Auch wenn es noch so wahrscheinlich ist: Bitte keine Nullnummer gegen Jena!

Selbst die Hoffnungsgläubigsten in Lauterns Anhang machen sich nichts mehr vor: In dieser Saison geht es nur noch darum, Abstand zu den Abstiegsrängen und, so gut es eben geht, das eigene Publikum bei der Stange zu halten. Sieben Heimspiele stehen noch an – die sollten die sogenannten Roten Teufel nicht nutzen, um das einstmals stolze Fritz-Walter-Stadion endgültig leerzuspielen. Am besten am Sonntag, 13 Uhr, mit einem Sieg gegen den Tabellen-17. Carl Zeiss beginnen. Was außer drei Punkten ebenfalls schön wär: Die Fans am Wachsen und Gedeihen der Jungpflanzen in Lauterns Talentfarm teilhaben zu lassen, um die Vorfreude auf die nächste Spielzeit zu erhöhen.

Zwei, die zuletzt zu kurz kamen, nahmen Kollegen in dieser Woche näher Visier: „Was ist nur mit Theodor Bergmann los?“, fragte Melanie Muschong in der „Bild“, und für die „Rheinpfalz“ spürte Horst Konzok der Befindlichkeit von Elias Huth nach.

Bergmann, als auch andernorts stark umworbenes Talent vergangenen Sommer an den Betzenberg geholt, ist seit vier Spielen ohne Einsatzminute, musste zwei Mal sogar auf der Tribüne Platz nehmen. FCK-Trainer Sascha Hildmann räumt ein, dass der 22-jährige zum Teil auch Opfer der Systemumstellung auf ein flaches 3-4-3 sei: „Ich sehe Theo auf einer Zehner-Position. Wir haben in der Regel zwei Sechser auf dem Platz.“ Bergmann müsse sich daher erst mal hinten anstellen. Wie lange der Spieler und dessen Berater dies geräuschlos hinnehmen, steht freilich auf einem anderen Blatt. 

BERGMANN UND HUTH BRAUCHEN CHANCEN ZUM SCHAULAUFEN

Elias Huth verrichtet schon die ganze Saison über nur Kurzarbeit, hat dabei in der Vorrunde aber immerhin drei Joker-Tore gemacht, die durchaus hohes Potenzial andeuteten. In der Kölner Südstadt wäre ihm ums Haar quasi mit dem Schlusspfiff ein weiteres gelungen. Auf die Frage, ob sich trotz seines bis 2021 laufenden Vertrags seine Zukunftspläne ändern könnten, falls seine Lage so unbefriedigend bleibe, antwortet er bislang noch aus dem PR-Lehrbuch für Profis in Lauerstellung: „In meiner Situation geht es darum, von Woche zu Woche zu denken. Ich muss in jedem Training zeigen, dass ich in die Mannschaft will.“ Wer des Geschäft schon länger beobachtet, weiß: Im Mai kann sich das ganz anders anhören.

Es steht uns zwar nicht an, dem Trainer Ratschläge zu erteilen, doch wollen wir anmerken: Der Rest dieser zu 90 Prozent verkorksten Saison könnte prima genutzt werden, auch diesen beiden noch die Chance einzuräumen, ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen – gerade mit Blick auf die kommende Spielzeit.

HILDMANN LEGT SICH BEREITS FEST: FÜR FECHNER KOMMT ALBAEK

Ob einer der beiden allerdings am Sonntag in der Startelf steht? Sicher ist, dass Gino Fechner ersetzt werden muss, nach dem er in Köln seine fünfte Gelbe Karte gesehen hat. Somit wäre ein Platz für Bergmann frei, doch Hildmann hat sich bereits für Mads Albaek entschieden, der nach einer Verletzung nunmehr seit zwei Wochen wieder fit ist: „Mads kann in den entscheidenden Momenten der Mann sein.“ Ob mit dem Dänen allerdings über die Saison hinaus zu planen ist, ist fraglich: Bei Nichtaufstieg läuft sein Vertrag aus.

  Und vorne? Zuletzt hieß das Offensivtrio Antonio Jonjic-Christian Kühlwetter-Hendrick Zuck. Kühlwetter gedeiht als Zentrumsstürmer derzeit prächtig, auf den beiden anderen Positionen ist Rotation denkbar, zumal Zuck Rückenprobleme plagen. Huth allerdings müsste auf jeden Fall in der Mitte gebracht werden, sodass Kühlwetter wohl auf eine der Halbpositionen geschoben würde.

Weitere Alternativen für Zuck wären Christoph Hemlein, Florian Pick, Julius Biada – und Timmy Thiele. Jena ist der Ex-Klub des Stürmers, der diese Saison hinter der Erwartungen zurückgeblieben ist. Wenn Hildmann ihm einen Startelfeinsatz gewährt, dürfte dies allerdings weniger aus sentimentalen Gründen geschehen.

JENA: TRAINERTALENT KWASNIOK IST NOCH NICHT DURCHGESTARTET

Interessanteste Personalie beim Gegner ist ohne Frage der Trainer. Lukas Kwasniok war im November gerüchteweise auch beim FCK gehandelt worden, als dieser auf der Suche nach einem Nachfolger für den gescheiterten Michael Frontzeck war. Fakt ist, dass der ehemalige U19-Coach des Karlsruher SC auf dem Markt war und als heißes Trainertalent gehandelt wird.

In verschiedenen Interviews im Netz gibt sich der 37-Jährige als Querdenker im besten Sinne. Unter anderem teilt er die Kritik an den Nachwuchsleistungszentren, die auch diverse Protagonisten des neuen Fußballbuchs „Ausgespielt?“ äußern, das wir unter der Woche vorgestellt haben: Die Talente in den NLZ’s würden überversorgt, sie zu mehr Selbstständigkeit zu erziehen könnte auch positive Auswirkungen auf dem Fußballplatz zeitigen.

BEIDE SEITEN WEISEN BEREITS EINIGE NULLNUMMERN AUF

Mitte Dezember heuerte Kwasniok in Jena an, wo er die Position des Cheftrainers und des Sportdirektors mittlerweile in Personalunion bekleidet. Zu seinem Debüt ließ er mit einem 3:1-Sieg beim TSV 1860 München aufhorchen, seither aber hat Jena lediglich fünf Unentschieden und zwei Niederlagen verbucht.

Und: Vier der fünf Remis waren Nullnummern. Auch der FCK hat in dieser Saison schon vier Mal 0:0 am Betzenberg gespielt. Für Tipper drängt sich dieses Ergebnis also förmlich auf, um Bock auf die weitere Zukunft des Teams zu machen, ist es freilich denkbar ungeeignet.

DIE XG-GRAFIKEN: FORTUNA WÄRE DER VERDIENTERE SIEGER GEWESEN

Bleibt noch, wie immer an diese Stelle, der Blick auf die xG-Grafiken vom vergangenen Wochenende. Angesichts des bescheidenen Auftritts machen wir es kurz. Die xG-Timeline sieht Fortuna Köln sogar als den verdienteren Sieger an. Ohne den 0,9-Punkte-Sprung, den Zucks Elfer verursacht, würde sich Lauterns Fieberkurve sogar hart an der Nulllinie bewegen.

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Die Positions- und Passgrafik präsentiert sich sogar ganz passabel, auffallend ist lediglich, dass Jonjic und Kühlwetter offenbar gar nicht mit Zuspielen kommunizierten.

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Die Visualisierung der Zehnerraum-Aktivitäten dagegen bietet einmal mehr kein sehr  vitales Bild. Man kann aber auch etwas Positives herauslesen: Von neun Pässen kamen immerhin acht zum Mitspieler. Dafür, dass es vorm Sechzehner stets arg eng ist, ist das doch gar nicht so schlecht.

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