In Meppen heißt es, tief blicken – Sonst ist schnell Schicht im Schacht

Der 1. FC Kaiserslautern fährt nach Meppen. Da werden, natürlich, allerorten Reminiszenzen belebt an das legendäre 7:6 im Juni 1997, mit dem die Pfälzer seinerzeit ihre Rückkehr in die Erste Bundesliga feierten. Der Abstieg ins Unterhaus sollte damit als einmaliger Tiefpunkt in der ruhmreichen Vereinsgeschichte ad acta gelegt werden, nun ja … Das Schwelgen in wehmütigen Erinnerungen darf allerdings den Blick auf die Realität nicht verstellen: In der trüben Gegenwart kickt der Tabellen-13. der Dritten Liga beim Tabellen-16., und die Frage nach dem „Favoriten“ dieser Partie ist leicht beantwortet: Meppen spielt zuhause und hat seine beiden jüngsten Saisonspiele gewonnen. Lautern dagegen ist seit fünf Partien sieglos und hat in diesen gerade mal einen Treffer erzielt. Sonst noch Fragen?

Die Emsländer stehen nach diesen beiden Erfolgen auf einem Nichtabstiegsrang – und „überm Strich zu stehen, ist für uns Champions League“, wird Meppens Trainer Christian Neidhart im „kicker“ zitiert. So viel zum Thema „Anspruchsdenken“ in nicht-pfälzischen Fußballprovinzen. 

Der 50-jährige wirkt in Meppen bereits im sechsten Jahr, hat den Kultklub 2016/17 aus der Regionalliga Nord in die Dritte Liga geführt. Die vergangene Saison schloss der Aufsteiger mit einem respektablen siebten Platz ab, parallel erwarb Neidhart seinen Fußballlehrer.

KLEINSORGE FÄLLT AUF, PROSCHWITZ IST PROMINENT

In den Blickpunkt gespielt hat sich beim Gastgeber zuletzt vor allem Marius Kleinsorge, der in Neidharts bevorzugtem 4-2-3-1-System rechts offensiv eingesetzt wird. Ihn nannte Lauterns Trainer Sascha Hildmann auch als ersten, als er in der notorischen Vorab-PK auf den Gegner angesprochen wurde. 

Erst an zweiter Stelle fiel der Name, der gegenwärtig der prominenteste in Meppens Spielerkader ist. Anfang Oktober nahmen die Emsländer Nick Proschwitz unter Vertrag, der nach wechselwollen und zum Teil skandalumtosten Karrierejahren vertragslos war. Proschwitz dankte den Vereinsverantwortlichen ihr Vertrauen mit bislang fünf Treffern in nur sieben Drittligaspielen. Vor Jahren war der heute 32-jährige 1,92-Meter-Sturmtank auch mal in Kaiserslautern im Gespräch.

Kult ist auch die Heimstatt der Meppener, die „Hänsch-Arena“. Ein enges Stadion mit viel Atmosphäre, das knapp 14.000-Zuschauer fasst. „Ein Schacht“, sagt Sascha Hildmann. Allzu viel Respekt davor sollte allerdings nicht angesagt sein: In dieser Saison sind die Meppener in ihrem eigenen Wohnzimmer schon vier Mal bezwungen worden.

„BÄLLE KLAUEN UND EINEN GUTEN ERSTEN PASS SPIELEN“

„Meppen hat eine gute Organisation, verkeilt sich selten“, beschreibt Sascha Hildmann den Gegner. Dagegen hat er auch auch einen Plan, doch von dem will er vorab nicht zu viel verraten. Immerhin: „Wir wollen wieder so ein aggressives Pressing spielen wie zuletzt gegen Würzburg, über die Zweikämpfe ins Spiel finden und viele Bälle klauen.“ Dann gelte es, die Umschaltsituation zu nutzen und „einen guten ersten Pass“ zu spielen, „mit einem guten Blick, der tief geht.“

Nicht dabei helfen werden ihm der verletzte Jan Löhmannsröben, der dieses Jahr nicht mehr zur Verfügung steht, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Theo Bergmann nicht, der an einem grippalen Infekt laboriert. Das bedeutet: In der Mittelfeldzentrale muss umgestellt werden. Neben Mads Albaek könnte der wiedergenesene Gino Fechner zum Einsatz kommen – oder aber Carlo Sickinger, der bei seinem Profidebüt vergangene Woche gegen Würzburg gefiel.

XG-GRAFIKEN VON WÜRZBURG: ZU VIEL HORIZONTALES AUS DEM ZEHNERRAUM

Apropos Würzburg: Wir haben die xG-Plot aus Hildmanns Trainerdebüt beim FCK noch nachzureichen. Die Timeline bestätigt, was für eine enge Kiste das war, und dass Kickers-Trainer Michael Schiele durchaus richtig lag mit seiner Einschätzung, dass der FCK mehr Chancen hatte, seine Mannschaft jedoch die besseren. Ein Sieg des Gastes wäre sogar einen Tick wahrscheinlicher gewesen.

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Die Positions- und Passgrafik zeigt ebenfalls noch einmal, dass unser subjektiver Eindruck stimmte: Die linke Seite mit Pick/Sternberg war wesentlich besser im Spiel als Schad/Hemlein gegenüber. Mads Albaek ist als zentraler Schaltpunkt mittlerweile recht präsent – dennoch: Etwas schneller nach vorne gehen muss es über ihn schon, das jedoch vermag eine solche Visualisierung nicht auszudrücken. Und Kühlwetter agierte zentraler als Thiele– gut so, Thiele sollte den Weg über außen sogar noch intensiver suchen, um seine Stärken auszupielen.

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Die Visualisierung der „Zone 14“-Pässe zeigt: Lautern war im Zehnerraum durchaus präsent, doch wurde da zu viel horizontal gepasst. Vier erfolgreiche Pässe in die Box, das liest sich zwar nicht soo schlecht, aber man betrachte sich, wo die landeten – nicht unbedingt in guten Schusspositionen. Nur ein Treffer in fünf Spielen sind eben kein Zufall.

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Foto: 1. FC Kaiserslautern