Hildmann will zwischen Vierer- und Dreierkette wechseln – Wie könnte das aussehen?

Im Rahmen seines Trainingslagers im spanischen Málaga bestreitet der 1. FC Kaiserslautern am Montag, 14. Januar, das erste seiner drei Testspiele vor dem Ligastart ins neue Jahr. Gegner ist der ungarische Meister MOL Vidi FC. Weitere Tests sind gegen die U25-Nationalmannschaft Chinas (Donnerstag, 17. Januar) und, nach der Rückkehr in die Pfalz, gegen den FC Homburg (Dienstag, 22. Januar) anberaumt. Für FCK-Trainer Sascha Hildmann bieten die Partien die Gelegenheit, sein neues Team technisch und taktisch weiter voranzubringen. Unter anderem soll sie sich künftig in mehreren Grundordnungen präsentieren, etwa neben der Viererkette, die sein Vorgänger Michael Frontzeck ausschließlich praktizierte, auch mit drei Mann auf der hinteren Linie agieren. Wie das aussehen könnte? Spielen wir es doch mal in Gedanken durch.

„Eine große Mannschaft zeichnet sich dadurch aus, alle Systeme mit den gleichen Spielern zu spielen.“ Hat Marcelo Bielsa gesagt, die argentinische Trainerlegende, die hierzulande kaum bekannt ist, aber zu den unumstrittenen Lehrmeistern der aktuellen Übungsleiterelite Europas zählt – wer mehr darüber wissen will, dem sei einmal mehr Tobias Eschers Buch „Die Zeit der Strategen“ empfohlen. 

Nun, eine „große Mannschaft“ stellt der FCK 2018/19 wohl eher nicht dar, dafür soll sie ja auch nicht „alle Systeme“ beherrschen, sondern, so will es Sascha Hildmann, nur ein paar. 4-4-2, 4-2-3-1 und 3-5-2 hat er als seine bevorzugten Formationen genannt. Der gegenwärtige FCK-Kader kann die genannten Systeme durchaus auch abbilden. Die Kunst ist allerdings – siehe Bielsa – die Formationswechsel mit so wenigen personellen Wechseln wie möglich hinzubekommen, so dass sie unter Umständen während eines Spiels vollzogen werden können, gegebenenfalls mehrfach.

WIE DER TRAINER DEN BIELSA IN SICH WECKEN KANN

Dazu freilich braucht es Spieler, die mehrere Positionen in gleichbleibender Qualität bekleiden können – akademisch formulierende Ballsportanalytiker bezeichnen diese als „polyvalent“. Mit solchen Typen freilich ist der FCK gegenwärtig nicht so reich gesegnet.

Gerade ein 3-5-2 lässt sich auf vielerlei Weisen anordnen. Welche davon ist für den aktuellen FCK-Kader am besten geeignet? Und wie lässt sich von einer Formation in die andere switchen, ohne dass ausgewechselt werden muss? Das sind die Fragen, die sich der Bielsa in Hildmann stellen muss.

Versuchen wir mal, uns in diese Gedankengänge hineinzuversetzen. Wem das zu nerdig ist, der muss ja nicht weiterlesen.

Zunächst: Wie wird aus der Vierer- eine Dreierkette?

DREIERKETTE KÖNNTE STERNBERGS UND SCHADS SCHWÄCHEN KASCHIEREN

Vorweg: Die Abwehrlinie mit drei Mann brächte aktuell durchaus einige Vorteile mit sich. Vor allem fürs Spiel der beiden Außenverteidiger Dominik Schad und Janek Sternberg. Beide sind schnell, können die Offensive beleben, offenbarten in der Vorrunde aber wiederholt Schwächen in der Defensivarbeit, insbesondere im Stellungsspiel.

Durch den Einbau eines dritten Innenverteidigers ließen diese sich besser kaschieren. Zudem ist der FCK auf den offensiven Flügelpositionen ohnehin nicht optimal besetzt. Offensivere, aber besser  abgesicherte Außenverteidiger könnten dieses Manko einigermaßen ausmerzen.

Ohne Austausch lässt sich der Wechsel von der Vierer- zur Dreierkette am besten bewerkstelligen, wenn sich ein defensiver Mittelfeldspieler in die Abwehrlinie zurückfallen lässt. Das machen Jan Löhmannsröben oder Mads Albaek jetzt zwar auch schon, aber nur bei Ballbesitz, für den ersten Pass im Aufbauspiel. Hier geht es darum, einen zusätzlichen Abwehrspieler einzubauen, der wirklich verteidigen kann. Dafür ist Albaek kaum geeignet.

EIN SECHSER FÄLLT ZURÜCK – DAS WÄR DOCH WAS FÜR „LÖH“

„Löh“ schon eher, ebenso Gino Fechner. Beide haben in früheren Zeiten zumindest vorübergehend schon Innenverteidiger gespielt. Auch Newcomer Carlo Sickinger besitzt diese Option. Der Part des zurückfallenden Sechsers ließe sich also besetzen. Für die übrigen Innenverteidigerposten stehen wie gehabt Kevin Kraus, André Hainault, Lukas Gottwalt und der nunmehr zurückgekehrte Özgur Özdemir bereit.

Damit wären die Innen- und Außenverteidiger schon mal identifiziert. Nächste Frage: Wie ordnet man die übrigen Feldspieler an?

„TOTALER FUSSBALL“ IST NICHTS FÜR DIESEN FCK

Ein Sechser vor der Dreierreihe? Kombiniert mit einer Mittelfeldraute und drei Stürmer ergäbe   das ein superoffensives 3-4-3 – mit einem solchen ist Johan Cruyff in den 1990er Jahren mit dem FC Barcelona von Sieg zu Sieg geeilt. So viel „Fußball total“, bleiben wir realistisch, trauen wir dem FCK 2018/19 dann nun doch nicht zu.

Ein Sechser mit zwei Achtern und zwei Stürmern davor? Das sorgt für ein dichtes Zentrum, und das ist immer gut. Antonio Conte hat so Juventus Turin zum Meister gemacht, und bei der WM 2014 hat der Maestro mit dieser Formation eine eigentlich überalterte italienische Nationalmannschaft zu einem Achtungserfolg geführt. Bei der TSG Hoffenheim zählt dieses 3-3-2-2 zu den bevorzugten Systemen von Julian Nagelsmann.

Das Problem bei Lautern: Um aus dem gegenwärtigen 4-4-2 in eine solche Formation zu switchen, müssten die beiden Flügelspieler zu zentralen Mittelfeldspielern mutieren. Das wäre am ehesten Hendrick Zuck zuzutrauen, vielleicht noch Christoph Hemlein. Florian Pick und Christian Kühlwetter dagegen sind wohl zu sehr Stürmer für eine derart taktische Rolle.

DIE LÖSUNG: EIN „FLACHES“ 3-4-3

Besser wären da zwei zentrale Mittelfeldspieler vor der Dreierabwehr. Damit blieben noch drei Spieler für die Offensive. Die ließen sich mit Zehner und Doppelspitze anordnen – so wurde Piero Gasperini mit Atalanta Bergamo 2016/17 Überraschungsvierter in der Seria A. Oder als „flaches“ 3-4-3 – damit machte abermals Antonio Conte den FC Chelsea 16/17 zum englischen Meister.

Und, ach ja: Das war auch Hildmanns bevorzugte Formation mit Dreierkette bei der SG Sonnenhof-Großaspach.

In Kaiserslautern könnte das dann so aussehen.

3-4-3.png

„Löh“ lassen wir dabei nicht in die Mitte, sondern in die rechte Innenverteidigerposition fallen. Auf diese Weise bleibt Lauterns zuverlässigster Abwehrspieler, Kevin Kraus, im Zentrum – und die Halbposition eignet sich ohnehin besser für den ersten Pass, den „Löh“ so gut beherrscht (wenn er ihn nicht verdattelt). Ins Tor stellen wir in diesen Planspielen mal Lennart Grill. Damit wollen wir keinen Fall einen Beitrag zu den aktuellen Forumsdiskussionen leisten, wir tun es einfach nur mal, weil er der Wunschkandidat der Fans ist, wie eine Umfrage von „Der Betze brennt“ unlängst zeigte.

Und mit ein paar leichten Verschiebungen mutiert die Elf wieder zurück in ihr gewohntes 4-4-2. 

4 - 4 - 2.png

Alternative für Zuck könnte Bergmann sein, der Sechser, Achter und Zehner kann, zuletzt aber auch schon mal Außenbahn auftauchte. Bergmann kann man zudem auch anstelle von Albaek setzen.

DIE RÜCKKEHR ZUM 4-2-3-1 HÄTTE VORTEILE: WENN BIADA AUF TOUREN KOMMT

Und als Formation mit Viererkette bleibt‘s beim 4-4-2? So wars zumindest in den ersten drei Spielen unter Hildmann. Und so kommt auch Lauterns Königstransfer Timmy Thiele am besten zur Geltung: Als zweiter Stürmer neben einem zentralen Angreifer, so dass er verstärkt über die Flügel kommen kann.

Allerdings: Eine Offensive, in der der zweite Angreifer hinter dem zentralen Mann agiert, hat auch was für sich – ob man den nun „hängende Spitze“, „Zehner“ oder, das kommt auch schon mal vor, „Neuneinhalb“ nennen will oder sollte, lassen wir hier mal außen vor.

Der Mann hinter der Neun könnte bei Ballbesitz als Anspielstation vorm Strafraum dienen, um die kurzen Bälle in Box durchzustrecken. Gegen den Ball wiederum stellt er die Passwege zum Sechser des Kontrahenten.

Dies wiederum wäre die ideale Position für Julius Biada, der beim FCK bislang noch deutlich unter seinen Möglichkeiten kickt. Bringt Hildmann ihn auf Linie, wäre ein 4-2-3-1 mehr als nur eine Überlegung wert.

UND NOCH WAS FÜR KENNER: DIE „DUNGA“-RAUTE

An die sich noch eine weitere anschließen könnte: In Meppen und München operierte Hildmann mit einem asymmetrischen Flügelpärchen, einem aggressiv in den Strafraum dribbelnden Florian Pick und einem Hendrick Zuck, der eher tiefer auftritt und den Weg in den Zehnerraum sucht. Das war typbedingt, könnte aber kultiviert werden. 

So dass unter Umständen ein interessanter Hybrid aus 4-2-3-1 und 4-4-2 entstünde, der in der Taktikgeschichte des Fußballs als „Dunga-Raute“ bekannt ist. Benannt nach dem ehemaligen Stuttgarter Mittelfeldspieler Carlos Dunga, der als Brasiliens Nationalcoach in den nuller Jahren die Selecao derart formierte. In den Folgejahren operierten etwa auch die Ländermannschaften Kroatiens und Belgiens zeitweise mit der „Dunga-Raute“.

In Kaiserslautern könnte sie so aussehen.

Dunga-Raute.png

Auf die auf den ersten Blick verwaiste rechte Seite könnte Huth dann und wann ausbrechen, Pick/Thiele oder Biada stoßen dann ins Zentrum, so bliebe die Offensive immer in Bewegung. Auch Zuck und Schad tauchen gelegentlich rechts auf. Alternative für Zuck wäre auch hier Bergmann, der ebenso Biada ersetzen könnte. Auch Nachwuchsmann Mohamed Morabet könnte mal auf der Zehn ausprobiert werden. Thiele wäre dann nicht nur auf der Neun, sondern auch auf der Pick-Position eine Alternative.

Wie gesagt: Sind alles nur Gedankenspiele. Schau mer mal, wie Hildmann seinen inneren Bielsa channelt.