Einzelaktion rettet unwürdiges Spiel um das Erbe Fritz Walters – Die „Mannschaftsleistung“ überzeugt weniger

Wärs ein Fußballspiel gewesen, ließe sich jetzt kommentieren: Am Ende hat eine Einzelaktion entschieden. Es war jedoch kein Fußballspiel, eher ein unwürdiges Schauspiel, dem Harald Layenberger, Hauptsponsor des 1. FC Kaiserslautern, nun den letzten Akt erspart hat. Indem er, beziehungsweise sein Unternehmen, sich die rund 290 Erinnerungsstücke aus dem Nachlass Fritz Walters sicherte, die ansonsten am 16. Februar im Heidelberger Auktionshaus „Kunst und Kuriosa“ unter den Hammer gekommen wären. Auf den entschlossenen Unternehmer und FCK-Fan hagelt nun von allen Seiten Lob, und das soll ihm auch unbenommen bleiben. Es ist allerdings auch an der Zeit, einmal die „Mannschaftsleistung“ zu hinterfragen. Sprich: Das Bild, das die so oft beschworene FCK-Familie in diesen Tagen abgegeben hat.

Da hatten zum Beispiel gleich zwei Einrichtungen begonnen, Gelder einzusammeln, um am Auktionstag zu retten, was noch retten ist. Hätten die sich nicht frühzeitig zu einer formieren können? Viele irritierte Fans – und potenzielle Spender – fragten sich: Wäre es tatsächlich zur Versteigerung gekommen, hätten die beiden Initiativen sich dann vielleicht auch noch gegenseitig überboten?

„PERSPEKTIVE FCK“-SPRECHERIN STELLT KLAR: BEIDE INITIATIVEN HABEN SICH ERGÄNZT

„Die Aktionen wurden parallel geplant“, erklärt dazu Charlotte Basaric-Steinhübl, Sprecherin der „Perspektive FCK“, einer Interessengemeinschaft von Fans und Mitgliedern, der FCK-Aufsichtsratsmitglied Jochen Grotepaß vorsteht. „Wir waren dienstags fertig zum Start und hatten dann erfahren, dass donnerstags ein Gespräch der Initiative Leidenschaft mit Hagen Leopold stattfinden sollte. Daher haben wir mit dem Start unserer Aktion bis Freitag gewartet.“ Hinter der „Initiative Leidenschaft“ steht der Förderverein des geplanten Fritz-Walter-Museums, Hagen Leopold ist ein anerkannter Experte für Fußball-Memorabilien. 

Die beiden Initiativen hätten sich durchaus ergänzt. „Die Museumsinitiative sammelte Spenden, für die man eine Spendenquittung erhalten konnte. Wir boten Prämien an und wollten uns auch an Fußballfans aus ganz Deutschland wenden“, so Charlotte Basaric-Steinhübl. „Ganz gezielt sprachen wir andere Traditionsvereine an, da es nicht nur um die FCK-Legende Fritz Walter, sondern auch um den Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft ging. Da dies verschiedene Ansätze sind, sahen wir große Chancen, eine noch größere Reichweite zu erzielen, als mit einer einzigen Aktion.“ 

Wenn es zur Auktion gekommen wäre, hätte man ganz sicher nicht gegeneinander gearbeitet: Es sei geplant gewesen, dass sich „die Museumsinitiative, die Perspektive FCK, Memorabilien-Experte Hagen Leopold und hoffentlich auch der FCK in der Woche vor der Auktion zusammensetzen“, um zum Termin mit einer Stimme zu sprechen.

ELF FREUNDE? DAS WAR EINMAL

In die Sammlung der Initiative Leidenschaft flossen auch die 785 Euro, die die Facebook-Gruppe „Wir sind Betze – FCK ein Leben lang“ in einer ersten Crowdfunding-Aktion eingenommen hatte. Hinter dieser wiederum steht neben anderen FCK-Fan Frieder Mathis, stets einer der ersten, wenn es darum geht, die FCK-Familie zusammenzuhalten. Auf Charlotte Basaric-Steinhübl ist er jedoch weniger gut zu sprechen: Sie habe von Anfang an gegen die „Wir sind Betze“-Aktion gewettert, um dann mit der „Perspektive FCK“ eine eigene zu starten.

Dies weist die Angesprochene zurück: „Ich habe niemanden herabwürdigen wollen. Ich habe nur auf ein paar formale Aspekte hingewiesen, die bei einem solchen Crowdfunding zu beachten sind.“ Hingegen sei, was schon seit Wochen an Beschimpfungen und Anschuldigungen in der besagten Facebook-Gruppe über sie ausgeschüttet werde, unter jeder Gürtellinie, zum Teil sogar justitiabel.

Es ist immer wieder bedauerlich, zu welchen Entgleisungen das anonym anmutende  Internet die Menschen hinreißt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es den an dieser Sache Beteiligten doch in erster Linie um den FCK und Fritz Walter ging. Hieß das Credo seines Teams nicht seinerzeit „Elf Freunde müsst Ihr sein“?

BUCHHOLZ: „ES HÄTTE SO ODER SO KEINE AUKTION GEGEBEN.“

Untätig geblieben sind in diesen Tagen aber auch andere nicht. „Es hätte so oder so keine Auktion gegeben“, erklärte Dieter Buchholz, ebenfalls FCK-Sponsor und ehemaliges Aufsichtsratsmitglied, heute morgen uns gegenüber. Mit anderen befreundeten Unternehmern war er bereits überein, die benötigte Summe aufzubringen, um sich die zur Versteigerung anstehenden Stücke zu sichern und der Öffentlichkeit zu erhalten. 

Auch die „Perspektive FCK“ bestätigt, bereits mit Buchholz und Axel Kemmler von der KKS Kopier Systeme Kemmler Kaiserslautern in Kontakt gestanden zu haben.  „Angedacht war, gemeinsam einen Verein zu gründen, in den die Exponate überführt und verwaltet werden sollten“, so Charlotte Basaric-Steinhübl. „Und wie wir zwischenzeitlich erfahren haben, hatten auch andere Gruppen bereits Geld zusammen, um die Auktion zu stoppen.“

Wie auch immer: Harald Layenberger hat als erster Vollzug gemeldet, und dafür, das sei hier ausdrücklich betont, sind ihm alle dankbar. Ebenso wie dem Heidelberger Auktionshaus, das dem Stopp nicht hätte zustimmen müssen – und wahrscheinlich das bessere Geschäft gemacht hätte, hätte die Auktion stattgefunden.

Fazit: Die „Mannschaftsleistung“ war also gar nicht so schlecht. An der Basis hat die FCK-Familie durchaus entschlossen gehandelt, wenn auch zu Beginn ein wenig unkoordiniert agiert. Oder, um es mit einem ehemaligen FCK-Trainer zu sagen: Die Mannschaft brauchte Zeit…

FCK UND DFB, STADT UND LAND: HABEN SIE AUF ZEIT GESPIELT?

Kritisiert werden muss vielmehr das Verhalten auf den oberen Ebenen. Sowohl die Erbenfamilie Lutzi als auch Historiker Leopold hatten in der Vergangenheit mehrmals darauf aufmerksam gemacht, in welch missliche Situation die Nachlassverwalter des Berner Helden zu geraten drohten, beziehungsweise geraten waren.

Doch FCK und DFB, Stadt und Land haben gewartet, bis das Kind beinahe in den Brunnen gefallen wäre. Oder haben die Verantwortlichen, als wär’s tatsächlich ein Fußballspiel, einfach nur „auf Zeit gespielt“? Bis die wahren FCK’ler die Ärmel hochkrempelten? Man könnte es fast meinen…

An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass nach Ansicht vom Experte Leopold einige Erinnerungsstücke bereits unwiederbringlich verloren sind. Im Auktionskatalog nicht aufgeführt worden seien etwa die Goldmedaille von der WM 1954, mindestens 50 Länderspielmedaillen des DFB sowie zwei von drei Silbernen Lorbeerblättern, die Fritz Walter erhielt. Sie wurden anscheinend bereits veräußert. Der gesamte Ablauf der Beinahe-Tragödie ist übrigens bei „Der Betze brennt“ lückenlos dokumentiert.

Blicken wir nach vorne: Zum 100. Geburtstag Fritz Walters am 31. Oktober 2020 wird es, so will es Layenberger, eine Ausstellung in Kaiserslautern geben, mit den geretteten Stücken. Wir freuen uns drauf.

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