Advent, Advent – und kaum ein Hoffnungsfünklein brennt:  Nach diesem 1:2 erwartet die Pfalz ein kalter Winter

Nein, es ist dem 1. FC Kaiserslautern nicht geglückt, seinen Anhängern zwei Tagen vor Heiligabend noch ein kleines Lichtlein Hoffnung am Christbaum zu entzünden – so sehr sie das nach diesem Jahr auch nötig hatten. Beim TSV 1860 München setzte es eine bittere 1:2-Niederlage. Die Pfälzer überwintern nun in der Grauzone der Dritten Liga, und bringen aus Bayern kaum positive Erkenntnisse mit, an denen man sich nicht wärmen könnte. Am schönsten anzusehen waren noch die knapp 20 Minuten nach dem Ausgleich, als der FCK trotz Unterzahl näher am Siegtor war als Sechzig. Festzuhalten bleibt aber auch: In der ersten Hälfte, als Elf gegen Elf spielten, war vom neuen Offensivgeist, den der neue Trainer Sascha Hildmann heraufbeschwören will, nicht viel zu sehen.

Tja, Sternbergs Platzverweis. In Minute 45 kann der Linksverteidiger nicht die Hände von Gegenspieler Stefan Lex lassen, der ihm zu enteilen droht. Kein schlimmes Foul, aber Sternberg hat in Minute 18 bereits Gelb gesehen. „Total übertrieben“, nennt Sascha Hildmann die Gelbrote später, das ist, mit Verlaub, ziemlich übertrieben. Die Phrase „hart, aber vertretbar“ wäre treffender.

Dergleichen wird gerne als „Knackpunkt“ eines Spiels bezeichnet, und wenn es dann auch noch kurz vor der Pause geschieht, wird zudem der „psychologisch ungünstige Zeitpunkt“ bemüht. Fakt ist: Lautern spielte die komplette zweite Hälfte in Unterzahl, das machte es sicher schwer. Blöd ist allerdings: Beide Treffer fielen in Situationen, in denen diese Unterzahl gar keine Rolle spielte.

ÜBERRASCHUNG: STERNBERG GEHT, ABER DICK KOMMT NICHT

Hildmann hat in der Pause Lukas Gottwalt für Stürmer Elias Huth gebracht, um seine beiden Viererketten in Abwehr und Mittelfeld wieder zu komplettieren. Vorne müht sich Christian Kühlwetter zunächst allein.

Auffallend: Der Trainer hat nicht auf die Wechselvariante zurückgegriffen, mit der Sternberg bislang ersetzt wurde – Florian Dick kommt als Rechtsverteidiger, Dominik Schad wechselt die Seite. Der sportliche Wert des Kapitäns im Kader scheint immer weiter zu sinken.

Zumal Gottwalt nicht mal gelernter Außenverteidiger ist und entsprechend Probleme hat. Immerhin ist der 21-jährige später am Ausgleich entscheidend beteiligt. Der allerdings fällt nach einer Standardsituation, in der der 1,92 Meter-Koloss wie üblich nach vorne gerückt ist.

BEIM 1:0 SIND BEIDE VIERERKETTE ANWESEND, BEIM 2:1 DARF EIN KLEINER KÖPFEN

Als Efkan Bekiroglu in Minute 55 aus 18 Metern und halblinker Position Maß nimmt, sind eigentlich beide Viererketten um den Sechzehner herum anwesend. Bekiroglu hat dennoch Raum abzuziehen, und sein Flattergeschoss findet die Lücke, um neben dem rechten Pfosten einzuschlagen.

Das 2:1 in Minute 85 fällt nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld. Der mit links und Effet getretene Flankenball von Löwen-Verteidiger Phillipp Steinhart fällt in der Strafraummitte herunter. Und der gerade mal 1,75 Meter große Löwen-Sechser  Romuald Lacazette bekommt den Schädel ans Leder – Mann, Mann, Mann. FCK-Keeper Wolfgang Hesl pariert per Reflex, doch am langen Eck erwartet Quirin Moll den Abpraller und vollstreckt. 

Insgesamt wieder mal äußerst bescheidenes Abwehrhalten bei gegnerischen Standardsituationen, das ist nicht erst seit gestern ein Lautrer Problem – und hat mit Unterzahl gar nichts zu tun.

SCHÖN ANZUSEHEN: DIE 20 MINUTEN NACH DEM AUSGLEICH

Dagegen sind bei eigenen Standardsituation leichte Fortschritte auszumachen. Auch der Ausgleich in Minute 68 fällt nach einer Ecke. Timmy Thiele köpft sie vom langen Eck vors Tor, Gottwalt kommt zum Schuss, nachdem Lacazette vielleicht nicht ganz hasenrein zu Boden gegangen ist, und Thiele köpft den Abpraller ins Netz.

Der erste Treffer des Stürmers seit dem 7. Spieltag. Erst zwei Minuten zuvor ist er für Carlo Sickinger gekommen und gibt nunmehr die Keilspitze. Mit dem durchs Tor getankten Selbstvertrauen setzt er sich fortan endlich wieder mal in Szene, was freilich auch daran liegt, dass Lautern durch die Unterzahl bedingt tief von hinten raus agiert. Das eben ist Thieles Spiel. Als Strafraumstürmer in einem Team, das dominant auftreten will, erreicht er nicht annähernd diese Wirkung.

Kühlwetter ist nach Thieles Einwechslung auf rechts gerückt, Hendrick Zuck in die Mitte, und in dieser 4-4-1-Formation erlebt das FCK-Spiel nun seine stärkste Phase. In erster Linie dank einiger gefährlichen Ecken, aber auch aus dem Spiel heraus: In Minute 78 zieht Kühlwetter nach einem von Gino Fechner stark eingeleitetem Konter halbrechts aus spitzem Winkel ab, doch 60-Schlussmann Marco Hiller pariert.

HALBZEIT EINS HAT GEZEIGT: ES FEHLT AN TECHNISCH GUTEN FUSSBALLERN

Am Ende also eine unglückliche Niederlage? Angesichts des späten Knockouts ist es menschlich verständlich, dass die Spieler sie als solche empfinden. Man darf aber auch die erste Halbzeit nicht vergessen. Da ging nicht viel, auch nicht, nachdem es dem FCK nach wackligen Anfangsminuten gelungen war, das Spiel ein wenig vom eigenen Tor fernzuhalten, so, wie es der neue Trainer sich das vorstellt.

Sternbergs Außenpfostentreffer sah gefährlicher aus, als er war: In der Zeitlupe sieht man sogar, dass Hiller die Hand hätte an den Ball bekommen können, aber lieber wegzog, um keine Ecke zu verursachen.

Wie schon beim 0:0 gegen Wiesbaden vor einigen Wochen zeigte sich: Im FCK-Kader stehen selbst für Drittligaverhältnisse nur wenige technisch überdurchschnittlich veranlagte Spieler. Florian Pick kann sich auf engem Raum immer mal durchsetzen, aber was passiert dann? Meist nicht mehr viel.

Entscheidend wird sein, dass Sascha Hildmann seine wenigen Höherbegabten im neuen Jahr in ein funktionierendes Ganzes einfügen kann: Theo Bergmann etwa, aber auch Mads Albaek – und, vor allem, Julius Biada, der in den vergangenen Wochen fast in Vergessenheit geraten ist und gestern in der Schlussphase kam. Der hat auf jeden Fall die Anlagen für mehr. Nur muss er das endlich mal zeigen.

Foto: 1. FC Kaiserslautern