Punkte statt Cornflakes – Lautern will gegen die Sachsen den Derbysieg „wertvoller“ machen

Zwickau, Köln und Jena heißen die nächsten drei Gegner des 1. FC Kaiserslautern. In der Hinrunde endeten alle drei Partien Unentschieden – und in allen dreien kassierten die Lautrer späte Gegentreffer. „Ohne die hätten wir sechs Punkte mehr und stünden in der Tabelle ganz anders da“, stellte Linksverteidiger Janek Sternberg gerade in der „Rheinpfalz“ fest. Prima Gelegenheit also zu zeigen, dass man mittlerweile dazu gelernt hat. Die erste Chance bietet sich am Sonntag, 13 Uhr, gegen den FSV Zwickau. Spannend wird erneut, welcher Startelf Trainer Sascha Hildmann das Vertrauen schenkt.

Ein Freund des „Never change a winning team“ scheint er ohnehin nicht zu sein. Davon abgesehen, zwingt ihn die 5. Gelbe Karte Christoph Hemleins zu mindestens einem Wechsel. Timmy Thiele ist wieder fit. Rutscht er auch direkt wieder ins Team? Alternativkandidat Julius Biada hat sich gerade wieder verletzt.

Die Fans freilich wünschen sich auf der Hemlein-Position eher Youngster Toni Jonjic, der nach Einwechslungen zuletzt immer wieder für mächtig Betrieb auf dem rechten Flügel sorgte. Ob Hildmann ihm bereits Startelfreife attestiert? „Er ist bereit, aber wir müssen vorsichtig sein“, wägt der Coach ab.

HILDMANNS QUAL DER WAHL: ALBAEK ODER FECHNER?

Im Mittelfeld steht Mads Albaek wieder zur Verfügung. Auf dem Platz in der Mittelfeldzentrale wechselten sich in der Rückrunde bereits Theo Bergmann, Carlo Sickinger und Gino Fechner neben Jan Löhmannsröben ab. Ist jetzt Albaek (wieder) dran? Es wäre sein erster Einsatz in der Rückrunde. Allerdings hatte er zuvor die Wintervorbereitung weitgehend mitbestreiten können, die Grundfitness ist also vorhanden. 

„Mads ist fit“, bestätigt Hildmann, doch ob Albaek tatsächlich beginnt, lässt er erwartungsgemäß offen. Der in Karlsruhe enorm fleißige Fechner habe auch gute Karten, sich vor eigener Kulisse beweisen zu dürfen, so der Trainer. Nach dem Derbysieg würde ein Sieg seiner Mannschaft den Derbysieg in Karlsruhe zwar „nicht vergolden, aber wertwoller machen.“

In der Hinrunde kam Zwickau bekanntlich erst nach einem äußerst fragwürdigen Elfer in der Nachspielzeit zum Punktgewinn, anschließend hielt Jan Löhmannsröben seine mittlerweile legendäre Cornflakes-Wutrede. Diesmal wollen die Lauterer ihre Emotionen schön während des Spiels ausleben.

ZWICKAU: VORNE LANGHOLZ, HINTEN FLEXIBEL

Gegner Zwickau rangiert als Tabellen-14. zwar drei Punkte hinter dem FCK, präsentiert sich aktuell aber gut in Form. Zuletzt siegte der FSV im Derby gegen den FC Carl Zeiss Jena mit 2:0, und davor trotzten die Sachsen in einem Nachholspiel dem Aufstiegskandidaten Karlsruher SC ein 1:1-Unentschieden ab.

Freunden gepflegten Passspiels bietet Zwickau dagegen in der Regel eher wenig fürs Auge. Meistens wird Langholz auf die Stürmer Lion Lauberbach und/oder Ronny König geschlagen. Beide verfügen über Gardemaß von über 1,90 Metern, Joker Tarsis Bonga misst sogar 1,96 Meter. Für ihn wird die Partie besonders spannend: Der 22-jährige Offensivspieler stammt aus Neuwied, ist nach eigener Aussage aber noch nie auf dem Betzenberg gewesen. Vergangene Woche kam er beim 2:0-Sieg der Zwickauer gegen Jena als Joker und erzielte er den zweiten Treffer. Kevin Kraus und André Hainault dürfen sich also auf Gegenspieler freuen, die körperlich zu ihnen passen.

Doch auch wenn Zwickaus Spielanlage nicht sonderlich einfallsreich erscheint –   Grundordnungen zu verändern, um dem Gegner das Spiel schwerer zu machen, versteht FSV-Coach Joe Enochs durchaus. Im Dezember gewann Zwickau übrigens 2:0 in Münster, wo Lautern Anfang Februar ziemlich schmucklos mit 0:2 einging. 

In dieser Partie setzte Joe Enochs auf ein 4-2-3-1. Sein Team kann aber auch Dreierkette. Zusammengehalten wird der Defensivverband, in welcher Formation auch immer, im nunmehr fünften Jahr schon von Toni Wachsmuth, von dem in dieser Woche bekannt wurde, dass er ab nächsten Sommer Sportdirektor des FSV wird.

DIE XG-GRAFIKEN ZUM KSC-KICK: WAR’S NICHT DOCH EIN „PARI“-SPIEL?

Wie immer an dieser Stelle ein Blick auf die „expected Goals“-Grafiken aus der zurückliegenden Partie gegen den Karlsruher SC. Die xG-Timeline weist sogar ein knappes Plus für die Badener aus. Was KSC-Coach Alois Schwartz bestätigt, der ja ein „Pari“-Spiel gesehen haben will, was die Lauter nicht unbedingt bestätigen mochten. Und auch KSC-Innenverteidiger Daniel Gordon fand, dass seine Mannschaft insbesondere in der ersten Hälfte das Derby „nicht richtig angenommen“ hätte. 

Wie auch immer: In der nüchtern-analytischen Aufrechnung der qualitativ bewerteten Einschusspositionen erscheint die KSC-Niederlage zwar unglücklich, allerdings sind 33 Prozent Siegwahrscheinlichkeit für den FCK auch nicht gerade mickrig. 

2019-02-16 1204749 xG plot Karlsruher SC 0 - 1 Kaiserslautern.jpg

Im Zehnerraum war der FCK nicht gerade übermäßig aktiv, allerdings effizienter als zuletzt. Von insgesamt neun Passversuchen kamen fünf an, fünf wurden in die Box gespielt, zwei davon führten zu Torgelegenheiten, beide Male auf Zuspiele Kühlwetters. Die eine zog Hemlein am langen Pfosten vorbei, die andere verwertete Schade zum Siegtreffer. Gerne mehr davon.

2019-02-16 Kaiserslautern Zone 14 plot Karlsruher SC 0 - 1 Kaiserslautern.jpg

Auch die Positions- und Passgrafik überzeugt. Interessant, dass der Mittelmann der Dreierkette weniger Ballbesitz hatte als seine Nebenleute, wie die Dicke des Spots visualisiert. Das lässt uns einmal mehr fragen, wieso der vermeintlich beste Mann für den ersten Pass eigentlich immer im Zentrum stehen muss, von den Halbpositionen lässt sich bisweilen viel besser aufbauen.

2019-02-16 Kaiserslautern Passing plot Karlsruher SC - Kaiserslautern.jpg

Ansonsten war Löhmannsröben offenbar gut im Spiel, das deckt sich mit unseren subjektiven Eindrücken. Gut zu sehen auch: Die linke Seite kommuniziert nach wie vor mehr mit Pässen als die rechte. Auch wenn wir auf der rechten Flanke zuletzt deutlich weniger und dünnere Pfeile verzeichnet sahen.