FCK dreht zum Schluss endlich mal auf statt ab – Schad und Kühlwetter lösen die Handbremse im Kopf

Der 1. FC Kaiserslautern schlägt den FC Carl Zeiss Jena zuhause 4:1. Erfreulicher als das angesichts des Spielverlaufs zu hohe Ergebnis ist: Das Team von Sascha Hildmann hat diesmal gegen Ende hin nicht abgebaut, sondern aufgedreht – nicht mehr den Ausgleich kassiert, sondern den erlösenden dritten Gegentreffer markiert. Eine wichtige Erfahrung für die FCK-Fohlen, gerade vor dem nächsten Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am kommenden Mittwoch, 19 Uhr. Die Lauterer weisen nun neun Punkte Abstand auf den ersten Abstiegsrang auf, den eben diese Braunschweiger besetzen. Das beruhigt – und lässt aufs nächste Gute-Laune-Spiel hoffen.

Was dieser Kick uns gelehrt hat? Auch die heißesten Trainertalente können am Ende nur mit dem arbeiten, was sie auf dem Platz zur Verfügung haben. Denn wohl deswegen stellt sich die Situation des Tabellen-19. aus Jena nach der dritten Niederlage in insgesamt acht sieglosen Spielen im Jahr 2019 nun ziemlich trostlos dar. Dabei präsentierte sich das Team, das laut Marktwerttabelle von transfermarkt.de das „billigste“ der Liga ist, dank des Erfindungsreichtums ihres Trainers zumindest phasenweise äußerst beweglich.

Zu Beginn der Partie in Kaiserslautern bietet Jena-Trainer Lukas Kwasniok seinen Spieler Justin Gerlach auf linken Seite seiner Dreier-Abwehrkette auf. Nach 20 Minuten erscheint der 29-jährige plötzlich im Sturmzentrum. Nach 26 Minuten bricht er auf die Linksaußenposition aus, Lauterns Mittelmann in der Dreier-Abwehrkette, Carlo Sickinger folgt ihm, kann ihn aber nicht an der flachen Hereingabe hindern. Andre Hainault, Kevin Kraus und Janek Sternberg hecheln hinter den einlaufen Jena-Offensiven Philipp Tietz und Manfred Starke nur her, Tietz schiebt zum 0:1 ein. So geht Rochade.

„DIE HABEN UNS ZU BEGINN GANZ SCHÖN DURCHEINANDER GEWIRBELT“

„Ich wollte Gerlach eigentlich schon nach zwei, drei Minuten nach vorne ziehen, um den Gegner zu überraschen. Dann aber fanden wir einen guten Zugriff aufs Spiel, also habe ich gewartet, bis der Druck auf uns größer wurde“, verriet Kwasniok hinterher. Und das war nicht der einzige Positionswechsel, den die Jenaer vor allem in der Anfangsphase vollzogen, so bot sich etwa auch der kluge Starke immer wieder auf der gesamten Spielfeldbreite an.

„Die haben uns zu Beginn ganz schön durcheinander gewirbelt“, erkannte auch FCK-Trainer Sascha Hildmann an. Dabei hatte es seine Mannschaft mit den Sturmböen, die in Hälfte eins gegen sie bliesen, schon schwer genug. Der Start ins Spiel verlief für den FCK also mehr als holprig. 

Nach zehn Minuten aber erarbeiten sich die Pfälzer die erste Chancen, Hainault mit Hackentrick nach Eckball, Sickinger mit einem tollen 18-Meter-Schlenzer an den Pfosten – Thiele, der endlich einmal auf der linken Halbposition begann, hat aufgelegt.

FEHLER SCHAFFEN TORSZENEN – UND DAS PUBLIKUM HAT FREUDE

Doch auch Jena könnte schon 20 Minuten in Führung gehen: René Eckart schafft es nicht, dem in der Mitte freistehenden Tietz aufzulegen. Überhaupt entwickelt sich zwischen dem Tabellen-13. und dem Tabellen-19. ein äußerst unterhaltsames Spiel, das gerade aufgrund der Fehleranfälligkeit einiger Mittelfeldakteure immer wieder zu Torsituationen auf beiden Seiten führt.

Und wer symbolisiert das Auf und Ab im FCK-Spiel in dieser Saison am nachhaltigsten? Jan Löhmannsröben natürlich. Dem wird immer mal in der Vorwärtsbewegung ein Ball abgeluchst, weil er zu lange nach der nächsten Anspielmöglichkeit schaut. Andererseits setzt er auch immer wieder Glanzlichter.

Vor dem 1:1 etwa ist es „Löh“, der im rechten Halbfeld den Ball erobert und sofort in die Mitte auf Thiele flankt, der wiederum auf Christian Kühlwetter ablegt. Der vollstreckt eiskalt. Sein siebter Saisontreffer, sein drittes im vierten Spiel, in dem Hildmann ihn im Sturmzentrum aufbietet – hat eigentlich irgendjemand noch Bock auf diese leidige „Knipser“-Diskussion?

Zwei Minuten schickt Löhmannsröben Antonio Jonjic auf die Reise über den rechten Flügel. Jena-Keeper Raphael Koczor rettet nach dessen Dribbling mit dem Fuß.

HALBZEIT ZWEI: NACH DEM ELFER BEGINNT DIE ÄRGERLICHE PHASE

Hälfte zwei beginnt der FCK ebenfalls druckvoll, Torszenen bleiben aber zunächst Mangelware. Bis zur 55. Minute. Jenas Verteidiger Pierre Fassnacht legt Jonjic im Sechzehner, reichlich unnötig allerdings, da der Youngster sich gar nicht mal Richtung Tor orientiert. Mads Albaek verwandelt den Elfer sicher.

Es beginnt die aus FCK-Sicht ärgerlichste Phase des Spiels. Die Mannschaft zieht sich zurück, das ist bei Führung nichts Ehrenrühriges, es gelingt ihr aber eine gefühlte Ewigkeit lang nicht einmal im Ansatz das beherzte „schnelle Umschaltspiel“, auf dass es doch alle Mannschaften der unteren deutschen Spielklasse so sehr anlegen.

Dies treibt auch den Coach an der Seitenlinie zur Verzweiflung. „Da stehst du draußen und schreist, kannst aber dennoch nichts ändern“, erzählt Hildmann hinterher. „Ich weiß nicht, woran es liegt, aber das müssen wir abstellen.“

SCHADS GEISTESBLITZ LEITET DIE WENDE ZUM GUTEN EIN

Der Trainer merkt aber auch an, dass seine Mannschaft bei Führungen nicht immer abbaut: „In Karlsruhe haben wir nach der Führung auch weiter nach vorne gespielt und noch einen Alu-Treffer verzeichnet.“ Auch im folgenden Heimspiel hätte sein Team trotz Führung Zwickau in der zweiten Hälfte „an die Wand gespielt“, dennoch aber in der Nachspielzeit den Ausgleich kassiert. Möglicherweise habe sich da in den Köpfen etwas festgesetzt.

Diesmal aber vermag ein einziger Geistesblitz die Handbremse im Schädel zu lösen. Den hat Dominik Schad, der mit einem langen Ball Kühlwetter auf die Reise schickt, und der agiert abermals in bester Torjägermanier. 3:1. 

Schade, dass der „Knipser“ die fünfte Gelbe Karte sah und nun im kommenden Heimspiel am Mittwoch, 19 Uhr, gegen Eintracht Braunschweig gesperrt ist. Auch Christoph Hemlein musste sich diesen Karton betrachten, und das, obwohl er gar nicht spielte: Er hatte sich auf der Bank zu lautstark mokiert. Tz, tz, tz.

DAS TÜPFELCHEN AUF „i“: PICKS ERSTES PROFITOR

Nur eine Minute nach der Vorentscheidung zeigen die FCK-Fohlen dann, wie toll sie nach vorne verteidigen können, wenn die Köpfe erst einmal frei sind. Gleich fünf Mann attackieren Jena vehement auf deren linken Abwehrseite, der eingewechselte Pick behauptet den Ball, spielt ein feines Doppelpässchen mit dem ebenfalls eingewechselten Theo Bergmann und netzt zum 4:1 ein. Der allererste Profitreffer des nunmehr schon 23-jährigen Offensivspielers – für den war es in der Tat langsam Zeit.

Wir werden uns jetzt nicht entblöden und die Punkte zählen, die es nun noch auf Relegationsrang drei sind. Sascha Hildmann will „als optimistischer Mensch“ einfach nur noch ein paar Ränge nach vorne gut machen, und damit sollte es auch gut sein.

So erleichtert, wie sich der Trainer  nach dem Spiel präsentierte – nach eigener Aussage überlebte er während des Spiels einen „Herzkranzgefäß-Katarrh“ und kündigte nach der Pressekonferenz die Einnahme von zwei bis drei Gläsern Bier an –, hatte er anscheinend aber auch den Abstand nach hinten im Auge.

Nach diesem etwas zu hohen Sieg sind es nun neun Punkte auf Abstiegsrang 17. Im Falle einer Niederlage wären es sechs gewesen. Am Mittwoch geht’s gegen Braunschweig – und die Eintracht belegt eben diesen 17. Platz.

Fehlen werden neben Kühlwetter womöglich auch Jonjic und Sickinger, die beide mit Blessuren vom Platz mussten. Da wird rotiert werden müssen.

Foto: 1. FC Kaiserslautern