Lauter(ns) rote Zahlen: Ohne weißen Ritter sehen einige FCK-Mitglieder schwarz – kritisch, aber nicht inhaltslos

Am Sonntag, 11 Uhr, steht auf dem Betzenberg die Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern auf dem Programm. Bescheidene sportliche Situation, schwierige wirtschaftliche Lage, doch noch ist nicht aller Tage Abend – das dürfte der Tenor sein, in dem die Vereinsspitze ihre Berichte abzugeben gedenkt. Und dabei sicher mit ein paar Zwischenrufen unbelehrbarer, „ewiger“ Kritiker rechnet. Wird’s wirklich nur ein bisschen unangenehm? Oder vielleicht doch ein wenig, wenn nicht sogar viel lauter? Die dunklen Zeichen mehren sich.

Bereits bei der Vorstellung des neuen Cheftrainers Sascha Hildmann vor Wochenfrist wurde Patrick Banf gefragt, wie es für den FCK denn um die Lizenzerteilung für ein weiteres Jahr Dritte Liga bestellt sei  – angesichts des derzeit 13. Tabellenranges stelle dieses gegenwärtig ja ein realistischeres Szenario als der direkte Wiederaufstieg in die Zweite Liga. Man sei bei der Vorbereitung der notwendigen Unterlagen für den DFB ungefähr soweit soweit wie zur gleichen Zeit in der Saison davor, antwortete der Aufsichtsratsvorsitzende. Genaueres werde er auf der Jahreshauptversammlung mitteilen.

Dies klingt zum einen beruhigend, zum anderen aber nicht auch so, als ob Banf, beziehungsweise der Vorstandsvorsitzende Michael Klatt, am 3. Advent endlich den großen Befreiungsschlag verkünden könnten, auf den der Anhang seit langer Zeit wartet: Dass endlich der „Ankerinvestor“ gefunden sei, mit dessen Unterstützung der FCK endlich wieder in eine bessere Zukunft aufbrechen könnte. Im Umfeld wird dieser ersehnte Geldgeber gerne auch als „der weiße Ritter“ bezeichnet. Der Pfälzer bewahrt sich eben auch in schweren Zeiten eine gewisse Ironiefähigkeit.

BANF: KOSTENSTRUKTUR REFORMIERT, TRAINER HAT SICH BEMÜHT, BADER IST ERSTKLASSIG

Auch in der Donnerstag-Ausgabe der „Rheinpfalz“ erklärt Banf, dass bis März, also bis zur Vorlage der Lizenzunterlagen beim DFB, noch Investoren „gewonnen“ werden sollen. Vor allem die Rückzahlung der mittlerweile aufgebrauchten Fan-Anleihe in Höhe von 6,7 Millionen Euro, die Ende August 2019 fällig wird, belaste. Ohne Investor solle diese mit einer „Zwischenfinanzierung“ bewerkstelligt werden, so Banf.

Ansonsten bescheinigt der Aufsichtsratschef sich und seinem vor einem Jahr gewählten Gremium solide Arbeit: „Wir haben es geschafft, die Kostenstruktur zu reformieren“. Dem kürzlich entlassenen Trainer Michael Frontzeck hält er zugute, dass dieser „mit Hingabe am Aufbau der Mannschaft“ gearbeitet habe, letztlich aber daran gescheitert sei, dass Fußball ein „Ergebnissport“ ist. Und Sport-Geschäftsführer Martin Bader, den der Aufsichtsrat um Banf nach seiner Wahl installierte, arbeite „erstklassig.“

Wie sich wohl die Mitgliederversammlung am Sonntag verhalten wird, wenn Banf in diesem Tenor an sie berichtet? Ob sich da wieder nur die „ewigen Kritiker“ rühren, von denen der Aufsichtsratschef in der „Rheinpfalz“ kündet? Die, die„immer wieder dieselben“ seien, „die aus welchem Grund auch immer meinen, für den FCK legitimiert zu sein, immer mit den gleichen inhaltslosen Parolen den FCK schlecht zu reden“?

Wenn er sich da mal nicht täuscht.

ZWEI ANTRÄGE ABGELEHNT: JETZT ONLINE BEI „DER BETZE BRENNT“

Nach dem zu urteilen, was sich im Umfeld derzeit zusammenbraut, könnte es am Sonntag auf dem Betzenberg ziemlich laut werden.

Abgesehen von Gerüchten, dass der vor einem Jahr gewählte Aufsichtsrat auch bereits in sich zerstritten sei, haben sich mit Johannes B. Remy und Ken Kinscher mittlerweile zwei FCK’ler zu Wort gemeldet, die im vergangenen Jahr ebenfalls für den Aufsichtsrat kandidiert haben und denen aufgrund ihrer Nähe zum Verein einiges an Ein- und Durchblick zugetraut werden kann. Beide klagen darüber, dass sie zur JHV ergänzende Anträge zur Tagesordnung eingereicht hätten, die eine detailliertere Darstellung der Finanzlage durch die Vereinsspitze erforderlich machten. Der Verein habe beide jedoch abgelehnt – mit Begründungen, deren juristische Haltbarkeit zumindest teilweise angezweifelt werden darf. Remy ist stattdessen immerhin ein „gesondertes Rederecht“ eingeräumt worden.

Der Antrag Kinschers sowie Remys „Einschätzung zu Insolvenzrisiko und Lizenzverfahren 19/20“ lassen sich mittlerweile im Fan-Online-Magazin „Der Betze brennt“ in aller Ausführlichkeit nachlesen. Und wer am Sonntag dem Aufsichtsratsvorsitzenden Beifall klatschen möchte, wenn er diese beiden zu den erwähnten „ewigen“ Kritikern rechnet, von denen „keine konstruktive Kritik“ komme, ist gut beraten, sich die Ausführungen zuvor wenigstens mal anzuschauen. Auch wenn’s kompliziert ist. Und ziemlich deprimierend.

INHALTSLOS? FCK BRAUCHT BIS MÄRZ 2019 ZWEISTELLIGEN MILLIONENBETRAG

Vor allem Remys Darstellung liest sich alles andere als „inhaltslos“. Das FCK-Mitglied merkt beispielsweise an, dass für den Lizenzantrag 2019/2020 zu den 6,7 Millionen Euro für die fällige Stadion-Anleihe auch das geplante Saisondefizit in Höhe von fünf Millionen Euro berücksichtigt werden müsse. Dazu fallen die Sonderzahlungen weg, die der FCK nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga einmalig erhalten habe. Ergo müsse der Klub bis März 2019 einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe nachweisen. Wie das ohne Investor funktionieren solle, sei ihm schleierhaft – ebenso, weshalb die Vereinsspitze das hohe Insolvenzrisiko gegenwärtig herunterspiele.

Remy kritisiert auch, dass der Verein nicht bereits im Frühjahr 2018 einen „Wertpapierprospekt“ herausgegeben habe, um Anteile des Vereins an Fans und Mitglieder verkaufen zu können. Stattdessen habe er alles auf die Karte „große bis mittlere Investoren“ gesetzt – und die stünden offenbar nicht gerade Schlange. Hinzu komme, dass angesichts der fatalen Situation ein potentieller Investor mittlerweile den Preis selbst bestimmen könne, für den er den FCK übernehme. „Die Aussagen der Vereinsspitze, angefangen bei Patrick Banf, der den Verein öffentlich auf cirka 120.000.000 Euro taxiert hat (…), sind im besten Fall missverständlich – böswillig interpretiert könnte man sie aber auch als irreführend bezeichnen“, so Remy.

WENDE ODER REGIONALLIGA?

Immerhin: Remy hält die Wende noch für möglich. Unter anderem, wenn Gläubiger wie die Stadt Kaiserslautern ihr Engagement ein weiters Mal erhöhen, um ihre bislang getätigten Investitionen vor dem Totalverlust zu retten, „denn bei Insolvenz geht ja nicht nur die Fußball GmbH vor die Hunde, sondern auch die Stadiongesellschaft und vermutlich besteht sogar für die Stadt Kaiserslautern ein hohes Risiko.“

Ken Kinscher wiederum warnt davor, „Haus und Hof zu verpfänden“ für ein weiteres Jahr Dritte Liga: „Dann lieber einen klaren Cut und Neuanfang in der Regionalliga – ohne die ganzen Altlasten. Und dann das Kapital der Fans rein.“

Ob das am Sonntag auch so formuliert wird? Dann dürfte es noch lauter werden auf dem Betzenberg. Auf jeden Fall scheint es mit der „Transparenz“, für die Patrick Banf und seine Aufsichtsrat nach ihrer Wahl vor einem Jahr einstehen wollten, nicht mehr weit her zu sein.

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