Unser Wort zum Neuen Jahr: „Hört endlich auf zu jammern!“

Das schrecklichste Jahr in der Geschichte des 1. FC Kaiserslautern ist zu Ende. Reden wir am besten nicht mehr drüber, oder wie? Okay, das wäre einigen wohl am liebsten, widerspräche aber dem Geist der „Kontinuität“, die sich wenigstens dieser Blog aufrecht erhalten will, nachdem der FCK diese seit Jahren erfolglos anstrebt. Das „Zwischenzeugnis“ für den letzten Saisonabschnitt 2018 steht noch an, mitsamt einer kleinen Kaderbetrachtung, die belegen soll, weshalb es mit dem gebetsmühlenartigen  Verweisen auf die 18 Neuzugänge und der benötigten Zeit zum Zusammenwachsen nun mal genug sein sollte. Und zuguterletzt lassen wir uns noch zu einer kleinen Neujahrsansprache hinreißen.

Punkt 1: Winterpause = Zeit für die nächste Zwischenbilanz, die vierte nunmehr. Seit dem letzten Länderspielbreak sind fünf Spiele vergangen. Die Bilanz: fünf Punkte, 2:7 Tore. Klingt genauso wenig berauschend wie die Zwischenbilanzen zuvor. Dennoch hat sich in dieser Phase eine entscheidende Zäsur vollzogen. Nach zweien  dieser fünf Spiele ist Trainer Michael Frontzeck entlassen worden, mit dem unsäglichen 0:5 in Haching als Abschluss und absoluten Tiefpunkt.

Damit soll das Kapitel um den coachenden Wanderarbeiter nun auch abgeschlossen werden. Klar hatte er von Anfang an einen schweren Stand, klar war er bereits mit vielen Vorurteilen behaftet, als er kam – doch die haben sich am Ende leider auch bestätigt.

Seit knapp vier Wochen versucht nun Sascha Hildmann, dem Kader neues Leben einzuhauchen. Vier Punkte in drei Spielen, 2:2 Tore – nach Zahlen betrachtet sieht das schon mal nicht nach Katapultstart aus. Hildmann hat sich wohlweislich auch davor gehütet, auf den letzten Metern vor der Winterpause nochmal alles umzukrempeln.

Einzig auffallende Personalie: Er bringt Florian Pick nun permanent von Anfang an. Der beschert dem Lautrer Spiel mehr Tempo und mehr erfolgreiche Dribblings über die Flügel, beides wurde auch dringend gebraucht – ob Pick dieses Level allerdings konstant halten kann, wird sich noch weisen müssen.

„AKTIV VERTEIDIGEN“ NACH HILDMANN: ERSTE GUTE ANSÄTZE IN MEPPEN

Ebenfalls positiv: Beim 1:0-Auswärtssieg in Meppen war in der zweiten Hälfte bereits zu erkennen, was der neue Trainer unter „aktivem Verteidigen“ versteht. Die Mannschaft attackierte den Gegner auch nach einer eigenen Führung noch in dessen eigener Hälfte, hielt so den Ball vom eigenen Tor weg und minimierte so das Risiko, sich durch Stockfehler im Strafraum um die Ernte zu bringen. Davon bitte gerne mehr.

Den ballführenden Gegner so früh wie möglich attackieren, sofort wieder hinterm Ball formieren, wenn die erste Angriffslinie überspielt ist, das Mittelfeld schnell überbrücken – laufintensiv, zweikampfstark, robust, aber auch variabler als zuletzt soll das Hildmann-Spiel werden. Noch ist dies lediglich ein Versprechen, die Grundlagen, es wahr werden zu lassen, sollen nun in der Wintervorbereitung gelegt werden.

Zu erkennen ist jedenfalls: Sascha Hildmann lebt wesentlich mehr im Fußball des 21. Jahrhunderts als sein Vorgänger. Er glaubt eben nicht, dass in diesem Spiel in den vergangenen 30 Jahren „gar nicht so viel Neues erfunden“ worden ist. Hildmann setzt sich mit den Spielideen der führenden Vertreter seiner Zunft auseinander, setzt auf intensive Videoanalysen und taktische Anpassungen an den jeweiligen Gegner. Und: Als gebürtiger Lautrer identifiziert er sich zu 100 Prozent mit seinem Heimatverein.

„ERSTKLASSIGE ARBEIT“ OHNE OBJEKTIVE BELEGE ZU LOBEN, BRINGT NICHTS

Aber, Obacht: Vorschusslorbeeren helfen niemandem – am allerwenigsten dem, der damit bedacht wird. Daher prophezeien wir jetzt nicht, Sascha Hildmann werde Lauterns Christian Streich – denn so ein tief im Verein verwurzelter Langzeitarbeiter mit Innovationsgeist wäre genau der Typ, den der FCK jetzt braucht. Wir sagen lediglich: Sascha Hildmann bringt gute Voraussetzungen mit, um Lauterns Christian Streich zu werden.

Wie problematisch es ist, Lorbeeren zu verteilen, ohne dass sich objektiv erkennen lässt, weshalb, zeigt sich derzeit ja nicht zuletzt an Lauterns Funktionsträgern. Da lobt der Aufsichtsratsvorsitzende Patrick Banf zuletzt im „Rheinpfalz“-Interview einmal mehr die „erstklassige“ Arbeit von Sport-Geschäftsführer Martin Bader.  Und Bader hat zuvor monatelang erklärt, Trainer Frontzeck verstehe sein Handwerk absolut hervorragend. 

Widerreden, die etwa aus dem Tabellenstand, den Spielergebnissen und den auf dem Platz gezeigten Leistungen abgeleitet werden, stammen entweder von absoluten Ignoranten oder notorischen Miesmachern. Als Gründe fürs bislang maue Abschneiden führen die Lauterer Führungskräfte gebetsmühlenartig den auf 18 Positionen neu zusammengestellten Kader an – und die Zeit, die es brauche, um einen solchen zusammenwachsen zu lassen.

Dass der FCK bereits am 4. Spieltag in Halle von einem in sich geschlossenen Team mit 2:0 vom Platz geschossen wurde, das sich selbst im Sommer auf 15 Positionen verändert hatte – ach was. Dass auch etliche andere Drittligisten zu Beginn jeder Saison umfangreiche Aderlässe kompensieren müssen – ach was. Statt dessen wird das Beispiel des Mitabsteigers Braunschweig angeführt, dem es ja noch viel schlechter ergehe.

Wann eigentlich wird so viel Zeit vergangen sein, dass der Faktor Zeit als Argument nicht mehr zählt?

BEI DER KADERZUSAMMENSTELLUNG GINGEN EINIGE RECHNUNGEN NICHT AUF

Kürzen wir das Ganze mal ab: Mit dem Faktor „fehlende Zeit“ ist nicht alles zu entschuldigen. Zu einem guten Teil nämlich hat sich Bader bei der Zusammenstellung des Kaders verzockt. Oder, drücken es wir sportlicher aus: Einige Kalkulationen sind nicht so aufgegangen, wie man es sich – durchaus mit einiger Berechtigung – erhofft hatte.

Da sind zum einen die vier Spieler, die nach dem Abstieg am Betzenberg gehalten wurden. Dass Gino Fechner eine bestenfalls durchwachsene Hinrunde spielte, ist noch am ehesten zu entschuldigen. Der Junge ist nach wie vor erst 21 – und ein sich immer noch entwickelndes Talent.

Jan-Ole Sievers, Mads Albaek und Lukas Spalvis hingegen sollten so etwas wie die Mittelachse des neuen FCK bilden. Die Rechnung ging nicht auf, und das ist nur zum Teil durch das Verletzungspech bedingt, das Sievers und Spalvis ereilte.

Sievers war vor seiner Verletzung keinesfalls eine souveräne Nummer eins, und Albaek hat sich nach wie vor noch nicht zu dem Kopf der Mannschaft aufgeschwungen, als der er vorgesehen war. Der Däne schlägt Zuckerpässe, solange er sich in Spielfeldzonen aufhält, in denen er sich unbedrängt bewegen kann. Wo es hart, schnell und eng wird, taucht er ab. Immerhin: Zuletzt waren Ansätze zur Verbesserung erkennbar, so dass es noch nicht vollkommen hoffnungslos scheint, weiter auf den Faktor Zeit zu setzen.

DIE SPÄT- UND NEUSTARTER: LEISTUNGSTRÄGER IST KEINER GEWORDEN

Darüber hinaus hat der FCK im Sommer einige Spieler geholt, für die diese Saison den späten Durchbruch, beziehungsweise den Karriere-Neustart bringen sollte. Sievers und Florian Pick, aber auch Dominik Schad drohten zu „ewigen Talenten“ abgestempelt zu werden. Hendrick Zuck, Janek Sternberg, Jan Löhmannsröben und Julius Biada hatten bei ihren abgebenden Vereinen leistungsgemäß zuletzt stagniert und sollten sich auf dem „Betze“ wieder in neue Höhen aufschwingen. 

Die Bilanz bislang? Die Genannten standen oft in der Startelf, konstant zum Leistungsträger aber ist noch keiner von ihnen mutiert. Ob der Faktor Zeit da noch was richten kann? Ganz sicher nicht bei allen. 

Nächste Baustelle: Die Routiniers, die geholt worden. Florian Dick war wegen wachsender Geschwindigkeitsdefizite zuletzt auch schon in Bielefeld nicht mehr gesetzt, wie hätten diese in Lautern sich noch mal bessern sollen? Dick ist bereits 34. Nach Frontzeck zieht auch Hildmann Schad auf der rechten Außenverteidigerposition vor, brachte beim Jahresabschluss in München lieber Lukas Gottwalt, als Sternberg vom Platz gestellt wurde.

Ebenfalls nicht mehr der Schnellste ist auch André Hainault, der als Innenverteidiger einiges mit gutem Stellungsspiel kompensiert. Ein echte Säule im Abwehrzentrum ist der 32-jährige aber auch nicht geworden, das ist lediglich Kevin Kraus gelungen, der einzige Neuzugang, der durchweg überzeugte. Der Faktor Zeit dürfte Hainaults weiterer  Entwicklung eher ab- als zuträglich sein. Christoph Hemlein, 28 Jahre alt und mit reichlich Drittligaerfahrung ausgestattet, hat immer mal starke Momente, ist ansonsten aber nicht mehr als ein Mitläufer. 

In den Foren viel gescholten wird Timmy Thiele. Den wollen wir ausdrücklich in Schutz nehmen: Wenn er so eingesetzt wird, wie es seinem Spiel zuträglich ist – nämlich „mit Anlauf“ zu kommen – macht der 27-jährige gar keine so schlechte Figur. 

Aber: Bader hat für ihn 400.000 Euro Ablöse gezahlt, verdammt viel Geld für einen klammen Drittligisten. Dafür kann der Spieler nichts, der sportlich Verantwortliche muss sich aber schon fragen lassen, bis wann diese Investition sich eigentlich ausgezahlt haben soll.

BADERS NÄCHSTE NAGELPROBE: DEN NÄCHSTEN UMBRUCH VERMEIDEN

 Wie insgesamt festzuhalten ist: Martin Baders Transferpolitik hat nicht wirklich überzeugt, und mit mehr „Zeit zum Zusammenwachsen“ wird sich daran bestenfalls nur noch in kleinen Schritten was ändern. Mit einem – für Drittligaverhältnisse –  Top-Etat ausgestattet, hat Bader eben keine Top-Mannschaft zusammengestellt.

Aufgehübscht wird das gegenwärtige Bild ausschließlich von Spielern, die zu Saisonbeginn noch keiner auf der Rechnung hatte: Christian Kühlwetter, Lukas Gottwalt und Carlo Sickinger. Auch Theo Bergmann lässt nach wie vor hoffen, schade, dass er zuletzt verletzt war. Elias Huth hat zumindest als Joker ein paar Mal getroffen. Genug Talent, um was aufzubauen, ist am Betzenberg also dennoch noch reichlich vorhanden.

Doch wie sagte kein großer, aber bekannter Trainer einmal? „Lebbe geht weiter“. Die nächste Nagelprobe für den Geschäftsführer Sport steht bereits an: Er hat ja schon mehrfach angekündigt, dass es im nächsten Sommer nicht schon wieder zum personellen Totalumbruch kommen soll, sollte der FCK in der Dritten Liga bleiben. Wenigstens in die nächste Saison soll mit einem bereits gewachsenen Gerüst  gestartet werden… Wir sind gespannt. Schön wär’s.

BANF LOBT SICH SELBST – UND ERKLÄRT ENDLICH KESSLERS ABBERUFUNG

 Der Aufsichtsratschef Patrick Banf indes hat gegenwärtig niemanden, der ihm „erstklassige“ Arbeit attestiert. Drum lobt er sich und sein Gremium in diversen Interviews halt selbst. Immerhin ist es ihm mittlerweile gelungen, in der „Rheinpfalz“ und bei fck.de eine nachvollziehbare Erklärung für den Zwist und die Abberufung des Vereinsvorstands Rainer Keßler abzugeben. 

Vor der Mitgliederversammlung jüngst hat Banf dies leider nicht geschafft, und man könnte fast meinen, er hätte erst professionelle Formulierungshelfer in Anspruch nehmen müssen. Ob dies vielleicht auch erklärt, dass sich Keßlers Statement zu seinem Ausscheiden irgendwie authentischer liest?

Nichtsdestotrotz: Wenn es Banf und der übrigen Führungsspitze gelingt, in den nächsten acht Wochen doch noch die Weichen für ein Verbleiben im Profifußball zu stellen – sprich: die Lizenzierung für eine weiteres Jahr Dritte Liga herzustellen – bescheinigen gerne wir ihm „erstklassige“ Arbeit.

Obwohl: So ein bisschen knatschen müssen wir zum Schluss schon noch. Der FCK sei noch immer die „zehntstärkste“ Marke im deutschen Fußball, hieß es auf der Jahreshauptversammlung. Und die Führungsfunktionäre verkündeten dies mit Stolz – so, als hätten sie persönlich dazu beigetragen, diese starke Marke entstehen zu lassen. Haben sie aber nicht. Noch nicht jedenfalls. Wär’s nicht vielmehr hochnotpeinlich, wenn sie zu denjenigen würden, die diese starke Marke insolvent gehen lassen?

DAS WORT ZUM NEUEN JAHR: HÖRT ENDLICH AUF ZU JAMMERN!

Daher sollten wir das Rumgepienze nun endlich mal lassen – und uns mal auf das besinnen, was den FCK nach wie vor stark macht. Er lockt selbst in diesen sportlich mauen Zeiten immer noch mindestens drei Mal so viele Menschen in sein Stadion wie jeder Drittligist im Durchschnitt. Und wenn es nur einigermaßen rund läuft auf dem Platz, bewegt er sogar wesentlich mehr Menschen als etliche Erstligisten. 

Scouting und Nachwuchsförderung des FCK sind im Rahmen der noch vorhandenen Möglichkeiten nach wie vor gut organisiert und vernetzt, und ausreichend Qualität im Team ist ebenfalls vorhanden, wenn auch nicht so viel, wie der Geschäftsführer Sport glaubt, geholt zu haben. Und jetzt hat der FCK auch wieder einen Trainer, der den aktuellen Ansprüchen und Erfordernissen an dessen Berufsbild gerecht wird.

Also, liebe und auch weniger liebe Funktionäre, guckt zu, dass Ihr diesen Verein in den nächsten Wochen auf Füße stellt, auf denen er sich auch in Zukunft wenigstens in der Dritten Liga bewegen kann. Dafür dürft Ihr Euch dann auch feiern lassen – auch wenn dies für Euch eigentlich eine selbstverständliche Verpflichtung sein sollte.

Foto: Scherer

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