Auch gegen Schwartz bleibt Hildmanns Weste weiß – und Schad schießt Lautern ins Glück

Na also, es geht doch! Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt das „Südwestderby“ beim Karlsruher SC mit 1:0 – gegen den Tabellenzweiten, der zuvor elf Partien in Serie ungeschlagen war und von diesen sieben gewonnen hatte. „Wir müssen vielleicht auch mal aus nur einer Chance ein Tor machen“, hatte sich FCK-Trainer Sascha Hildmann vor dem Spiel orakelt. Ganz so effektiv musste seine Mannschaft dann zwar doch nicht auftreten, um sich die Punkte im Wildparkstadion zu sichern. Ansonsten aber ging  Hildmanns Matchplan auf – vielleicht nicht in allen Teilen, aber doch weitgehend. Und vielversprechend.

Auf jeden Fall traut dieser Coach sich was. Wo andere gerade in schweren Zeiten darauf setzen, ihren Stammspielerkreis kleinzuhalten und in den Startformationen von Spiel zu Spiel nach Möglichkeit wenig zu ändern, um zu Geschlossenheit zu finden, scheut Hildmann sich nicht, von Woche zu Woche zwei bis drei Umstellungen vorzunehmen – und für den Einzelnen kann der Weg  von der Startelf auf die Tribüne und zurück dabei sehr kurz sein.

Julias Biada etwa stand nach seinem eher mauen Aufritt gegen Halle vor Wochenfrist in Karlsruhe gar nicht mehr im Kader. Dafür durften Theo Bergmann und Florian Dick, die zuletzt die Schalensitze auf der Nordtribüne im Fritz-Walter-Stadion ausprobieren durften, wenigstens wieder auf der Bank Platz nehmen.

Hildmann pflückte sogar die Dreierkette auseinander, die gegen Halle immerhin ein „zu null“ gehalten hatte, baute wieder Carlo Sickinger für Lukas Gottwalt ein – feiner Fuß statt körperliche Wucht, eine Entscheidung, die bereits Aufschluss auf seinen Matchplan gab. Für Sickinger rückte Gino Fechner auf den zentralen Mittelfeldplatz neben Jan Löhmannsröben. Sein erster Startelfeinsatz in diesem Jahr, zuvor war er lediglich zwei Mal eingewechselt worden. Und auf der linken offensiven Halbposition durfte wieder Florian Pick für Biada ran. 

DAS EXPERIMENT MIT KÜHLWETTER: AUSBAUFÄHIG

Ganz vorne nahm Hildmann den einzigen verletzungsbedingten Wechsel vor: Christian Kühlwetter kam für den kurzfristig angeschlagenen, zuletzt aber auch glücklosen Timmy Thiele. Und Kühlwetters Spiel war irgendwo beispielhaft für diese 90 Minuten. Es gelang ihm beileibe nicht alles, doch war er am Ende an den Aktionen beteiligt, die der KSC eben nicht hatte.

In der 76. Minute steckte Kühlwetter nach einem langen Ball von Löhmannsröben auf Dominik Schad durch, der den Siegtreffer markierte. Bereits in Hälfte eins hatte er Christoph Hemlein einen Ball in die halbrechte Schussposition aufgelegt, den dieser aus spitzem Winkel verzog. Und in der 85. Minute traf Kühlwetter nach Flanke des eingewechselten Antonio Jonjic nur den Innenpfosten. Den Nachschuss des aufgerückten Janek Sternberg parierte KSC-Keeper Benjamin Uphoff glänzend. 

Kühlwetter als spielender Mittelstürmer, der sich auch mal aus der Mitte zurückfallen lässt, um sich den gegnerischen Innenverteidigern zu entziehen – nein, die überkandidelte Phrase von der „falschen Neun“ benutzen wir nicht: ein Experiment, das ausbaufähig erscheint. Vielleicht mal mit Sorgenkind Thiele auf der zurückgezogenen Halbposition, von der aus dieser mit Anlauf in die Räume stößt, die Kühlwetter ihm öffnet?

SCHAD UND STERNBERG: ZWEI VOM GLEICHEN SCHLAG

Bezeichnend auch, dass der eine Außenbahnspieler das Tor machte und der andere die Großchance zum 2:0 hatte. Es bestätigt, was wir schon vor Wochen vermuteten:  Das 3-4-3 ermöglicht Schad und Sternberg, ihre Stärken in der Offensive besser auszuspielen und ihre Schwächen in der Defensive besser zu kaschieren.

Wichtiger war jedoch, dass die Elf exakt das umsetzte, was Hildmann vor dem Spiel gefordert hatte: Nicht nach jedem gewonnenen Ball den direkten Weg in Spitze suchen, „auch mal in die Breite spielen, um dann wieder in die Tiefe zu kommen“. Das klappte in Karlsruhe um einiges besser als in den ersten Spielen unter Hildmann.

DIE ECKEN IM RAUM VERTEIDIGEN: RISKANT, HAT ABER FUNKTIONIERT

  Bereits in der ersten Hälfte hielt der FCK den Gegner so weitgehend vom Tor weg. Eckbälle gegen die ausgewiesenen Standardspezialisten verteidigten die Roten übrigens nicht, indem sich das Kopfballabräumkommando um Kevin Kraus und André Hainault an festen Gegenspielern orientierte, sondern im Raum stehend.

Ein gewagtes Unterfangen, gerade gegen KSC-Trainer Alois Schwartz. Der hatte vor zwei Jahren, damals als Coach des 1. FC Nürnberg, sich mal den Schwachpunkt einer solchen Verteidigungslinie am kurzen Eck ausgeguckt, und seinen Spieler Hanno Behrens nach einer Ecke von Tobias Kempe exakt in die Schnittstelle einlaufen lassen, worauf dieser den Führungstreffer zum späteren 2:1-Siegs des FCN markierte. Diesmal aber die Weste der Roten gegen Schwartz weiß.

ERST VERZIEHT PICK, DANN LEITET HEMLEIN BEINAHE DAS 0:1 EIN

Brilliert hat der FCK in diesen 45 Minuten trotz leichter Feldvorteile jedoch nicht. Okay, Sickinger und Löhmannsröben glänzen öfter mit schönen Diagonalpässen, doch auch dieses Stilmittel lässt sich noch kultivieren. 

Für einen echten Adrenalinschub unter den 3500 mitgereisten Anhängern sorgt lediglich Pick, als er nach 25 Minuten einen eigentlich viel zu hart getretenen Ball im Stile eines Klassestürmers annimmt, in die Mitte zieht und nur knapp am Gehäuse vorbei zielt – nicht auszudenken, was dem Jungen möglich wäre, könnte er seine starken Ansätze endlich auch mal erfolgreich abschließen.

Und im Gegenzug zeigt sich, wie schnell beim FCK 2018/19 ein ordentlich begonnenes Spiel kippen kann. Hemlein schickt mit einem haarsträubenden Rückpass KSC-Stürmer Anton Fink auf die Reise, doch Sickinger, Grill und Hainault können den Treffer in einer Gemeinschaftsaktion gerade noch so verhindern.

HILDMANNS FÜNFTES „ZU NULL“ IM SIEBTEN SPIEL: SO DARF ES WEITERGEHEN

In der zweiten Hälfte stellt sich nochmal Sickinger gegen Burak Camoglu recht ungeschickt an, so dass dieser den Ball aus spitzem Winkel gegen das Aluminium setzen darf. Ansonsten jedoch steht die FCK-Defensive gut, beschert ihrem Trainer das fünfte „zu null“ im siebten Spiel.

Offensiv gelingen dem FCK in Hälfte zwei die besseren Aktionen. Wobei sich ein ähnliches Muster abzeichnet wie gewonnenen Heimspiel (2:0) gegen Großaspach zum Jahresauftakt: Die linke Seite, diesmal mit Sternberg und Pick, ist die spielerisch stärkere, die rechte ist eher für mit Geschwindigkeit vorgetragene Konter zuständig. Erst recht, weil Jonjic nun für Hemlein im Spiel ist.

JONJIC STARKER AUFTRITT – UND SEIN BEINAHE FATALES ENDE

Auch bei dem dribbelstarken 19-jährigen müsste langsam mal über einen Startelfeinsatz nachgedacht werden. So er denn die Luft dafür hat. Die Szene in der Nachspielzeit, als er lieber den pumpenden Maikäfer markiert, statt einem ins Toraus des KSC kullernden Ball nachzujagen und an der Eckfahne wertvolle Sekunden zu gewinnen – hat er da nur geschauspielert oder war er wirklich platt? 

So jedenfalls kam der KSC noch einmal zu einer Offensivaktion – und die hätte fatale Folgen haben können: Marvin Wanitzek, der bereits drei direkte Freistöße in dieser Saison verwandelt hat, darf noch einmal Maß nehmen. Doch Lennart Grill pariert den 20-Meter-Freistoß klasse – noch einer, der immer besser in seine Rolle hineinwächst.

Das Schlusswort gebührt Sascha Hildmann: „Dieser Sieg ist nichts wert, wenn wir kommenden Sonntag gegen Zwickau nicht nachlegen.“ Okay, ist ein bisschen banal – aber leider zutreffend.

Foto: 1. FC Kaiserslautern

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