Im Derby heißt es: Kühlen Kopf bewahren – und auch mal aus der Breite in die Tiefe spielen

Karlsruher SC gegen 1. FC Kaiserslautern. Ist irgendwann mal zum „Südwestderby“ hochgehypt worden, später sogar zum „Hass-Duell“ – schade eigentlich, denn beide Klubs verbindet eigentlich auch einiges – etwa, dass beide seit Jahren so ihre Schwierigkeiten haben, im sich rasant entwickelnden Fußballgeschäft des 21. Jahrhunderts Schritt zu halten. Vor knapp zwei Jahren noch stand der FCK etwas besser da, mittlerweile grüßt der KSC-Anhang die Lauterer von oben. Angesichts der hochkochenden Emotionen heißt es, kühlen Kopf zu bewahren – auf den Rängen wie auf dem Rasen. Für Lautern-Trainer Sascha Hildmann stellt sich vor allem Frage, wie viel Mut zum Risiko sich ein Tabellen-11. beim Tabellen-2. leisten darf.

Fakt eins: Beim wenig berauschenden 0:0 gegen den FC Halle am vergangenen Wochenende riskierten die Lautrer in Hälfte zwei mehr, rückten weiter auf – und ließen nach hinten weniger zu als in Hälfte eins, als sie tief standen, dem Gegner jedoch zwei „Hundertprozentige“ gestatteten.

Fakt zwei: Von den 39 Treffern, die der KSC in dieser Saison bereits erzielte, vielen zwölf nach Frei- oder Eckstößen, fünf per Elfmeter.

Was als Schlussfolgerung nahelegt: Im Wildparkstadion heißt es, den Ball möglichst vom Tor wegzuhalten. Also wieder möglichst hoch stehen. Wie in der zweiten Hälfte gegen Halle.

Die Frage ist nur: Verfügt die FCK-Elf dafür über genug Selbstsicherheit – und über die mannschaftliche Geschlossenheit, ein solches Konzept durchzuhalten?

Und: Spielt man dadurch dem KSC nicht erst recht in die Karten?

POURIE? DIE ÄLTEREN WERDEN SICH ERINNERN

„Viel Routine“ hat Sascha Hildmann beim Gegner ausgemacht. Das gilt besonders für die beiden Spitzen Anton Fink (31) und Marvin Pourie (28), die beide schon elf Saisontreffer auf dem Konto haben. 

Die Älteren erinnern sich vielleicht: Besagter Pourie hat 2009 – damals Schalker und zu 1860 München ausgeliehen, dort aber unglücklich – mal wochenlang beim FCK mittrainiert. Die Lauterer wollten seinerzeit auch seinen Leihvertrag übernehmen, doch Schalke-Trainer Felix Magath bestand darauf, dass er diesen bei Sechzigern weitererfüllt. Tja…

„Sie spielen fast immer in der gleichen Aufstellung“, beschreibt Hildmann die Stabilität des Tabellenzweiten. „Ein 4-4-2 mit Mittelfeldpressing. Nur situativ pressen sie vorne drauf, spielen eigentlich aber eher abwartend , um, wenn sie selbst in Ballbesitz kommen, die Spitzen einzusetzen. Und sie flanken viel aus dem Halbfeld.“

Daher will Hildmann „stören, den ballführenden Mann unter Druck setzen, so dass diese freien Bälle nicht gespielt werden können.“ Für seine Mannschaft gelte es, „bei eigenem Ballbesitz nicht zu hektisch, nicht zu nervös zu agieren. Nicht nur nach vorne, sondern auch mal in die Breite spielen, um später wieder in die Tiefe zu kommen.“

DER KSC: MIT SCHWARTZ IN ROSAROTE ZEITEN

Da sind wir mal gespannt. Vier Zu-Null-Spiele in sechs Partien unter Hildmann sprechen zwar dafür, dass die Mannschaft defensiv überwiegend zu guter Ordnung findet, besonnenen Spielaufbau haben wir allerdings noch kaum gesehen. Davon zeugen nicht zuletzt auch die lediglich vier Tore, die die Elf in den sechs Hildmann-Spielen markierte. Doch die Losung für den Rest der Saison lautet bekanntlich: weiterentwickeln.

Hildmann gegenüber sitzt im Wildpark-Stadion Alois Schwartz, in Lautern seit langem kein Unbekannter und zwischenzeitlich auch mal als Cheftrainer im Gespräch gewesen. Nach einem glücklosen Intermezzo in Nürnberg hat Schwartz in Karlsruhe  eine beeindruckende Aufwärtsentwicklung eingeleitet.

In der vergangenen Saison übernahm der nunmehr 51-jährige den KSC nach dem 6. Spieltag auf Rang 15 und führte ihn noch in die Aufstiegsspiele zur Zweiten Bundesliga, wo er an Aue scheiterte. Und trotz eines beachtlichen personellen Aderlasses im Sommer fand seine Mannschaft auch in dieser Spielzeit wieder schnell in die Spur nach oben.

Zum Vorrundenfinale machten sechs Siege in Folge den KSC zum „Herbstmeister“. Lediglich das Unentschieden gegen Braunschweig zum Rückrundenauftakt vor Weihnachten verhinderten, dass die Karlsruher an der Spitze überwinterten. 2019 sind sie mit fünf Punkten aus drei Spielen ebenfalls noch ungeschlagen.

STARTELF: EIN, ZWEI ÄNDERUNGEN WIRD’S WIEDER GEBEN

Da wird es schwer für den FCK, was zu holen. Mit welcher Startelf es Hildmann versuchen wird, lässt er wie immer noch offen. Auf die Frage, ob sich Julius Biada nach seinem wenig gelungenen Auftritt gegen Halle im Team halten wird, antwortete der Coach mehr oder weniger vielsagend: „Er kann sich im Training noch aufdrängen, wie alle.“

Wir tippen: Für Biada kommt Florian Pick wieder in die Mannschaft, weil schneller und konterstärker. Hinten dürften Kraus-Hainault-Gottwalt stehenbleiben, ebenso die Außenverteidiger Schad und Sternberg. Ob das Mittefeldduo Jan Löhmannröben/Carlo Sickinger nochmal randarf? Mads Albaek jedenfalls ist noch nicht wieder fit, für Sickinger wären jedoch auch Theo Bergmann oder Gino Fechner denkbar.

Muss einer von den Offensivkräften Christoph Hemlein und Timmy Thiele weichen? Schwer zu sagen. Für ein oder zwei überraschende Ideen in der Startaufstellung ist Hildmann jedenfalls immer gut.

xG-GRAFIKEN: KAUM AKTIVITÄT IM ZEHNERRAUM: FRITZ WALTER WÜRDE WEINEN

Zum Abschluss wie immer die liebgewonnenen xG-Grafiken aus dem Halle-Spiel. Da gibt es zunächst mal ein Zuckerchen für Lautrer Seele. In der Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen sieht die Timeline Lautern leicht im Vorteil. Ein Sieg wäre ebenso wahrscheinlich wie ein Remis gewesen. Den dicksten Ausschlag verursacht Thieles Kopfball nach Sternberg-Flanke in der 72. Minute.

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Konterkariert wird diese Darstellung, die den subjektiven Eindruck nicht unbedingt bestätigt, allerdings durch einen Blick auf die Visualisierung der Lauterer „Zone 14“-Aktivitäten. Das ist für ein Heimspiel „uffem Betze“ erschütternd. Der alte Fritz wird im Himmel weinen, wenn er das sieht.

2019-02-09 Kaiserslautern Zone 14 plot Kaiserslautern 0 - 0 Hallescher.jpgZuguterletzt noch die Positions- und Passgrafik. Ja, so ungefähr kann eine 3-4-3-Formation stehen. Für den von Hildmann geforderten ruhigen Spielaufbau sollten die Abwehrspieler allerdings ein wenig mehr passen.

2019-02-09 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Hallescher.jpg