Kein Karneval in Köln: Lasst „Wut und Zorn“ über die Jecken kommen

Der 1. FC Kaiserslautern gastiert am morgigen Fastnachtssamstag, 14 Uhr, bei Fortuna Köln. Und will gewinnen, um… ja, was eigentlich? Den Frust abzubauen nach den beiden verschenkten Punkten gegen Zwickau? Tatsächlich noch mal in Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen zu kommen? Weiter an einem zukunftsfähigen Team zu stricken, das sich nächste Saison vom Start weg als geschlossene Einheit präsentieren kann?

Zu Frage eins: Ja, das wäre gut – FCK-Coach Sascha Hildmann hofft sogar darauf, dass nach dem deprimierenden 1:1 gegen Zwickau „Wut und Zorn“ seine Mannschaft nach vorne treiben.

Zu Frage zwei: Darüber sollte man am besten nicht mehr drüber reden, doch unmöglich ist in dieser Liga nichts, das hat gerade der vergangene Spieltag gezeigt: Hätte Lautern sein Heimspiel gegen Zwickau gewonnen, wäre die Distanz zu Relegationsrang drei auf sieben Punkte geschrumpft – bei 13 noch ausstehenden Spielen durchaus noch machbar. 

Andererseits: Nach diesen vermaldeiten 1:1 aber sind es auf den ersten Abstiegsrang auch nur noch sieben Punkte – die sind ebenfalls durchaus noch „machbar“.

Zu Frage drei: Das ist der vernünftigste Ansatz. Im aktuellen FCK-Kader laufen im Sommer lediglich sieben Verträge aus. Sollten im anstehenden Lizenzierungsverfahrens Transfererlöse nicht zwingend zur Auflage gemacht werden, hat der FCK alle Optionen, in der nächsten Spielzeit mit einem eingespielten Ensemble zu beginnen. Daran gilt es weiterzufeilen.

HILDMANN: GOTTWALT IST STAMMSPIELER, AUCH WENN ER VON DER BANK KOMMT

In seinen ersten Wochen als FCK-Trainer wechselte Hildmann die Startelf zwischen zwei Spielen recht munter, bis zu drei Mal bisweilen. Da fand sich ein Theo Bergmann etwa nach seinem Einsatz in Münster zum nächsten Heimspiel gegen Halle plötzlich auf der Tribüne wieder. Zwischen dem Karlsruhe- und dem Zwickau-Spiel zuletzt  wechselte der Coach jedoch nur noch einmal, und das musste sein: Christoph Hemlein fehlte gelbgesperrt. Ein Zeichen, dass sich nunmehr eine Art Stammelf herauskristallisiert?

Eher nicht, wie Hildmann betont: Lukas Gottwalt beispielweise sei für ihn nach wie vor Stammspieler, auch wenn er in den jüngsten beiden Spielen nur noch als Einwechselspieler zum Einsatz kam. Ein „Stamm“ besteht für ihn also nicht nur elf Spielern.

Vor der Partie in Köln gäbe es noch viel zu überlegen, so der Coach, und er wolle in den noch anstehenden Trainingseinheiten erst mal „alles ausreizen“, bevor er sich  endgültig entscheidet. Mads Albaek etwa, eigentlich als Führungsspieler eingeplant, sei mittlerweile endgültig „hundertprozentig fit“. 

Andererseits: Das zentrale Mittelfeldduo Jan Löhmannsröben/Gino Fechner ergänzte sich zuletzt zusehends immer besser, „Löh“ besorgte die Zuspiele in die Länge, Fechner ackerte und schloss Lücken in der Spielfeldbreite. Da wäre es vielleicht angezeigt, die Schaltzentrale noch stärker zusammenwachsen zu lassen.

WECHSELÜBERLEGUNGEN IN DER OFFENSIVE: ALLES KANN, NICHTS MUSS

Timmy Thiele hatte nach seiner Einwechslung gegen Zwickau auf der linken Seite stärkere Szenen als Florian Pick, der schwer berechenbar bleibt – sowohl für den Gegner als auch für die eigenen Mitspieler. Und Jonjic? 

Der 19-jährige bewältigte seine Startelfdebüt gegen Zwickau gut, aber wärs in Köln nicht angezeigt, erst mal auf Erfahrung zu setzen und ihn später als Joker zu bringen? Hemlein allerdings ist vor seiner Gelbsperre nicht mehr viel gelungen. Dafür hatte Hendrick Zuck nach seiner Einwechslung gegen Zwickau eine  paar gute Szenen.…

Bei der Mannschaftsaufstellung muss sich Hildmann manchmal fühlen wie ein Single beim Online-Dating: Alles kann, nichts muss.

Die verhängnisvolle Szene, die gegen Zwickau zum späten Ausgleich führte, hat der Trainer mittlerweile noch mal analysiert – und festgestellt, dass die verunglückte Faustabwehr des jungen Keepers Lennart Grill längst nicht das alleinige Übel war: „Es fing vorne an, da flankt Jonjic lieber, statt zur Eckfahne zu dribbeln. Dann wird der Einwurf nicht richtig zugestellt, und dann kommt es zu diesem Foul, das eigentlich keins war…“ Erst danach folgte der Freistoß, den Grill unglücklich in die Mitte abklatschte.

FORTUNA: DIE FLUR AN GEGENTOREN IST LÄNGST EINGEDÄMMT

Mit Gegentoren kennt auch Gastgeber Fortuna Köln sich aus. Mit 42 Gegentreffern steht der Tabellen-15te augenscheinlich als das Team mit der zweitschlechtesten Defensive in der Tabelle. Aber: Allein 13 Gegentore kassierten die Kölner am 14. und 15. Spieltag. Damals schien die Mannschaft geschockt vom plötzlichen Abgang ihres  Trainers Uwe Koschinat, der nach sieben Jahren in der Südstadt, in der er quasi zum Alles-Alleinentscheider aufgestiegen war, nach Sandhausen abwanderte.

Unter dem neuen Coach Tomasz Kaczmarek hat sich die Fortuna-Defensive  mittlerweile  stabilisiert. Von den letzten sechs Partien gestaltete sie immerhin drei „zu null“. Zuletzt siegte Köln 0:1 in Jena, dabei stellte Kaczmarek von der zuletzt praktizierten Dreier- auf Viererkette um. Solche Wechselspielchen beherrscht man in Köln also auch.

„Die haben eigentlich eine erfahrene Mannschaft“, stellt Sascha Hildmann fest. Besonders hervor hebt er das Sturmduo Benjamin Pintol und Hamdi Dahmani, für das zuletzt sogar der bundesligaerfahrene Moritz Hartmann auf der Bank Platz nehmen musste. Allerdings fehlt den Kölnern Spielmacher Maik Kegel wegen einer Gelbsperre.

FÜR ALLE, DIE SICH NOCH NICHT GENUG GEÄRGERT HABEN: DIE XG-GRAFIKEN

Wie gehabt an dieser Stelle der Blick auf die „expected Goals (xG)“-Grafiken des jüngsten Spiels. Allen, die sich noch nicht genug geärgert haben, reichen wir erst einmal die xG-Timeline. Ein Verhältnis von 2.16 : 0.56, was die qualitativ bewerteten Torchancen angeht – viel krasser geht’s wirklich nicht. 82 Prozent Siegeswahrscheinlichkeit für Lautern – Hammer. Dennoch nur 1:1. Grrrrr…

2019-02-24 1204762 xG plot Kaiserslautern 1 - 1 FSV Zwickau.jpg

Die Positions- und Passgrafik sieht dafür ganz nett an. Gleich drei Bronzesternchen fürs fleißige Generieren von Einschusspositionen, Silber für Fechner – sieh an, wer hätte das gedacht? – und Gold für Torschütze Kühlwetter.

2019-02-24 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - FSV Zwickau.jpg

Wo es hapert, macht wieder einmal die Visualisierung der „Zone 14“ Aktivitäten deutlich. Zehn Pässe, von denen alle ankamen – aber nur zwei davon wurden in die Box gespielt. Tz, tz, tz.

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