Streitfall Pollersbeck: Schlechte Karten für Berater Becker

Er hat Miro Klose, Michael Ballack und Olaf Marschall in ihrer aktiven Zeit beim 1. FC Kaiserslautern betreut. Aktuell ist er etwa noch für Tobias Sippel und Jeff Strasser aktiv. Die „Zeit“ zählte ihn mal zu den „Star-Machern“ der deutschen Spielerberaterszene. Und er ist ein Lautrer Bub. Heute leitet Dr. Michael Becker die „International Soccer Consulting S.A.“ von Luxemburg aus. Nun stand ein Besuch in der alten Heimat an – allerdings keiner, der ihm in erfreulicher Erinnerung bleiben wird.

Vor dem Landgericht Kaiserslautern stritt sich Dr. Michael Becker nun mit dem FCK um eine Vergütung für seine Vermittlungsleistung beim Transfer Julian Pollersbecks vor Beginn der Saison 2017/2018 zum Hamburger SV. Eine gütliche Einigung kam jedoch nicht zustande, und ob die Entscheidung, die Richter Matthias Krügner am Freitag, 1. März verkünden wird, zu Beckers Gunsten ausfälllt, ist äußerst fraglich. Die juristischen Formalien sprechen eher für den FCK.

Grundlage für Beckers Anspruch ist eine „Weitervermittlungsvereinbarung“, die er mit dem Verein geschlossen hatte. Darin wurde festgeschrieben, dass der Berater einen Interessenten für seinen Mandanten finden sollte, bevor dessen Vertrag beim FCK ausläuft, so dass dieser ablösepflichtig würde. Sofern die am Ende fällige Entschädigung drei Millionen Euro überschritten hätte, sollte für Becker eine Vergütung in Höhe von 375.000 Euro fällig werden.

FCK: ZWEITE UNTERSCHRIFT FEHLT, KLAUSEL NICHT ERFÜLLT, KEINE VERMITTLUNG

Becker sieht seinen Teil der Vereinbarung in vollem Umfang erfüllt. Der FCK jedoch hält in Person seines Rechtsvertreters Horst Kletke dagegen. Die Ablösesumme habe, entgegen aller Medienberichte, die drei Millionen eben nicht überschritten. Zudem sei die Weitervermittlungsvereinbarung nicht, wie es zwingend vorgeschrieben sei, auch von einem Vorstandsmitglied des Vereins unterzeichnet worden, sondern lediglich vom damaligen Sportdirektor Uwe Stöver.

Des weiteren habe sie eine Klausel enthalten, wonach Pollersbeck in der Saison 2017/18 noch mindestens zwölf Pflichtspiele für den FCK zu bestreiten hatte, auch dieser Fall sei nicht eingetreten. Und zuguterletzt habe Becker den endgültigen Abnehmer HSV ja gar nicht vermittelt, dieser sei in Eigeninitiative auf den FCK zugekommen.

BECKER-ANWALT: VERKAUF WAR FÜR DEN FCK LEBENSWICHTIG

Das mochte Dr. Markus Schütz, Beckers Anwalt, nicht gelten lassen. Auch wenn die Unterschrift eines Vorstandsmitglied fehle, sei wohl unstreitig, dass sowohl dieser als auch der Aufsichtsrat Kenntnis von der Vereinbarung hatte. Dass Pollersbeck verkauft werden konnte, bevor die Zwölf-Spiele-Klausel griff, sei seiner guten sportlichen Entwicklung zu verdanken – und dem Umstand, dass der FCK damals in einer wirtschaftlichen prekären Situation gewesen sei. Der vorzeitige Verkauf sei dem Klub also sehr recht, wenn nicht sogar überlebenswichtig für ihn gewesen.

Und auch wenn Becker in das endgültige Transfergeschäft mit dem HSV nicht involviert gewesen sei, sei er nicht untätig gewesen, sondern habe sich permanent um eine Weitervermittlung bemüht, mehr habe sein Vertrag auch nicht vorgesehen. Unter anderem habe er Pollersbeck Hannover 96 angeboten, dessen damaliger Sportvorstand dies sicher bestätigen könne: Der nämlich heißt Martin Bader und ist heute Geschäftsführer Sport beim 1. FC Kaiserslautern.

FCK-Vertreter Kletke beharrte jedoch auf seiner Position und mochte auch keiner gütlichen Einigung in Form einer Teilzahlung zustimmen. Wie hoch die Transferentschädigung für Pollersbeck nun tatsächlich ausfiel, verriet er ebenfalls nicht: bis heute jedenfalls sei kein Eingang von drei Millionen Euro verzeichnet, verlautbarte der Anwalt lediglich.

Nun kommt es also am Freitag, 1. März, zur richterlichen Entscheidung.

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