Mit Aggressivität und Leidenschaft: Die 0:2-Hinspielpleite soll nicht mehr nach-hallen

Der Hallesche FC gastiert am morgigen Samstag, 14 Uhr, auf dem Betzenberg – die Mannschaft, gegen die der 1. FC Kaiserslautern beim 0:2 im Hinspiel so unterlegen war wie gegen keine andere in dieser Saison. Der Gast kommt als Tabellendritter. Interessant: Er hat bislang nur ein Tor mehr geschossen als der Tabellen-9. aus der Pfalz,  allerdings 13 Treffer weniger kassiert. Kann da tatsächlich die Offensive das gegenwärtige Hauptproblem der Lautrer sein?

Irgendwie klingt das, als gleiche Trainer Sascha Hildmanns Bemühen der Quadratur des Kreises. Unter seinem Vorgänger stand das Team gegen den Ball meist tief, praktizierte zaghaftes Angriffspressing – und hatte nach dem 17. Spieltag, bis zur Entlassung Michael Frontzecks also, bereits 28 Gegentore auf dem Konto. Halle war zu diesem Zeitpunkt Tabellen-5, wies auch zu diesem Zeitpunkt bereits zwölf kassierte Treffer weniger auf.

Hildmann lässt seinen Defensivverband nun höher stehen, phasenweise Angriffspressing spielen, geht also wesentlich mehr ins Risiko  – kann das denn gut sein, um die Gegentrefferquote einer Mannschaft minimieren, die auch schon mit einer vermeintlich sichereren Spielweise nicht gut stand?

„IM GEGENPRESSING AUCH MAL EIN FOUL ZIEHEN“

Vergangene Woche beim 0:2 in Münster scheint dieser Ansatz schon mal schief gegangen zu sein. Am Ende einer insgesamt doch recht forsch geführten ersten Hälfte kassierte der FCK den zweiten Treffer nach einem Spielzug, in dem die Roten drei Mal die Chance verpassten, den Ball noch in der gegnerischen Hälfte zu erobern. In der zweiten Hälfte fiel dem FCK, in Rückstand und gegen ein nun hinten kompakt stehenden Gegner, dann wieder mal gar nichts ein.

„In meinen fünf Spielen als Trainer haben wir drei Mal zu null gespielt,“ hält Hildmann dagegen. Höheres Risiko muss die Defensive also nicht zwangsläufig schwächen. Und in der Pressekonferenz zum Spiel am Donnerstag macht er deutlich, woran es in Münster tatsächlich lag: Nicht am „hoch stehen“, sondern an der fehlenden Aggressivität, die sein Team in Münster an den Tag legte. „Vielleicht müssen wir im Gegenpressing auch öfter mal ein Foul ziehen“, so der Trainer.

Diese Aggressivität eben fordert er nun mit Nachdruck fürs kommende Heimspiel ein: „Zweikämpfe annehmen, gnadenlos nachjagen, in die Bälle reingehen und mit Leidenschaft Fußball spielen“ will er. 

VORSICHT VOR DEN SCHNELLEN FLÜGELSPIELERN

Allerdings weist er auch auf die „guten Umschaltmomente“ hin, die die Hallenser zu nutzen verstehen. Okay, die streichen die Trainer der Dritten Liga in der Regel bei jedem Kontrahenten heraus. Bei Halle aber ist die Phrase auch substanziell gerechtfertigt. Die Mannschaft von Torsten Ziegner verfügt nämlich mit Braydon Manu und Marvin Ajani über enorm fixe Flügelspieler, von deren Qualität sich die Lautrer bereits im Hinspiel überzeugen konnten.

Und nicht zuletzt wegen diesen beiden passt Hildmanns Aussage, „Halle spielt ein ähnliches System wie wir“, nur so ungefähr. Halle agiert zwar auch mit Dreierkette, doch die Außenbahnspieler bewegen sich um einiges höher, so dass sich die Grundordnung eher einem 3-2-3-2 annähert, das sich mit Lauterns zuletzt bevorzugtem 3-4-3 nur bedingt vergleichen lässt. Denn darüber hinaus leistet sich Halle mit Bentley Baxter Bahn auch noch einen Zehner hinter der Doppelspitze, die wahrscheinlich mit Mathias Fetsch und Pascal Sohm besetzt wird – letzteren kennt Hildmann noch aus seiner Zeit bei der SG Sonnenhof-Großaspach.

DREIER- ODER VIERERKETTE? „WIR HABEN BEIDE INSTALLIERT“

Von daher stellt sich die Frage, ob Hildmann nicht doch mit einigen Änderungen in Spielweise und Formation aufwarten wird, um den Besonderheiten des Gegners gerecht zu werden. In die Karten gucken lässt sich der Coach natürlich nicht.

Er räumt ein, dass er mit den wiedergenesenen Hendrick Zuck und Kevin Kraus wieder mehr personelle Alternativen hat – und, dass er die Dreierkette zwar favorisiere, er es sich aber auch noch anders überlegen und auf  Viererkette umstellen könne: „Wir haben jetzt beide Systeme installiert.“

Wir vermuten – abgesehen davon, dass Kraus selbstverständlich in die Abwehr zurückkehrt: Auf der linken Seite wird Florian Pick einem Kollegen weichen, der „mehr Verteidiger“ ist: Janek Sternberg oder Hendrick Zuck. Zuck hat in der Wintervorbereitung alle Testspiele absolviert, der schnelle Sternberg passt vielleicht besser zum nicht minder schnellen Ajani. Schwer zu sagen, wer aufläuft.

ÜBERRASCHUNG IN DER OFFENSIVE KÖNNTE – ODER DOCH NICHT?

Und vorne? Bleibt es bei der Dreierbesetzung Kühlwetter-Thiele-Hemlein? Oder baut Hildmann Pick wieder vorne ein? Bislang hat der Coach noch nie auf den Dribbler verzichtet. Oder bringt Hildmann Elias Huth auf der Neun, um Timmy Thiele mehr Freiräume auf den Flügeln zu ermöglichen? Oder bekommt der spielstarke Julius Biada mal wieder eine Chance, damit sich auch in engen Räumen wieder mehr bewegt?

Wir gestalten unsere vermutete Aufstellung mal konservativ, glauben aber: Irgendeine Überraschung wird Hildmann sich einfallen lassen. Wir können uns nur für keine entscheiden.

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XG-GRAFIKEN: LAUTERN IM ZEHNERRAUM AKIVER? NUR AUF DEM PAPIER

Zum Abschluss wie immer noch die xG-Grafiken zum vorangegangen Spiel. Zur Timeline gibts nicht viel zu sagen. Außer, dass sie das Ergebnis knapper aussehen lässt als es war. Beim genaueren Hinschauen ist aber zu erkennen: Den wesentlichen Sprung macht die FCK-Linie bei Thieles Chance in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, in der zweiten ist sie über weite Strecken flach wie das EKG eines Toten.

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Die Positions- und Passgrafik sieht ebenfalls nicht so schön geordnet aus wie die vorangegangene aus dem Spiel gegen Großaspach. Die durchschnittlichen Ballannahmepositionen von Löhmannsröben und Bergmann überdecken sich. Da müsste Bergmann wohl weiter vorne positioniert sein.

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 Überhaupt ist das Talent in der Rückrunde noch nicht gut im Spiel, wurde auch wohl nicht nur aus Fürsorge in beiden Partien früh ausgewechselt. Dennoch sollte er weiter seine Chancen bekommen, schließlich betont Hildmann immer wieder: In dieser Rückrunde sollen die jungen Spieler Gelegenheit bekommen, sich weiterzuentwickeln.

Der beliebte Blick auf die Zehnerraum-Aktivität offenbart diesmal, dass solch analytische Betrachtungen auch tückisch sein können. Bei Lautern sieht es nämlich durchaus nach Betriebsamkeit aus:

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Da lässt der Vergleich mit Münsters Grafik geradezu schmunzeln, für die Grünen scheint die „Zone 14“ geradezu eine verbotene gewesen zu sein. Dabei bleibt außer Frage: Münster hat vollkommen verdient gewonnen.

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