abgeschrieben haben, wissen wir nicht. Ebenso, wer von den zahlreichen anderen Kandidaten nicht kam, weil er sich nicht auf das Pulverfass Betzenberg setzen wollte.

Daher wollen wir es positiv ausdrücken: Mit Sascha Hildmann hat der 1. FC Kaiserslautern den wohl einzigen Kandidaten verpflichtet, für den sich mit diesem Engagement ein Lebenstraum erfüllt. Daher darf man zumindest von einem ausgehen: Er wird sich ins Zeug legen wie kein anderer.

Und Sascha Hildmann ist sicher auch klug genug, um sich nicht anzutun, was in diesen Stunden in den Fanforen über ihn geäußert wird. Auf den Weg gegeben sei ihm lediglich ein grandioser Kommentar des Users „Mittelschichtler“ aus dem FCK-Forum von transfermarkt.de:

„Wenn so viele maulen, kann es nur gut werden.“

Foto: Eric Scherer

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