Publikum ist unzufrieden, zwei Trainer sind unglücklich – dennoch: Ein bisschen was haben wir gelernt 

Zum vierten Mal in dieser Saison kommt der 1. FC Kaiserslautern im eigenen Stadion nicht über ein 0:0 hinaus. Dass da der Anhang nicht zufrieden ist, verwundert nicht. Dass gleich beide Trainer hinterher nicht glücklich sind und dies auch öffentlich kundtun, ist da schon erstaunlicher. Um nach dem torlosen Remis gegen den Halleschen FC etwas hoffnungsfroh Stimmendes aus dem Lautrer Lager zu hören, mussten die Medienvertreter schon die Spieler fragen. Offensivspieler Christoph Hemlein merkte immerhin an, dass es „kein katastrophales Spiel“ des FCK gewesen sei, na also. Dazu lässt sich ergänzen: Ein bisschen hat diese Nullnummer die Hildmann-Schützlinge sogar weitergebracht. Denn die zweite Halbzeit hat ihnen gezeigt, dass sie hoch und „vorwärts“ verteidigen und es dennoch schaffen können, die eigene Kiste sauber zu halten.

Es war ein Spiel zweier Mannschaften, die im Prinzip das gleiche spielen wollten – nur, dass die eine dies eben einen Tick besser konnte. Weil ihre Abläufe besser abgestimmt sind und sie auch in punkto individueller Qualität ein bisschen mehr zu bieten hat. Und das, obwohl der Kader der Hallenser im vergangenen Sommer auf 15 Positionen verändert wurde und ihr Lizenzspieleretat etwa 1,5 Millionen Euro unter dem der Lautrer liegt. Auch Halle-Trainer Torsten Ziegner ist erst seit Beginn dieser Saison im Amt. Manche Teams brauchen anscheinend doch nicht so viel Zeit und auch nicht so viel Geld, wie sie die Herren Bader und Frontzeck für den FCK beanspruchten.

WENIGER RISIKO BEDEUTET NICHT MEHR SICHERHEIT

Beide Mannschaften wollen sich im Kollektiv eng verschieben, oft schon in Gegners Hälfte die Räume verdichten, Bälle erobern, danach mit schnellen, aber möglichst präzisen Pässen in den Strafraum des Gegners kommen. Zu langen Ballstafetten kann es da auf beiden Seiten kaum kommen, entsprechend viele Unterbrechungen zählte die Partie in Hälfte eins.

Lautern allerdings gibt sich insgesamt aber zunächst zurückhaltender an – und wird dafür beinahe direkt bestraft. Mathias Fetsch kommt schon nach vier Minuten in der Box frei zum Schuss. 25 Minuten später hat Bentley Bexter Bahn eine noch dickere Einschussgelegenheit, doch Lennart Grill pariert stark. Damit hätte sich Halle schon früh auf die Siegerstraße bringen können.

 „Uns steckte das Spiel gegen Preußen Münster noch in den Köpfen, das hat man am Anfang gesehen“, erklärt Sascha Hildmann später. Bei der jüngsten 0:2-Auswärtsniederlage hatte sich seine Mannschaft nämlich mit forschem, aber unscharfem  Angriffspressing  beschert. Doch weniger Risiko bringt eben nicht unbedingt mehr Sicherheit.

IM 1:1 NICHT DURCHGESETZT? DARAN WIRD SICH SOBALD WOHL NICHTS ÄNDERN

Und nach vorne geht kaum was. Die einzige wirkliche Torgelegenheit für Lautern in der ersten Hälfte resultiert aus einer Freistoßflanke Janek Sternbergs – immerhin: eine beinahe erfolgreiche Standardsituation, auch eine Seltenheit beim FCK 18/19 –, die der aufgerückte Innenverteidiger André Hainault aus spitzem Winkel in hohem Bogen beinahe im langen Eck platziert hätte, hätte ein Hallenser den Ball nicht von der Torlinie an den Pfosten geköpft. Das setzte unter den 19.000 Zuschauern wenigstens mal ein bisschen Adrenalin frei.

„Da erwarte ich von uns mehr Qualität“, kritisierte Sascha Hildmann hinterher. „Wir haben bei zwei, drei Möglichkeiten nicht im richtigen Moment aufgedreht und den Ball gespielt, und uns auch nicht im 1:1 durchgesetzt.“

Die Mannschaft bis Saisonende noch entscheidend weiterzubringen, was den dritten  Punkt angeht, dürfte Hildmann allerdings schwer fallen. Bislang hat sich nur Florian Pick als einer hervorgetan, der einigermaßen erfolgversprechend ins Dribbling gehen kann. Danach aber gelingt ihm selten ein guter Abschluss. Immerhin: Der in der Schlussphase eingewechselte Antonio Jonjic zeigt da zumindest gute Sätze.

DIE DREI STARTELF-UMSTELLUNGEN – HILDMANN SAGT WARUM

Pick hatte Hildmann diesmal aus der Startelf genommen, ebenso wie Christian Kühlwetter und Theo Bergmann – der saß nicht einmal im Kader. Beide seien ein wenig überspielt. Kühlwetter sei zuletzt selbst nicht glücklich gewesen über sein Spiel, Bergmann habe gerade in Münster viele Zweikämpfe, da müsse man die Jungen auch „ein Stück weit schützen“, so Hildmann.

Daher habe er Julius Biada gebracht, der zuletzt gut trainiert habe – im Spiel war davon leider nicht viel davon zu sehen. Für Bergmann rückte Carlo Sickinger ins Mittelfeld, dem diesmal auch nicht so viel gelang wie beim Heimspiel gegen Großaspach vor zwei Wochen. Halt auch eine Erfahrung, die zur Talententwicklung gehört.

Die Dreierkette bildeten diesmal Kevin Kraus, André Hainault und Lukas Gottwalt. Zu Beginn wirkte das Trio nicht unbedingt sicher, am Ende aber stand die Null – Mission erfüllt also. Für Pick machte Sternberg auf der linken Seite eine ordentliche Partie gegen den starken Marvin Ajani. Es scheint tatsächlich so, als liege ihm diese Rolle besser als die des linken Verteidiger in einer Viererkette.

HÄLFTE ZWEI: DREI CHANCEN – KEIN TOR

Hälfte zwei sieht einen FCK, der weiter nach vorne rückt – und über 45 Minuten keine Chance des Hallenser mehr zulässt. Das könnte als Zeichen dafür gewertet werden, dass dieser Weg für die Zukunft mehr verspricht.

Drei Torgelegenheiten arbeitet der FCK im zweiten Durchgang heraus. Das ist nicht gerade eine Frequenz, die die Menge ausflippen lässt, aber: Gerade in so einem engen Spiel müssen drei Gelegenheiten auch mal ausreichen, um das entscheidende Tor im erzielen. So es denn irgendwann mal wieder nach oben gehen soll.

Zu den Gelegenheiten im einzelnen: Nach einer Ecke von Hemlein – schon wieder eine beinahe erfolgreiche Standardsituation! – kommt Jan Löhmannsröben am langen Eck zum Schuss, ein Hallenser blockt mit irgendwas zwischen Oberkörper und Oberarm. Ob’s ein Elfer war? Müßig, drüber zu diskutieren.

„WIR MÜSSEN GIERIGER SEIN“: SO SIEHT’S AUS

Sternberg flankt, nach einem über Hemlein schön vorgetragenen Konter, scharf aufs kurze Eck, wo Timmy Thiele den Ball zwar mit dem Kopf erwischt, aber nicht genug drücken kann, so dass das Leder über die Latte fliegt. In der Szene hätte man sich vielleicht bereits Elias Huth in der Partie gewünscht, der bald darauf für Thiele kommt.

Zuvor aber hat Thiele noch eine Szene, die seine eigentliche Stärke zeigt. Vom eingewechselten Jonjic auf der rechten Seite in Höhe der Mittellinie angespielt, dreht er sofort auf, setzt sich im langen Sprint zum Tor gegen seinen Gegenspieler auf und schließt aus spitzem Winkel ab. Halle-Keeper Kai Eisele pariert mit Fuß. Das sind die Situationen, in die Thiele gebracht werden muss. Im Zentrum lauern ist weniger sein Ding.

Zurück bleiben ein unzufriedenes Publikum und zwei unglückliche Trainer. „Wir müssen gieriger sein“, erklärt Torsten Ziegner. Das hätte aber auch Sascha Hildmann sagen können.

Foto: 1. FC Kaiserslautern