Glücksgefühle für den kleinen Sorgenfall – und ein paar Fingerzeige in eine bessere Zukunft 

Die beste Kurzanalyse lieferte Florian Schnorrenberg, Trainer der SG Sonnenhof-Großaspach: „Lautern war sehr aggressiv und hat die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht.“ Darf darüber hinaus noch was in den 2:0-Sieg des 1. FC Kaiserslautern über den selbst ernannten „Dorfklub“ interpretiert werden? Für Lauterns Mittelfeldspieler war der Jahresauftakt der „Start der Wiedergutmachungstournee 2019“. Skeptische Gemüter bevorzugen eher: Pflichtsieg gegen einen Gegner, der in dieser Form nicht mehr ist als ein Abstiegskandidat. Die Wahrheit liegt, wie immer, irgendwo in der Mitte. Ein paar Fingerzeige in eine mögliche bessere Zukunft bot die Partie auf jeden Fall.

Im Tor der 20-jährige Lennart Grill, im Abwehrzentrum der 21-jährige Carlo Sickinger, im zentralen Mittelfeld der 22-jährige Theo Bergmann, versetzt hinter der Sturmspitze der 22-jährige Christian Kühlwetter – da hat Coach Sascha Hildmann eine Mittelachse zusammengebaut, der man nur wünschen kann, zusammenwachsen zu können.

In der 83. Minute bringt Hildmann auch noch den 19-jährigem Antonio Jonjic als frische Offensivkraft – und das, obwohl mit Elias Huth und Julius Biada zwei erfahrenere Alternativen Frust auf der Bank schieben und den Kurzeinsatz eventuell als Stimmungsaufheller empfunden hätten. Dieser Trainer meint es wirklich Ernst mit dem Pfälzer Jugendstil.

VORSICHT BEI HOHEN BÄLLEN – DIE NÄCHSTE NAGELPROBE STEHT SCHON AM FREITAG AN

Wobei das Spiel durchaus auch gezeigt hat, dass die Bäume von jetzt an nicht schnurstracks  in den Himmel wachsen werden. Vor allem die hohen Flugbälle von SGS-Michael Vitzthum gezeigt, dass es zwischen Schlussmann Grill und seinen Vorderleuten noch einige Abstimmungsprobleme gibt.

Da steht bereits kommenden Freitag eine anspruchsvolle Nagelprobe bevor, wenn der FCK bei Preußen Münster gastiert. Das Team, das den Lautrern in der Hinrunde die erste Heimniederlage beigebracht hat – mit höllisch gut getretenen Freistoßbällen.

SPIELERISCH KEIN GUTER START – STATT DESSEN HEISST‘S „DRUFF UNN EWERRE“

Und wirklich gut ins Spiel gekommen ist das neu formierte FCK-Team auch nicht. Die Vorgabe, den Ball nach Eroberung so schnell wie möglich in die Spitze zu jagen, mündet zunächst einmal in unkoordiniertes Gebolze, das die SGS sofort wieder in Ballbesitz bringt. 

Allerdings: Der feste Wille, kompromisslos „druff unn ewerre“ zu spielen, ist bei den Roten durchaus sofort erkennbar, und im neuen 3-4-3 rücken nun drei Offensivspieler der gegnerischen Hintermannschaft auf die Pelle, sobald diese aufzubauen versucht.

Hendrick Zuck, der auf der linken Außenbahn den gesperrten Janek Sternberg ersetzen sollte, ist wie befürchtet wegen Grippe ausgefallen. Hildmann hat sich für die mutige Variante entschieden und den offensiven Flügelspieler Florian Pick für ihn gebracht. Der hat zunächst Anlaufschwierigkeiten im wahrsten Sinne des Worte, findet dann aber zunehmend Gefallen daran, aus der tieferen Position nach vorne zu ziehen.

ZUNÄCHST MAL GEHT‘S ÜBER LINKS

Gemeinsam mit Vordermann Kühlwetter macht er die linke Seite zunächst zur aktiveren, auch wenn deutlich wird, dass keiner der beiden natürlicher Linksfuß ist. Entsprechend haben beide Drall nach innen – wobei Kühlwetter ein wenig zu egoistisch den Abschluss sucht.

Immerhin: Nach 34 Minuten führt ein solcher Schussversuch zur ersten Großchance. Kühlwetters Geschoss wird geblockt, landet vor den Füßen Timmy Thieles, der scheitert aus kurzer Distanz am überragend reagierenden SGS-Keeper Kevin Broll. Zuvor hat lediglich Bergmann, nach vier Minuten schon, den Torsteher mit einem Freistoßschlenzer geprüft.

Nun aber gewinnt der FCK zunehmend Übergewicht, zählt bis zur Halbzeit 9:1 Ecken, die immer auch mal kurz ausgeführt wird – man bemüht sich wirklich um mehr Variabilität.

ERST HEMLEIN AUF „LÖH“ – DANN „LÖH“ AUF THIELE

In der 39. Minute ist es soweit: Eine Ecke Christoph Hemleins wird abgewehrt, landet aber wieder bei diesem, der flankt ein zweites Mal – Jan Löhmannsröben schraubt sich hoch und köpft ein.

Jetzt hat Lautern endgültig die Kontrolle. Und neun Minuten nach der Pause erleben die 17.282 Zuschauer dann eine Demo für das, was der Trainer im Gespräch mit uns als „Hildmann-Fußball“ bezeichnet hat. André Hainault und Löhmannsröben blocken kurz hinter der Mittelfeldlinie den Ball von SGS-Flügelrenner Philipp Hercher, „Löh“ passt sofort in die Spitze, Thiele hat endlich mal Raum, mit dem Ball am Fuß ein paar Meter zu gehen, sich in die Mitte zu schieben und abzuziehen – und dabei auch mal das Glück, dass das Leder SGS-Innenverteidiger Kai Gehring zwischen den Haxen hindurchzischt. 2:0.

WIE SCHÖN: THIELE TANZT MIT „LÖH“

Thiele, der in der Vorrunde so oft verhinderte Torjäger, ist so außer sich vor Glück, dass er  „Löh“, den alten Kumpel aus gemeinsamen Jenaer Tagen, zum Tänzchen auffordert. Der lässt sich von seinem „kleinen Sorgenfall“ (O-Ton) nicht zwei Mal bitten. 

Schließlich hat „Löh“ selbst genug Anlass zum Freudentanz, hat als Sechser endlich wieder einmal absolut tadellose Partie ohne Aussetzer abgeliefert, ist sogar auf den Flügeln immer mal präsent – in der Form zählt er auf dieser Position zur Ligaspitze.

Der FCK darf nun endlich mal so spielen, wie es ansonsten Gastmannschaften tun, die auf dem Betzenberg in Führung gegangen sind. Schön von hinten raus.

Nun ist die rechte Seite stärkere – dank Hemlein, der ein wenig überraschend für Biada in die Startelf gerückt ist. In der 74. Minute legt er Kühlwetter eine Flanke in die Mitte, die dieser eigentlich verwerten muss, doch Broll reagiert erneut großartig. Nicht minder sehenswert war jedoch der Pass, mit dem Dominik Schad Hemlein eingesetzt hat.

ALLEIN KEVIN MUSS RAUS – HOFFENTLICH NICHTS ERNSTES

Leider muss in der gleichen Minute Kevin Kraus raus. „Knie verdreht“, berichtet Hildmann nach dem Spiel, ob‘s schlimmer ist, wird sich noch weisen. Wär schade, wenn die neu formierte Hintermannschaft schon wieder auseinander gerissen werden müsste, denn die hat sich nach einigen Schwierigkeiten zu Beginn gut gefunden.

Die Überraschung: Carlo Sickinger im Zentrum der Dreierkette, man hätte ihn eher auf der Halbposition vermutet, und einen seiner erfahrenen Nebenleute in der Mitte. Aber: „Carlo hat mit dem rechten und dem linken Fuß eine sehr gute Eröffnung mit seinen  Diagonalbällen“, erklärt Hildmann seine Entscheidung. Und den jungen Mittelmann anleiten könnten die Routiniers, insbesondere der „bockstarke“ (Hildmann) Hainault, auch von der Seite.

JONJICS EINWECHSLUNG – KEIN AFFRONT GEGEN HUTH UND BIADA

Und Jonjics Einwechslung – war sie nun eine Affront gegen Huth und Biada? Eher nicht. Hildmann hat sich in dieser Spielsituation einfach für den schnellsten Mann entschieden. Huth ist mit Sicherheit wertvoller als Joker, wenn das Spiel noch Spitz auf Knopf steht.

Und Biada? Ist schon schade, dass ein Spieler mit diesen fußballerischen Qualitäten nicht zu mehr Einsatzzeiten kommt. Ob‘s vielleicht an ihm selbst liegt? Solange die Mannschaft gewinnt, hat der Trainer immer recht – die alte Weisheit gilt weiterhin. 

Foto: 1. FC Kaiserslautern