Kein traumhafter Einstand, aber ein ordentlicher– Reden wir drüber

Der Lautrer Bub Sascha Hildmann startet seine Amtszeit als Trainer des 1. FC Kaiserslautern mit einem 0:0 gegen die Würzburger Kickers. Das klingt (noch) nicht wie der Beginn eines Fußballmärchens, doch wenn die Saison bislang nicht so grottig gelaufen wäre, ließe es sich mit diesem torlosen Remis glatt leben. Der FCK trat wesentlich druckvoller auf als zuletzt und erspielte sich so viele Torchancen wie noch nie in dieser Saison – nur ging halt keiner rein. Womit sich auch mit diesem Trainerdebüt die aktuelle Misere zunächst mal fortsetzt: Lautern ist seit nunmehr fünf Spielen ohne Sieg, hat in diesen Partien gerade mal einen Treffer erzielt, und die Abstände zu den Relegationsrängen der Dritten Liga betragen nun mehr zwölf Punkte nach oben – und nur drei nach unten. Dennoch: Es weht ein neuer Spirit überm Betzenberg.

Von allen Seiten ist es zu hören: Der neue Trainer Sascha Hildmann steht für ausführlichere und offenere Kommunikation, mit Spielern, mit Medienvertretern, mit allen. Und er selbst hat das angenehme Gefühl, nicht ins Leere zu reden: „Wie die Mannschaft mich angenommen hat, wie konzentriert sie mir, der ja gerade erst neu dazu gekommen ist, sofort zugehört hat, das fand ich schon bemerkenswert“, erzählte Sascha Hildmann nach dem Spiel. Dabei habe er sowohl auf Einzel-als auch auf Gruppengespräche gesetzt. „Ich habe mit allen Mannschaftsblöcken geredet: Torwart, Viererabwehrkette, Vierermittelfeld, die beiden Stürmer, der Torwart. Muss ich doch, wenn sie auf dem Platz meine Handschrift tragen sollen.“

BERGMANN UND ALBAEK IM ZENTRUM – PICK VON ANFANG AN

Nach nur zwei Amtstagen war davon schon mehr zu sehen als erwartet. Vom Anpfiff weg schob sich die Elf viel weiter nach vorne als in den Heimspielen zuvor, setzte den Gegner so früh unter Druck. Dabei hatte Hildmann personell gar nicht so viel verändert. In der Innenverteidigung gab er dem erfahrenen André Hainault den Vorzug vor dem jungen Lukas Gottwalt, dem einzigen Torschützen der jüngsten fünf Partien.

Im zentralen Mittelfeld fielen Jan Löhmannsröben und Ginos Fechner verletzungsbedingt aus, so dass dem Coach im Grunde gar keine Alternative blieb, als mit dem spielstarken Duo Mads Albaek und Theo Bergmann zu beginnen. Bergmann war es dann auch vorbehalten, dem gegnerischen Sechser Anthony Syhre auf die Pelle zu rücken, um zu verhindern, dass die Würzburger die Lautrer Pressinglinie mit einem kurzen Pass in die Zentrale überspielten.

Die einzig augenfällige Veränderung vollzog sich auf dem linken Flügel. Florian Pick durfte erstmals in einem Liga-Heimspiel von Beginn ran – und avancierte direkt zum stärksten belebenden Offensivelement.

PICK UND STERNBERG: „STÄNDIG AM ÜBERHOLEN“

„Er ist mir in dieser Saison schon öfter aufgefallen“, erzählte Sascha Hildmann später. Der hat nämlich, obwohl erst seit zwei Tagen Trainer, fast alle Lautrer Spiele in dieser Saison verfolgt, war außer beim 4:0 gegen Gau-Odernheim auch bei den Verbandspokalspielen zugegen, in denen Pick stark aufgetreten war. Der 23-jährige Tempodribbler, dem in dieser Spielzeit endlich der Durchbruch im Profigeschäft gelingen müsste, bildete mit Linksverteidiger Janek Sternberg ein starkes Duo, das weitere Chancen verdient hat. Auf der Gegenseite erzielten Dominik Schad und Christoph Hemlein.   er leider nicht annähernd diese Wirkung.

„Wenn ich Sternberg und Pick links bringe, dann will ich, dass die ständig am Überholen sind, dass da Betrieb aufkommt, das was passiert“, erklärte Sascha Hildmann später. Wie er sich das konkret vorstellen, hatte er den beiden auch anhand von Videos verdeutlicht.

Zwei Schussversuche aus spitzem Winkel – und den Abpraller bei der zweiten Aktion nahm Christian Kühlwetter direkt, leider jedoch wurde der Ball auf der Torlinie erklärt. Ein riesen Schlenzer aus halblinker Position vorm Strafraum, der sich ums Haar ins lange Eck dreht– doch, das lässt sich durchaus „Betrieb“ nennen, was Pick da veranstaltet hat.

„LAUTERN HATTE DIE MEHREREN CHANCEN, WIR DIE GRÖSSEREN“

Allerdings steht auch ein Gegner auf dem Platz, der nach 20 Minuten besser ins Spiel kommt – eigentlich folgerichtig, da sich hohes Pressing nicht über die volle Spielzeit durchhalten lässt. In den Minuten vor Pause verzeichnen die Kickers zwei Großchancen durch Dominic Baumann und Syhre. 

Das Spiel bleibt auch in der zweiten Hälfte sehr munter. Die Mannschaften agieren fast spiegelbildlich, was Formation und Spielanlage angeht. Die guten und eher halbgaren Toraktionen, die sie herausspielen, im einzelnen aufzuzählen, wäre müßig. Erst, nachdem Würzburgs Mittelfeldspieler Janik Bachmann in der 87. Minute Gelbrot sieht, entschließen sich Gäste, den Rest der Partie auf Halten zu spielen.„Lautern hatte die mehreren Chancen, wir die größeren“, analysiert Würzburg-Coach Michael Schiele hinterher treffend.

NOCH EIN BEINAHE-TRAUMEINSTAND: CARLO SICKINGER

Unbedingt erwähnenswert ist noch das Debüt von Carlo Sickinger, der in der 76. Minute für Theo Bergmann kommt. Der 21-jährige führt sich mit einem Foul ein, für das er direkt Gelb kassiert, gefällt dann aber mit eleganter Ballführung und erzielt in der 83. Minute beinahe den erlösenden Treffer, als er sich vorm Sechzehner in Schussposition bringt und abzieht – der Ball streicht jedoch haarscharf am rechten Torpfosten vorbei. Somit fällt auch sein Einstand aus wie der seines Trainers: Nicht traumhaft, aber ordentlich.

Für Sascha Hildmann gilt es bis zum Auswärtsspiel in Meppen nun, dafür zu sorgen, dass auch seine Stürmer umsetzen, was er seinen Flügelspielern mit auf den Weg gegeben hatte: „Wir brauchen Zielstrebigkeit.“ Einfach ausgedrückt: Die Torflaute muss beendet werden. Timmy Thiele scheint das Pech derzeit an den Stiefeln zu kleben. Vielleicht wäre mal ein Startelfeinsatz von Elias Huth angezeigt.