Mit Zuck und Pick ins Glück – Doch bis zum Schluss braucht’s starke Nerven

So geht das also. Irgendwie in Führung gehen, dann geschlossen und konzentriert gegen den Ball agieren, sich selbst keine Blackouts erlauben, den Gegner anrennen lassen, auf die Konterchance warten – und wenn von denen einer mal präzise zu Ende gespielt wird, muss der Anhang auch in der Schlussphase nicht unter Herzaussetzern leiden. Alles nichts Neues, gell? Nur hinbekommen muss man’s halt. Dem 1. FC Kaiserslautern ist dies bei seinem 1:0 Auswärtssieg in Meppen endlich mal gelungen. Nur, was den letzten der gerade aufgezählten Punkte angeht, haben der neue FCK-Trainer Sascha Hildmann und sein Team sicher noch einiges aufzuarbeiten.

Zwei Änderungen hat Hildmann gegenüber seinem Einstand vor Wochenfrist gegen Würzburg vorgenommen. Für den verletzten Theo Bergmann gibt er Carlo Sickinger den Vorzug vor dem wiedergenesenen Gino Fechner, der zwar genauso jung ist wie Sickinger (21), aber einige Profieinsätze mehr auf dem Buckel hat. Ein guter Griff, wie sich zeigen wird. Sickinger erledigt seinen Job an der Seite von Mads Albaek im zentralen Mittelfeld souverän.

ZUCK UND PICK – EIN LINKER, EIN RECHTER; ZWEI TYPEN

Und auf den Flügeln bringt Hildmann Hendrick Zuck für Christoph Hemlein, dem in den vergangenen Wochen auf der rechen Seite nicht viel glückte. Was sich ebenfalls positiv auswirkt – und das nicht nur, weil Zuck bereits nach 21 Minuten das Goldene Tor erzielt. Zuck bildet mit Florian Pick ein interessantes, weil im Grunde asymmetrisch agierendes Flügelpaar.

Beide bevorzugen für ihr Spiel die Seite, auf der sie mit ihrem jeweils stärkeren Fuß nach innen ziehen können. Während Rechtsfuß Pick allerdings lieber direkt Richtung Box geht und dort den Abschluss sucht, biegt Zuck meist vorher schon in den Zehnerraum ab, und überlässt Rechtsverteidiger Dominik Schad die Außenlinie. Im Zentrum sucht Zuck dann den Pass in die Spitze, den Flankenwechsel oder den Schuss aus der Distanz, in den Strafraum schleicht er sich lieber statt sich durchzudribbeln – weswegen er als der weniger attraktivere Spieler angesehen wird. Brauchen kann man jedoch beide.

Warum wir das in dieser Ausführlichkeit erzählen? Weil die Kombination der Fähigkeiten beider den Lautrern den Führungstreffer beschert. Pick, auf den Timmy Thiele in der besten Aktion seines 45-minütigen Auftritts klug zurückgelegt hat, wuselt an der Strafraumlinie von links in die Mitte, zieht ab, Meppen-Keeper Erik Domaschke klatscht ab und Schleicher Zuck vollstreckt. 

1:0 für Lautern. „Aus dem Nichts“, formulieren die Kommentatoren übereinstimmend. In der Tat.

1:0 NACH BESCHEIDENEM BEGINN – MUSS HALT AUCH MAL SEIN

In den 21 Minuten davor war der FCK näher daran, die Führung der Gastgeber vorzubereiten als die eigene. Keeper Wolfgang Hesl, der mit seiner Erfahrung eigentlich Ruhe in die Hintermannschaft bringen soll, sorgt als letzte Anspielstation zwei Mal für Herzinfarktmomente, pariert dafür ein 20-Meter-Geschoss von Nico Granatowski ordentlich. 

Was zeugt: Meppen ist eigentlich besser im Spiel, als das 1:0 für Lautern fällt.

Und kurz nach der Führung klatscht Hesl ein 16-Meter-Geschoss nur ab, doch können seine Nebenleute den freiwerdenden Ball klären. Hätte da ein Meppener gestanden, wär der Ausgleich geradezu spiegelbildlich zum Führungstreffer gefallen. Wer will, darf das als Beleg dafür nehmen, wie Spitz auf Knopf es in dieser Liga zugeht.

Der FCK ist nun in der Position, aufs berühmte „schnelle Umschaltspiel“ setzen können. Das war die Elf zuletzt in Rostock, als sie dies nach einer noch früheren Führung zunächst ansehnlich praktizierte, sich dann aber durch eklatante Fehler im eigenen Aufbauspiel noch in der ersten Halbzeit wieder in Rückstand und in der zweiten gar kein Bein mehr auf die Erde brachte.

Diesmal macht sie’s einfach umgekehrt.

MEHR LICHT, ABER AUCH NOCH SCHATTEN IN HÄLFTE ZWEI

Bis zur Halbzeit sieht’s vornehmlich noch ungelenk aus, wie die Lauterer versuchen, aus einer massierten Deckung von hinten heraus zu spielen. Kurz vor dem Halbzeitpfiff haben sie sogar Glück, dass eine Abwehraktion von Albaek gegen Thilo Leugers nicht mit einem Elfmeterpfiff geahndet wird. Andererseits: Eine klare Fehlentscheidung ist das auch nicht.

In der Zweiten Hälfte bekommt der FCK die Sache besser in den Griff, über weite Strecken zumindest. Elias Huth ist für Timmy Thiele gekommen, dessen anhaltende Torflaute nun anscheinend auch sein Selbstvertrauen empfindlich angekratzt hat: Da tut Pause not.

Huth ist weniger einer, der wie Thiele die langen Wege sucht, engagiert sich aber tüchtig als Bälle-Festmacher. Die Hintermannschaft steht zunehmend sicherer – auch, weil es Meppen zu viel mit Langholz aus Halbfeld oder auch von ganz hinten versucht. Da sagen Typen wie Kevin Kraus und André Hainault in der Innenverteidigung danke.

KLEINSORGE GEGEN STERNBERG – DAS BEREITET KUMMER 

Auch die eklig auf den kurzen Pfosten geschlagenen Ecken Meppen, von Hassan Amin getreten, klären die Lauterer zunehmend souveräner. In der ersten Halbzeit sind sie nach solchen noch heftig ins Schwimmen geraten.

Und: Die FCK-Elf verschiebt sich hochkonzentriert gegen den Ball, und das nicht nur in der eigenen Hälfte, sondern verschiebt sich immer wieder auch mal weiter vorne, um die Meppener schon früh zu unkontrollierten langen Bällen zu zwingen.

Probleme stellen sich allerdings, wenn es Meppen mal überlegter über die Flügel versucht. Da hat es Marius Kleinsorge, Meppens starker Mann auf der rechten Seite, mit Lauterns linkem Verteidiger Janek Sternberg zu tun, dessen Schwächen in der Rückwärtsbewegung schon länger bekannt sind – hätte Hildmann für diese Position Alternativen auf der Bank, hätte er Kleinsorges quirligem Treiben vermutlich nicht bis zum Spielende zugesehen.

Am nächsten dran am Ausgleich ist Meppen in der 65. Minute, als dem gerade eingewechselten Deniz Undav ein schönes Zuspiel aus dem Zehnerraum in die Box auf Kleinsorge gelingt, doch der spitzt den Ball am langen Eck vorbei. Später muss Hesl auch noch einmal direkt gegen Undav klären, nach feinem Anspiel von Kleinsorge.

ZUM SCHLUSS NOCH EIN PAAR TROPFEN BALDRIAN – DANN IST DER DREIER PERFEKT

Und Lauterns Offensivbemühungen? Die Ansätze für gute Konter sind da. Christian Kühlwetter hat eine Chance schon kurz nach Beginn der zweiten Hälfte, auch Pick bringt sich in gute Ausgangspositionen, einmal nach einem schön vorgetragenen Konter über Schad. 

Richtig heftig wird’s in der Schlussphase, als Huth und Pick in einer gefühlten Vier-gegen-Einen-Situation vorm Strafraum das Leder verdaddeln, statt es irgendwie zum rechts mitgelaufenen Hemlein zu passen, der mittlerweile eingewechselt worden ist.

Drum müssen nervenschwache Lautern-Anhänger ihre letzten Baldrian-Vorräte aufbrauchen, um die Schlussminuten zu überstehen. Am Ende passt es aber, auch dank Lukas Gottwalt, der in der 87. Minute für Kühlwetter kommt und sich noch mal als Kopfballabräumer betätigt.

Von einer „Wende zum Besseren“ oder so zu quaken, wär allerdings fehl am Platz. Dazu war’s unterm Strich zu knapp und zu glücklich. 

Immerhin: Nach der 0:5-Klatsche in Haching vor zwei Wochen hat Lautern nun schon zum zweiten Mal 5:0 zu null gespielt – und seine rund 450 Minuten währende Torlos-Serie beendet. „Das ist gut so“, resümiert auch Sascha Hildmann treffend, aber auch nicht inhaltsschwer. Und „Kampf und Leidenschaft sind die Voraussetzungen für diese Liga.“ Okay, haben wir alles schon oft gehört. Wenn’s umgesetzt worden ist, darf’s aber auch weiterhin ruhig so gesagt werden.

Foto: 1. FC Kaiserslautern