Weiter den Aufwind nutzen – und Münsters Torflaute anhalten lassen

Der „kicker“ spricht gar von einem „wegweisenden Duell“: Wer oben noch andocken will in dieser Saison, muss gewinnen, ein Remis hilft keinem weiter. Trainer Sascha Hildmann formuliert vor dem Aufeinandertreffen des Tabellenachten beim Tabellensiebten nicht ganz so forsch, stellt jedoch klar, dass ein gewonnenes Spiel „für unsere Ansprüche noch lange nicht genug“  sei und sein 1. FC Kaiserslautern „noch viele Spiele gewinnen“ wolle. Gastgeber Preußen Münster startet heute Abend um 19 Uhr erstmals seit knapp einem Jahr wieder mit „Ultra“-Unterstützung in ein Heimspiel – und will endlich seinen Negativlauf beenden. Vom 2:0-Sieg Lauterns gegen Großaspach am vergangenen Wochenende liegen uns derweil die xG-Grafiken vor – die ersten eines FCK-Spiels im 3-4-3-System.

Es ist also angerichtet für eine interessante Partie im Preußenstadion, ein wetterbedingter Ausfall droht ebenfalls nicht. Dem Grundsatz „Never a change winning team“ wird Sascha Hildmann indes nicht folgen können. Kevin Kraus fällt wegen seiner Meniskusquetschung nun definitiv aus. Mit dem zuletzt verletzten Lukas Gottwalt ist ein denkbarer Nachrücker in dieser Woche zwar wieder ins Training eingestiegen, doch gibt der Coach zu bedenken, dass dieser fast die komplette Wintervorbereitung nicht bestreiten konnte.

ÖZDEMIR ODER FECHNER? STERNBERG ODER PICK?

Wahrscheinlicher ist also der Einsatz von Özgur Özdemir auf der dritten Innenverteidiger-Position. Er wurde bereits vergangene Woche für Kraus eingewechselt wurde. Laut „Rheinpfalz“ denkt Hildmann aber auch darüber nach, eventuell den defensiven Mittelfeldspieler Gino Fechner hinten einzubauen – eine interessante Variante, da der spielstarke Fechner für präzisere „erste Bälle“ im Aufbauspiel stünde.

Auf der linken Seite hat der Trainer nun ein Luxusproblem. Der zuletzt grippekranke Hendrick Zuck fällt nun zwar doch nochmal aus, nachdem er unter Woche bereits grünes Licht gegeben hatte, doch Janek Sternberg steht nach seiner Gelbrot-Sperre wieder zur Verfügung. Gegen Großaspach hatte Florian Pick seine Sache auf der für ihn ungewohnt defensiven linken Außenbahnposition gut gemacht. So hat Hildmann nun die Qual der Wahl.

Wir tippen: Sternberg spielt. Weil es sich anbietet, wenigstens einen gelernten Linksfuß auf der Seite zu haben. Der schnelle Pick könnte dafür auf eine der beiden Halbpositionen weiter vorne rücken

Allerdings: Christoph Hemlein hat gegen Großaspach ebenfalls stark gespielt, mehrere Torchancen aufgelegt, von denen eine zum 1:0 durch Jan Löhmannsröben führte. Wenn, müsste eher Christian Kühlwetter für Pick weichen.

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MÜNSTER WILL NEGATIVLAUF STOPPEN – AKONO IM FOKUS

Gegner Münster stellt sich auf dem Papier zwar als Tabellennachbar vor, hat den Negativlauf, der vor der Winterpause begann, zum Jahresauftakt in Jena aber noch nicht stoppen können. Allerdings war dieses 0:0 ein typisches Drittligaspiel, das jederzeit auch hätte zugunsten einer Mannschaft entschieden werden können. Die Münsteraner etwa trafen noch in der Nachspielzeit Aluminium.

So sind die Preußen nun seit vier Spielen ohne Torerfolg, und vor der Pause hatte es vier Niederlagen am Stück gehagelt. Zudem hat Trainer Marco Antwerpen gerade erklärt, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängert.

Die Erfahrung lehrt jedoch: Aus solchen Personalien Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie sich die Mannschaft eventuell präsentieren könnte, ist gefährlich. In die Saison gestartet war Münster recht stark, hatte sich in Oktober und November fünf Spieltage lang sogar auf Rang zwei gehalten.

Hildmann warnt vor allem vor den schnellen Offensivspielern Philipp Hoffmann, Rufat Dadashov und Cyrill Akono. Letzterer ist besonders interessant: Der 18-jährige hat zwar erst drei Spiele in der Ersten Mannschaft absolviert, zuvor allerdings mit starken Auftritten in Münsters U19 auf sich aufmerksam gemacht, so dass ihn die Späher höherklassiger Vereine bereits im Visier haben. Unter anderem soll Mainz 05  an Akono baggern.

MÜNSTERS ULTRAS SIND WIEDER DA – AUSGLIEDERUNG SPALTET

In Jena hat sich auch die „Ultra“-Szene der Münsteraner wieder lautstark zurückgemeldet. Sie will heute Abend auch im eigenen Zuhause ihr Comeback feiern. Die Gruppen hatten im Januar 2018 ihre Unterstützung aus Protest gegen die Ausgliederung des Fußballbereichs in eine „GmbH & Co. KGaA“ eingestellt.

Interessante Geschichte übrigens, auf die man als intensiver FCK-Beobachter gerade in diesen Tagen intensiver blicken sollte: Im März 2018 lehnten die Preußen das Angebot einer deutsch-englischen Investorengruppe ab, sich in einem „bundesligawürdigen“ Rahmen in Münster zu engagieren. Und das, obwohl sie die Interessenten als „durchaus seriös“ einschätzten. Doch die Klubverantwortlichen fürchteten, die Investoren könnten zu viel Einfluss nehmen und wollen lieber um Partner in der Region werben. Mal ganz unabhängig davon, ob sich der FCK derzeit überhaupt leisten könnte, ein solches Angebot abzulehnen – interessante Lektüre sollte dies auf jeden Fall sein.

xG-GRAFIKEN: HEMLEIN UND KÜHLWETTER GANZ SCHÖN STÜRMISCH

Doch zurück zum FCK. „11tegen11“ hat uns mittlerweile die xG-Plots zum Großaspach-Spiel übermittelt. Wenig überrascht uns die Timeline der qualitativ bewerteten und aufgerechneten Einschussgelegenheiten. 77 Prozent Siegwahrscheinlichkeit für den FCK bestätigen auch den subjektiven Eindruck.

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Interessanter anzuschauen ist die Postions- und Passgrafik, da es die erste ist, die von einem FCK-Spiel im 3-4-3 vorliegt. Thiele stand im Durchschnitt bei der Ballannahme tiefer als die beiden Halbstürmer Hemlein und Kühlwetter. Bergmann und Löhmannsröben waren gut im Spiel, die linke Seite hatte mehr Ballbesitz. Das sollte aber nicht darüber wegtäuschen, dass die rechte Flanke in der zweiten Hälfte die effektivere war, als nach der Führung vornehmlich Konterchancen herauszuarbeiten waren.

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Recht umtriebig war der FCK auch im Zehnerraum. Hier dürfen es aber gerne noch mehr direkte Zuspiele in die Box werden.

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