Rot gegen Blau: Beide müssen punkten, sonst holt Knecht Ruprecht die Rute raus

Im Juli haben sie für eine spektakuläre Eröffnung dieser Drittliga-Spielzeit gesorgt – bei strahlendem Sonnenschein, vor einer Riesenkulisse von über 40.000 Zuschauern und bei bester Stimmung. Jetzt treffen der 1. FC Kaiserslautern und der TSV 1860 München wieder aufeinander, zum Rückrundenauftakt, der, da Spielpläne schon lange nicht mehr dramaturgisch sinnvoll oder gar zuschauerfreundlich gestaltet werden, noch vor Weihnachten anberaumt ist. Das Wetter im Grünwalder Stadion dürfte am Sonntag, 14 Uhr, weniger angenehm sein, die Kulisse wird ebenfalls bescheidener ausfallen und mit der Stimmung steht es auf beiden Seiten auch nicht zum besten. Beide Teams brauchen einen Sieg, wenn Knecht Ruprecht an Heiligabend die Rute stecken lassen soll.

Moment mal: Sechzig ist schließlich Aufsteiger in die Dritte Liga, Lautern Absteiger mit erklärten Aufstiegsambitionen, also dürfen die Münchner mit ihrem aktuellen zwölften Tabellenrang doch zufriedener sein als der FCK mit seinem zehnten – oder? Na ja, nicht so ganz. Etwas weiter oben hatten auch die Löwen angreifen wollen. Nicht umsonst haben sie heuer ihre Weihnachtsfeier abgesagt – wie die Lautrer auch. Weil’s halt nix zu feiern gibt.

BIEROFKAS HALBZEITBILANZ: SOUNDS LIKE LAUTERN

In der Münchner Abendzeitung hat 60-Trainer Daniel Bierofka gerade eine Halbzeitbilanz zogen, die verblüffende Parallelen zu diversen Statements von FCK-Verantwortlichen in den vergangenen Wochen enthält. „Schade ist, dass wir für die ein oder andere Leistung zu wenig Punkte geholt haben. (…) Aber es waren wenige Spiele dabei, in denen wir komplett versagt haben. Da kann ich mich nur gegen Meppen erinnern, was richtig schlecht war.“ Das hat auch der kürzlich entlassene Lautern-Trainer Michael Frontzeck immer wieder gepredigt. Statt Meppen hat er die Lautern-Pleite in Halle (0:2) angeführt.

„Teilweise hatten wir mit den Schiedsrichterentscheidungen nicht das große Glück gezogen: Wir hatten acht Entscheidungen, die ganz klar gegen uns waren“, fährt Bierofka fort. Die haben auch Lauterns Sport-Geschäftsführer Martin Bader und andere immer wieder gerne angeführt. Wenngleich: Gleich acht Fehlentscheidungen in einer Halbserie gibt’s in der Pfalz wohl nicht zu beklagen.

„Das darf aber keine Ausrede sein, das Glück müssen wir uns erarbeiten“, schließt Bierofka. Das wiederum war als Originalton auch schon von Lauterns neuem Trainer Sascha Hildmann zu hören.

DIE LÖWEN WOLLEN NICHT NOCH MAL VERLIEREN

Vergangenes Wochen haben die Sechziger gerade ihr Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena vergeigt (1:3). Wenn sie nun auch den Jahresabschluss vergeigen, dürfte Knecht Ruprecht wohl in seiner Inkarnation als Löwen-Investor Hasan Ismaik auf den Plan treten.

Hildmann hat das Spiel analysiert und trotz des negativen Ergebnisses „spielstarke“ Weißblaue gesehen. „Sie hatten sehr gute Tormöglichkeiten, waren nach nur 32 Minuten nur noch zehnt, haben aber dennoch noch den Ausgleich erzielt.“ Erst eine Standardsituation habe sie auf die Verliererstraße gebracht.

Lauterns neuer Coach arbeitet nun in der zweiten Woche daran, seiner Mannschaft seine Philosophie zu vermitteln, und setzt dabei auf eine Politik der kleinen Schritte: „Wir haben jeden Tag eine neue Idee, die wir versuchen zu vermitteln, sei es im Abwehr-, sei es im Angriffsverhalten. Eine Mannschaft braucht eine gewisse Stabilität und Sicherheit, um für Überraschungen sorgen zu können.“

GEGEN MÖLDERS UND GRIMALDI „AKTIV VERTEIDIGEN“

Verzichten muss Hildmann wohl auf Janek Sternberg (Grippe), Julius Biada (Knie) und Mads Albaek (Beschwerden an den Adduktoren). Dadurch könnte Florian Dick wieder auf die rechte Verteidigerposition rücken, während Dominik Schad links Sternberg ersetzt. Durch Albaeks Ausfall dürften sich die Chancen für Carlo Sickinger, in der Startelf zu bleiben, drastisch erhöhen. Ob Theo Bergmann von Anfang an neben ihm agiert, ist allerdings fraglich. Er hat seinen grippalen Infekt zwar mittlerweile auskuriert, aber nicht die komplette Trainingswoche absolvieren können. Im Sturm könnte Elias Huth für den seit Wochen glücklosen Timmy Thiele beginnen.

Als besondere Gefahrenherde hat Hildmann die Stürmer Sascha Mölders und Adriano Grimaldi ausgemacht, „zwei wuchtige Stürmer“, die es gelte, „vom Tor wegzuhalten.“ Ein in der Tat guter Ansatz. Schon beim 0:1-Auswärtssieg in Meppen vor Wochenfrist fiel auf, dass die Lauterer auch mit einer Führung im Rücken den Gegner mal mit sechs Mann in dessen Hälfte attackierten – „aktives Verteidigen“ nennt der Trainer das.

DIE XG-GRAFIKEN VON MEPPEN: ÜBERZEUGEND WAR DAS NICHT

Apropos Meppen: Von diesem Kick sind wir noch die xG-Grafiken schuldig. Der Timeline zufolge hätte Meppen eigentlich gewinnen müssen, nicht zuletzt aufgrund seiner Chancen in der Schlussphase. Lautern hätte seine im Grunde gut angesetzten Konter in der zweiten Hälfte eben besser ausspielen müssen.

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Die Postions- und Passgrafik visualisiert unsere Einschätzung des „asynchronen“ Flügelpärchens Florian Pick / Hendrick Zuck. Pick zieht es weiter nach vorne in die Box, Zuck eher in den Zehnerraum. Und insgesamt war die rechte Seite wesentlich besser im Spiel als bei Hildmanns Debüt gegen Kickers Würzburg.

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Gar nicht erfreulich nimmt sich die grafische Darstellung der Lautrer Aktivitäten in der „Zone 14“ aus. Drücken wir’s positiv aus: Da ist viel Verbesserungsbedarf zu erkennen.

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Foto: Scherer