„Wut und Zorn“ nur auf den Rängen – weil die Mannschaft auf den Sieg nicht geil genug war

Doch, sie waren schon zu spüren, die Wut und der Zorn, die Sascha Hildmann mit seinem Team ins Kölner Südstation tragen wollte. Dumm nur: Die Emotionen blieben auf den Rängen, genauer: im Block der 3000 mitgereisten Fans des 1. FC Kaiserslautern. Auf dem Rasen dagegen wirkte das FCK-Team bei diesem 2:2 gegen die Kölner Fortuna über weite Strecken vollkommen frei von Gefühlen jedweder Art. Wieder mal ließen die Lautrer zwei Punkte liegen. Mit dem Ausgleichstreffer zum 2:2 in dieser Saison den 14. Gegentreffer in der Schlussviertelstunde. Dabei mussten sie sich weder dem übermäßigen Druck des Kontrahenten beugen noch ihrer jugendlichen Unerfahrenheit Tribut zollen – was fehlte, war schlicht und ergreifend das, was der ehemalige FCK-Trainer Marco Kurz einst „die Geilheit auf den Sieg“ nannte.

  Sascha Hildmann wollte eigentlich seinen Stabilisierungskurs fortsetzen, der seit 1:0-Derbysieg in Karlsruhe erkennbar ist. Wie schon vor Wochenfrist beim ärgerlichen 1:1 gegen Zwickau wechselte der Coach in der Startelf nur einmal. Florian Pick blieb nach seinem fahrigen Auftritt zuletzt auf der Bank. Das war zu erwarten. Für Pick kam allerdings nicht, wie von uns getippt, Timmy Thiele, sondern Hendrick Zuck.

Auch das Mittelfeldduo Gino Fechner und Jan Löhmannsröben blieb stehen, der wiedergenesene Däne Mads Albaek, dem Hildmann in der Vorab-PK zum wiederholten Mal „hundertprozentige Fitness“ attestiert hatte, wurde nicht einmal eingewechselt.

DER START: EIN POTPOURRI BEKANNTER FEHLER

Von wachsender Geschlossenheit war zunächst jedoch nichts zu spüren. Der FCK präsentierte erst einmal einen Potpourri seiner Fehler aus bisherigen Auswärtsspielen.

Schon nach vier Minuten beschert Carlo Sickinger nach einem Fehlpass in der letzten Linie dem Gegner Ballgewinn und die erste Großchance durch Hamdi Dahmani – das erinnert stark an die Art und Weise, wie Löhmannsröben die 1:4-Pleite in Rostock einleitete. 

Neun Minuten später verpasst der FCK beim Versuch eines Angriffspressings zwei Mal die Möglichkeit zum Ballgewinn. Köln kann sich vom Sechzehner über die linke Seite frei spielen und die Flanke wechseln, Dahmani darf erneut auf und davon gehen, André Hainault abkochen und ins lange Eck schlenzen. Haben wir so ungefähr auch schon bei der 0:2-Niederlage in Münster gesehen.

DIE GAR NICHT MAL SO SCHLECHTE PHASE: KÜHLWETTER UND ZUCK TREFFEN 

Dann aber, immerhin, Hoffnungsschimmer. Zuck und Janek Sternberg kombinieren über den linken Flügel, Sternberg flankt, Christian Kühlwetter nimmt den Ball mit rechts an und haut den Ball mit der Pike unter die Latte des kurzen Ecks – alla, geht doch.

Darauf spielt der FCK für ein paar Minuten sogar mal richtig gut. Schöne Flügelangriffe und Flanken, insbesondere über die rechte Seite durch Dominik Schad und den jungen Antonio Jonjic. Der bewegliche Kühlwetter versucht, sich über die linke Seite in der Strafraum durchzutanken, wird vom ehemaligen Lautrer Kyere Mensah gestoppt – Elfmeter.

Zuck schießt schlecht, Fortuna-Keeper Nikolai Rehnen pariert noch schlechter – 2:1 für Lautern. Man glaubt es kaum: Dass ein Spiel für den FCK tatsächlich auch mal so laufen kann… 

Richtiger Weise müsste es an dieser Stelle aber heißen: könnte. 

BIS ZUR PAUSE: ZU TIEF, ZU WACKELIG – DANACH VERWALTUNGSFUSSBALL 

Denn gleich darauf verfallen die Betzenbergbuben wieder in bekannte Fehlermuster. Lassen sich zu weit zurückdrängen, erlauben Köln immer wieder, sich in Schusspositionen zu bringen. Zur Pause mutet die Führung schon wieder glücklich an.

Nach der Pause rückt der FCK wenigstens weiter ein Stück weiter nach vorne auf, zum „Vorwärtsverteidigen“ fehlt aber die Traute. Das Team versucht sich nun in Verwaltungsfußball, dabei passiert auch lange, lange nichts. 

Und, immerhin: Nach einem langen Lauf Jonjics hätte es durchaus einen zweiten Elfmeter für Lautern geben können, doch Schiedsrichter Florian Badstübner bleibt stumm. 

Es ist aber auch die einzige gefährliche Szene, die Lautern provozieren kann. Köln allerdings gelingt ebenso wenig. Bis zur 75. Minute. Robin Scheu und Dominik Ernst gelingt eine Aktion am rechten Flügel. Der eingewechselte Moritz Hartmann darf die halbhohe Flanke im Strafraum annehmen und zu Dahmani weiterköpfeln, der völlig freisteht, weil vier Lautrer Abwehrspieler noch im Begriff sind, sich zu Hartmann zu orientieren.

Dahmani schießt ein. So macht Fußball Spaß. Nur halt Anhängern des 1. FC Kaiserslautern nicht.

Danach versucht Löhmannsröben noch einmal, ans Rostock-Desaster zu erinnern, indem er sich einen Ballverlust in der eigenen Hälfte leistet. Köln darf in Überzahl Richtung Lautrer Tor marschieren, Keeper Lennart Grill rettet mit dem Fuß gegen Hartmann. Mann, Mann, Mann.

POSITIV: KÜHLWETTER, JONJIC – UND WIE SICKINGER SICH STEIGERTE    

Versuchen wir, das Positive herauszustreichen. Sickinger hat sich nach seinem Katastrophenpass zu Beginn ordentlich gesteigert, in der zweiten Hälfte im Deckungszentrum ein paar Mal umsichtig und gedankenschnell den letzten Pass der Kölner verhindert. Doch, der entwickelt sich, und zwar gut. Auch Jonjic zuzugucken macht Freude, ebenso mausert sich Schad immer mehr zur festen Größe.

 Und Kühlwetter verblüfft mit Effizienz, ein Wort, das man kaum noch kennt in Lautern. Dritter Einsatz in Folge als zentraler Stürmer. Die Bilanz: Zwei Treffer erzielt, zwei Mal Alu getroffen, ein Tor und eine Großchance aufgelegt, ein Elfer herausgeholt. Das ist angesichts dessen, was er von seinen Nebenleuten an Futter bekommt, wirklich beeindruckend. Glaubt da wirklich jemand, Lauterns Hauptproblem gegenwärtig sei ein fehlender „Knipser“?

Zumal auch Joker Elias Huth in den knapp fünf Minuten, in denen er am Ende auf dem Feld steht, sich noch einmal eindrucksvoll im Strafraum durchsetzt und zum Abschluss kommt, doch Rehnen pariert. In der Schlussminute mal ein Treffer für Lautern, das wär zwar nicht verdient, aber mal was Neues gewesen.

BOCK AUF DIE NÄCHSTE SAISON? SO NICHT

Dennoch: Huth wollen wir nun auch mal länger spielen sehen, dass da Potenzial ist, steht doch außer Frage. Ebenso wollen wir langsam mal wissen, was Theo Bergmann und Julius Biada in der nächsten Spielzeit zuzutrauen ist, technisch  überdurchschnittliche Kicker beide, in Köln abernicht im Kader.

Denn darum muss es gehen in den noch ausstehenden zwölf Spielen der Saison:  Austesten, wer in diesem Kader zukunftstauglich ist. Und dem Anhang Bock machen auf die kommende Spielzeit. Mit leidenschaftslosen Auftritten wie in Köln dagegen spielen die Erben Fritz Walters ihr Stadion bis Rundenende leer.

Im Halbzeitinterview mit „Telekom Sport“ betonte Sport-Geschäftsführer Martin Bader einmal mehr, dass es in diesem Sommer endlich einmal keinen totalen personellen Umbruch geben soll, dass der FCK sich lediglich auf zwei, drei Positionen verstärken wolle. Das ist eigentlich eine gute Nachricht. Am Rande eines solchen Kicks haben es einige Fans aber als Drohung aufgefasst, wie diverse Kommentare im Netz zeigen.

Foto: 1. FC Kaiserslautern

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